„Airbag-Kontrollleuchte lässt sich nicht löschen” – das ist eine der häufigsten Anfragen, die uns nach Unfällen oder Fahrzeugkäufen erreichen. Der Grund ist technisch, aber verständlich erklärt: Es gibt zwei Arten von Fehlercodes im SRS-Steuergerät, und nur eine davon lässt sich per OBD löschen.
Soft-Codes vs. Hard-Codes im SRS-Steuergerät
Das SRS-Steuergerät (Supplemental Restraint System) speichert Fehlerereignisse in zwei verschiedenen Speicherbereichen:
Soft-Codes (flüchtiger Fehlerspeicher):
- Temporäre Sensorstörungen (z.B. Sitzgurt-Sensor kurz unterbrochen)
- Spannungsabfall-Ereignisse
- Kommunikationsfehler zu anderen Steuergeräten
- Löschbar per OBD-Diagnosegerät – auch mit Werkzeug aus dem Teile-Handel
Hard-Codes (permanenter Crash-Speicher):
- Aufprall-Ereignisse über dem Auslöseschwellwert (auch ohne Airbag-Auslösung)
- Tatsächliche Airbag- oder Gurtstraffer-Auslösungen
- Gespeichert in EEPROM-Speicherbereichen, die schreibgeschützt sind
- Nicht löschbar per OBD – auch mit professionellen Diagnosetools nicht
Das OBD-Protokoll hat keinen Zugriff auf den geschützten Crash-Datenspeicher. Der Speicherbereich ist hardwareseitig gegen Überschreibung gesichert – als Sicherheitsmerkmal, nicht als Fehler.
Was passiert bei einem OBD-Reset?
Kurzfristig geht die Kontrollleuchte aus. Nach etwa 10–30 Minuten Fahrt oder beim nächsten Einschalten erscheint sie erneut. Das SRS-Steuergerät führt beim Einschalten einen Selbsttest durch und erkennt den gespeicherten Crash-Datensatz – die Leuchte kommt zurück.
Viele Werkstätten wiederholen diesen Prozess mehrfach. Das Ergebnis bleibt dasselbe. Der Crash-Datensatz ist nicht im flüchtigen Fehlerspeicher – er ist im EEPROM, der sich via OBD nicht überschreiben lässt.
Chip-Level-Reset: Was das bedeutet
Beim Chip-Level-Reset wird das SRS-Steuergerät ausgebaut. Dann gibt es zwei Verfahren:
Direkte EEPROM-Programmierung: Das SRS-Steuergerät wird geöffnet (oder per Clip kontaktiert) und der EEPROM-Chip direkt ausgelesen. Der Crash-Datensatz wird gezielt überschrieben, anschließend wird der Originalzustand (ohne Crash-Ereignisse) zurückgeschrieben. Fahrzeugspezifische Konfigurationsdaten bleiben erhalten.
SRS klonen: Bei hardware-defektem SRS-Steuergerät wird ein Ersatzgerät beschafft und alle fahrzeugspezifischen Daten vom Originalgerät übertragen – ohne den Crash-Datensatz. Das Ergebnis: werksfrischer Zustand mit Fahrzeugkenntnis.
Welche Fahrzeuge sind betroffen?
Praktisch alle modernen Fahrzeuge nutzen dieses Zwei-Speicher-Konzept. Besonders häufig anfragen wir für:
- VW-Gruppe: Bosch SDM60/70/80 (Golf, Passat, Tiguan, Audi A4/A6)
- BMW: Bosch SDM oder TRW/ZF (3er, 5er, X5)
- Mercedes: Bosch oder Continental (C-Klasse, E-Klasse, Sprinter)
- Ford: TRW/ZF ACU (Focus, Mondeo, Transit)
- Opel: Delphi oder Bosch (Astra, Vectra)
Die konkrete Speicherarchitektur variiert je nach Hersteller und Baujahr – daher ist eine Diagnose vor dem Reset-Versuch wichtig.
Was wir prüfen, bevor wir den Reset durchführen
Vor jedem Airbag-Reset stellen wir sicher:
- Fehlerbild passt: Nur Crash-Daten, keine mechanischen SRS-Schäden
- Airbag-Gaserzeuger intakt: Ausgelöste Airbags müssen physisch getauscht werden – kein Reset ersetzt das
- Gurtstraffer-Status: Ausgelöste Gurtstraffer sind pyrotechnisch und einmalig
- SRS-Chip lesbar: Beim Reset muss der EEPROM vollständig auslesbar sein
Klartext: Wir löschen nur Crash-Daten aus dem Speicher. Physische Sicherheitsbauteile (Airbag-Module, Gurtstraffer) müssen separat geprüft und bei Auslösung zwingend getauscht werden. Das ist keine Empfehlung – das ist gesetzlich vorgeschrieben.
Wann das Steuergerät getauscht werden muss
Wenn das ACM durch den Aufprall selbst beschädigt wurde (Kurzschluss auf der Platine, gebrochene Lötstellen, interner Elektronikdefekt), lässt es sich nicht mehr zurücksetzen. Diagnose zeigt: interne Fehlfunktion, Steuergerät antwortet nicht korrekt auf Reset-Befehl, oder Kommunikation bricht während des Auslesens ab. Neuere Mercedes-SRS-Steuergeräte und einige BMW-Generationen erlauben unter bestimmten Bedingungen einen Reset auch nach Auslösung – ob ein Reset möglich ist, zeigt ausschließlich das Herstellersystem nach dem Auslesen.
ACM-Tausch: Neues oder aufbereitetes Steuergerät einbauen, mit XENTRY/ODIS/ISTA auf das Fahrzeug codieren. Bei Mercedes ist eine SCN-Codierung erforderlich, bei VW eine Online-Parameterierung über den ODIS-Server.
SRS-Kontrollleuchte leuchtet dauerhaft nach Unfall? Per WhatsApp Fahrzeug, Baujahr und Fehlerbild schicken – wir prüfen, ob Chip-Level-Reset die Lösung ist.
Weiterführende Informationen: