„Der hat sicher mehr als die Werksangabe” – aber wie viel genau? Unsere OBD-basierte Leistungsmessung unter realen Fahrbedingungen gibt die objektive Antwort. Keine Schätzung, kein Bauchgefühl, sondern eine messbare Leistungskurve über den gesamten Drehzahlbereich.
Was unsere Leistungsmessung erfasst
Die Messung erfasst die Radleistung – also was tatsächlich an den Antriebsrädern ankommt. Werksangaben sind Motorleistung (an der Kurbelwelle, gemessen unter Normbedingungen nach ECE R85). Der Unterschied: Getriebe, Differential und Antriebsstrang schlucken 10–15% der Leistung durch Reibung und Erwärmung.
Ein Golf GTI mit 245 PS Werksangabe zeigt bei der Messung realistisch 210–225 PS an den Rädern. Das ist kein Defekt, sondern physikalisch normal. Bei Allradfahrzeugen ist der Verlust noch höher – ein Golf R mit 320 PS Werksangabe zeigt typisch 265–280 PS Radleistung.
Die Messung erfolgt per OBD-Datenlogger, der in Echtzeit Motorparameter ausliest, kombiniert mit GPS-basierter Beschleunigungsmessung. Aus den Daten berechnet die Software Leistung und Drehmoment für jeden Punkt des Drehzahlbands.
Ablauf einer Leistungsmessung
Vorbereitung (15–20 Minuten): Betriebstemperatur des Motors und des Getriebeöls. Reifendruck auf Normalwert (laut Fahrzeugschein). Alle elektronischen Einschränkungen müssen deaktiviert sein: Sportmodus aktiviert, ESC in den Sport-Modus oder auf minimal gestellt (fahrzeugabhängig), Klimaanlage ausgeschaltet. Der OBD-Datenlogger wird an die Diagnosebuchse angeschlossen und die Messparameter konfiguriert.
Messung (10–15 Minuten für 3 Läufe): Vollgasbeschleunigung von ca. 2.000 U/min bis Nenndrehzahl im höchsten Gang oder im Gang mit dem längsten Drehzahlband – auf einer geeigneten Teststrecke. Jeder Lauf dauert 15–30 Sekunden. Drei Läufe werden gefahren, um Reproduzierbarkeit zu prüfen – die Abweichung zwischen den Läufen sollte unter 2% liegen. Parallel wird per OBD gemessen: Lambda-Wert, Ladedruckverlauf bei Turbomotoren, Ladelufttemperatur und Ansauglufttemperatur.
Zwischenpause: Zwischen den Läufen wird der Motor 2–3 Minuten im Leerlauf gekühlt. Bei Turbomotoren ist diese Abkühlphase besonders wichtig – ein heißgelaufener Ladeluftkühler reduziert die Leistung messbar im nächsten Lauf.
Auswertung (10 Minuten): Leistungskurve und Drehmomentkurve über das gesamte Drehzahlband werden dargestellt. Einbrüche in der Kurve zeigen Probleme: Klopfschutz-Eingriffe (Zündzeitpunkt-Rücknahme), Ladedruck-Abregelung (Turbo erreicht Grenze), Ventilsteuerzeiten-Fehler (Drehmomentloch in bestimmtem Bereich) oder Kraftstoff-Unterversorgung (Lambda wird bei hoher Drehzahl mager).
Was die Messung verrät – über Tuning hinaus
Eine Leistungskurve ist ehrlicher als jede Herstellerangabe. Sie zeigt:
- Ob der Turbo sauber aufbaut oder zu früh begrenzt – ein verschlissener Turbo zeigt einen flacheren Druckaufbau ab 3.000 U/min
- Ob Lambda bei Vollgas im sicheren Bereich liegt (Benziner: Lambda 0,85–0,92 unter Volllast, magerer = Motorschaden-Risiko)
- Ob ein Chiptuning das Ergebnis liefert das versprochen wurde – nicht die Peak-Zahl allein, sondern die Form der Drehmomentkurve
- Ob mechanische Probleme (Kompression, Ventile, Ansaugleck) Leistung kosten – ein Motor mit einem Zylinder weniger Kompression zeigt eine typische Delle in der Kurve
Vor und nach dem Tuning
Seriöses Tuning beginnt immer mit einer Ausgangsmessung. Wer behauptet +40 PS ohne Vorher-Nachher-Messung mit dem gleichen Messverfahren, liefert keine verifizierbare Aussage. Bei uns: Messung vorher, Optimierung, Messung nachher – dokumentiert mit Messprotokoll. Das Protokoll enthält beide Kurven überlagert, sodass der Leistungsgewinn in jedem Drehzahlbereich sichtbar ist – nicht nur als Peak-Wert am Punkt der Maximalleistung.
Leistungsmessung für Ihr Fahrzeug? Fahrzeugtyp, Motorisierung und Ziel per WhatsApp – wir terminieren die Mess-Session.
Weiterführende Informationen: