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AU nicht bestanden – Ursachen und Lösungen

AU nicht bestanden wegen Lambda, HC, CO oder Partikel: Was die Werte bedeuten, was die Ursachen sind und wie man das Problem schnell und dauerhaft löst.

AU nicht bestanden – Ursachen und Lösungen
Illustration: mit KI-Werkzeugen erstellt · KI-Transparenz
TL;DR
  • Bei Benzinern muss Lambda exakt 1,00 ±0,03 betragen und CO unter 0,3 % (Euro 5+) liegen; HC dient als Plausibilitätsgröße – gemessen wird im Leerlauf und bei 2.500–3.000 U/min.
  • Beim Euro-6/VI-Diesel zählt seit 1.7.2023 die Partikelzahl (max. 250.000/cm³) – ein gerissener DPF fällt damit sicher auf; ältere Diesel werden weiter über den Trübungs-k-Wert geprüft.
  • Lambda zu fett deutet auf defekte Lambdasonde oder tropfendes Einspritzventil, Lambda zu mager auf Falschluft hinter dem Luftmassenmesser oder schwache Kraftstoffpumpe.
  • Bei allen OBD-pflichtigen Fahrzeugen (Benziner ab EZ 2001, Diesel ab EZ 2004) wird zusätzlich der OBD-Fehlerspeicher ausgelesen – aktive Fehlercodes im Emissionssystem führen unabhängig von den Messwerten zum Nichtbestehen.
  • Wir empfehlen vor jeder AU eine Diagnose mit XENTRY, ODIS oder ISTA: Probleme werden sichtbar, bevor sie zur Nachprüfung mit erneutem Termin führen.

Abgasuntersuchung nicht bestanden – lösbar, wenn man die Ursache kennt. Das reine Nichtbestehen ist das Symptom. Hinter jedem überschrittenen Grenzwert steckt ein technischer Befund, der sich systematisch eingrenzen lässt.

Was bei der AU gemessen wird

Benziner (Lambda-Messung):

  • Lambda: Luftzahl, soll exakt 1,00 ±0,03. Zu fett (Lambda unter 0,97): CO und HC zu hoch. Zu mager (Lambda über 1,03): NOx zu hoch.
  • CO: Kohlenmonoxid (unvollständige Verbrennung) – Grenzwert: unter 0,3 % bei Euro 5+
  • HC: Kohlenwasserstoffe (unverbrannter Kraftstoff) – als Plausibilitätsgröße; auffällig erhöhte Werte deuten auf Verbrennungsaussetzer oder Kat-Probleme

Die Messung erfolgt bei erhöhter Leerlaufdrehzahl (2.500–3.000 U/min) und im Leerlauf. Beide Messbedingungen müssen bestanden werden. Ein Motor, der bei erhöhter Drehzahl besteht, im Leerlauf aber nicht, hat typischerweise ein Problem mit der Gemischregelung bei niedriger Last – häufig eine träge Lambdasonde oder ein Luftleck im Ansaugtrakt. Wie sich eine träge Sonde von einem erschöpften Katalysator trennen lässt, führen wir unter Lambdasonde defekt: Vor- und Nachkat-Signale unterscheiden aus.

Diesel (Rauchgastrübung): Beim Diesel entscheidet das Baujahr über das Messverfahren: Euro-6/VI-Fahrzeuge durchlaufen seit dem 1.7.2023 die Partikelzählung am Endrohr (Grenzwert 250.000 Partikel/cm³) – sie entlarvt auch Haarrisse im DPF, die die Trübungsmessung nie gesehen hat. Ältere Diesel werden weiter über den k-Wert (Absorptionskoeffizient) beim freien Hochdrehen geprüft. In beiden Fällen gilt: Der DPF muss aktiv und funktionsfähig sein – ein beschädigter DPF treibt die Messwerte direkt nach oben.

OBD-Prüfung (ab Euro 5/6): Zusätzlich zur Emissionsmessung wird der Fehlerspeicher über die OBD-Schnittstelle ausgelesen. Aktive Fehlercodes im Emissionssystem (P0xxx, P2xxx) führen zum Nichtbestehen – auch wenn die Messwerte selbst im Normbereich liegen. Ebenso kritisch: nicht vollständig aufgebaute Readiness-Monitore nach Code-Löschung oder Batterie-Unterbrechung.

