Reifenwechsel: Was professioneller Service beinhaltet und was Sie selbst beachten können

Reifenwechsel ist mehr als Räder ab und wieder dran. Anzugsmoment, TPMS, Auswuchten, Einlagerung – was bei einem professionellen Reifenwechsel alles gehört.

Zweimal im Jahr, Frühjahr und Herbst: Reifenwechsel. Viele unterschätzen, wie viel dabei falsch gemacht werden kann – und welche Konsequenzen das hat. Ein verlorenes Rad auf der Autobahn ist kein theoretisches Szenario, sondern tatsächlich vorkommend – fast immer durch falsch angezogene Schrauben.

Das Anzugsmoment: Der kritischste Schritt

Radschrauben müssen mit dem herstellerspezifischen Anzugsmoment angezogen werden. Typische Werte: 110–130 Nm für Pkw. Falsch angezogen bedeutet:

Zu locker: Radschraube kann sich lösen. Zuerst vibriert das Rad, dann reißt die Schraube ab – Radverlust in der Fahrt.

Zu fest: Schraube und Gewinde werden gedehnt (Vorspannung überschritten). Beim nächsten Lösen bricht die Schraube ab. Das Ausbohren einer abgebrochenen Radschraube kostet mehr als der Reifenwechsel.

Richtig: Drehmomentschlüssel auf Herstellervorgabe. Wir verwenden keine Schlagschrauber zum finalen Anziehen – nur für das Voranzug, dann Drehmomentschlüssel.

Nachziehen nach 50 km: Empfehlung für alle Aluminiumfelgen. Aluminium setzt sich unter Last leicht – das reduziert die Vorspannung der Schraube. Nach 50 km einmal nachziehen ist sicherer.

TPMS: Reifendruck-Überwachung beim Saisonwechsel

Fahrzeuge ab 2014 haben TPMS (Reifendruck-Überwachungssystem) gesetzlich vorgeschrieben. Zwei Systemtypen:

Direkte TPMS: Sensor im Rad (im Ventil oder am Felgenhorn befestigt). Misst Druck direkt. Beim Saisonwechsel auf Kompletträder (Reifen + Felge): Sensoren müssen dem Steuergerät neu angelernt werden. Ohne Anlernen zeigt das Display permanent eine Warnung.

Indirekte TPMS: Nutzt ABS-Radsensoren, kein Sensor im Rad. Erkennt Druckverlust durch veränderte Rollumfänge. Nach dem Reifenwechsel: System zurücksetzen und neu kalibrieren. Im Handbuch: meist Knopf am Lenkrad oder im Infotainment.

TPMS-Sensoren-Batterie: Direkte TPMS-Sensoren haben Batterien mit einer Lebensdauer von 7–10 Jahren. Batterieschwache Sensoren zeigen sporadische Fehler. Bei älteren Fahrzeugen (Erstzulassung 2014–2016) ist Sensorprüfung sinnvoll.

Einlagerung der Räder: Was dabei falsch gemacht wird

Viele lagern Reifen in der Garage – was grundsätzlich möglich ist, aber Fehler sind häufig:

Stehend lagern (falsch für Reifen ohne Felge): Reifen ohne Felge werden durch das eigene Gewicht verformt. Korrekt: hängend oder flach stapelnd (max. 4).

Liegend stapeln (bei Reifen mit Felge): Korrekt für Kompletträder. Ohne Felge gilt: hängend oder stehend (regelmäßig drehen).

Falscher Reifendruck bei Einlagerung: Reifen können auf Sommerluftdruck eingelagert werden. Nach der Saison TPMS-Mindestdruck prüfen.

Falsche Lagertemperatur: Direkte Sonneneinstrahlung lässt Gummi altern. Öl, Fett, Lösungsmittel in der Nähe (typisch in Garagen) beschleunigen Alterung ebenfalls. Kühler, dunkler, trockener Raum ist ideal.

Keine Markierung: Wissen Sie nach dem Einlagern noch, welches Rad wo war? Reifenposition markieren (VL/VR/HL/HR) – ermöglicht bei nächstem Wechsel gezielte Rotation.

Reifenrotation: Verschleiß ausgleichen

Vorderreifen (Lenkung, oft angetrieben) verschleißen stärker als Hinterreifen. Regelmäßige Rotation (alle 10.000–15.000 km oder bei jedem Saisonwechsel) gleicht das aus und verlängert die Gesamtlebensdauer aller vier Reifen.

Rotation nur möglich bei gleichem Reifen vorne und hinten. Fahrzeuge mit unterschiedlichen Reifengrößen vorne/hinten (typisch BMW M, Porsche) können nicht rotiert werden.

Laufrichtungsgebundene Reifen

Viele moderne Reifen haben eine Laufrichtung (V-Profil oder Pfeilmuster). Laufrichtung muss eingehalten werden – der Pfeil auf der Reifenflanke zeigt Fahrtrichtung an. Falsch montierte Richtungsreifen entwässern schlechter und sind lauter.


Saisonwechsel, TPMS-Anlernen und Einlagerung aus einer Hand? Termin per WhatsApp – wir wechseln mit Drehmomentschlüssel, nicht mit Schlagschrauber.