PSA PureTech: das Konzept des Ölbad-Zahnriemens

Warum der PSA 1.2 PureTech einen Zahnriemen im Ölbad nutzt, das Grundproblem des Riemenabriebs am Ölsieb und welches Risiko daraus für den Motor entsteht.

PSA PureTech: das Konzept des Ölbad-Zahnriemens
TL;DR
  • Konzept: Der PSA 1.2 PureTech nutzt einen Zahnriemen, der im Motoröl läuft – einen sogenannten Ölbad-Zahnriemen oder wet belt.
  • Warum: Der ölbenetzte Riemen läuft leiser und reibungsärmer als eine Kette – das senkt Geräusch und Verbrauch.
  • Grundproblem: Das Elastomer des Riemens altert im heißen Öl und gibt Abrieb ab, der sich am Ölansaugsieb sammeln kann.
  • Risiko: Ein zugesetztes Ölsieb senkt den Öldruck – das gefährdet die Schmierung des gesamten Motors.
  • Gegenmaßnahme: Konsequente Ölpflege im vorgeschriebenen Intervall und ein rechtzeitiger Riemenwechsel sichern die Substanz.

Der 1.2-Liter-Dreizylinder-Benziner aus dem PSA-Konzern, bekannt als PureTech, ist ein technisch ambitionierter Motor, der in zahlreichen Modellen von Peugeot, Citroën, Opel und DS verbaut wurde. Er wurde mehrfach als sparsamer und kultivierter Antrieb ausgezeichnet. Ein konstruktives Detail dieses Motors verdient besondere Aufmerksamkeit: der Zahnriemen, der im Motoröl läuft. Dieser Beitrag erklärt das Konzept, die Beweggründe dahinter und das Grundproblem, das daraus erwächst. Bei KFZ Dietrich betrachten wir diesen Motor nicht mit Vorurteil, sondern mit der nüchternen Klarheit, die der Werterhalt verlangt.

Was ein Ölbad-Zahnriemen ist

Der klassische Zahnriemen läuft trocken, außerhalb des geschmierten Motorinneren, und wird gegen Öl abgedichtet. Der Ölbad-Zahnriemen geht den entgegengesetzten Weg: Er läuft bewusst im Motoröl, eingetaucht in den Schmierkreislauf. Im englischen Sprachraum hat sich dafür der Begriff wet belt etabliert – der nasse Riemen.

Die Verzahnung greift formschlüssig in die Zahnräder von Kurbel- und Nockenwelle, wie bei einem trockenen Riemen auch. Der Unterschied liegt allein im Betriebsmedium: Der Riemen ist dauerhaft von Motoröl umspült. Konstruktiv ist er für genau diese Umgebung ausgelegt, sein Material und seine Beschichtung sind auf den Kontakt mit Öl abgestimmt.

Warum PSA dieses Konzept gewählt hat

Die Wahl ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer klaren ingenieurtechnischen Abwägung. Ein im Öl laufender Riemen vereint zwei Vorteile, die in Zeiten verschärfter Verbrauchsvorgaben schwer wiegen.

Erstens die Reibung. Eine Steuerkette läuft über metallische Gelenke und erzeugt dort innere Reibung; ihr hydraulischer Spanner entzieht dem Ölkreislauf zudem Energie. Ein ölbenetzter Riemen gleitet vergleichsweise reibungsarm – das senkt den Reibungsverlust des Steuertriebs und damit den Kraftstoffverbrauch in messbarem Umfang.

Zweitens das Geräusch. Eine Kette kann rasseln, ein trockener Riemen kann singen. Der ölbenetzte Riemen läuft sehr leise, weil das umgebende Öl Schwingungen dämpft. Für einen kultivierten Motorlauf, der in dieser Fahrzeugklasse erwartet wird, ist das ein spürbarer Gewinn.

Aus Sicht des Entwicklers war der Ölbad-Zahnriemen also eine durchdachte Lösung für reale Zielkonflikte. Das Problem entsteht erst durch die Materialalterung über die Jahre – und genau dort setzt unsere Aufmerksamkeit an.

