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Wegfahrsperre deaktivieren: Ist das erlaubt?

An zugelassenen Fahrzeugen nein – sie gehört zur Typgenehmigung, § 19 StVZO und Kasko hängen daran. Startet der Motor nicht, wird sie instandgesetzt.

Wegfahrsperre deaktivieren: Ist das erlaubt?
Illustration: mit KI-Werkzeugen erstellt · KI-Transparenz

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TL;DR
  • Startet der Motor nicht, ist die Deaktivierung nie die Lösung: Defekt ist eine einzelne Komponente der Berechtigungskette – Transponder, Ringantenne, Wegfahrsperren-Steuergerät oder die Synchronisation zum Motorsteuergerät.
  • Nachgerüstete Zusatz-Wegfahrsperren und Alarmanlagen sind nicht Teil der Typgenehmigung – ihr fachgerechter Rückbau ist zulässig, muss dem Versicherer aber angezeigt werden.
  • Für Pkw ist die elektronische Wegfahrsperre Pflicht – in Deutschland nach § 38a StVZO für Erstzulassungen ab 1. Januar 1998, EU-weit nach Richtlinie 95/56/EG (Klasse M1) ab 1. Oktober 1998, heute UN/ECE-Regelung Nr. 116.
  • Eine dauerhafte Deaktivierung kann nach § 19 Abs. 2 StVZO zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen – die Wegfahrsperre ist Teil der Typgenehmigung.
  • Im Diebstahlfall kann die Kaskoversicherung nach § 23 VVG die Leistung wegen Gefahrerhöhung verweigern – Werkstattprotokolle und Diagnosespeicher können als Nachweis dienen.
  • Ausnahmen gelten nur für landwirtschaftliche Maschinen, reine Rennfahrzeuge ohne Straßenzulassung und temporäre Werkstattdiagnose mit Rückbau.
  • Die Behauptung, Chiptuning erfordere eine Deaktivierung der Wegfahrsperre, ist falsch – modernes Tuning verändert nur Kennfelder im Motorsteuergerät, die Wegfahrsperre bleibt unangetastet.

Die kurze Antwort vorweg: An einem Fahrzeug mit gültiger Straßenzulassung ist eine dauerhafte Deaktivierung der Wegfahrsperre nicht zulässig – sie ist Bestandteil der Typgenehmigung. Wer nach dieser Formulierung sucht, hat allerdings meist gar kein Rechtsproblem, sondern ein Fahrzeug, das nicht anspringt. Und dafür ist die Deaktivierung nie die Lösung, sondern die Instandsetzung.

Sechs Anlässe – und was jeweils wirklich zu tun ist

Unter dem Stichwort „Wegfahrsperre deaktivieren” landen in der Werkstatt im Wesentlichen sechs Ausgangslagen. Fünf davon lassen sich sauber lösen, eine bedienen wir nicht.

Ihre AusgangslageDeaktivierung nötig?Was tatsächlich gemacht wird
Motor startet nicht, Kontrollleuchte der Wegfahrsperre blinkt oder bleibt anNeinBerechtigungskette diagnostizieren, ausgefallene Komponente instand setzen
Alle Schlüssel verloren oder Schlüssel gestohlenNeinNeuen Schlüssel nach Halternachweis anlernen, verlorenen Schlüssel aus dem System löschen
Gebrauchtes Steuergerät eingebaut, Motor bleibt stummNeinSteuergerät an Fahrzeugdaten anpassen (Anlernen bzw. Entheiraten)
Nachgerüstete Zusatz-Wegfahrsperre oder Alarmanlage stört den StartJa, zulässigNachrüstteil fachgerecht zurückbauen, Serienstand wiederherstellen
Reines Rennfahrzeug oder Arbeitsmaschine ohne StraßenzulassungJa, zulässigSystemseitige Lösung ohne Zulassungsbezug
Straßenzugelassenes Fahrzeug dauerhaft entsperrenNicht zulässigBieten wir nicht an

Die drei Zeilen mit „Nein” decken den größten Teil der Anfragen ab. Startet ein Fahrzeug nicht, weil die Berechtigungsprüfung fehlschlägt, ist die Wegfahrsperre nicht der Gegner, sondern das defekte Bauteil in ihr. Wie die Instandsetzung im Einzelnen abläuft, mit Ursachen und der jeweils zugehörigen Maßnahme, steht weiter unten in diesem Beitrag. Für den Totalverlust aller Schlüssel haben wir den Ablauf samt erforderlicher Nachweise in Alle Schlüssel verloren: Notfall-Ablauf bei Totalverlust beschrieben; blockiert die Wegfahrsperre ohne erkennbaren Anlass, führt Wegfahrsperre blockiert plötzlich durch die Ursachensuche.

