Wohnmobile sind technisch komplexer als Pkw. Sie vereinen Fahrzeugtechnik, Wohnraumelektrik, Gasanlage und Sanitärsystem in einem. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Werkstatt, die ein Reisemobil kompetent betreut.
Warum Wohnmobil-Service eine Spezialisierung erfordert
Ein Pkw hat 12V-Elektrik und einen Antriebsstrang. Ein Wohnmobil hat zusätzlich:
- Zweitbatterie-System (Bordnetz): Trennrelais oder DC/DC-Wandler zwischen Fahrzeugbatterie und Aufbaubatterie(n). Störungen äußern sich als Entladung der Fahrzeugbatterie oder mangelnde Bordversorgung.
- 230V-Wechselrichter oder Landstrom-Anschluss: Schuko-Steckdosen im Fahrzeug. Fehler hier können gefährlich werden.
- Gasanlage (LPG/Propan): Kocher, Heizung (Truma/Alde/Webasto), Kühlschrank. Gasprüfpflicht nach DVGW-Richtlinien alle 2 Jahre für Fahrzeuge mit Gasanlage.
- Fahrwerk unter erhöhter Dauerlast: Stoßdämpfer, Federn, Radlager – dimensioniert für Zuladung, aber im Dauerbetrieb entsprechend beansprucht.
Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung für Wohnmobile
Die HU für Wohnmobile über 3,5t zGM erfolgt jährlich. Unter 3,5t (sogenannte “Camper Van” oder kleine Alkoven-Modelle) wie Pkw alle 2 Jahre. Die AU führen wir direkt über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks durch.
Besonderheiten bei der HU für Wohnmobile:
- Bremsprüfung berücksichtigt die höhere Fahrzeugmasse
- Beleuchtungsanlage (Rücklichter, Begrenzungsleuchten) vollständig prüfen
- Fahrwerk auf Überlastungsschäden durch dauerhaften Vollausbau
- Reifenzustand und Reifenalter – Wohnmobil-Reifen altern auch bei wenig Kilometern
Gasanlagen-Prüfung nach DVGW G607
Für Fahrzeuge mit Flüssiggasanlage ist die Prüfung nach DVGW G607 alle zwei Jahre Pflicht – nicht nur für die HU, sondern auch für Camping-Versicherungen und Stellplatzbetreiber relevant.
Was geprüft wird:
- Dichtigkeit aller Verbindungen (Seifenwassertest + ggf. Lecksuchgas)
- Druckregler: Zustand, Datum, Funktion
- Schläuche: Alter, Zustand, Verlegung (keine Knicke, keine Quetschungen)
- Gasabsperrventile: Zugänglichkeit, Funktion
- Sicherheitsventile und Belüftungsöffnungen
Nach bestandener Prüfung erhalten Sie eine Prüfplakette für die Gasanlage.
Elektrik-Diagnose: Wenn das Bordnetz streikt
Die häufigsten Elektrik-Probleme bei Reisemobilen:
Trennrelais defekt: Fahrzeugbatterie wird beim Fahren nicht geladen oder umgekehrt: Aufbaubatterie entlädt Fahrzeugbatterie. Diagnose mit Multimeter an beiden Klemmen – einfach und schnell.
Wechselrichter-Störung: 230V-Steckdosen funktionieren nicht. Häufig Sicherungsproblem oder überlasteter Wechselrichter (Kaffeemaschine, Wasserkocher übersteigen Kapazität).
Solar-Laderegler-Ausfall: Aufbaubatterien werden trotz Sonne nicht geladen. Diagnosegeräte für Victron, Votronic und Vogt-Laderegler vorhanden.
Heizungssteuerung (Truma Combi): E-Fehler auf dem Display. Häufig Übertemperatur-Abschaltung (Thermostat) oder Gebläse-Defekt.
Fahrwerk und Reifen: Besonderheiten beim Reisemobil
Wohnmobile fahren oft nur wenige Tausend Kilometer pro Jahr, stehen aber dauerhaft beladen. Das belastet Reifen und Fahrwerk anders als bei normalen Pkw.
Reifenalter beachten: Wohnmobil-Reifen sollten nach 6 Jahren ersetzt werden – unabhängig von der Profiltiefe. Die Gummimischung altert, auch bei wenig Fahrleistung. Ein Reifenversagen auf der Autobahn ist eine ernste Gefahr.
Stoßdämpfer: Dauerhaft unter Last – Stoßdämpfer-Öl kann sich setzen. Prüfbar durch Drücken jeder Fahrzeugecke und Beobachten des Ausschwingverhaltens.
Spureinstellung: Bei vollbeladenem Wohnmobil messen. Die Achsvermessung unter Fahrzeuggewicht ist für Langstrecken-Fahrverhalten entscheidend.
Wohnmobil-Inspektion, Gasanlagen-Prüfung oder Elektrik-Diagnose? Wir betreuen Reisemobile aller Klassen in Hardegsen. Termin per WhatsApp oder 05505 5236.