Leistungsmessung – was die Zahlen wirklich bedeuten

Leistungsmessung richtig interpretieren: Radleistung vs. Motorleistung, warum Werte zwischen Messungen abweichen und was ein valides Messergebnis ausmacht.

Leistungsmessung – was die Zahlen wirklich bedeuten

Messergebnis lesen – klingt einfach, ist es nicht. Viele Missverständnisse entstehen durch fehlendes Hintergrundwissen über die Messmethodik und die physikalischen Zusammenhänge.

Radleistung vs. Motorleistung

Was eine Leistungsmessung erfasst: Radleistung (Leistung an den Antriebsrädern, berechnet aus OBD-Daten und GPS-basierter Beschleunigungsmessung). Was der Hersteller angibt: Motorleistung (Leistung an der Kurbelwelle, gemessen unter Normbedingungen nach ECE R85 oder DIN 70020). Der Unterschied: Antriebsstrang-Verluste durch Getriebe, Differential, Kardanwellen, Seitenwellen und Reifenschlupf.

Typische Verluste nach Antriebskonfiguration:

  • Frontantrieb, Schaltgetriebe: ca. 10–12% Verlust – kürzester Kraftweg mit geringster Reibung
  • Allrad, DSG/DKG: ca. 12–16% Verlust – Verteilergetriebe und zwei Differentiale erhöhen die Reibung
  • Hinterantrieb, Automatik: ca. 10–14% Verlust – der Drehmomentwandler absorbiert bei niedrigen Drehzahlen zusätzlich Energie
  • Allrad, Wandlerautomatik: ca. 15–20% Verlust – die Kombination aus Wandler und Allradsystem erzeugt die höchsten Antriebsstrangverluste

Beispiel: BMW 320d mit 190 PS Werksangabe zeigt bei der Messung ca. 160–165 PS Radleistung. Das ist kein Leistungsverlust durch Verschleiß – es ist der physikalisch normale Energieverlust im Antriebsstrang.

Warum Werte zwischen Messungen abweichen

Zwei verschiedene Messverfahren liefern für das gleiche Fahrzeug selten identische Ergebnisse. Die Abweichungen haben technische Gründe:

Messprinzip und Ausrüstung: OBD-Datenlogger, GPS-basierte Messtechnik (z.B. Dragy) und verschiedene Softwarelösungen verwenden leicht unterschiedliche Berechnungsmethoden. Die GPS-Abtastrate, die OBD-Abfragehäufigkeit und die Algorithmen zur Leistungsberechnung beeinflussen das Ergebnis.

Korrekturnorm: SAE J1349 (amerikanischer Standard, korrigiert auf 25°C und 99 kPa) liefert andere Werte als DIN 70020 (deutscher Standard, korrigiert auf 20°C und 1.013 mbar) oder ISO 1585. Der Unterschied durch die Korrekturnorm allein kann 3–5% betragen.

Umgebungsbedingungen: Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und barometrischer Luftdruck beeinflussen die Luftdichte und damit die Motorleistung. Die Korrekturnorm rechnet diese Einflüsse heraus – aber die Korrekturformeln sind Näherungen, keine exakten Kompensationen. An einem kühlen Herbstmorgen (10°C, 1.025 mbar) liefert ein Turbomotor spürbar mehr Rohleistung als an einem heißen Sommernachmittag (35°C, 1.000 mbar).

Fahrzeugzustand: Reifendruck, Reifentemperatur, Getriebe-Öltemperatur, Motor-Betriebstemperatur und der Zustand des Luftfilters beeinflussen das Messergebnis messbar. Ein korrekt aufgewärmtes Fahrzeug mit optimalem Reifendruck liefert 3–5 PS mehr als ein kaltes Fahrzeug mit niedrigem Reifendruck.

Straßenbedingungen: Bei der Messung unter realen Bedingungen spielen Fahrbahnsteigung, Windverhältnisse und Fahrbahnbelag eine Rolle. Professionelle Messsoftware kompensiert diese Faktoren über GPS-Höhendaten und wiederholte Messläufe.

Fazit: Vergleiche zwischen verschiedenen Messverfahren sind nur bedingt aussagekräftig. Was aussagekräftig ist: Vorher/Nachher mit dem gleichen Messverfahren unter gleichen Bedingungen – dann sind die Umgebungsfaktoren für beide Messungen identisch und die Differenz zeigt den tatsächlichen Effekt der Maßnahme.

Was ein valides Messergebnis ausmacht

Beim Tuning zählt die Differenz: Was wurde gewonnen? Ein repräsentatives Ergebnis erfordert:

  • Mindestens 3 identische Messläufe mit einer Abweichung unter 2% zwischen den Läufen – ein einzelner Messlauf ist nicht reproduzierbar und daher nicht aussagekräftig
  • Gleiche Umgebungsbedingungen bei Vor- und Nachher-Messung – idealerweise am selben Tag, mindestens aber bei vergleichbarer Lufttemperatur
  • Gleiche Fahrzeugkonfiguration: selber Gang, selber Reifendruck, selbe Klimaanlagen-Einstellung, selber Aufwärmzustand
  • Dokumentation der Messbedingungen: Lufttemperatur, Luftdruck, verwendete Korrekturnorm, Messzeitpunkt

Bei uns: 3 Messläufe, Durchschnittswert aller Läufe, Protokoll mit Leistungskurve und Drehmomentkurve als PDF. Das Protokoll enthält die Rohdaten und die korrigierten Werte – volle Transparenz ohne versteckte Korrekturfaktoren.


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Weiterführende Informationen:

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Leistungsmessung bei ND Tuning?

Wir messen die Fahrzeugleistung per OBD-Datenlogger und GPS-basierter Messtechnik unter realen Fahrbedingungen. Sie erhalten ein detailliertes Protokoll mit Leistung, Drehmoment und Ladedruck über den gesamten Drehzahlbereich.

Verliere ich durch Chiptuning die Herstellergarantie?

Ein Chiptuning kann die Herstellergarantie beeinflussen. Wir beraten Sie transparent über die Auswirkungen und bieten auf Wunsch eine Tuning-Garantie über unsere Partner.

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