Gesetzliche Grundlagen: § 38a StVZO und EU-Richtlinie

In Deutschland steht die Pflicht in § 38a StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung): Personenkraftwagen müssen zusätzlich zur Sicherungseinrichtung gegen unbefugte Benutzung mit einer Wegfahrsperre ausgerüstet sein. Für erstmals in den Verkehr kommende Pkw gilt das seit dem 1. Januar 1998.

Europäisch geht die Anforderung auf die EU-Richtlinie 95/56/EG zurück. Sie schreibt die Wegfahrsperre für Fahrzeuge der Klasse M1 vor und wurde für Neuzulassungen ab dem 1. Oktober 1998 verbindlich; an ihre Stelle sind heute die inhaltlich gleichen Anforderungen der UN/ECE-Regelung Nr. 116 getreten. Wichtig für die Einordnung: Die Wegfahrsperren-Pflicht trifft den Pkw. Leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen brauchen nach § 38a StVZO lediglich eine Sicherungseinrichtung gegen unbefugte Benutzung – etwa ein Lenkradschloss. Dass Hersteller dort ebenfalls eine Wegfahrsperre verbauen, ist verbreitet, aber nicht vorgeschrieben.

Gemäß der Typgenehmigung ist die Wegfahrsperre ein integraler Bestandteil des Fahrzeugs. Ihre Entfernung oder Deaktivierung kann als nicht genehmigter Eingriff gewertet werden, der zum Erlöschen der Betriebserlaubnis nach § 19 Abs. 2 StVZO führt. In der Praxis wird dies bei einer Hauptuntersuchung allerdings selten geprüft, da die Wegfahrsperre kein sichtbares Bauteil ist und ihre Funktion nicht zum Prüfumfang der HU gehört.

Dennoch ist die Rechtslage eindeutig: Eine dauerhafte Deaktivierung der Wegfahrsperre an einem zugelassenen Straßenfahrzeug ist nicht vorgesehen und mit erheblichen Risiken verbunden.

Versicherungsrechtliche Konsequenzen

Die gravierendsten Folgen einer deaktivierten Wegfahrsperre liegen im Versicherungsrecht. Die Kaskoversicherung (Teil- und Vollkasko) deckt den Diebstahl des versicherten Fahrzeugs ab. Dabei setzt sie voraus, dass der serienmäßige Diebstahlschutz intakt ist.

Wird ein Fahrzeug mit deaktivierter Wegfahrsperre gestohlen, kann der Versicherer die Leistung nach § 23 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) wegen Gefahrerhöhung verweigern. Die Beweislast ist hier zweigeteilt: Der Versicherungsnehmer muss den Diebstahl nachweisen, der Versicherer muss die Gefahrerhöhung beweisen. In der forensischen Untersuchung eines gestohlenen Fahrzeugs lässt sich eine deaktivierte Wegfahrsperre jedoch zweifelsfrei feststellen, wenn das Fahrzeug wiedergefunden wird.

Selbst wenn das Fahrzeug nicht wiedergefunden wird, kann eine bekannte Deaktivierung der Wegfahrsperre den Versicherungsschutz gefährden. Werkstattprotokolle, Chiptuning-Dateien oder Diagnosespeicher können als Nachweis dienen.

Ausnahmen und Graubereiche

Es gibt wenige, eng definierte Ausnahmen, bei denen eine Deaktivierung der Wegfahrsperre zulässig oder zumindest nicht strafbar ist:

Landwirtschaftliche Maschinen und Arbeitsgeräte: Fahrzeuge, die ausschließlich auf Privatgelände oder in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden und keine Straßenzulassung benötigen, unterliegen nicht der EU-Richtlinie.

