KFZ-Glossar

Werkstatt-Begriffe aus Diagnose, Steuergeräten, Antriebsstrang und Abgastechnik — kurz und präzise erklärt vom Spezialisten für komplexe Fahrzeug-Elektronik.

Diagnose-Tools

XENTRY

auch: XENTRY Diagnostics, Star Diagnosis

XENTRY ist das offizielle Diagnose- und Programmiersystem von Mercedes-Benz für alle Baureihen.

XENTRY arbeitet über Multiplexer (PassThru-Adapter) direkt mit dem Mercedes-Backend. Vollständiger Zugriff auf alle 60-90 Steuergeräte eines modernen Fahrzeugs, SCN-Online-Codierung nach Steuergeräte-Tausch, Geführte Fehlersuchen, Variantencodierung. Aftermarket-OBD-II-Scanner sehen typischerweise nur 5-10% der Steuergeräte und können keine SCN-Codierung.

ODIS

auch: Offboard Diagnostic Information System

ODIS ist das offizielle Diagnose-System der Volkswagen-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat, Cupra).

ODIS unterstützt geführte Fehlersuchen (GFF), Online-Codierung über das VW-FAZIT-Backend, SVM (Software-Versions-Management) und Component Protection ab Immo V (MQB-Plattform). Schlüssel-Anlernen, Steuergerät-Tausch und ADAS-Kalibrierung erfordern aktiven ODIS-Online-Zugang.

ISTA

auch: Integrated Service Technical Application

ISTA ist das offizielle Diagnose-System für BMW und Mini.

Vollzugriff auf alle E-, F-, G-Baureihen. ISTA Diagnostic + ISTA Programming. CAFD-Codierung, FA-Datensatz-Verwaltung, ISN-Synchronisation für CAS/FEM/BDC. Online-Backend-Zugriff für Schlüssel-Anlernen und Steuergerät-Tausch ab F-Baureihe.

AVDI

auch: Abrites Vehicle Diagnostic Interface

AVDI ist ein professionelles Multi-Marken-Diagnose-Tool von Abrites mit Fokus auf Wegfahrsperren und Schlüssel-Anlernen.

Unterstützt Mercedes FBS3/FBS4, BMW EWS/CAS/FEM, VW Immo III/IV/V, Renault UCH, Opel BCM und viele weitere. Besondere Stärke: Schlüssel-Anlernen bei Totalverlust ohne OEM-Backend.

UDS

auch: Unified Diagnostic Services, ISO 14229

UDS ist der ISO-14229-Standard für Diagnose-Kommunikation auf CAN, FlexRay, Ethernet und K-Line.

Definiert SIDs (Service Identifier) wie 0x10 (DiagnosticSessionControl), 0x27 (SecurityAccess), 0x2E (WriteDataByIdentifier), 0x31 (RoutineControl), 0x34/0x36 (RequestDownload/TransferData). Basis für alle modernen Diagnose-Protokolle inkl. XENTRY, ODIS, ISTA, AVDI.

DoIP

auch: Diagnostics over Internet Protocol, ISO 13400

DoIP transportiert UDS-Diagnose über Ethernet (TCP/IP) statt klassischem CAN — Pflicht-Standard ab ca. 2017.

Ethernet-basierte Diagnose mit 100 Mbit/s oder 1 Gbit/s. Fahrzeug-Adresse via UDP-Discovery, Routing über logische Adressen je Steuergerät. Vorteil: massive Geschwindigkeit für Software-Updates (mehrere GB statt MB möglich). Erfordert dedizierte DoIP-fähige PassThru-Adapter.

CAN-FD

auch: CAN with Flexible Data Rate

CAN-FD ist die nächste CAN-Generation mit bis zu 8 Mbit/s Datenrate (klassisch: 500 kbit/s) und 64 Byte Nutzdaten pro Frame (klassisch: 8).

Eingeführt ab ca. 2017 in MQB Evo, MEB, Mercedes MMA. Backward-kompatibel auf physikalischer Ebene, aber Logic-Layer separat. Erlaubt Software-Updates innerhalb Sekunden statt Minuten und unterstützt komplexe ADAS-Datenströme.

DTC

auch: Diagnostic Trouble Code, Fehlercode

DTC ist der standardisierte 5-stellige Fehlercode aus dem OBD-Speicher eines Fahrzeugs.