Benziner: Was die Ursachen sein können

Lambda zu fett (CO/HC zu hoch):

  • Lambdasonde vor Kat defekt: Die Sonde meldet dem Steuergerät einen falschen Sauerstoffwert, das Gemisch wird zu fett berechnet.
  • Einspritzventil tropft oder hängt offen: Kraftstoff gelangt unkontrolliert in den Brennraum.
  • Kraftstoffdruckregler defekt (zu hoher Druck): Mehr Kraftstoff pro Einspritzzyklus als berechnet.
  • Zündaussetzer: Unverbranntes Gemisch gelangt über den Abgasstrang in den Katalysator. HC-Werte steigen stark an.

Lambda zu mager:

  • Luftleck nach Luftmassenmesser (Falschluft): Der MAF misst weniger Luft als tatsächlich in den Motor gelangt. Die Einspritzung wird zu niedrig berechnet.
  • Kraftstoffdruckregler defekt (zu niedriger Druck): Zu wenig Kraftstoff pro Einspritzzyklus.
  • Kraftstofffilter zugesetzt oder Kraftstoffpumpe schwach: Die Förderleistung reicht bei erhöhter Drehzahl nicht aus.

Katalysator kalt oder defekt: Der Katalysator muss Betriebstemperatur erreicht haben (über 400 °C). Eine Kurzstrecke direkt vor der AU führt dazu, dass der Kat noch kalt ist und keine ausreichende Konvertierung leistet. Wenn der Kat nach ausreichender Aufwärmzeit trotzdem nicht besteht, ist die Konvertierungseffizienz zu gering – messbar über den Vergleich der Signale von Vor- und Nach-Kat-Sonde per XENTRY/ODIS/ISTA. Eine H2-Motorreinigung kann bei einem verschmutzten, aber noch funktionsfähigen Katalysator die Effizienz verbessern.

Diesel: DPF-Probleme systematisch angehen

Erhöhte Partikelzahl oder k-Wert – erste Maßnahme: DPF regenerieren lassen (Autobahnfahrt über 60 km/h für mindestens 30 Minuten), dann erneut testen. Wenn der DPF-Differenzdruck nach der Regeneration erhöht bleibt: DPF-Reinigung per Spülverfahren oder im Extremfall DPF-Tausch.

Häufig übersehen: Ein defekter Temperatursensor vor oder nach dem DPF kann die automatische Regeneration verhindern. Das Steuergerät erkennt nie die korrekte Temperatur, leitet die Regeneration nicht ein – der Filter setzt sich über Wochen zu. XENTRY, ISTA oder ODIS zeigen DPF-Füllstandswerte, Regenerationsverlauf und Sensor-Plausibilität in den Live-Daten.

SCR-System: Bei Euro-6-Dieseln mit AdBlue-Anlage kann auch eine fehlerhafte Dosierung oder ein defekter NOx-Sensor zur AU-Ablehnung führen – selbst wenn der DPF sauber ist. Partikelzahl bzw. k-Wert sind nur ein Teil des Bildes. Die OBD-Prüfung deckt SCR-Fehler eigenständig auf.

Readiness-Monitore: der häufig übersehene Grund

Ein häufiges Nichtbestehen ohne offensichtliche technische Ursache: Readiness-Monitore nicht vollständig aufgebaut. Das passiert nach:

  • Code-Löschung im Fehlerspeicher (z. B. durch den Vorbesitzer oder eine andere Werkstatt)
  • Batterie-Unterbrechung (Batteriewechsel, Tiefentladung)
  • Steuergerät-Reset nach Software-Update

Nach einem solchen Ereignis müssen alle Emissionsmonitore durch spezifische Fahrbedingungen neu aufgebaut werden. Ein einfacher Kaltstart reicht nicht. Der vollständige Drive-Cycle umfasst Kaltstart, Stadtbetrieb, Überlandfahrt und Autobahn – in dieser Reihenfolge und mit bestimmten Temperaturen und Lastzuständen. Wir prüfen den Readiness-Status mit XENTRY/ODIS/ISTA vor der AU und führen bei Bedarf einen strukturierten Fahrzyklus durch.

Für Techniker: Lambda-Regelkreis, OBD-Readiness-Monitore, DPF-Messwerte

Lambda-Regelkreis und Sondendiagnose

Die Lambda-Regelung arbeitet zweistufig: Vor-Kat-Sonde (Breitband, z. B. LSU 4.9) liefert ein lineares Signal im Bereich 0,6–1,8 λ ausgewertet über den Pumpstrom der Nernst-Zelle. Nach-Kat-Sonde (Sprungsonde) überwacht Katalysator-Effizienz mit binärem Signal: unter 0,45 V = fett (hoher Sauerstoffverbrauch = Kat aktiv), über 0,45 V = mager.

