MBUX (Mercedes-Benz User Experience) im W213 ist ein anderes System als das ältere COMAND NTG5. Andere Architektur, andere Codierungsmethoden – und neue Möglichkeiten, die bei älteren Systemen nicht existierten.
Was MBUX von COMAND unterscheidet
- MBUX im W213 ist ein vollintegriertes Linux-System mit NVIDIA-Tegra-Prozessor, nicht nur ein Infotainment-Steuergerät wie COMAND.
- Codierbar per [XENTRY](https://kfz-dietrich.com/glossar/#xentry) sind u. a. Spracheinstellungen, Hey-Mercedes-Aktivierung, AR-Navi, POI-Darstellung, Widescreen-Layouts und Warnmeldungs-Schwellwerte.
- Funktionen ohne verbaute Hardware (Head-Up-Display-Projektor, AR-Kamera, Radar) lassen sich nicht per Software freischalten – XENTRY blockiert sie automatisch.
- Codierung ändert Parameter in wenigen Minuten und ist reversibel; Updates übertragen neue Firmware und benötigen stabile Stromversorgung sowie 30 bis 90 Minuten pro Steuergerät.
- Jede Änderung am MBUX kann andere Steuergeräte betreffen – vor der Codierung erfolgt eine Systemanalyse durch uns.
COMAND (NTG5/NTG5.5): Infotainment-Steuergerät mit separater Karten-SD-Karte. Software-Updates über SD-Karte oder OTA (bei NTG5.5). Codierungen werden direkt im Steuergerät auf Parameter-Ebene vorgenommen – jeder Parameter hat eine definierte Speicheradresse und einen Wertebereich. Das System ist modular aufgebaut, Infotainment und Fahrzeugsysteme sind relativ unabhängig voneinander.
MBUX (W213 ab Facelift, W222, GLC ab 2017): Vollintegriertes System mit eigenem Linux-basiertem Betriebssystem und einem leistungsfähigen Multimedia-Prozessor (NVIDIA Tegra). Over-the-Air-Updates werden direkt vom Mercedes-Server eingespielt, ohne dass das Fahrzeug in eine Werkstatt muss. Codierungen sind tiefer in die Fahrzeugarchitektur integriert – MBUX kommuniziert über das zentrale Kommunikations-Gateway mit nahezu allen Steuergeräten im Fahrzeug. Eine Änderung im MBUX-System kann daher Auswirkungen auf andere Fahrzeugfunktionen haben, was eine sorgfältige Analyse vor jeder Codierung erfordert.
Die Kommunikation zwischen MBUX und den Fahrzeugsteuergeräten erfolgt über den MOST-150-Bus (für Multimedia-Daten) und den CAN-Bus (für Fahrzeugfunktionen). Das MBUX-Head-Unit fungiert als zentrales Gateway für Benutzerinteraktionen – Einstellungen die der Fahrer im MBUX-Display vornimmt (Ambientebeleuchtung, Sitzeinstellungen, Fahrprogramm-Auswahl), werden an die jeweiligen Steuergeräte weitergeleitet.