Aufbau: Buchstabe (P=Powertrain, B=Body, C=Chassis, U=Network) + 4 Ziffern. Beispiel: P0299 = Ladedruck zu niedrig. Hersteller-spezifische Codes beginnen meist mit Px2xxx-Px3xxx oder herstellereigenen Bereichen wie B1xxx (Mercedes), 16xxx (VAG-Hex). DTCs werden gespeichert mit Freeze-Frame-Daten (Drehzahl, Last, Temperatur zum Zeitpunkt des Fehlers).

OBD-PID

auch: Parameter Identifier, Mode 01 PID

OBD-PIDs sind standardisierte Parameter-Identifier zum Auslesen von Live-Werten via OBD2.

Mode 01 (Live-Daten) + 1-2 Byte PID. Beispiele: 0C (Drehzahl), 0D (Geschwindigkeit), 11 (Drosselklappenstellung), 14-1B (Lambda-Werte). Mode 03 = gespeicherte DTCs, Mode 04 = DTC löschen, Mode 09 = VIN/Kalibrier-IDs. Hersteller-erweiterte PIDs ab Mode 22 (gehen über die ISO 15031-5 hinaus).

PassThru

auch: SAE J2534 Adapter, J2534-1, J2534-2

PassThru ist der ISO-Standard SAE J2534 für universelle Diagnose-Adapter, die mit Hersteller-Software (XENTRY/ODIS/ISTA) kommunizieren.

Spezifikation J2534-1 für Reprogrammierung, J2534-2 für ältere Protokolle. Bekannte Geräte: VAS6154 (VW-zertifiziert), Bosch Mercedes Diagnose-Multiplexer, SDP3 Scania, openport 2.0. Kommunikation USB oder WLAN ans PC-Tool. Wichtig: Tool muss für die jeweilige OEM-Suite zertifiziert sein, sonst erkennt das Backend den Adapter nicht.

ECU-Tools

KTAG / KTM

KTAG ist ein BDM/JTAG-Programmieradapter für Bosch EDC17/MED17 und ähnliche Tricore-basierte Steuergeräte.

Lese- und Schreibzugriff auf Flash-Speicher außerhalb des CAN-Busses, ideal für Bench-Programmierung und Steuergerät-Klonen. Spannungs-Logic 5,0 V / Core 3,3 V, Lesegeschwindigkeit 8-12 KB/s. Kombiniert mit WinOLS für Map-Bearbeitung und CRC32-Checksum-Korrektur.

Magic Motorsport Flex

Magic Motorsport Flex ist ein modulares ECU-Programmiergerät für Bench, BDM und OBD-Modi.

Tricore-Adapter, BDM-Pinbelegung 12-Pin und 21-Pin, Online-Cloud-Datenbank mit verifizierten Files. AutoTOS-Backend für BMW CAS Service-Klonen.

Steuergeräte

CAS

auch: Car Access System

CAS ist das BMW-Wegfahrsperren-Steuergerät — koordiniert Schlüssel-Authentifizierung, Lenkungsverriegelung und Motorstart.

CAS-Generationen: CAS1 (E46), CAS2 (E60/65), CAS3 (E60/E90 ab 2007), CAS3+ mit verbesserter Verschlüsselung, CAS4 (F-Baureihe), CAS4+ mit AES-128. Klonen je nach Generation: 1:1-Klonung (CAS3 per BDM) oder Service-Klon (CAS3+/CAS4 mit Backend).

EIS / EZS

auch: Electronic Ignition Switch / Elektronisches Zündschloss

EIS (Mercedes-Bezeichnung) bzw. EZS ist das elektronische Zündschloss + Wegfahrsperren-Modul von Mercedes-Benz.

Speichert kryptographisch-verknüpfte Schlüssel-Hashes (3DES für FBS3, RSA-2048 + AES-128 für FBS4). Kommuniziert mit Motorsteuergerät (ME), Getriebesteuergerät (ETC) und Schlüssel-Transponder. Bei Tausch: SCN-Codierung über XENTRY-Online-Backend zwingend.

MED17 / EDC17

auch: Bosch MEDC17, Bosch EDC17, Tricore-ECU

Bosch MED17 (Benziner-Direkteinspritzer) und EDC17 (Diesel) sind die Tricore-basierte Steuergeräte-Plattform ab ca. 2007.