Träge Vor-Kat-Sonde erkennen (XENTRY Live-Daten):

  • Soll-Ansprechzeit bei Lambdasprung fett→mager: < 100 ms
  • Träge Sonde: > 250 ms – Gemischregelung korrigiert zu spät, Abgaswerte schwanken
  • Diagnose: Lambda-Sprungtest über XENTRY-Aktoren oder ODIS Geführte Fehlersuche P0133

Katalysator-Effizienz messen:

  • Vor-Kat-Signal: schwingend um λ = 1,00 (Regelkreis aktiv)
  • Nach-Kat-Signal bei intaktem Kat: nahezu konstant, reagiert träge (Sauerstoffspeicher des Kats dämpft das Signal)
  • Konvertierungseffizienz unter 80 %: Nach-Kat-Sonde schwingt fast genauso schnell wie Vor-Kat-Sonde → P0420

OBD-II Readiness-Monitore (SAE J1979)

Monitor-CodeMonitorAuslöse-Bedingung
0x01CatalystKaltstart < 35 °C + Betriebstemperatur + 2 Minuten > 2.500 U/min
0x02Heated CatalystWie Catalyst, plus Abgas-Temperatursensor aktiv
0x04EVAP SystemTankfüllstand 15–85 %, bestimmter Fahrzyklus
0x08Secondary AirKaltstart-Betrieb
0x10A/C RefrigerantKlimakompressor-Aktivierung
0x20O2 SensorMehrere Betriebszyklen nach Kaltstart
0x40O2 Sensor HeaterKaltstart + erste Minuten Betrieb
0x80EGR/VVT SystemKaltstart bis Betriebstemperatur

Für das AU-Bestehen müssen die vom Fahrzeug unterstützten Monitore auf „complete” stehen. N/A-Monitore (nicht anwendbar für diesen Fahrzeugtyp) sind unproblematisch.

DPF-Messwerte ISTA/ODIS

BMW N47/N57 (ISTA): DPF-Beladung Soll im Normalbetrieb < 30 g Rußmasse. Regenerations-Einleitung ab 45–50 g. Messwert-Korrelation: Bei Rußmasse über 60 g ohne stattgefundene Regeneration ist eine Überschreitung von Partikelzahl bzw. k-Wert wahrscheinlich. DPF-Differenzdruck Leerlauf Soll: < 15 mbar, Warnschwelle 30 mbar.

VW EA288 TDI (ODIS): SCR-Dosierventil Soll-Einspritzmenge 0,5–2,5 mg/Arbeitspunkt (last- und temperaturabhängig). Abweichung über 30 % → Dosierventil oder Druckleitung prüfen. NOx-Sensor-Vergleich vor/nach SCR: Reduktionseffizienz sollte > 85 % betragen.

Systematische Vorgehensweise

Vor jeder AU empfehlen wir eine Diagnose mit Herstellersystem: Fehlerspeicher prüfen, Adaptionswerte auslesen, Lambda-Regelung im Live-Betrieb beobachten, Readiness-Monitore prüfen. Probleme werden sichtbar, bevor sie zur Nachprüfung mit erneutem Termin führen.

Die Abgasuntersuchung (AU) führen wir über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) durch. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra. Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.


AU nicht bestanden oder Katalysator-Fehlermeldung? Eine Diagnose klärt die Ursache. Termin über die Warteliste oder unter 05505 5236.


Weiterführende Informationen


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Häufig gestellte Fragen

Welche Diagnosesysteme setzen Sie bei der AU-Vorbereitung ein?

Wir arbeiten mit den offiziellen Herstellersystemen XENTRY (Mercedes), ODIS (VW-Konzern) und ISTA (BMW) – identische Diagnosetiefe wie beim Vertragshändler. Damit lesen wir alle emissionsrelevanten Steuergeräte aus, prüfen Readiness-Monitore und beobachten Lambda-Regelung und DPF-Status im Live-Betrieb.

Was bedeutet es, wenn Lambda zu fett oder zu mager ist?

