AU nicht bestanden – Ursachen und Lösungen

AU nicht bestanden wegen Lambda, HC, CO oder Partikel: Was die Werte bedeuten, was die Ursachen sind und wie man das Problem schnell und dauerhaft löst.

AU nicht bestanden – Ursachen und Lösungen
TL;DR
  • Bei Benzinern muss Lambda exakt 1,00 ±0,03 betragen, CO unter 0,3 % (Euro 5+) und HC unter 100 ppm – gemessen wird im Leerlauf und bei 2.500–3.000 U/min.
  • Beim Diesel liegt der k-Wert-Grenzwert bei Euro 6 unter 0,7 m⁻¹; ein erhöhter Wert deutet auf einen teilweise verstopften DPF oder defekten Temperatursensor hin.
  • Lambda zu fett deutet auf defekte Lambdasonde oder tropfendes Einspritzventil, Lambda zu mager auf Falschluft hinter dem Luftmassenmesser oder schwache Kraftstoffpumpe.
  • Ab Euro 5/6 wird zusätzlich der OBD-Fehlerspeicher ausgelesen – aktive Fehlercodes im Emissionssystem führen unabhängig von den Messwerten zum Nichtbestehen.
  • Wir empfehlen vor jeder AU eine Diagnose mit XENTRY, ODIS oder ISTA: Probleme werden sichtbar, bevor sie zur Nachprüfung mit erneutem Termin führen.

Abgasuntersuchung nicht bestanden – lösbar, wenn man die Ursache kennt. Das reine Nichtbestehen ist das Symptom. Hinter jedem überschrittenen Grenzwert steckt ein technischer Befund, der sich systematisch eingrenzen lässt.

Was bei der AU gemessen wird

Benziner (Lambda-Messung):

  • Lambda: Luftzahl, soll exakt 1,00 ±0,03. Zu fett (Lambda unter 0,97): CO und HC zu hoch. Zu mager (Lambda über 1,03): NOx zu hoch.
  • CO: Kohlenmonoxid (unvollständige Verbrennung) – Grenzwert: unter 0,3 % bei Euro 5+
  • HC: Kohlenwasserstoffe (unverbrannter Kraftstoff) – Grenzwert: unter 100 ppm

Die Messung erfolgt bei erhöhter Leerlaufdrehzahl (2.500–3.000 U/min) und im Leerlauf. Beide Messbedingungen müssen bestanden werden. Ein Motor, der bei erhöhter Drehzahl besteht, im Leerlauf aber nicht, hat typischerweise ein Problem mit der Gemischregelung bei niedriger Last – häufig eine träge Lambdasonde oder ein Luftleck im Ansaugtrakt.

Diesel (Rauchgastrübung): Der k-Wert (Absorptionskoeffizient) wird beim freien Hochdrehen des Motors gemessen – je nach Baujahr und Norm. Bei Euro-6-Dieseln liegt der Grenzwert bei 0,7 m⁻¹. Die Messung erfolgt durch Volllast ohne Gang. Der DPF muss dabei aktiv und funktionsfähig sein – ein teilweise verstopfter oder beschädigter DPF erhöht den k-Wert direkt.

OBD-Prüfung (ab Euro 5/6): Zusätzlich zur Emissionsmessung wird der Fehlerspeicher über die OBD-Schnittstelle ausgelesen. Aktive Fehlercodes im Emissionssystem (P0xxx, P2xxx) führen zum Nichtbestehen – auch wenn die Messwerte selbst im Normbereich liegen. Ebenso kritisch: nicht vollständig aufgebaute Readiness-Monitore nach Code-Löschung oder Batterie-Unterbrechung.

Benziner: Was die Ursachen sein können

Lambda zu fett (CO/HC zu hoch):

  • Lambdasonde vor Kat defekt: Die Sonde meldet dem Steuergerät einen falschen Sauerstoffwert, das Gemisch wird zu fett berechnet.
  • Einspritzventil tropft oder hängt offen: Kraftstoff gelangt unkontrolliert in den Brennraum.
  • Kraftstoffdruckregler defekt (zu hoher Druck): Mehr Kraftstoff pro Einspritzzyklus als berechnet.
  • Zündaussetzer: Unverbranntes Gemisch gelangt über den Abgasstrang in den Katalysator. HC-Werte steigen stark an.

Lambda zu mager:

  • Luftleck nach Luftmassenmesser (Falschluft): Der MAF misst weniger Luft als tatsächlich in den Motor gelangt. Die Einspritzung wird zu niedrig berechnet.
  • Kraftstoffdruckregler defekt (zu niedriger Druck): Zu wenig Kraftstoff pro Einspritzzyklus.
  • Kraftstofffilter zugesetzt oder Kraftstoffpumpe schwach: Die Förderleistung reicht bei erhöhter Drehzahl nicht aus.