Infineon Tricore TC1796/TC1797 (32-bit), Flash-Speicher 2-8 MB, RAM 144-208 KB. CRC32-Checksum-geschützt, ab Variante CP/CR mit Anti-Tuning-Mechanismen. Klonen via BDM (KTAG/Magic Flex) oder Boot-Mode möglich, OBD-Schreibzugriff je Variante gesperrt.

ECM / TCM / PCM

auch: Engine Control Module, Transmission Control Module, Powertrain Control Module

ECM steuert den Motor, TCM das Getriebe, PCM beide kombiniert.

In modernen Fahrzeugen meist getrennt (separater MED17/EDC17 + ZF/Aisin/Getrag-TCU mit eigener Software). PCM (kombiniert) findet sich häufiger bei US-Fahrzeugen und einigen Asiaten. Bei Tausch ist Variantencodierung über XENTRY/ODIS/ISTA + ggf. Getriebe-Adaption (DSG/Wandler) zwingend.

IMMO5

auch: Wegfahrsperre 5, MQB-Immobilizer

IMMO5 ist die fünfte Wegfahrsperren-Generation der VW-Gruppe ab MQB-Plattform (2012).

AES-128-verschlüsselt, Component-Protection-gekoppelt mit allen sicherheitsrelevanten Steuergeräten. Schlüssel-Anlernen nur mit aktivem ODIS-Online + FAZIT-Backend (Online-Slot freigeben, Schlüssel anlernen, Component-Protection aktivieren). AVDI deckt einige IMMO5-Fälle ohne Backend ab.

SAM

auch: Signal Acquisition Module

SAM ist das Mercedes-Modul für Lichtsteuerung, Wischer, Komfort-Funktionen und Sensorik-Bündelung – getrennt für vorne und hinten.

Eingeführt ab W211/W221. SAM front (vorne) sammelt Signale aller vorderen Sensoren und steuert Frontlicht, Wischer, Hupe, Kondensator-Lüfter. SAM rear (hinten) für Rücklichter, Heckklappe, RDKS-Empfänger. Kommuniziert über CAN-Bus. Tausch erfordert SCN-Codierung über XENTRY.

FRM

auch: Footwell Module, Fußraum-Modul BMW

FRM ist das BMW-Modul für Außenbeleuchtung und Türfunktionen, verbaut im Fußraum hinter der Lenksäule.

Verbaut in BMW E60/E65/E81-E93/E70 und Nachfolgern. Häufiger Defekt: Boot-Sektor-Korruption durch Spannungsabfall beim Anlassen — FRM "tot", kein CAN-Verkehr. Reparierbar via JTAG: EEPROM auslesen, Boot-Sektor neu schreiben. Tausch erfordert FA-Datensatz aus ISTA und CAFD-Codierung.

TCU

auch: Transmission Control Unit, Getriebesteuergerät

TCU ist das Steuergerät, das Schaltvorgänge, Wandler-Lockup und Adaptionen einer Automatik regelt.

Bei DSG (DQ200, DQ250 etc.) ist TCU integriert in der Mechatronik-Einheit. Bei ZF 8HP separates Modul mit eigenem Software-Stack. Adaptionswerte (STFT für Getriebe) lernen Kupplungs-Friktion, Druck-Schwellen und Schaltpunkte. Bei Tausch: neue Adaption über Herstellertool zwingend.

ISN

auch: Individual Serial Number BMW

ISN ist die geheime Seriennummer für BMW-Wegfahrsperren-Synchronisation zwischen DME (Motor-SG) und CAS/FEM/BDC.

Die ISN wird beim Anlernen einmal zwischen DME und CAS/FEM/BDC ausgetauscht und in beiden Steuergeräten gespeichert. Bei DME-Tausch muss die alte ISN ausgelesen und ins neue DME geschrieben werden — sonst kein Motorstart. ISTA + Token-Backend zwingend für DME-Tausch ab E60. AVDI kann ISN auch ohne Backend lesen (forensisch).

CAS3 / CAS4

auch: Car Access System 3, Car Access System 4

CAS3 ist das BMW-Wegfahrsperren-Steuergerät E60/E90 ab 2007, CAS4 ist die F-Baureihen-Variante mit AES-128.

