Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe – ärgerlich, aber nicht zwingend ein sofortiger Schaden. Ob Reparatur oder Tausch sinnvoller ist, hängt von mehreren Faktoren ab, die sich nicht pauschal beantworten lassen.
Wann eine Reparatur möglich ist
Eine Steinschlagreparatur (Kunstharzinjektion) ist unter folgenden Voraussetzungen sinnvoll und dauerhaft:
- Lage: Außerhalb der Fahrsicht des Fahrers – mindestens 10 cm vom Scheibenrand und außerhalb des Wischbereichs
- Größe: Aufprallpunkt nicht größer als eine 2-Euro-Münze (ca. 25 mm Durchmesser)
- Alter: Je frischer der Schaden, desto besser das Ergebnis. Schmutz und Feuchtigkeit im Riss verschlechtern die Haftung des Kunstharzes
- Art: Einfacher Bullseye-Einschlag ohne Rissbildung; kein mehrteiliger Sternriss
Bei erfolgreich durchgeführter Reparatur ist das Ergebnis dauerhaft stabil und die Scheibe zu ca. 90 % optisch wiederhergestellt.
Wann ein Tausch unvermeidbar ist
- Riss länger als 3 cm, besonders wenn er durch Wärme- oder Kälteeinwirkung weiterläuft
- Schaden im direkten Blickfeld des Fahrers (Wischbereich, Fahrersichtfeld)
- Mehrere Einschlagpunkte nahe beieinander
- Rissbildung, die das innere Scheibenverbund-Laminat durchdringt
- Schaden am Scheibenrand (ab 3 cm zum Rand): strukturelle Integrität der Scheibe beeinträchtigt
ADAS: Der unterschätzte Kostenfaktor beim Scheibentausch
Fahrzeuge, die nach 2015 ausgeliefert wurden, haben überwiegend Fahrerassistenzsysteme, deren Kameras und Sensoren an oder hinter der Windschutzscheibe montiert sind:
- Spurhalteassistent: Kamera für Fahrbahnmarkierungs-Erkennung (meist an Innenspiegel-Fuß)
- Notbremsassistent: Radar oder Kamera für Vorausfahrende-Erkennung
- Stauassistent / ACC: Frontradarsensor (oft im Kühlergrill, kann aber auch hinter der Scheibe sein)
- Regensensor: Hinter der Scheibe, mit der Scheibenfläche abgeglichen
Nach einem Scheibentausch muss die Kamera-Kalibrierung (auch ADAS-Kalibrierung oder Frontscheiben-Kalibrierung genannt) neu durchgeführt werden. Das ist keine Empfehlung – es ist eine Sicherheitsnotwendigkeit.
Warum? Die Kameras sind auf einen exakten Referenzpunkt kalibriert. Selbst minimale Lageabweichungen der neuen Scheibe oder der Kamerahalterung führen dazu, dass das System die Fahrbahn falsch interpretiert. Spurhaltesystem greift zu früh oder zu spät ein, Notbremsung löst bei falschen Abständen aus.
Was ADAS-Kalibrierung bedeutet
Es gibt zwei Kalibrierverfahren:
Statische Kalibrierung: Das Fahrzeug steht in einem vermessenen Kalibrierset (Targets an definierten Positionen). Das Diagnosesystem (XENTRY, ISTA, ODIS je nach Marke) kommuniziert mit dem Assistenzsystem und kalibriert es anhand der Targetpositionen.
Dynamische Kalibrierung: Das Fahrzeug fährt eine definierte Strecke auf einer bekannten Landstraße. Das System kalibriert sich während der Fahrt selbst. Voraussetzung: keine Gegenlichtsituationen, gute Fahrbahnmarkierungen.
Nicht jedes Fahrzeug erlaubt dynamische Kalibrierung – viele erfordern die statische Methode, die spezielle Ausrüstung voraussetzt.
Die richtige Reihenfolge
- Schaden beurteilen: Reparatur möglich oder Tausch notwendig?
- Bei Tausch: Zulassung und ADAS-Ausstattung prüfen
- Scheibe tauschen mit geeignetem Originalersatz (Sensoraussparungen, Beheizungsfeld)
- ADAS-Kalibrierung durchführen
- Funktionstest aller Assistenzsysteme dokumentieren
Ein Scheibentausch ohne nachfolgende Kalibrierung ist kein vollständiger Werkstattauftrag – und kann sicherheitsrelevante Konsequenzen haben.
Steinschlag-Diagnose, Reparatur oder Tausch mit ADAS-Kalibrierung: komplett aus einer Hand. Rufen Sie uns an: 05505 5236.