Katalysator kalt oder defekt: Der Katalysator muss Betriebstemperatur erreicht haben (über 400 °C). Eine Kurzstrecke direkt vor der AU führt dazu, dass der Kat noch kalt ist und keine ausreichende Konvertierung leistet. Wenn der Kat nach ausreichender Aufwärmzeit trotzdem nicht besteht, ist die Konvertierungseffizienz zu gering – messbar über den Vergleich der Signale von Vor- und Nach-Kat-Sonde per XENTRY/ODIS/ISTA. Eine H2-Motorreinigung kann bei einem verschmutzten, aber noch funktionsfähigen Katalysator die Effizienz verbessern.

Diesel: DPF-Probleme systematisch angehen

Erhöhter k-Wert – erste Maßnahme: DPF regenerieren lassen (Autobahnfahrt über 60 km/h für mindestens 30 Minuten), dann erneut testen. Wenn der DPF-Differenzdruck nach der Regeneration erhöht bleibt: DPF-Reinigung per Spülverfahren oder im Extremfall DPF-Tausch.

Häufig übersehen: Ein defekter Temperatursensor vor oder nach dem DPF kann die automatische Regeneration verhindern. Das Steuergerät erkennt nie die korrekte Temperatur, leitet die Regeneration nicht ein – der Filter setzt sich über Wochen zu. XENTRY, ISTA oder ODIS zeigen DPF-Füllstandswerte, Regenerationsverlauf und Sensor-Plausibilität in den Live-Daten.

SCR-System: Bei Euro-6-Dieseln mit AdBlue-Anlage kann auch eine fehlerhafte Dosierung oder ein defekter NOx-Sensor zur AU-Ablehnung führen – selbst wenn der DPF sauber ist. Der k-Wert ist nur ein Teil des Bildes. Die OBD-Prüfung deckt SCR-Fehler eigenständig auf.

Readiness-Monitore: der häufig übersehene Grund

Ein häufiges Nichtbestehen ohne offensichtliche technische Ursache: Readiness-Monitore nicht vollständig aufgebaut. Das passiert nach:

  • Code-Löschung im Fehlerspeicher (z. B. durch den Vorbesitzer oder eine andere Werkstatt)
  • Batterie-Unterbrechung (Batteriewechsel, Tiefentladung)
  • Steuergerät-Reset nach Software-Update

Nach einem solchen Ereignis müssen alle Emissionsmonitore durch spezifische Fahrbedingungen neu aufgebaut werden. Ein einfacher Kaltstart reicht nicht. Der vollständige Drive-Cycle umfasst Kaltstart, Stadtbetrieb, Überlandfahrt und Autobahn – in dieser Reihenfolge und mit bestimmten Temperaturen und Lastzuständen. Wir prüfen den Readiness-Status mit XENTRY/ODIS/ISTA vor der AU und führen bei Bedarf einen strukturierten Fahrzyklus durch.

Für Techniker: Lambda-Regelkreis, OBD-Readiness-Monitore, DPF-Messwerte

Lambda-Regelkreis und Sondendiagnose

Die Lambda-Regelung arbeitet zweistufig: Vor-Kat-Sonde (Breitband, z. B. LSU 4.9) liefert ein lineares Signal im Bereich 0,6–1,8 λ mit einer Ausgangsspannung von 0–5 V (Pumpprom). Nach-Kat-Sonde (Sprungsonde) überwacht Katalysator-Effizienz mit binärem Signal: unter 0,45 V = fett (hoher Sauerstoffverbrauch = Kat aktiv), über 0,45 V = mager.

Träge Vor-Kat-Sonde erkennen (XENTRY Live-Daten):

  • Soll-Ansprechzeit bei Lambdasprung fett→mager: < 100 ms
  • Träge Sonde: > 250 ms – Gemischregelung korrigiert zu spät, Abgaswerte schwanken
  • Diagnose: Lambda-Sprungtest über XENTRY-Aktoren oder ODIS Geführte Fehlersuche P0133

Katalysator-Effizienz messen:

  • Vor-Kat-Signal: schwingend um λ = 1,00 (Regelkreis aktiv)
  • Nach-Kat-Signal bei intaktem Kat: nahezu konstant, reagiert träge (Sauerstoffspeicher des Kats dämpft das Signal)
  • Konvertierungseffizienz unter 80 %: Nach-Kat-Sonde schwingt fast genauso schnell wie Vor-Kat-Sonde → P0420

OBD-II Readiness-Monitore (SAE J1979)

