Film-Tipp: Gone in 60 Seconds (2000) – Autokult zwischen Realität und Hollywood

Nicolas Cage, Angelina Jolie, 50 Autos in einer Nacht. Gone in 60 Seconds ist Autokult – und lehrreich, wenn man weiß, was davon der Realität standhält.

Manchmal darf es auch einfach Freude machen. Kein Diagnoseprotokoll, kein Fehlercode – sondern 118 Minuten Autofilm. Gone in 60 Seconds aus dem Jahr 2000 ist ein Film, den man als Automobil-Liebhaber kennen sollte – und der sich ganz anders schaut, wenn man weiß, wie Autos wirklich funktionieren.

Was der Film richtig macht

Autos stehen im Mittelpunkt – nicht als Kulisse, sondern als Charaktere. Das Kino-Klischee “alle Autos sehen gleich aus” gibt es hier nicht. Jedes der 50 zu stehlenden Fahrzeuge hat eine Identität, einen Namen aus dem Phonetic Alphabet (Fahrzeug 1: “Vanessa”, Fahrzeug 50: “Eleanor”).

Eleanor – der Ford Mustang Shelby GT500: Das Herzstück des Films ist ein modifizierter 1967 Ford Mustang Fastback. Für den Film wurden mehrere Original-Mustangs zu Shelby GT500-Replicas umgebaut. Die Fahrzeuge, die im Film gefahren werden, sind echte Autos – nicht überwiegend CGI. Das Stunt-Team von Hal Needham und Richard Geary war verantwortlich für die Fahrszenen.

Die Verfolgungsjagd auf dem Highway am Ende des Films (Eleanor-Szene mit der Brücke) ist echtes Stunt-Driving, kein Computerbild. Dafür hatte das Team Respekt verdient.

Die Fahrzeugauswahl: Der Film zeigt Fahrzeuge, die echte Automobile-Liebhaber kennen: Ferrari 355 Spyder, Mercedes-Benz SL, BMW M3, Rolls-Royce, Lamborghini Diablo. Keine generischen “Autos”. Jemand mit Ahnung hat die Liste zusammengestellt.

Was der Film romantisiert (und das ist okay)

Schlüssel und Wegfahrsperren: 1967er Ford Mustangs und andere Klassiker dieser Ära haben keine elektronischen Wegfahrsperren. Das Starten ohne Schlüssel ist mechanisch möglich – Zündschloss überbrücken. Bei modernen Fahrzeugen im Film ist das deutlich vereinfacht dargestellt.

In der Realität: Ein 2000er Ferrari 355 hat eine Wegfahrsperre, die ohne den richtigen Transponder nicht überwindbar ist – jedenfalls nicht in 60 Sekunden.

Die “60 Sekunden”: Der Originaltitel bezieht sich auf die Zeit, die ein erfahrener Dieb braucht, um ein Fahrzeug zu stehlen. Das war für bestimmte Modelle der 1970er realistisch – für moderne Fahrzeuge mit mehrstufigen Sicherheitssystemen ein Märchen.

Karosserieschäden: Eleanor überlebt im Film Unfälle, die ein echtes 55 Jahre altes Fahrzeug deutlich kompromittieren würden. Aber wer geht in einen Autofilm und erwartet Realismus in der Physik?

Was der Film für Automobil-Liebhaber interessant macht

Gone in 60 Seconds ist ein Zeitdokument des Automobil-Enthusiasmus der frühen 2000er. Die Fahrzeuge, die als begehrenswert dargestellt werden – Shelby GT500, Ferrari 355, Lamborghini Diablo – sind heute gesuchte Klassiker mit erheblichem Wert.

Ein 1967 Shelby GT500 Fastback in gutem Zustand kostet heute 150.000–400.000 US-Dollar. “Eleanor” als Filmreplikat wurde 2020 bei Barrett-Jackson für 1 Million Dollar versteigert.

Der Film hat eine eigene Kultgemeinde von Eleanor-Enthusiasten hervorgebracht, die Mustang Fastbacks nach dem Film-Muster restaurieren. Eine Nische, die vom Film direkt geschaffen wurde.

Ansehen oder nicht?

Wer Automobile mag und einen unterhaltsamen Actionfilm sucht: ja. Wer Realismus in der Fahrzeug-Technik erwartet: falscher Film.

Gone in 60 Seconds ist kein Automotive-Dokumentarfilm. Aber er behandelt Autos mit einer Leidenschaft, die ansteckend ist – und zeigt nebenbei, warum bestimmte Fahrzeuge ihren legendären Ruf verdient haben.

Manchmal ist das genug.


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