CAS3 (5WK48xxx) klonbar 1:1 via BDM. CAS3+ ab 2010 mit verbesserter Verschlüsselung — nur Service-Klon möglich. CAS4 (F-Baureihen) mit AES-128, Online-Backend zwingend für Schlüssel-Anlernen. CAS4+ in F-LCI-Modellen weiter verschärft. Verbaut hinter dem Lenksäulenverkleidung, Demontage 15-20 Min.

Mercedes Baureihen-Codes

auch: W-Codes, S-Codes, X-Codes, V-Codes

Mercedes verwendet Werks-Codes (W=Limousine, S=T-Modell, C=Coupé, X=SUV, V=Van) gefolgt von einer dreistelligen Zahl für jede Baureihe.

Beispiele: W211 = E-Klasse Limousine 2002-2009, S211 = T-Modell, W204 = C-Klasse 2007-2014. SUV: X253 = GLC 2015+, X156 = GLA. Vans: V639 = Vito 2003-2014, W447 = Vito 2014+, V906 = Sprinter 2006-2018. Wichtig für Ersatzteil- und Diagnose-Auswahl — der Code identifiziert exakt das Generationen-Modell.

SBC

auch: Sensotronic Brake Control Mercedes

SBC ist das elektrohydraulische Bremssystem von Mercedes (W211 E-Klasse, R230 SL, W219 CLS) — 2001-2006 verbaut.

Hochdruckpumpe baut 140 bar Vordruck auf, Magnetventile dosieren je Rad. Verschleiß-Zähler im SG zählt Zyklen — bei Erreichen Software-seitige Sperre und Notlauf-Modus. Reparatur: Pumpen-Tausch oder Steuergerät-Reset (SCN-Coding über XENTRY). Mercedes-Werkstatt-Aufruf damals 1.500-2.500 € — wir reparieren ab ca. 600 €.

MQB

auch: Modularer Querbaukasten VW

MQB ist die VW-Konzern-Plattform für quer eingebaute Motoren — Basis von Golf 7, Passat B8, Audi A3 8V, Skoda Octavia 3, Seat Leon 5F und Nachfolgern.

Eingeführt 2012. Charakterisiert durch IMMO V (Component Protection ab MQB), zentrale Gateway-Steuergeräte (BCM2), CAN-FD-Bus ab MQB Evo (2018). Schlüssel-Anlernen, Steuergerät-Tausch und ADAS-Kalibrierung erfordern aktiven ODIS-Online + FAZIT-Backend + ggf. SFD-Token (ab 2020).

Wegfahrsperren

FBS3 / FBS4

auch: Fahrberechtigungssystem 3 / 4

FBS3 und FBS4 sind die zwei aktuellen Wegfahrsperren-Generationen von Mercedes-Benz.

FBS3 (W211/W204/W212/W221/W906): symmetrisches 3DES-Challenge-Response-Protokoll, 128-Bit-Schlüssel im EIS-EEPROM. FBS4 (W205/W213/W222 Mopf+): asymmetrische RSA-2048-Signierung + Online-Verifikation über Mercedes-Backend mit FlashAuthorization-Token.

Komfortsysteme

KESSY

auch: Keyless Entry & Start System

KESSY ist das schlüssellose Zugangs- und Startsystem der VW-Gruppe (Audi, Bentley, Porsche, VW Touareg).

LF-Antennen (125 kHz) im Türgriff + Stoßfänger, UWB für hochgenaue Distanzmessung in Premium-Modellen. ID48 oder Megamos AES-Transponder. Bei Komfortzugang-Problemen: oft defekte Antenne, nicht das CAS-Modul.

Getriebe

DSG

auch: Direktschaltgetriebe, DCT, S-Tronic

DSG ist die Doppelkupplungsgetriebe-Familie der VW-Gruppe (Audi: S-Tronic).

DQ200 (Trockenkupplung, 7-Gang, bis ~250 Nm), DQ250 (Naßkupplung, 6-Gang, ~350 Nm), DQ381 (Naßkupplung, 7-Gang neueste Generation), DQ500 (Hochlast, ~600 Nm), DL382 (Audi, längs eingebaut). Mechatronik mit Tricore-Prozessor steuert hydraulische Druckregelung 4-18 bar.

Mechatronik

Mechatronik ist die elektrohydraulische Steuerung von Automatikgetrieben — Solenoid-Ventile + Steuergerät in einem Baukasten.