Das Grundproblem: Abrieb und das Ölsieb

Der Kern der Schwierigkeit liegt im Material des Riemens. Der Riemen besteht aus einem Elastomer mit eingebetteten Zugsträngen. Dieses Elastomer steht über die gesamte Lebensdauer in Kontakt mit heißem Motoröl. Über die Jahre und Kilometer altert das Material: Die Oberfläche kann verspröden und sich in feinen Partikeln ablösen.

Diese Partikel bleiben nicht an Ort und Stelle. Sie gelangen in den Ölkreislauf und werden mit dem Öl durch den Motor transportiert. Auf ihrem Weg passieren sie das Ölansaugsieb – ein feines Gitter vor der Ölpumpe, das gröbere Verunreinigungen zurückhalten soll. Genau hier sammelt sich der Abrieb. Mit der Zeit kann das Sieb zusetzen.

Daraus entsteht eine Kettenreaktion mit ernster Tragweite:

  1. Abrieb entsteht durch die Alterung des Riemenmaterials im Öl.
  2. Partikel wandern mit dem Öl zum Ansaugsieb der Ölpumpe.
  3. Das Sieb setzt sich zu und engt den Querschnitt ein.
  4. Die Förderleistung der Ölpumpe sinkt, der Öldruck fällt.
  5. Die Schmierung des gesamten Motors leidet – mit Folgen für Lager, Nockenwelle und den Steuertrieb selbst.

Das eigentliche Risiko ist also nicht der gerissene Riemen, sondern die schleichende Unterversorgung des Motors mit Öl. Ein Motorschaden durch Öldruckmangel ist die schwerwiegende Konsequenz, die am Ende dieser Kette stehen kann.

Warum dieses Risiko handhabbar ist

Es wäre falsch, den PureTech pauschal zu verurteilen. Der Mechanismus ist verstanden, und damit ist er beherrschbar. Die entscheidende Stellgröße ist das Motoröl. Frisches Öl in der korrekten Spezifikation und im vorgeschriebenen, nicht gedehnten Intervall hält den Schmierkreislauf sauber und verlangsamt die Materialalterung des Riemens. Wer am Ölwechsel spart, beschleunigt genau den Prozess, den er fürchten sollte.

Hinzu kommt der rechtzeitige Wechsel des Riemens selbst – verbunden mit der Reinigung oder dem Tausch der betroffenen Komponenten im Ölkreislauf. Welche Schritte beim Service konkret zu beachten sind und wie das Intervall einzuordnen ist, behandeln wir im Beitrag zur werkstattseitigen Lösung am PureTech-Ölbad-Zahnriemen.

Ein verbreiteter Irrtum ist zudem die Verwechslung von Bauarten. Viele Halter sind unsicher, ob ihr PureTech eine Steuerkette oder einen Ölbad-Zahnriemen besitzt – die beiden Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Diese Frage klären wir im Beitrag zur Begriffsklärung von Steuerkette und Ölbad-Zahnriemen beim 1.2 PureTech.

Für Interessierte: Warum das Ölsieb der wunde Punkt ist

Die Ölpumpe eines Motors saugt das Öl aus der Ölwanne an, bevor sie es unter Druck durch die Schmierkanäle presst. Direkt vor dem Ansaug sitzt das Sieb, ein feinmaschiges Gitter, das verhindern soll, dass grobe Partikel in die Pumpe und von dort in die engen Lagerspalte gelangen. Dieses Sieb ist bewusst fein, weil die Schmierspalte der Gleitlager nur wenige Mikrometer messen.

