Bremsflüssigkeit wechseln: Warum das Intervall sicherheitsrelevant ist

Bremsflüssigkeit altert durch Wasseraufnahme und verliert ihren Siedepunkt. Was das bedeutet, wann zu wechseln ist – und was bei veralteter Bremsflüssigkeit passiert.

Bremsflüssigkeit ist ein Wartungsteil, das viele Fahrzeughalter nicht auf dem Radar haben. Im Gegensatz zu Motoröl gibt es keine Warnleuchte, wenn die Bremsflüssigkeit alt ist. Das Bremspedal fühlt sich auch mit stark gealteter Flüssigkeit zunächst normal an – bis es in einer Grenzsituation nicht mehr tut, was es soll.

Warum Bremsflüssigkeit altert

Bremsflüssigkeit (DOT 3, DOT 4, DOT 5.1) ist hygroskopisch: Sie nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf – durch Ausgleichsbehälter, Dichtungen und Bremsleitungen. Der Wasseranteil steigt mit der Zeit stetig an.

Das Problem: Wasser hat einen Siedepunkt von 100 °C. Bremsflüssigkeit DOT 4 hat frisch ca. 230 °C Nasssiedepunkt (mit Wasseranteil). Mit 3–4% Wasser (typisch nach 2–3 Jahren) sinkt dieser auf ca. 155 °C – und damit in den Bereich, den Bremssättel bei starker Beanspruchung tatsächlich erreichen.

Was passiert wenn Bremsflüssigkeit kocht

Erreicht die Bremsflüssigkeit ihren Siedepunkt, bilden sich Dampfblasen. Dampf ist kompressibel – das Bremspedal wird weich und geht bis zum Boden. Das nennt sich “Dampfsperre” (Vapor Lock).

In der Realität: Bremsflüssigkeit siedet nicht im Normalbetrieb. Das Risiko besteht bei langer Bergabfahrt mit wiederholtem Bremsen (Alpenpass), bei sportlicher Fahrweise oder bei technisch erhöhter Bremslastanforderung (z. B. Anhängerbetrieb).

Wechselintervall

Herstellerempfehlungen variieren: Viele Hersteller empfehlen alle 2 Jahre unabhängig vom Kilometerstand. Einige sagen “nach Bedarf” oder messen den Feuchtigkeitsgehalt per Refraktometer oder elektrochemischem Tester (Siedepunktprüfung).

Die zuverlässigste Methode: regelmäßige Siedepunktprüfung. Liegt der gemessene Siedepunkt unter 180 °C (DOT 4) oder 150 °C (DOT 3), ist ein Wechsel überfällig.

Wechselvorgang

Der Wechsel erfolgt durch Spülen der gesamten Anlage: frische Bremsflüssigkeit wird am Ausgleichsbehälter nachgefüllt und an jedem Radbremszylinder/Bremssattel ausgeblasen, bis blasenfreie, klare Flüssigkeit austritt. Das Ergebnis ist eine vollständig erneuerte Füllung ohne Altflüssigkeitsrückstände.

ABS-Fahrzeuge mit hydraulischer Modulation (ABS-Steuerblock) erfordern in manchen Fällen Diagnosesoftware, um den ABS-Block zu aktivieren und vollständig zu spülen.

Bremsflüssigkeit und Inspektionsplan

Die meisten Fahrzeughersteller listen Bremsflüssigkeit im variablen Serviceplan als Wartungsposition. In WERBAS und anderen Werkstattsoftwaresystemen ist der fällige Wechsel nach Laufleistung und/oder Datum erkennbar.

Beim Routineservice überprüfen wir Bremsflüssigkeit standardmäßig auf Siedepunkt und Wassergehalt – und weisen Sie aus, wenn ein Wechsel sinnvoll ist.

Bremsflüssigkeitswechsel in Hardegsen – mit Siedepunktmessung vorher, damit Sie wissen was Sie bekommen. Telefon: 05505 5236.