Steuert Kupplungsdruck und Schaltvorgänge über PWM-angesteuerte Magnetventile. Adaptionsmatrix lernt Schalt-Sollwerte über die Lebenszeit. Vor jedem Mechatronik-Tausch (1.500-3.500 €) ist Spülung + Adaptions-Reset zwingend — rettet in 70-80% der Fälle die Mechatronik.

ZF 8HP

ZF 8HP ist das meistverbreitete Automatik-Wandlergetriebe in Europa (BMW, Audi, Jaguar, Land Rover, Maserati).

8 Gangstufen, hydraulische Mechatronik mit Bosch GS19 32-Bit-Tricore, 8 Solenoid-Ventile mit PWM 250 Hz, Kupplungsdrücke 5-18 bar. ATF-Spec ZF Lifeguard 8 / MB 236.17 / BMW M-1375.4. „Lifetime Fill" ist Fehlinformation — ZF empfiehlt Wechsel alle 80.000-100.000 km.

Abgas-System

AdBlue

auch: AUS32, DEF

AdBlue ist eine 32,5%-ige Harnstofflösung zur SCR-Stickoxid-Reduktion bei Diesel-Fahrzeugen.

Wird in den Abgasstrom dosiert, dort thermisch zu Ammoniak hydrolysiert, der dann am SCR-Kat NOx zu N2 + H2O reduziert. Druckaufbau in der Pumpe 5 bar warm. Sensor-Defekte (NOx-Sensor 2 nach SCR) sind häufigste Ursache für AdBlue-Fehler.

SCR

auch: Selective Catalytic Reduction

SCR ist das selektive katalytische NOx-Reduktionsverfahren mit AdBlue/Harnstoff.

NOx-Wirkungsgrad muss bei modernen Euro-6-Fahrzeugen über 90% liegen (gemessen über 200-Sekunden-Fenster). Sensoren vor und nach dem SCR-Kat erfassen NOx-Differenz. Bei Wirkungsgrad unter 60% wird Restkilometer-Sperre aktiviert.

DPF

auch: Dieselpartikelfilter

DPF ist der Filter im Abgasstrang von Diesel-Fahrzeugen, der Rußpartikel zurückhält.

Cordierit- oder Siliziumkarbid-Wabenkörper. Regeneration ab 24 g Rußmasse durch späte Nacheinspritzung (Abgas auf 580-620 °C). Asche aus Motoröl-Additiven (Calcium, Magnesium, Zink) akkumuliert irreversibel — Limit 80 g bei 3-Liter-Filter.

AGR

auch: EGR, Abgasrückführung

AGR führt einen Teil der Abgase zurück in den Ansaugtrakt, um Verbrennungstemperatur und NOx zu senken.

Stellweg 0-100% linear normiert, intern 8-12 mm Ventilkegel-Hub. Steuerstrom 0,3-1,2 A im Regelbetrieb. Verkokt nach 100.000 km — Symptom P0401/P0402, Notlauf, Leistungsverlust. H2-Reinigung kann reinigen — bei festsitzender Mechanik aber Tausch nötig.

Sensorik

Lambdasonde

auch: O2-Sensor, LSU 4.9

Die Lambdasonde misst den Restsauerstoffgehalt im Abgas — Grundlage für die Gemischregelung.

Bosch LSU 4.9 (Wideband) liefert Pumpstrom 0-2,5 mA, Heizung 750-800 °C bei 12 W. Sollspannung Regelbereich 0,1-0,9 V (bei Sprung-Sonden). Lambda-Wert 0,97-1,03 im Stationärbetrieb mit Trim ±5%. Drift im LTFT > +10% deutet auf Falschluft, < -10% auf zu reiches Gemisch.

NOx-Sensor

Der NOx-Sensor misst den Stickoxid-Gehalt im Abgas vor und nach dem SCR-Kat.

Amperometrische Doppelkammer-Zelle (Continental SmartNOx, NGK ZFAS): innere Pumpzelle für O2-Referenz, äußere für NOx-Reduktion. Sollspannung 425 mV. Lebensdauer 100.000-150.000 km. Bei Drift: P229F/P204F, AdBlue-Restkilometer-Sperre.

RDKS

auch: Reifendruckkontrollsystem, TPMS

RDKS ist die EU-weit seit November 2014 verpflichtende Reifendruckkontrolle in allen Neufahrzeugen.