Lambda zu fett (unter 0,97): CO und HC zu hoch. Ursachen: defekte Lambdasonde vor Kat, tropfendes Einspritzventil, zu hoher Kraftstoffdruck. Lambda zu mager (über 1,03): NOx zu hoch. Ursachen: Luftleck nach Luftmassenmesser (Falschluft), zu niedriger Kraftstoffdruck, schwache Kraftstoffpumpe. Wir suchen die Ursache systematisch per Rauchprüfung und Live-Daten.

Warum besteht mein Fahrzeug die AU trotz einwandfreier Abgaswerte nicht?

Bei allen OBD-pflichtigen Fahrzeugen (Benziner ab EZ 2001, Diesel ab EZ 2004; OBD-gestützte AU ab EZ 2006) wird zusätzlich der OBD-Fehlerspeicher ausgelesen. Aktive Fehlercodes im Emissionssystem führen unabhängig von den Messwerten zum Nichtbestehen. Außerdem: nicht vollständig aufgebaute Readiness-Monitore (z. B. nach Batterie-Unterbrechung oder Code-Löschen) können ebenfalls zur Ablehnung führen. Wir prüfen beides vor der AU.

Führen Sie die AU selbst durch?

Ja. Die Abgasuntersuchung (AU) führen wir über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) durch. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra. Wir bereiten Ihr Fahrzeug vor, führen die AU durch und koordinieren auf Wunsch auch den HU-Termin.

Was kostet eine Vorab-Diagnose vor der AU?

Unsere Vorab-Diagnose umfasst das vollständige Auslesen aller Steuergeräte über XENTRY, ODIS oder ISTA, die Prüfung der Readiness-Monitore sowie die Beobachtung von Lambda-Regelung und Adaptionswerten im Live-Betrieb. Die Kosten teilen wir Ihnen vor Beginn verbindlich mit. Sie erhalten ein Prüfprotokoll mit allen Befunden.

Welche Grenzwerte gelten bei der AU für Benziner?

Der Lambdawert soll exakt 1,00 mit einer Toleranz von plus/minus 0,03 betragen, CO liegt bei Euro 5+ unter 0,3 Prozent; die HC-Werte fließen als Plausibilitätsgröße mit ein. Gemessen wird bei erhöhter Leerlaufdrehzahl zwischen 2.500 und 3.000 Umdrehungen sowie im Leerlauf – beide Messbedingungen müssen bestanden werden.

Mein Motor besteht bei erhöhter Drehzahl, im Leerlauf aber nicht – woran liegt das?

Dieses Muster deutet typischerweise auf ein Problem der Gemischregelung bei niedriger Last hin. Häufigste Ursachen sind eine träge Lambdasonde oder ein Luftleck im Ansaugtrakt. Wir prüfen die Ansprechzeit der Vor-Kat-Sonde im Live-Datenstrom und suchen Falschluft systematisch per Rauchprüfung.

Wie wird der Diesel heute bei der AU gemessen – Partikelzahl oder k-Wert?

Seit dem 1. Juli 2023 gilt für Euro-6/VI-Diesel die Partikelzählung: Am Endrohr wird die Partikelanzahl gemessen, der Grenzwert liegt bei 250.000 Partikeln pro Kubikzentimeter. Ein Haarriss im Partikelfilter, der bei der alten Trübungsmessung unsichtbar blieb, fällt damit zuverlässig auf. Für ältere Diesel bleibt die Trübungsmessung (k-Wert beim freien Hochdrehen) bestehen. Bei überhöhten Werten ist die erste Maßnahme eine vollständige Regeneration mit anschließender Nachmessung – bleibt der Wert hoch, liegt ein Substrat-Schaden nahe.

Warum reicht es nicht, vor der AU einfach den Fehlerspeicher zu löschen?

Reines Code-Löschen entfernt den Readiness-Status und führt zur erneuten Ablehnung. Die Emissionsmonitore müssen anschließend durch spezifische Fahrbedingungen neu aufgebaut werden, und die eigentliche Ursache bleibt bestehen. Wir setzen deshalb das identifizierte Bauteil instand, statt den Code zu entfernen.

Was gehört zu einem vollständigen Drive-Cycle nach der Reparatur?

Ein vollständiger Fahrzyklus umfasst Kaltstart, Stadtbetrieb, Überlandfahrt und Autobahn – in dieser Reihenfolge und mit bestimmten Temperaturen und Lastzuständen. Ein einfacher Kaltstart reicht nicht. Für das Bestehen müssen die vom Fahrzeug unterstützten Monitore auf complete stehen; für den Fahrzeugtyp nicht anwendbare Monitore sind unproblematisch.