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Ruhestrom-Sollwerte: Mercedes, VW und BMW

Wie hoch darf der Ruhestrom sein? Typische Werte und Einschlafzeiten für Mercedes mit SAM, VW auf MQB und BMW mit IBS – und was ein OBD2-Dongle daraus macht.

Ruhestrom-Sollwerte: Mercedes, VW und BMW
Illustration: mit KI-Werkzeugen erstellt · KI-Transparenz

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„Wie hoch darf der Ruhestrom sein?” lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Der pauschale Richtwert unter 50 mA hilft nur bedingt weiter, weil Einschlafverhalten und Grundlast von der Fahrzeuggeneration und vom verbauten Komfort-Steuergerät abhängen. Dieser Beitrag sammelt die markenspezifischen Werte, die wir in der Praxis messen.

TL;DR
  • Mercedes mit SAM: normal 20–35 mA, ein wach verharrendes SAM zieht 120–160 mA.
  • VW auf der MQB-Plattform schläft in fester Kaskade ein – Gateway, dann BCM, zuletzt der Komfort-CAN.
  • BMW ab F-Reihe: 25–40 mA nach vollständigem Einschlafen, der Batteriesensor meldet dabei alle 30 Sekunden.
  • Ein dauerhaft gesteckter OBD2-Dongle hebt den Wert von etwa 50 auf über 200 mA.
  • Ein Wert im Sollbereich schließt eine leere Batterie nicht aus – Kapazitätsverlust und Kurzstreckenbetrieb wirken unabhängig davon.

Wie gemessen wird – Wartezeit, Stromzange, Multimeter in Reihe, Eingrenzung über die Sicherungen – steht vollständig unter Ruhestrom messen und Kriechstrom im Auto finden. Hier geht es um die Frage, gegen welchen Sollwert Sie den gemessenen Wert halten.

Verursacher und ihre Messsignatur

Jeder typische Verursacher hinterlässt ein eigenes Muster im Messwert. Diese Signaturen ordnen den Befund zu, bevor überhaupt etwas ausgebaut wird:

Mögliche UrsacheErkennungsmerkmalPrüfschritt/MessungDiagnose-Befund
Nicht einschlafendes Komfort-Steuergerät (SAM Mercedes, BCM VW)Klebender Türkontakt/Relais, Steuergerät bleibt im StandbySicherungszug nach vollständigem Bus-ShutdownRuhestrom sinkt um über 20 mA beim Ziehen der zugehörigen Sicherung (SAM wach: 120–160 mA)
Permanent kommunizierender OBD2-DongleBluetooth/WLAN-Adapter hält den Bus wachDongle abziehen, Ruhestrom erneut messenAnstieg von ca. 50 mA auf über 200 mA
Infotainment-SteuergerätUpdate-/OTA-Verbindung unterbrochenSteuergeräte-Wachzustand per ODIS/XENTRY/ISTA prüfenModul bleibt nach Zündung aus aktiv
Nachgerüstete Alarmanlage/OrtungssystemDauerhafte Plus-Versorgung ohne SteuerungSicherungszug bzw. Trennen der NachrüstungRuhestrom fällt nach Trennen deutlich
Lichtmaschinen-Regler mit leckender DiodeRückfluss über den GeneratorErregerkreis/Generatorleitung prüfenErhöhter Grundstrom durch Diodenleckage
Defekter Türkontaktschalter/klebender KontaktAufwach-Ereignis bleibt aktivSchlafkurven-Diagramm mit Oszilloskop über 30 MinSteuergerät verharrt im Standby-Modus

Der pauschale Richtwert und was er wert ist

Nach der Schlafphase aller Steuergeräte sollte der Ruhestrom unter 30 bis 50 mA liegen, bei neueren Fahrzeugen mit vielen Steuergeräten bis etwa 80 mA. Liegt der Wert dauerhaft über 80 mA, ist die Batterie nach 48 bis 72 Stunden Standzeit so weit entladen, dass ein Startproblem entsteht.

Diese Spanne ist als erste Einordnung brauchbar, ersetzt aber den fahrzeugspezifischen Sollwert nicht. Ein W212 mit SAM-Modulen liegt im Normalfall bei 20 bis 35 mA – gemessene 70 mA sind dort ein Befund, während derselbe Wert an einem stark vernetzten Fahrzeug einer anderen Baureihe unauffällig sein kann. Wer nur gegen die Faustregel prüft, übersieht den ersten Fall und jagt im zweiten ein Phantom.

