- Kompletträder werden liegend gestapelt oder an Wandhaken aufgehängt – stehend würde sich die Aufstandsfläche verformen.
- Reifen ohne Felge werden stehend gelagert und alle sechs bis acht Wochen um eine Vierteldrehung gedreht – nie an Haken hängen, sonst verformt sich die Wulst.
- Optimaler Lagerraum: dunkel, trocken, 10 bis 25 Grad Celsius, mindestens ein Meter Abstand zu Chemikalien, Lösungsmitteln, Elektromotoren und Heizungen.
- Vor der Einlagerung Reifen reinigen, Profiltiefe notieren und die Position (VL, VR, HL, HR) markieren – Reifenglanz-Sprays vermeiden.
- Reifen über acht Jahre ab DOT-Datum gehören unabhängig vom Profil ersetzt – wir prüfen bei der professionellen Einlagerung den Zustand und informieren rechtzeitig.
Warum die Lagerung wichtig ist
Reifen bestehen aus Naturkautschuk, synthetischem Kautschuk, Silica, Ruß, Weichmachern und Stabilisatoren – eine komplexe Gummimischung, die auf Umgebungseinflüsse reagiert. UV-Strahlung, Ozon, extreme Temperaturen und mechanische Belastung beschleunigen die Alterung. Falsch gelagerte Reifen können innerhalb von zwei bis drei Jahren spröde werden, Risse bilden und ihre Sicherheitseigenschaften verlieren – selbst wenn das Profil noch ausreichend ist.
Richtig gelagert halten Reifen deutlich länger. Der Unterschied zwischen fachgerechter und nachlässiger Lagerung kann zwei bis drei Jahre zusätzliche Nutzungsdauer ausmachen – ein messbarer Werterhalt-Effekt, der sich direkt auf die Gesamtbetriebskosten eines Fahrzeugs auswirkt.
Die Gummimischung moderner Reifen enthält Antiozonant-Mittel, die durch Bewegung (Fahrbetrieb) aktiviert werden und an die Oberfläche migrieren. Bei langer Standlagerung ohne Bewegung versiegt dieser Schutzmechanismus. Das ist der physikalische Grund, warum auch „unbenutzte” Reifen altern – selbst im Lager.
Die Grundregel: Mit Felge liegend, ohne Felge stehend
Diese Regel ist einfach zu merken und physikalisch begründet:
Kompletträder (Reifen auf Felge): Liegend stapeln oder hängen
Kompletträder werden idealerweise liegend übereinandergestapelt – maximal vier Stück hoch. Zwischen den Rädern sorgt eine Kartonschicht oder eine Filzmatte dafür, dass die Felgen keine Kratzer bekommen. Alternativ können Kompletträder an Wandhaken aufgehängt werden, wobei der Haken durch die Felgenöffnung greift.
Warum nicht stehend? Kompletträder, die stehend gelagert werden, verformen sich an der Aufstandsfläche. Die Felge verhindert, dass der Reifen dem Druck gleichmäßig nachgibt, aber die Lauffläche kann sich an der Kontaktstelle zum Boden leicht plattdrücken. Diese Verformung ist nach Montage zwar meist reversibel, kann aber in den ersten Kilometern zu Vibrationen führen.
Reifendruck bei Einlagerung: Erhöhen Sie den Druck um 0,5 bar über den Fahrbetriebswert. Reifen verlieren über Monate langsam Luft durch Permeation (ca. 0,1 bar pro Monat), und der erhöhte Ausgangsdruck kompensiert diesen natürlichen Verlust. Vor der Montage auf den korrekten Betriebsdruck zurückregeln.
Reifen ohne Felge: Stehend lagern
Reifen ohne Felge werden stehend gelagert und sollten alle sechs bis acht Wochen um eine Vierteldrehung gedreht werden. Ohne die stabilisierende Felge verformt sich die Seitenwand bei liegender Lagerung unter dem Gewicht der darüberliegenden Reifen dauerhaft.
Auf keinen Fall hängen: Reifen ohne Felge dürfen nicht an Haken aufgehängt werden. Das Eigengewicht belastet die Wulst (den Bereich, der auf der Felge sitzt) und kann sie dauerhaft verformen. Eine beschädigte Wulst dichtet auf der Felge nicht mehr korrekt ab – was beim Aufziehen zum Problem wird oder schlimmstenfalls zu einem schleichenden Druckverlust führt.
Regelmäßiges Drehen: Das Drehen um eine Vierteldrehung alle sechs bis acht Wochen verteilt die mechanische Belastung gleichmäßig auf den gesamten Umfang. Bei vier Reifen entsteht so über eine Saison eine vollständige Rotation, die Verformungen an einzelnen Auflagepunkten verhindert.