Was per XENTRY beim W213 MBUX codiert werden kann
- Spracheinstellungen und Regionalisierung: Menüsprache, Einheitensystem (km/h vs. mph, Celsius vs. Fahrenheit), Datumsformat. Bei Import-Fahrzeugen aus dem Ausland oft die erste Codierung
- Hey Mercedes Aktivierungswort aktivieren/deaktivieren: Die Sprachsteuerung reagiert auf das Aktivierungswort dauerhaft oder nur bei gedrückter Sprechtaste. Einige Fahrzeughalter bevorzugen die manuelle Aktivierung, um unbeabsichtigte Sprachbefehle zu vermeiden
- Augmented Reality Navi Aktivierung: Wenn das AR-Kameramodul verbaut aber im System deaktiviert ist. Die Kamera hinter der Frontscheibe erfasst das Vorausfeld, und das MBUX-System überlagert Navigationshinweise (Abbiegepfeile, Hausnummern) auf dem Kamerabild. XENTRY aktiviert die Funktion und kalibriert die Kamera auf den MBUX-Bildschirm
- Navigation POI-Kategorien anpassen: Welche Point-of-Interest-Kategorien auf der Karte angezeigt werden, Darstellungsgröße und Priorität der POI-Symbole
- Anzeige-Konfiguration im Kombiinstrument: Beim digitalen Widescreen-Cockpit lassen sich die Anzeige-Layouts erweitern. Zusätzliche Darstellungen (Performance-Anzeige, Kompass, erweiterte Verbrauchsanzeige) können freigeschaltet werden, wenn die Hardware das unterstützt
- Warnmeldungs-Schwellwerte anpassen: Geschwindigkeitswarnungen (akustisch/visuell), Tankwarnung-Schwellwert, Reifendruck-Warnschwellen innerhalb des zulässigen Bereichs
- Apple CarPlay/Android Auto: Wenn die Vorbereitung hardwareseitig vorhanden ist (WLAN-Modul, USB-Schnittstelle mit Datenprotokoll). Bei einigen Export-Versionen sind diese Funktionen deaktiviert
AMG-Menüs und Performance-Displays freischalten
Bei W213-Modellen mit Vierzylinder-Motoren (E200, E220 d) sind in einigen Marktversionen AMG-Display-Layouts vorhanden, aber deaktiviert. Diese zeigen Motoröldruck, Drehmomentkurve und Kraftstoffverbrauch in grafischer Darstellung – Funktionen, die normalerweise nur AMG-Modellen zugeordnet sind. XENTRY prüft, ob das Steuergerät die entsprechende Konfiguration unterstützt, und schaltet die Parameter frei.
Zu beachten: Nicht jede AMG-Darstellung ist in jedem W213 codierbar. XENTRY zeigt die verfügbaren Codierungsoptionen abhängig von der verbauten Hardware und der Software-Version des Kombiinstruments. Wer eine Funktion aktivieren möchte, die nicht im XENTRY-Codierungs-Menü erscheint, hat in der Regel kein Hardware-Äquivalent im Fahrzeug.
Ambientebeleuchtung und Komfortfunktionen
Das W213 MBUX ermöglicht über XENTRY auch die Konfiguration der Ambientebeleuchtung: Farbpalette (64 Farben vs. Standard-Weiß), Helligkeit-Kurven in Abhängigkeit von Lichteinfall, Synchronisation mit Wochenzeiten. Komfortfunktionen wie die automatische Türverriegelung beim Anfahren, Komfort-Schließung (alle Fenster schließen per Fernbedienung) oder der Komfort-Start (Motorstart per Knopf ohne Fuß auf der Bremse) lassen sich bei entsprechender Hardware-Vorbereitung aktivieren.
Das Besondere an MBUX: Da das System über das zentrale Gateway mit nahezu allen Steuergeräten kommuniziert, prüft XENTRY vor jeder Codierung die Abhängigkeiten. Eine Änderung an der Ambientebeleuchtung kann das Body-Control-Modul und das Klimasteuergerät gleichzeitig betreffen. Wir dokumentieren jeden Codierungsschritt mit Vor- und Nach-Zustand – so ist jede Änderung vollständig reversibel.
Was nicht per einfacher Codierung geht
Funktionen die Hardware erfordern (Kamera-Module, Ultraschallsensoren, Radar-Einheiten, Head-Up-Display-Projektor) lassen sich nicht rein per Software freischalten. XENTRY prüft beim Codieren automatisch über den MOST- und CAN-Bus, ob die nötige Hardware verbaut ist und im Netzwerk antwortet. Wenn ein Steuergerät nicht im Kommunikationsnetzwerk erkannt wird, blockiert XENTRY die zugehörige Codierung.