OBD2-Dongles als häufige Ursache

Einfache OBD2-Dongles (Bluetooth/WLAN) kommunizieren permanent und verhindern dass das Fahrzeug in den Schlafmodus geht. Ruhestrom-Steigerung von 50 mA auf 200+ mA möglich. Lösung: Dongle abziehen wenn Fahrzeug steht oder Gerät mit Auto-Sleep-Funktion verwenden.

Nicht vergessen: Schlafphasen-Problem

Manche Steuergeräte schlafen nicht, obwohl sie sollen – verursacht durch eine fehlende CAN-Bus-Botschaft eines anderen Steuergeräts. ODIS/XENTRY/ISTA kann zeigen, welche Steuergeräte nach Zündung aus noch aktiv sind. Bleibt ein zentrales Karosseriemodul selbst der Verursacher, lässt sich das Bordnetzsteuergerät instand setzen, statt es zu tauschen.

Markenspezifische Besonderheiten: Einschlafverhalten und typische Messwerte

Nicht jedes Fahrzeug verhält sich nach Zündung aus gleich. Die Einschlaf-Zeit von 45 bis 60 Minuten gilt als pauschale Richtgröße, die in der Praxis stark variiert — abhängig von Fahrzeuggeneration, verbautem Komfort-Steuergerät und aktiven Hintergrunddiensten.

Mercedes-Benz mit SAM-Modulen (W204, W212, W211): Das Signalerfassungsmodul SAM reagiert auf jede Schließ-Rückmeldung der Zentralverriegelung. Ist diese Rückmeldung nicht ordnungsgemäß quittiert — etwa durch einen klebenden Türkontaktschalter — bleibt das SAM im Standby. Typischer Ruhestrom bei normalem SAM-Schlaf: 20–35 mA. Verharrt das SAM im Wachzustand, steigt der Ruhestrom auf 120–160 mA. Das ist durch den Sicherungszug für das SAM eindeutig zu isolieren. XENTRY zeigt den genauen Wachzustand jedes SAM-Moduls unter „Steuergeräte-Kommunikation”. Was das Modul sonst noch verursacht und woran wir Feuchtigkeitsschäden erkennen, steht unter SAM-Defekt beim Mercedes W204 und W212.

VW-Gruppe (Golf 7, Passat B8) mit BCM: Das Body Control Module der MQB-Plattform schläft in einer programmatisch geregelten Kaskade ein: Gateway zuerst, dann BCM, zuletzt die restlichen Komfort-CAN-Teilnehmer. Bleibt ein Knoten in dieser Kaskade offen — häufig durch eine nicht quittierte Fahrzeugbewegungsmeldung oder eine permanent aktive Keyless-Go-Antennenschleife — wartet das gesamte Netz auf die Quittierung. ODIS liest den Schlafzustand aller Netzwerkknoten direkt aus dem Gateway-Diagnosespeicher und benennt den blockierenden Teilnehmer.

BMW E90/F30 mit FEM und IBS: Ab der F-Reihe kommuniziert der IBS-Sensor (Intelligent Battery Sensor) permanent über LIN-Bus mit dem FEM (Front Electronic Module). Der IBS meldet alle 30 Sekunden Spannung, Ladezustand und Temperatur. Das FEM bleibt entsprechend aktiv, bis das Fahrzeug vollständig eingeschlafen ist. Ein defekter IBS sendet fehlerhafte Werte und veranlasst das FEM, die Nachladestrategie fortlaufend neu zu berechnen — die Folge ist ein erhöhter Grundstrom und eine dauerhaft falsch eingeschätzte Batteriekapazität. Normaler Ruhestrom E90 nach vollständigem Einschlafen: 25–40 mA.

Wann eine Batterie trotz normalem Ruhestrom leer wird

Ein Ruhestrom unter 50 mA schließt eine durch Entladung leer gewordene Batterie nicht aus. Zwei Ursachen werden bei der Diagnose häufig übersehen:

Interne Kapazitätsdegradation: AGM-Batterien in Fahrzeugen mit Start-Stopp-System verlieren nach 4–6 Jahren Standzeit spürbar an Kapazität, auch ohne externen Defekt. Eine Batterie mit noch 60 % Restkapazität ist nach fünf Tagen Standzeit bei 35 mA Ruhestrom entladen — dieselbe Last entleert eine neue Batterie erst nach 15 Tagen. Ein Kaltstartstrom-Test nach EN 50342 ist deshalb Teil jeder vollständigen Ruhestrom-Diagnose: Er bewertet die reale Kapazität unter Lastbedingungen und unterscheidet eine gealterte Batterie von einem tatsächlichen Kriechstrom-Problem.

