Zwei Bordnetze, zwei unterschiedliche Anforderungen
Was viele Wohnmobil-Eigentümer unterschätzen: Ein Wohnmobil verfügt über zwei voneinander getrennte elektrische Systeme. Das Fahrzeug-Bordnetz mit Starterbatterie versorgt Motor, Fahrzeugelektronik und Fahrbeleuchtung – identisch mit einem normalen Pkw oder Transporter. Das Aufbau-Bordnetz hingegen ist für den Wohn- und Komfortbereich zuständig: Innenbeleuchtung, Kühlschrank, Wasserpumpe, 12V-Steckdosen und gegebenenfalls Solaranlage.
Diese Trennung ist konzeptionell sinnvoll – ein leerer Aufbauakku soll die Startfähigkeit des Fahrzeugs nicht gefährden. Doch sie bedeutet auch: Fehler müssen im richtigen System gesucht werden. Ein Kühlschrank, der nicht funktioniert, hat nichts mit der Starterbatterie zu tun.
Typische Probleme nach der Winterlagerung
Sulfatierte Aufbaubatterie
Blei-Säure-Batterien, die über Monate in teilentladenem Zustand lagern, bilden Bleisulfat-Kristalle auf den Elektroden. Das Ergebnis: Die Kapazität sinkt dauerhaft, die Batterie nimmt keine volle Ladung mehr an. Erkennbar daran, dass die Batterie zwar kurzzeitig 12,6V anzeigt, bei Last aber schnell einbricht. Eine Messung mit Batterietester unter Last gibt Aufschluss – eine Spannungsmessung allein ist nicht aussagekräftig.
Solaranlage: Laderegler prüfen
Nach dem Winter sollte geprüft werden, ob die Solaranlage den Akku tatsächlich lädt. Dafür reicht ein Multimeter: Bei Sonneneinstrahlung sollte am Ausgang des Ladereglers eine höhere Spannung als die Batteriespannung anliegen. Häufiger Fehler: Der Laderegler hat sich durch einen Kurzschluss oder Überspannungsimpuls verabschiedet – die Solarmodule erzeugen Strom, der aber nicht zum Akku gelangt.
Kühlschrank: Dreifach-Betrieb prüfen
Ein Wohnmobilkühlschrank arbeitet auf drei Energiequellen: 230V Landstrom, 12V Fahrzeugbordnetz (nur während der Fahrt) und Gasbetrieb. Die 12V-Umschaltautomatik läuft über ein Relais, das nach Winterpause oft Kontaktprobleme zeigt. Gasventil-Solenoid und Zündfolge sollten separat geprüft werden – ein Kühlschrank, der auf einer Betriebsart funktioniert, auf anderen aber nicht, hat in der Regel ein Schalt- oder Versorgungsproblem, keinen Defekt am Kühlsystem selbst.
Außensteckdosen und CEE-Einspeisung
Feuchtigkeitseintrag in die CEE-Steckdose (Landstromanschluss) führt zu Korrosion an den Steckkontakten. Wenn das Wohnmobil am Campingplatz nicht lädt, ist das oft der erste Prüfpunkt – nicht der Landstromverteiler oder die Sicherungen im Aufbau.
Innen- und Außenbeleuchtung
LED-Nachrüstleuchten reagieren empfindlich auf Spannungsschwankungen. Nach der Winterpause können defekte LEDs oder gelockerte Steckverbinder auftreten. Da Wohnmobil-Innenbeleuchtung häufig über Bus-Systeme gesteuert wird (z.B. CAN-Bus bei neueren Fahrzeugen auf Ducato/Sprinter-Basis), kann ein einzelner Kurzschluss im Lichtkreis die gesamte Beleuchtungssteuerung blockieren.
Warum fahrzeugspezifische Schaltpläne entscheidend sind
Wohnmobile werden auf Basis von Serienfahrzeugen (Fiat Ducato, Mercedes Sprinter, Volkswagen Crafter) von verschiedenen Herstellern ausgebaut. Die Aufbau-Elektrik folgt dabei keinem einheitlichen Standard. Die Kombination aus Fahrzeug-Schaltplan und Aufbau-Schaltplan des jeweiligen Herstellers ist für eine zuverlässige Fehlersuche unerlässlich. Wir arbeiten mit Fahrzeug- und Aufbauschaltplänen und prüfen beide Systeme systematisch – nicht nach dem Prinzip Versuch und Irrtum.
Eine vollständige Saisoninspektion der Elektrik vor dem ersten Ausflug bewahrt Sie vor ungeplanten Standsituationen fern der Werkstatt.
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