Nachrüstung von AR-Navi oder Head-up-Display: Technisch möglich, aber aufwändig. Das AR-Navi erfordert eine Kamera hinter der Frontscheibe mit spezifischem Blickwinkel und eine Datenverbindung zum MBUX-Prozessor. Das Head-Up-Display erfordert einen Projektor im Armaturenbrett, eine spezielle Frontscheibe mit Reflexionsschicht und ein eigenes Steuergerät. Beide Nachrüstungen umfassen Kabelbaum-Erweiterungen und anschließende XENTRY-Konfiguration aller beteiligten Steuergeräte.
Unterschied zwischen Codierung und Update
Codierung: Parameter in vorhandenen Steuergeräten ändern. Die Software bleibt auf dem gleichen Stand, nur die Konfiguration wird angepasst. Vergleichbar mit dem Ändern von Einstellungen in einem Programm, ohne das Programm selbst zu aktualisieren. Codierungen sind innerhalb weniger Minuten durchführbar und reversibel – der Originalzustand kann jederzeit wiederhergestellt werden.
Update: Software auf einen neuen Stand bringen. Neue Firmware wird auf das Steuergerät übertragen, die neue Funktionen freischalten kann. Updates erfordern eine stabile Stromversorgung (Ladegerät am Fahrzeug) und können 30–90 Minuten pro Steuergerät dauern. Nach einem Update können sich die verfügbaren Codierungs-Parameter ändern. Bei manchen Funktionen gilt daher: erst Update durchführen, um die neue Software-Basis zu schaffen, dann Codierung durchführen, um die neuen Funktionen zu konfigurieren.
Nerd-Box: MBUX NTG6 – Architektur, OTA und VIN-gebundene Lizenzen
Das MBUX im W213 (ab Facelift 2020) basiert auf der Head-Unit-Generation NTG6. Herzstück ist ein NVIDIA-Tegra-SoC, der zwei Displays parallel rendert: das 12,3-Zoll-Kombiinstrument und den zentralen Touchscreen. Das darunter liegende Betriebssystem ist ein angepasstes Linux – das gleiche Grundprinzip, das auch in der Raumfahrt-IT Anwendung findet. Die Zuverlässigkeit dieser Architektur erinnert an die improvisierte Bordelektronik aus Apollo 13: auch hier müssen heterogene Subsysteme über klar definierte Busprotokolle zuverlässig miteinander sprechen, sonst bricht das Gesamtsystem zusammen.
Online-Update-Pfad: Neue Firmware wird vom Mercedes-Backend über die TCU (Telematik-Control-Unit) via 4G-Mobilfunk empfangen, in einem gesicherten Speicherbereich zwischengelagert und nach VIN-Validierung auf die Head-Unit geflasht. Der Benutzer bestätigt den Start – das eigentliche Update läuft dann bei stehender Zündung, damit der Hauptbus nicht unterbrochen wird. Parallel existiert der klassische Werkstatt-Pfad per XENTRY-SCN-Codierung, der bei tieferen Änderungen an der Systemkonfiguration zwingend bleibt.
VIN-gebundene Lizenzen: MBUX-Kartendaten, Sprachpakete und bestimmte Navi-Modi sind serverseitig an die Fahrzeugidentifikationsnummer gekoppelt. Beim Aufruf einer Funktion prüft die Head-Unit die Lizenz-Signatur gegen das Mercedes-Backend – fehlt die Signatur, bleibt das Menü ausgegraut.
Entwicklermodus und Sensitivitätsgrenzen: Der interne MBUX Development Mode erlaubt tiefe Eingriffe in Animationen, Startbildschirm-Hintergründe und Ambientelicht-Kurven. Manche Parameter – insbesondere solche mit Einfluss auf die Funktionssicherheit oder auf signierte Komponenten – sind serverseitig gesperrt und lassen sich ausschließlich mit einer gültigen XENTRY-Online-Session ändern. Wir dokumentieren jede dieser Codierungen per Messprotokoll.
MBUX-Codierung oder COMAND-Anpassungen für Ihren Mercedes? Baureihe und gewünschte Funktion per WhatsApp – wir prüfen Machbarkeit mit XENTRY.
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