Direkt: Sensor im Ventil mit Funk-Modul (433 MHz Europa, 315 MHz USA), Lebensdauer Batterie 5-10 Jahre. Indirekt: ABS-basiert über Raddrehzahl-Vergleich. Bei Reifenwechsel müssen direkte Sensoren neu angelernt werden (per Reset-Routine, OBD oder automatisch über Fahrleistung).

TWI

auch: Tread Wear Indicator, Verschleißindikator

TWI sind kleine Stege in den Hauptprofilrillen eines Reifens, die bei 1,6 mm Restprofil bündig mit der Lauffläche werden — gesetzliche Mindestgrenze.

Sechs bis acht TWI-Stege gleichmäßig über den Reifenumfang verteilt, Position markiert mit "TWI" oder Hersteller-Symbol auf der Seitenwand. Bei sichtbarem Bündig-Werden ist der gesetzliche Mindestwert erreicht — wir empfehlen Tausch deutlich vorher (Winter 4 mm, Sommer 3 mm).

Kalibrierfläche

auch: ADAS-Kalibrierplatz, Target-Setup

Eine Kalibrierfläche ist der definierte Werkstatt-Bereich für die statische ADAS-Kalibrierung von Kameras und Radaren.

Anforderungen: ebener Boden (max 0,2 % Neigung), gleichmäßige diffuse Beleuchtung ohne Reflexe, mindestens 8 × 6 m freie Fläche, Sichtkontakt zum Target ohne Hindernisse. Hersteller-Targets (Schachbrett, Stern, ChArUco-Muster) im definierten Abstand 1,50–3,50 m vor dem Fahrzeug, exakte Höhenausrichtung nach Kameraposition. Kalibrierung schlägt fehl bei Reifendruck-Abweichung, Tankfüllung unter 50 %, Beladung außerhalb Werksvorgabe.

MAF / LMM

auch: Mass Air Flow Sensor, Luftmassenmesser

MAF/LMM misst die angesaugte Luftmasse über einen beheizten Hitzdraht oder Heißfilm.

Sollwerte je Lastpunkt: Leerlauf ca. 8-15 kg/h, Volllast 600-1200 kg/h (je Hubraum). Verschmutzung durch Ölnebel aus Kurbelgehäuseentlüftung führt zu Drift nach unten — Folge: zu wenig Einspritzung, P0101/P0102. Reinigung mit speziellem MAF-Cleaner möglich, Sensor-Element nicht berühren.

MAP

auch: Manifold Absolute Pressure, Saugrohrdrucksensor

MAP misst den absoluten Druck im Saugrohr — Basis für Motormanagement bei MAP-Systemen (statt Luftmassenmessung).

Typische Werte: Leerlauf 25-40 kPa, Volllast bei Saugmotor 95-105 kPa, Turbo bis 250 kPa. Häufiger Defekt: Drift durch Ölnebel oder Wasserdampf am Sensor-Element. Diagnose über Live-Daten-Vergleich mit Außendruck-Sensor bei Zündung an, Motor aus.

KRS

auch: Kurbelwellen-Sensor, Crankshaft Position Sensor

Der Kurbelwellensensor liefert Drehzahl und Position der Kurbelwelle als primäres Synchronisations-Signal.

Hall-Sensor oder Induktivsensor an Kurbelwelle/Schwungrad mit Zahnrad (60-2 Geberrad). Ausfall = Motor läuft nicht oder bricht plötzlich ab. Diagnose: Spannungssignal mit Oszilloskop bei Anlasser-Drehzahl prüfen, Frequenz und Amplitude müssen sauber sein. Bei Schwingungen Riss am Zahnrad oder loses Schwungrad prüfen.

ADAS

auch: Advanced Driver Assistance Systems

ADAS ist der Sammelbegriff für alle Fahrerassistenz-Systeme: Spurhalter, ACC, Notbremsassistent, Totwinkel, Verkehrszeichenerkennung.

Jede Reparatur, die ADAS-Sensoren betrifft (Frontscheibe, Stoßstange, Spiegel, Heckklappe, Achsvermessung), erfordert anschließend eine Kalibrierung mit Herstellerdiagnose. Toleranzen: Mercedes ±0,3°, BMW ±0,25°, VW ±0,2° (Gier-/Nick-Achse). Ohne Kalibrierung bleibt das System inaktiv oder reagiert falsch.

