Bremsscheiben kaufen – belüftet, gelocht, geschlitzt?

Bremsscheiben-Typen: Vollscheibe, innenbelüftete Scheibe, gelochte und geschlitzte Varianten. Wann welcher Typ sinnvoll ist.

Bremsscheiben kaufen – belüftet, gelocht, geschlitzt?

Bremsscheiben gibt es in vielen Varianten. Was für den Alltag passt, was für den Sport und was die Marketing-Unterschiede kaschiert – eine fundierte Übersicht.

Vollscheibe vs. innenbelüftete Scheibe

Vollscheibe: Einfache massive Scheibe aus einem Stück Gusseisen. Standard an der Hinterachse kleiner bis mittlerer Fahrzeuge. Die geringere Materialstärke und fehlende Belüftungskanäle bedeuten eine niedrigere Wärme-Dissipation. Für die Hinterachse, die typisch nur 30–40 % der Bremsleistung aufnimmt, ist das in den meisten Fahrsituationen ausreichend.

Innenbelüftete Scheibe: Zwei Reibflächen mit radialen Belüftungskanälen dazwischen. Durch den Fahrtwind wird Luft zwischen den Scheibenhälften hindurchgeführt, was die Wärmeabfuhr um bis zu 50 % gegenüber einer Vollscheibe verbessert. Standard an Vorderachsen mittlerer und größerer Fahrzeuge. Bei Fahrzeugen mit hohem Gewicht, Anhängerbetrieb oder sportlichem Einsatz auch an der Hinterachse verbaut.

Die Geometrie der Belüftungskanäle unterscheidet sich je nach Hersteller. Gerade Kanäle sind fertigungstechnisch einfacher, pilzförmige oder geschwungene Kanäle verbessern die Luftströmung und damit die Kühlleistung. Hochwertige OE-Scheiben (Brembo, Zimmermann, ATE) nutzen optimierte Kanalgeometrien.

Entscheidend: Immer die Original-Spezifikation verwenden. Vollscheibe nicht durch innenbelüftete ersetzen (Einbaumaß, Scheibendicke und Radnabenpassung unterschiedlich) und umgekehrt. Bei falschem Scheibentyp können Bremssattel und Belag nicht korrekt greifen – das Resultat ist reduzierte Bremsleistung und beschleunigter Verschleiß.

Gelochte und geschlitzte Scheiben

Gelochte Scheiben: Die Bohrungen verbessern die Wärme- und Gasabfuhr. Bei starker Bremsung entstehen an der Belagoberfläche Gase, die einen dünnen Film zwischen Belag und Scheibe bilden können (Ausgasung). Bohrungen lassen diese Gase entweichen. Allerdings: Bei modernen Belagmischungen ist Ausgasung kaum noch ein Problem. Der Marketing-Vorteil für reine Straßenfahrzeuge ist daher überschaubar.

Das reale Risiko gelochter Scheiben: Bei extremer thermischer Belastung (Sport, häufige Vollbremsungen, Bergabfahrten mit Anhänger) können an den Lochrändern Mikrorisse entstehen. Diese Risse wachsen unter weiterer Belastung und können zum Scheibenbruch führen. Für reine Straßennutzung bieten gelochte Scheiben keinen messbaren Vorteil gegenüber innenbelüfteten Scheiben.

Geschlitzte Scheiben: Die eingearbeiteten Schlitze reinigen die Belagoberfläche bei jeder Umdrehung. Alte Belagreste und Verunreinigungen werden abgetragen. Das verbessert das Ansprechverhalten besonders bei Kaltbremsungen (höherer Kalt-Reibwert). Der Nachteil: Der Belagverschleiß ist höher als bei glatten Scheiben, da die Schlitzkanten permanent Material vom Belag abtragen.

Geschlitzte Scheiben eignen sich für Fahrer mit sportlichen Ansprüchen, Fahrzeuge im Anhängerbetrieb oder Einsatzzwecke, bei denen das Ansprechverhalten der Bremse in der ersten Bremssekunde kritisch ist. Für den normalen Alltagsbetrieb sind sie nicht notwendig.

Kombination gelocht + geschlitzt: Im Motorsport verbreitet, für Straßenfahrzeuge mit Einschränkungen. Die Kombination schwächt die Scheibenstruktur zusätzlich und erhöht das Rissrisiko.

Mindest-Stärke und Verschleißgrenze

Bremsscheiben haben eine Mindest-Dicke, die auf der Scheibe eingraviert oder in den Herstellerdaten dokumentiert ist (MIN TH oder Minimum Thickness). Unter dieser Mindestdicke ist die strukturelle Integrität der Scheibe nicht mehr gewährleistet – die Scheibe kann sich unter Belastung verformen oder im Extremfall brechen. Bei der HU führt eine zu dünne Scheibe zur direkten Ablehnung.

Die Verschleißgrenze liegt typisch 1–2 mm über der Mindestdicke. Bei einer Neuscheibendicke von 28 mm und einer Mindestdicke von 25 mm stehen also 3 mm Verschleiß zur Verfügung – auf beide Seiten verteilt nur 1,5 mm pro Reibfläche. Die Messung erfolgt mit einem Messschieber an der dünnsten Stelle der Reibfläche, nicht am Rand (dort bildet sich ein unverschlissener Absatz).

Achsweiser Tausch: Immer beide Scheiben einer Achse gleichzeitig tauschen. Unterschiedliche Scheibendicke links und rechts führt zu ungleichmäßiger Bremsverteilung. Gleichzeitig mit den Scheiben sollten auch die Beläge getauscht werden – neue Beläge auf alte Scheiben oder umgekehrt führen zu verlängerter Einbremszeit und können Vibrationen verursachen.

Beschichtete Scheiben – sinnvoll oder Marketing?

Viele Hersteller bieten beschichtete Bremsscheiben an (z. B. Zimmermann Coat Z, ATE Power Disc). Die Beschichtung schützt den Scheibenrand und die Belüftungskanäle vor Korrosion. Die Reibfläche selbst verliert die Beschichtung nach wenigen Bremsungen – dort ist sie auch nicht nötig, da der Belag die Oberfläche blank hält. Der Schutz am Rand ist jedoch sinnvoll, insbesondere bei Leichtmetallfelgen, bei denen Rostpartikel von der Scheibe auf die Felge gelangen und dort Korrosion auslösen können.


Bremsscheiben-Beratung und Einbau? Wir kennen die richtige Spezifikation für Ihr Fahrzeug. Termin per WhatsApp.


Weiterführende Informationen:

Häufig gestellte Fragen

Liefern Sie auch an Privatkunden?

Ja, unser Teile-Shop steht sowohl Werkstätten als auch Privatkunden offen. Wir beraten Sie bei der Auswahl des passenden Teils für Ihr Fahrzeug.

Bieten Sie Originalteile oder Nachbau an?

Wir führen sowohl OEM-Originalteile als auch hochwertige Identteile namhafter Hersteller wie Bosch, Continental, Sachs und LuK. Wir beraten Sie, welche Option für Ihren Einsatzzweck optimal ist.

WhatsApp