Monitor-CodeMonitorAuslöse-Bedingung
0x01CatalystKaltstart < 35 °C + Betriebstemperatur + 2 Minuten > 2.500 U/min
0x02Heated CatalystWie Catalyst, plus Abgas-Temperatursensor aktiv
0x04EVAP SystemTankfüllstand 15–85 %, bestimmter Fahrzyklus
0x08Secondary AirKaltstart-Betrieb
0x10A/C RefrigerantKlimakompressor-Aktivierung
0x20O2 SensorMehrere Betriebszyklen nach Kaltstart
0x40O2 Sensor HeaterKaltstart + erste Minuten Betrieb
0x80EGR/VVT SystemKaltstart bis Betriebstemperatur

Für HU/AU-Bestehen: mind. 8 von 11 Monitoren auf „complete” (Euro-5/6-Fahrzeuge). Einzelne N/A-Monitore (nicht anwendbar für diesen Fahrzeugtyp) sind unproblematisch.

DPF-Messwerte ISTA/ODIS

BMW N47/N57 (ISTA): DPF-Beladung Soll im Normalbetrieb < 30 g Rußmasse. Regenerations-Einleitung ab 45–50 g. k-Wert-Korrelation: Bei Rußmasse über 60 g ohne stattgefundene Regeneration k-Wert-Überschreitung wahrscheinlich. DPF-Differenzdruck Leerlauf Soll: < 15 mbar, Warnschwelle 30 mbar.

VW EA288 TDI (ODIS): SCR-Dosierventil Soll-Einspritzmenge 0,5–2,5 mg/Arbeitspunkt (last- und temperaturabhängig). Abweichung über 30 % → Dosierventil oder Druckleitung prüfen. NOx-Sensor-Vergleich vor/nach SCR: Reduktionseffizienz sollte > 85 % betragen.

Systematische Vorgehensweise

Vor jeder AU empfehlen wir eine Diagnose mit Herstellersystem: Fehlerspeicher prüfen, Adaptionswerte auslesen, Lambda-Regelung im Live-Betrieb beobachten, Readiness-Monitore prüfen. Probleme werden sichtbar, bevor sie zur Nachprüfung mit erneutem Termin führen.

Die Abgasuntersuchung (AU) führen wir über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) durch. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra. Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.


AU nicht bestanden oder Katalysator-Fehlermeldung? Eine Diagnose klärt die Ursache. Termin per WhatsApp oder unter 05505 5236.


Weiterführende Informationen


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Häufig gestellte Fragen

Welche Diagnosesysteme setzen Sie bei der AU-Vorbereitung ein?

Wir arbeiten mit den offiziellen Herstellersystemen XENTRY (Mercedes), ODIS (VW-Konzern) und ISTA (BMW) – identische Diagnosetiefe wie beim Vertragshändler. Damit lesen wir alle emissionsrelevanten Steuergeräte aus, prüfen Readiness-Monitore und beobachten Lambda-Regelung und DPF-Status im Live-Betrieb.

Was bedeutet es, wenn Lambda zu fett oder zu mager ist?

Lambda zu fett (unter 0,97): CO und HC zu hoch. Ursachen: defekte Lambdasonde vor Kat, tropfendes Einspritzventil, zu hoher Kraftstoffdruck. Lambda zu mager (über 1,03): NOx zu hoch. Ursachen: Luftleck nach Luftmassenmesser (Falschluft), zu niedriger Kraftstoffdruck, schwache Kraftstoffpumpe. Wir suchen die Ursache systematisch per Rauchprüfung und Live-Daten.

Warum besteht mein Fahrzeug die AU trotz einwandfreier Abgaswerte nicht?

Ab Euro 5/6 wird zusätzlich der OBD-Fehlerspeicher ausgelesen. Aktive Fehlercodes im Emissionssystem führen unabhängig von den Messwerten zum Nichtbestehen. Außerdem: nicht vollständig aufgebaute Readiness-Monitore (z. B. nach Batterie-Unterbrechung oder Code-Löschen) können ebenfalls zur Ablehnung führen. Wir prüfen beides vor der AU.

Führen Sie die AU selbst durch?

Ja. Die Abgasuntersuchung (AU) führen wir über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) durch. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra. Wir bereiten Ihr Fahrzeug vor, führen die AU durch und koordinieren auf Wunsch auch den HU-Termin.

Was kostet eine Vorab-Diagnose vor der AU?

Unsere Vorab-Diagnose umfasst das vollständige Auslesen aller Steuergeräte über XENTRY, ODIS oder ISTA, die Prüfung der Readiness-Monitore sowie die Beobachtung von Lambda-Regelung und Adaptionswerten im Live-Betrieb. Die Kosten teilen wir Ihnen vor Beginn verbindlich mit. Sie erhalten ein Prüfprotokoll mit allen Befunden.

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