ACC

auch: Adaptive Cruise Control, Distronic, AdaptiveCruise

ACC ist der abstandsregelnde Tempomat — Radar- oder Kamera-basiert, hält Sicherheitsabstand zum Vordermann automatisch.

Mercedes nennt es DISTRONIC, BMW Active Cruise Control. Sensorik: 76-77 GHz Radar (Bosch ACC4, Continental ARS4xx) und/oder Mono/Stereo-Kamera. Funktionsbereich typisch 0-200 km/h, Stop&Go ab 2014. Kalibrierung statisch + dynamisch nach jeder Sensor-Demontage erforderlich.

Software

SCN-Codierung

auch: Software Calibration Number Coding

SCN-Codierung ist die fahrzeugspezifische Software-Konfiguration von Mercedes-Steuergeräten über das Werksbackend.

Eingeführt ab 2010/2011. Jedes neu verbaute Steuergerät benötigt eine SCN-Code-Generierung über XENTRY-Online und das Mercedes-Backend. Ohne SCN-Codierung läuft das Steuergerät nicht oder nur eingeschränkt.

Component Protection

Component Protection ist der kryptographische Diebstahlschutz der VW-Gruppe ab Immobilizer-Generation V (MQB-Plattform).

Jedes sicherheitsrelevante Steuergerät tauscht authentisierte Botschaften mit anderen Steuergeräten aus, gebunden an die Fahrzeug-VIN. Bei Tausch: Online-Verbindung zu ODIS-Service + gültiges SFD-Token zwingend.

SFD

auch: Schutz fahrzeugfremder Diagnose, FAZIT-Token

SFD ist die zusätzliche Berechtigungsprüfung des VW-Konzerns für sicherheitskritische Diagnose- und Codier-Funktionen ab MQB Evo.

Eingeführt 2020. Tester-Authentifizierung über das FAZIT-Backend mit personalisierten Tokens (Geräte- und Personen-Bindung). Ohne aktive SFD-Sitzung sind Schreibzugriffe gesperrt — auch bei voll funktionsfähigem ODIS-Online.

FAZIT

auch: VW-Backend-Service

FAZIT ist das zentrale Backend des VW-Konzerns für ODIS-Online-Zugriffe, Schlüssel-Anlernen, SVM-Updates und SFD-Token-Vergabe.

Werkstätten erhalten FAZIT-Zugang über offiziellen ODIS-Service-Vertrag mit VW. Authentifizierung via persönlicher Tester-PIN + Geräte-Bindung. Ohne FAZIT-Verbindung sind alle sicherheitsrelevanten Codierungen ab Immo V (MQB) gesperrt — auch bei voll funktionsfähigem ODIS lokal.

CAFD

auch: Coding Function Data BMW

CAFD sind die fahrzeugspezifischen Codier-Datensätze in BMW-Steuergeräten ab F-Baureihe.

Jede CAFD enthält die aktiven Funktionen eines Steuergeräts (z.B. Komfort-Optionen, Fernlichtassistent, ACC-Aktivierung). Bei Codier-Änderungen wird die CAFD modifiziert und über ISTA/E-Sys ins Steuergerät geflasht. FA-Datensatz steuert welche CAFDs aktiv sind. Falsche CAFD = Fahrzeug startet nicht oder bestimmte Funktionen tot.

SVM

auch: Software-Versions-Management VW

SVM ist das VW-Konzern-System zur zentralen Verwaltung von Steuergeräte-Software-Versionen über das FAZIT-Backend.

Bei jedem ODIS-Tester-Anschluss prüft SVM ob Software-Updates verfügbar sind. Werkstattbedingte Updates (Aktionen, TSB) werden automatisch im Hintergrund gemeldet. Manueller SVM-Aufruf für gezielte Software-Anpassungen (z.B. Mediasystem-Update). Erfordert aktive ODIS-Online-Sitzung mit FAZIT-Backend-Verbindung.

Abgastechnik

OPF / GPF

auch: Ottopartikelfilter, Gasoline Particulate Filter

OPF/GPF ist ein Partikelfilter für Direkteinspritzer-Benziner, gesetzlich vorgeschrieben ab Euro 6d-Temp (2017).