Der richtige Lagerort
Temperatur
Ideal sind 10 bis 25 °C. Temperaturen über 35 °C beschleunigen die Alterung der Gummimischung erheblich. In einer ungedämmten Garage oder einem Schuppen können im Sommer 40 bis 50 °C erreicht werden – das ist zu warm für eine monatelange Lagerung. Die Weichmacher in der Gummimischung verdampfen bei hohen Temperaturen schneller, was die Elastizität dauerhaft mindert.
Kälte ist weniger problematisch. Reifen vertragen Temperaturen bis minus 20 °C, werden aber bei extremer Kälte steif und spröde. Vor der Montage sollten sie sich vollständig auf Raumtemperatur erwärmen – andernfalls besteht beim Aufziehen und in den ersten Kilometern erhöhte Verletzungsgefahr für das Material.
UV-Strahlung und Ozon
Ultraviolettes Licht zersetzt die Weichmacher im Gummi und führt zu Rissbildung an der Oberfläche. Lagern Sie Reifen daher dunkel – kein direktes Sonnenlicht, kein Fenster in der Nähe. Wenn sich eine dunkle Lagerung nicht realisieren lässt, decken Sie die Reifen mit einer lichtundurchlässigen Plane ab.
Ozon entsteht in der Nähe von Elektromotoren, Schweißgeräten und bestimmten Reinigungsmitteln. Ozonmoleküle greifen die Doppelbindungen im Gummi-Polymer direkt an und verursachen charakteristische Querrisse (sogenannte Ozonrisse). Lagern Sie Reifen nicht neben solchen Geräten oder Ölbrennern, deren Abgase Ozon enthalten können.
Chemikalien und Lösungsmittel
Benzin, Diesel, Öle, Lösungsmittel und aggressive Reiniger greifen Gummi an. Reifen sollten mindestens einen Meter Abstand zu solchen Stoffen haben. Auch der Kontakt mit Kupfer (z. B. blanke Kupferleitungen) beschleunigt die Gummialterung durch katalytische Reaktion – ein Effekt, der in der Fachliteratur als Metallionenkatalyse beschrieben wird.
Vor der Einlagerung: Reifen vorbereiten
Reinigung
Entfernen Sie groben Schmutz, Streusalzreste und Steine aus dem Profil. Eine gründliche Reinigung mit Wasser und mildem Reiniger reicht aus. Auf Reifenglanz-Sprays oder Silikonpflege sollten Sie verzichten – diese Produkte können die Gummimischung angreifen und beschleunigen die Austrocknung der Oberfläche langfristig.
Markierung
Markieren Sie die Position jedes Reifens: VL (vorne links), VR (vorne rechts), HL (hinten links), HR (hinten rechts). Das ermöglicht bei der nächsten Montage eine gezielte Zuordnung. Wir empfehlen, die Reifen bei jedem Wechsel achsweise zu tauschen (vorne nach hinten), um einen gleichmäßigen Verschleiß zu erreichen.
Profiltiefe notieren
Messen Sie die Profiltiefe vor der Einlagerung und notieren Sie die Werte. So wissen Sie vor der nächsten Saison sofort, ob die Reifen noch ausreichend Profil haben oder ob Ersatz beschafft werden muss – ohne Zeitdruck beim Saisonwechsel. Gesetzliche Mindestprofiltiefe: 1,6 mm. Für Winterreifen empfehlen wir mindestens 4 mm, da das Profilmuster unterhalb dieses Werts seine Wasserabführ- und Schneegreifwirkung verliert.
Für Techniker: Gummialterung, DOT-Datum und Reifenchemie
Das DOT-Datum korrekt ablesen
Das DOT-Datum steht in der letzten vierstelligen Zahlengruppe des DOT-Codes auf der Reifenflanke. Die ersten zwei Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten zwei das Produktionsjahr. Beispiel: 1423 bedeutet 14. Woche 2023. Reifen älter als 8 Jahre (ab DOT-Datum) sollten unabhängig von der Profiltiefe ersetzt werden – die meisten Fahrzeughersteller empfehlen dies ausdrücklich.
Reifenalterung: Die drei Mechanismen
- Oxidation: Sauerstoff greift die Polymerstruktur des Kautschuks an und macht ihn spröde. Dieser Prozess läuft auch ohne UV-Strahlung ab, wird aber durch Wärme beschleunigt (Faustregel: +10 °C verdoppeln die Reaktionsgeschwindigkeit chemischer Prozesse – Arrheniusgesetz).
