Automatikgetriebe: Wann ein Ölwechsel sinnvoll ist und was dabei zu beachten ist

Viele Hersteller bezeichnen ihr Automatikgetriebe als 'wartungsfrei'. Was das wirklich bedeutet – und warum ein Ölwechsel bei hoher Laufleistung trotzdem sinnvoll ist.

„Wartungsfrei” ist einer der missverständlichsten Begriffe im Fahrzeugbereich. Was Hersteller damit meinen: Es gibt kein vorgeschriebenes Serviceintervall unter Normalbedingungen. Was es nicht bedeutet: Das Getriebeöl hält ewig und muss niemals erneuert werden. Wer diesen Unterschied kennt, trifft bessere Entscheidungen für sein Fahrzeug.

Was mit dem Getriebeöl im Laufe der Zeit passiert

Automatikgetriebeöl (ATF) erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es überträgt Kraft, kühlt, schmiert Lager und Zahnräder und betätigt hydraulische Schaltventile mit hoher Präzision. Mit zunehmender Laufleistung verändert sich das Öl auf mehreren Ebenen:

  • Oxidation: Hitzeeinwirkung bricht die Molekülketten auf – das Öl verliert Viskosität und Schmierfähigkeit.
  • Metallabrieb: Lager, Zahnräder und Lamellen geben feinste Metallpartikel ab, die sich im Öl anreichern.
  • Reibwertveränderung: Die Additive, die das Schaltverhalten der Lamellenkupplungen steuern, bauen ab – das Schaltgefühl verändert sich.

Das Ergebnis: Ein Getriebe, das bei 80.000 km noch präzise schaltet, zeigt bei 180.000 km ohne Ölwechsel oft erste Anzeichen von Verschleiß, die sich hätten verhindern lassen.

Woran man erkennt, dass ein Service sinnvoll ist

Eindeutige Hinweise, dass das Getriebeöl seine Aufgabe nicht mehr vollständig erfüllt:

  • Ruckeln oder Zittern beim Anfahren (besonders bei warmem Getriebe)
  • Verzögertes Einlegen der Fahrstufen
  • Spürbar weichere oder härtere Schaltvorgänge als gewohnt
  • Dunkles, verbrannt riechendes Öl bei der Sichtprüfung

Diese Symptome sind keine Garantie für ein defektes Getriebe – sie sind ein Signal, das eine Diagnose erfordert, bevor ein Schaden entsteht.

Verschiedene Getriebetypen, unterschiedliche Anforderungen

Nicht jedes Automatikgetriebe ist gleich. Die Bauart bestimmt, welche ATF-Spezifikation und welches Service-Verfahren sinnvoll ist:

  • Wandlerautomatik (Drehmomentwandler): Klassisches Automatikgetriebe, weit verbreitet bei Mercedes, BMW und amerikanischen Fahrzeugen. Reagiert gut auf einen Ölspülungsdienst bei hoher Laufleistung.
  • DSG / DCT / PDK: Doppelkupplungsgetriebe (VW-Gruppe, BMW, Porsche). Nutzen ein eigenes Ölsystem für Kupplung und Getriebe – Intervalle und Spezifikationen weichen deutlich von der Wandlerautomatik ab.
  • CVT (Multitronic / Xtronic): Stufenloses Getriebe (Audi, Nissan, Subaru). Besonders empfindlich auf falsches ATF – hier ist die korrekte Spezifikation entscheidend.

Ein Universalöl ist bei keinem dieser Systeme angebracht. Die Spezifikation des Herstellers ist nicht verhandelbar.

Ölspülung oder Ölablassen – was macht wann Sinn?

Ein einfaches Ablassen und Auffüllen ersetzt nur etwa 40–50 % des Getriebeöls, da das restliche Öl im Drehmomentwandler und in den Hydraulikkanälen verbleibt. Eine vollständige Getriebeölspülung (Flush) tauscht nahezu das gesamte Öl aus – sie ist bei stark belastetem oder verfärbtem Öl die sinnvollere Maßnahme.

Wichtig: Eine Ölspülung ist kein Allheilmittel. Bei einem bereits geschädigten Getriebe kann das Entfernen der Ablagerungen bestehende Leckagen freilegen. Eine Diagnose vor dem Service ist daher kein optionaler Schritt.

Weitere Informationen zum Thema Getriebe

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KFZ Dietrich in Hardegsen führt Getriebeölwechsel und -spülungen mit herstellerspezifischen ATF-Spezifikationen durch. Wir diagnostizieren zuerst und handeln dann – damit Sie wissen, was Ihr Fahrzeug wirklich braucht.