Wabenkörper aus Cordierit oder Siliziumcarbid, ähnlich DPF aber kleiner (typisch 1-2 Liter). Regeneration passiv im Hochlast-Bereich (>650 °C Abgastemperatur). Beladung wird via Differenzdruck und Streckenmodell überwacht. Aschegrenze 80-100 g — anschließend Tausch oder Reinigung im Bench-Verfahren nötig.

STFT / LTFT

auch: Short Term Fuel Trim, Long Term Fuel Trim, Lambda-Korrektur

STFT/LTFT sind die kurz- und langfristigen Gemisch-Korrekturwerte des Motorsteuergeräts auf Basis der Lambdasonde.

Sollwert ±0 % (perfekte Stöchiometrie). STFT reagiert in Sekunden auf Lambda-Sprünge, LTFT lernt langsam dauerhafte Abweichungen. Werte über +20 % bei beiden weisen auf Falschluft, defekte Lambdasonde oder magere Einspritzdüsen hin. Werte unter −20 % auf zu fettes Gemisch (defekte Lambdasonde, undichter Tankentlüftungs-Magnetventil).

DPF-Regeneration

auch: Aktive Regeneration, Diesel Particulate Filter Burn

DPF-Regeneration verbrennt eingelagerte Rußpartikel im Dieselpartikelfilter zu CO2 — passiv oder aktiv.

Passiv: ab 350-450 °C Abgastemperatur (Autobahn-Fahrt > 30 Min). Aktiv: ECU spritzt Nacheinspritzung, hebt Abgastemperatur auf 600-650 °C. Erfordert mindestens 20-30 Min Last-Fahrt. Bei abgebrochener Regeneration: P2002, MIL, später DPF-Sperre. Erzwungene Regeneration über XENTRY/ODIS/ISTA möglich.

Recht

GVO

auch: Gruppenfreistellungsverordnung, EU 461/2010

Die GVO ist die EU-Verordnung, die Garantieerhalt auch bei freier Werkstatt-Inspektion sichert — solange Hersteller-Vorgaben eingehalten werden.

Verordnung (EU) Nr. 461/2010 Kfz-GVO. Bedeutung: Kunden dürfen Inspektion in jeder qualifizierten Werkstatt machen lassen, ohne Garantie zu verlieren. Voraussetzungen: nach Hersteller-Wartungsplan, Herstellerteile oder OE-Qualität, dokumentiertes Serviceheft. KFZ Dietrich ist GVO-konform und arbeitet mit allen drei Hersteller-Diagnosesystemen.

BIV

auch: Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks

BIV erteilt die Berechtigung zur Abgasuntersuchung (AU) für freie Werkstätten.

Voraussetzung für AU-Berechtigung: Kfz-Meisterbetrieb, anerkannte AU-Schulung, geeignete Ausstattung (Abgasanalysegerät, OBD-Schnittstelle). KFZ Dietrich führt die AU über BIV durch, die HU über die Partner TÜV Nord und Dekra im Haus.

DGUV V70

auch: DGUV Vorschrift 70, BGV D29

DGUV Vorschrift 70 schreibt für gewerbliche Fahrzeuge eine jährliche sicherheitstechnische Prüfung vor.

Pflicht für alle Fahrzeuge eines Gewerbebetriebs (auch wenn nicht TÜV-pflichtig). Prüfumfang: Bremsen, Lenkung, Fahrwerk, Beleuchtung, Reifen, Sicherheitsausrüstung. Geprüft durch befähigte Person (Kfz-Meister mit DGUV-Schulung). KFZ Dietrich bietet DGUV V70 für Fuhrparks und Einzelfahrzeuge.

Antriebsstrang

Haldex

auch: Haldex-Kupplung, 4MOTION

Haldex ist eine elektrohydraulische Lamellenkupplung an der Hinterachse für 4MOTION/quattro Allrad bei VW-Konzern-Modellen mit quer eingebautem Motor.

Generationen Haldex 1-5 (heute Gen 5 mit elektrohydraulischem Drucksensor). Wartung: Ölwechsel alle 60.000 km mit speziellem Haldex-Öl + Filter (oft vergessen!). Diagnose über ODIS: Vordruck-Spitzen, Pumpenstrom, Kupplungstemperatur. Ohne Wartung Schäden an Lamellen + Pumpe (~1.500 € Reparatur).

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