Genau diese Feinheit wird dem Ölbad-Zahnriemen zum Verhängnis. Der Abrieb seines Elastomers ist weich und klebrig – er bildet keine harten Körner, die durchrutschen, sondern eine zähe Masse, die sich an das Gitter anlegt. Setzt sich das Sieb zu, entsteht ein Strömungswiderstand vor der Pumpe. Die Pumpe kann dann nicht mehr genug Öl ansaugen, und der Druck im gesamten System fällt – obwohl die Ölwanne noch voll ist und die Pumpe mechanisch intakt arbeitet. Der Ölstand am Messstab täuscht in diesem Fall Sicherheit vor, die nicht besteht. Das macht den Befund so heimtückisch: Die Warnleuchte für den Öldruck reagiert erst, wenn der Mangel bereits kritisch ist. Eine vorausschauende Wartung, die das Sieb und den Riemen im Blick behält, ist deshalb kein Komfort, sondern die einzige verlässliche Vorsorge.

Werterhalt: ein gutes Konzept verlangt sorgfältige Betreuung

Der PureTech ist ein Motor mit Stärken – sparsam, leise, fahraktiv. Sein Ölbad-Zahnriemen ist Ausdruck einer konsequenten Ingenieursarbeit, die einen realen Zielkonflikt löst. Dass dieses Konzept eine Schwachstelle in der Materialalterung trägt, macht es nicht zu einem schlechten Motor, sondern zu einem, der eine bewusste, fachgerechte Betreuung verlangt.

Für den Unternehmer bedeutet das die Sicherung der Einsatzbereitschaft durch planbare Wartung, für den Automobil-Liebhaber den Erhalt der Substanz eines kultivierten Antriebs. Wer das Konzept versteht, die Ölpflege ernst nimmt und das Wechselintervall einhält, hat das Risiko unter Kontrolle. Wer abwartet, übergibt die Entscheidung dem Zufall – und der Zufall kennt beim Öldruck keine Gnade.

Kontakt

KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen. Telefon: 05505 5236. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 07:30 bis 16:30 Uhr. Fahren Sie einen 1.2 PureTech und möchten den Zustand des Steuertriebs einordnen lassen? Sprechen Sie uns an – wir geben Ihnen Klarheit.

HU und AU bei KFZ Dietrich

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Ölbad-Zahnriemen und warum nutzt PSA ihn beim PureTech?

Der Ölbad-Zahnriemen, im Fachjargon wet belt genannt, ist ein Zahnriemen, der nicht trocken läuft, sondern im Motoröl. PSA hat diese Bauart beim 1.2-Liter-PureTech-Benziner gewählt, um Reibung und Geräusch zu senken und damit den Verbrauch zu reduzieren. Ein im Öl laufender Riemen läuft sehr leise und mit geringerem Reibungsverlust als eine Kette. Der konzeptionelle Nachteil liegt im Material: Der Riemen besteht aus einem Elastomer, das im dauerhaften Kontakt mit heißem Motoröl altert und sich an der Oberfläche zersetzen kann. Der dabei entstehende Abrieb gelangt in den Ölkreislauf. Genau dieses Zusammenspiel von Vorteil und Schwachstelle macht das Konzept zu einem Thema, das eine sorgfältige Betreuung verlangt.

Welches Grundproblem entsteht durch den Riemenabrieb im Ölkreislauf?

Der zentrale Mechanismus ist eine Kettenreaktion. Der im Öl laufende Riemen gibt mit der Zeit feine Partikel seines Elastomers an das Motoröl ab. Diese Partikel werden mit dem Öl durch den Schmierkreislauf transportiert und sammeln sich am Ölansaugsieb der Ölpumpe. Setzt sich dieses Sieb zu, sinkt die Förderleistung der Ölpumpe und der Öldruck fällt. Eine Unterversorgung mit Öl gefährdet alle geschmierten Bauteile des Motors – von den Lagern bis zum Steuertrieb selbst. Das eigentliche Risiko ist daher nicht der Riemen allein, sondern die Folge seines Abriebs für die gesamte Ölversorgung. Konsequente Ölpflege im vorgeschriebenen Intervall mit der korrekten Spezifikation ist die wirksamste Gegenmaßnahme.

WhatsApp