- Ozonrissbildung: Ozon (O₃) reagiert mit Kohlenstoff-Doppelbindungen im Naturkautschuk und bildet querorientierte Risse (senkrecht zur Belastungsrichtung). Sichtbar als feine Risse in der Seitenwand oder im Profil. Grenzwert: Risse tiefer als 1 mm sind ein Ausschlusskriterium.
- Weichmachermigration: Flüssige Weichmacher (Extenderöle, Prozessöle) migrieren bei hohen Temperaturen an die Oberfläche und verdampfen. Das zurückbleibende Material ist spröder. Erkennbar an der rauen, matten Oberfläche und dem Verlust der Griffigkeit.
Reifendruck-Permeation: Die Physik des Luftverlusts
Reifen verlieren durch Permeation ca. 0,1 bar pro Monat (Wert für Standardluft/N₂-Gemisch). Reifenfüllungen mit Stickstoff (N₂) reduzieren die Permeationsrate, da N₂-Moleküle größer sind als O₂-Moleküle. Der Unterschied ist in der Praxis gering (0,05–0,07 bar statt 0,1 bar pro Monat), rechtfertigt aber für Einlagerungszwecke eine N₂-Befüllung, insbesondere bei hochpreisigen Performance-Reifen.
Gummimischungs-Typen und Lagerstabilität
- Sommerreifen (SBR/NR-Mischung): Höhere Temperaturresistenz, aber empfindlicher gegen Ozon.
- Winterreifen (hoher NR-Anteil, Silica): Silica-basierte Mischungen altern tendenziell langsamer als rußbasierte, sind aber empfindlicher gegen Lösungsmittelkontakt.
- Ganzjahresreifen: Kompromissmischungen, deren Lagerstabilität von Hersteller zu Hersteller variiert.
Häufige Lagerfehler
Reifen in Plastiktüten einpacken: Luftdichte Verpackung ist kontraproduktiv. Die im Gummi enthaltenen Weichmacher gasen leicht aus – in einer geschlossenen Tüte konzentrieren sich diese Ausdünstungen und greifen die Oberfläche an. Wenn Sie Reifen abdecken, verwenden Sie atmungsaktive Reifentaschen aus Vlies.
Reifen auf Beton lagern: Beton kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. Bei direktem Kontakt kann die Reifenwulst Feuchtigkeit ziehen. Legen Sie ein Brett oder eine Gummimatte unter stehend gelagerte Reifen.
Schwere Gegenstände auf Reifen stapeln: Werkzeugkisten, Getränkekästen oder andere schwere Gegenstände auf gestapelten Reifen verformen die Lauffläche dauerhaft. Die Lauffläche eines modernen Radialreifens ist nicht für statische Punktbelastung ausgelegt.
Reifen jahrelang vergessen: Auch bei optimaler Lagerung altern Reifen. Das Gummi wird mit der Zeit spröde. Als Richtwert gilt: Reifen über 8 Jahre ab Herstellungsdatum (DOT-Nummer) sollten ersetzt werden, unabhängig von der Profiltiefe. Ab 6 Jahren empfehlen wir eine jährliche Sichtprüfung auf Alterungsrisse.
Professionelle Einlagerung bei KFZ Dietrich
Wenn Sie keinen geeigneten Lagerort haben, bieten wir in unserer Werkstatt eine fachgerechte Reifeneinlagerung an. Die Reifen werden gereinigt, geprüft, markiert und in einem temperierten, trockenen Raum ohne UV-Exposition gelagert. Beim saisonalen Wechsel sind Ihre Reifen sofort verfügbar – ohne Transport und ohne Zeitdruck.
Der konkrete Vorteil: Wir prüfen bei der Einlagerung den DOT-Zustand, die Profiltiefe und die Reifenwandung auf Alterungsrisse. Sie erhalten vor der nächsten Saison einen Befundbericht – damit Sie rechtzeitig disponieren können, ob ein Reifen ersetzt werden muss. Eine vermeidbare Überraschung am Wechseltag kostet in der Regel mehr als die vorausschauende Planung.
Zusammenfassung: Die Lagerregeln
| Reifentyp | Position | Druck | Drehen |
|---|---|---|---|
| Kompletträder | Liegend gestapelt oder hängend | +0,5 bar über Betriebsdruck | Nicht nötig |
| Reifen ohne Felge | Stehend | Kein Druck (keine Felge) | Alle 6–8 Wochen vierteln |
Dunkel, trocken, 10–25 °C, keine Chemikalien, keine UV-Strahlung. Wer diese Grundregeln einhält, holt die maximale Lebensdauer aus seinen Reifen.
Haben Sie Fragen zur Einlagerung oder möchten Sie einen Termin für den Saisonwechsel vereinbaren? Schreiben Sie uns per WhatsApp oder rufen Sie an: 05505 5236.