Unvollständige Nachladung durch Kurzstreckenbetrieb: Wird das Fahrzeug ausschließlich für kurze Strecken genutzt, erreicht die Lichtmaschine nicht die Betriebstemperatur, bei der sie effizient nachlädt. Das Ladeniveau der Batterie sinkt nach mehreren kurzen Fahrten schrittweise. Zusammen mit einem normalen Ruhestrom entsteht so nach einer Woche Standzeit eine entladene Batterie — ohne Verbraucher-Defekt, ohne erhöhten Ruhestrom. Die Lösung ist in diesem Fall keine Reparatur, sondern eine Fahrstreckenänderung oder eine externe Erhaltungsladung für Fahrzeuge mit häufigen Standzeiten.

Für Techniker: Aufwach-Ereignisse der Komfort-Steuergeräte und Schlafkurven-Aufzeichnung

Warum ein Modul im Standby verharrt

Moderne Komfort-Steuergeräte wie das SAM bei Mercedes oder das BCM bei VW haben mehrere Aufwach-Ereignisse programmiert: Türkontakt, Funkfernbedienung, Keyless-Go-RFID-Schleife, Heckklappenschalter. Jedes dieser Ereignisse startet einen Timer, nach dessen Ablauf das Modul zurück in den Schlafmodus wechseln soll. Klebt einer der Kontakte oder bleibt eine Antennenschleife dauerhaft aktiv, wird der Timer immer wieder neu gestartet – das Modul verharrt permanent im Standby, ohne dass ein Bauteil im klassischen Sinn defekt wäre.

Schlafkurven-Diagramm statt Momentanwert

Ein einzelner Messwert sagt nichts über den Verlauf. Wir zeichnen den Strom über 30 Minuten auf – mit Oszilloskop und Stromzange oder mit einem Logger – und erhalten eine Treppenkurve: Jede Stufe nach unten ist ein Modul, das sich verabschiedet hat. Bleibt die Kurve auf einem Plateau stehen, statt die letzte Stufe zu nehmen, ist die Höhe dieses Plateaus über dem Sollwert bereits ein Hinweis auf die Zahl der wach gebliebenen Module: Jedes zieht in der Größenordnung einiger zehn Milliampere.

Der Batteriesensor als Sonderfall

Der IBS am Batterie-Minuspol kommuniziert über LIN-Bus mit dem Energiemanagement und gehört zu den Teilnehmern, die auch im Ruhezustand aktiv bleiben – sein Anteil ist Teil des Sollwerts, kein Fehler. Kritisch wird er aus zwei Gründen: Wird sein Kontakt für eine Messung getrennt, wacht das gesamte Bordnetz auf. Und sendet er fehlerhafte Werte, rechnet das Energiemanagement die Nachladestrategie fortlaufend neu – mit erhöhtem Grundstrom als Folge.


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Häufig gestellte Fragen

Können Sie komplexe Elektronik-Probleme lösen?

Ja, wir sind auf schwierige Elektronik-Fälle spezialisiert: intermittierende Fehler, Ruhestromproblem, CAN-Bus-Störungen und Steuergeräte-Kommunikationsfehler – mit professioneller Messtechnik und Erfahrung.

Gilt derselbe Ruhestrom-Sollwert für jede Marke?

Nein. Ein Mercedes mit SAM-Modulen liegt nach dem Einschlafen typisch bei 20 bis 35 Milliampere, ein BMW ab der F-Reihe bei 25 bis 40 Milliampere. Bei der VW-MQB-Plattform hängt der Wert davon ab, ob die Einschlaf-Kaskade vollständig durchgelaufen ist. Der pauschale Richtwert unter 50 Milliampere taugt zur ersten Einordnung, ersetzt aber den fahrzeugspezifischen Vergleichswert nicht – dieselben 70 Milliampere sind an einer Baureihe auffällig und an einer anderen unauffällig.

Ruhestrom zu hoch – welche Ursachen kommen in Frage?

Typische Verursacher sind nicht einschlafende Komfort-Steuergeräte (SAM bei Mercedes, BCM bei VW), klebende Türkontaktschalter, defekte Infotainment-Module, nachgerüstete Alarmanlagen, permanent kommunizierende OBD2-Dongles und Lichtmaschinen-Regler mit leckender Diode. Per ISTA, XENTRY oder ODIS prüfen wir den Wachzustand jedes einzelnen Steuergeräts.

Wie hoch darf der Ruhestrom im Auto sein?

Nach der Schlafphase aller Steuergeräte sollte der Ruhestrom unter 30 bis 50 Milliampere liegen, bei neueren Fahrzeugen mit vielen Steuergeräten bis etwa 80 Milliampere. Liegt der Wert dauerhaft über 80 Milliampere, ist die Batterie nach 48 bis 72 Stunden Standzeit so weit entladen, dass ein Startproblem entsteht – das ist ein klarer Diagnosebefund.

Kann ein dauerhaft eingesteckter OBD2-Dongle die Batterie leeren?

Ja, das ist eine häufige und oft übersehene Ursache. Einfache Bluetooth- oder WLAN-Dongles kommunizieren permanent und verhindern, dass das Fahrzeug in den Schlafmodus geht – der Ruhestrom kann dadurch von etwa 50 auf über 200 Milliampere steigen. Die Lösung: den Dongle abziehen, wenn das Fahrzeug steht, oder ein Gerät mit Auto-Sleep-Funktion verwenden.

Wie finden Sie heraus, welches Steuergerät nicht einschläft?

Nach vollständigem Bus-Shutdown ziehen wir kreisweise einzelne Sicherungen, während die Strommesszange aktiv misst – sinkt der Ruhestrom beim Ziehen einer Sicherung um mehr als 20 Milliampere, ist der verursachende Stromkreis gefunden. Zusätzlich zeigen ODIS, XENTRY und ISTA direkt an, welche Steuergeräte nach Zündung aus noch aktiv sind. Ein Schlafkurven-Diagramm mit Oszilloskop über 30 Minuten macht die Einschlafphasen lückenlos sichtbar.

Warum darf ich die Batterie für die Messung nicht einfach abklemmen?

Weil das Trennen und Wiederverbinden des Stromkreises die Steuergeräte aufweckt und den Messwert wertlos macht. Bei Fahrzeugen mit IBS-Sensor am Batterie-Minuspol weckt schon das Trennen des Sensorkontakts das gesamte Bordnetz. Deshalb messen wir berührungslos mit der Stromzange oder seriell mit einer Parallelbrücke, die erst nach abgeschlossener Einschlafphase geöffnet wird.

Was macht der IBS-Sensor an der Batterie?

Der Intelligent Battery Sensor sitzt direkt am Batterie-Minuspol und meldet über den LIN-Bus regelmäßig Spannung, Ladezustand und Temperatur an das Energiemanagement – bei BMW ab der F-Reihe etwa alle 30 Sekunden an das FEM. Ein defekter IBS sendet fehlerhafte Werte, worauf das Steuergerät die Nachladestrategie fortlaufend neu berechnet: Die Folge sind ein erhöhter Grundstrom und eine dauerhaft falsch eingeschätzte Batteriekapazität.

Kann die Batterie trotz normalem Ruhestrom leer werden?

Ja, zwei Ursachen werden häufig übersehen. AGM-Batterien in Start-Stopp-Fahrzeugen verlieren nach 4 bis 6 Jahren spürbar Kapazität – eine Batterie mit 60 Prozent Restkapazität ist bei 35 Milliampere Ruhestrom schon nach fünf Tagen entladen, eine neue erst nach 15 Tagen. Und reiner Kurzstreckenbetrieb lädt die Batterie nie vollständig nach. Ein Kaltstartstrom-Test nach EN 50342 unterscheidet die gealterte Batterie vom echten Kriechstrom-Problem.

Wie lange muss ich vor der Ruhestrom-Messung warten?

Bis sämtliche Steuergeräte eingeschlafen sind – als Richtgröße gelten 45 bis 60 Minuten, in der Praxis variiert das stark nach Fahrzeuggeneration. Bei Mercedes mit SAM-Modulen liegt der normale Wert nach dem Einschlafen bei 20 bis 35 Milliampere, ein wach verharrendes SAM zieht dagegen 120 bis 160 Milliampere. Die VW-MQB-Plattform schläft in einer festen Kaskade ein: erst das Gateway, dann das BCM, zuletzt die übrigen Komfort-CAN-Teilnehmer.