Rennfahrzeuge ohne Straßenzulassung: Fahrzeuge, die ausschließlich auf abgesperrten Rennstrecken bewegt werden, benötigen keine funktionsfähige Wegfahrsperre. Die Deaktivierung kann hier sogar sinnvoll sein, um Startprobleme unter Rennbedingungen zu vermeiden.

Temporäre Deaktivierung zur Diagnose: Im Rahmen einer Werkstattdiagnose kann es erforderlich sein, die Wegfahrsperre temporär zu umgehen, um das Motorsteuergerät isoliert zu testen. Dies ist eine anerkannte Diagnosemaßnahme, die nach Abschluss der Arbeiten rückgängig gemacht wird.

Nachgerüstete Wegfahrsperren: der praktisch wichtigste Sonderfall

Maßgeblich für die Pflicht ist die Erstzulassung. Pkw, die in Deutschland vor dem 1. Januar 1998 erstmals zugelassen wurden, mussten die Anforderung nicht erfüllen – bei Youngtimern und Klassikern ist eine werkseitige elektronische Wegfahrsperre daher oft gar nicht vorhanden. Was dort verbaut ist, stammt in aller Regel aus dem Zubehör: eine Zusatz-Wegfahrsperre oder eine Alarmanlage mit Startunterbrechung, häufig in den 1990er-Jahren zur Prämienreduzierung eingebaut.

Diese Nachrüstteile sind nicht Teil der Typgenehmigung. Ihr fachgerechter Rückbau auf den Serienstand lässt die Betriebserlaubnis unberührt – hier ist ein „Deaktivieren” tatsächlich zulässig. Zwei Einschränkungen bleiben:

  • Versicherungsvertrag prüfen. Ist die Anlage dort als Sicherungseinrichtung geführt, ist ihr Ausbau dem Versicherer anzuzeigen. Andernfalls entsteht dieselbe Gefahrerhöhung nach § 23 VVG wie bei einem Eingriff in die werkseitige Wegfahrsperre.
  • Werkseitiges System bleibt unangetastet. Bei Fahrzeugen mit werkseitiger Wegfahrsperre wird ausschließlich das Nachrüstteil entfernt. Die serienmäßige Wegfahrsperre muss danach vollständig funktionsfähig sein und wird von uns nachweislich geprüft.

Aus der Praxis: Nachrüstanlagen dieser Generation sind ein häufiger Grund für sporadische Startaussetzer. Verbaut wurden sie meist mit Schneidklemmen und Lötstellen im Motorkabelbaum, die nach drei Jahrzehnten korrodieren; die Steuerrelais kleben. Die Fehlersuche in einem undokumentierten Fremdsystem ist dabei regelmäßig aufwendiger als der saubere Rückbau, weil kein Schaltplan existiert und jeder Einbau anders ausgeführt wurde. Wir dokumentieren den Rückbau deshalb mit Fotos der aufgetrennten Stellen und dem wiederhergestellten Leitungsweg.

Für Techniker: ECE-R116, Challenge-Response und der forensische Speicher

Die UN/ECE-Regelung Nr. 116 spezifiziert die Mindestanforderungen jeder elektronischen Wegfahrsperre für M1- und N1-Fahrzeuge. Die Authentifizierung der Startfreigabe läuft als Challenge-Response zwischen Schlüssel-Transponder und Wegfahrsperren-Steuergerät: Die Ringantenne versorgt den batterielosen Transponder induktiv über 125 kHz und stellt ihm eine wechselnde Zufallsanfrage, der Transponder berechnet daraus mit seinem hinterlegten Geheimnis die Antwort. Der Schlüsselwert selbst wird nie übertragen. Das Motorsteuergerät erhält erst nach gültigem Response die Freigabe für Einspritzung und Zündung.

Wichtig zur Einordnung: Das ist kein Rolling Code. Ein Rolling Code – ein fortlaufender Zähler, dessen nächster Wert bei jedem Tastendruck gesendet wird – gehört zur Funkfernbedienung der Zentralverriegelung, die aktiv über UHF (meist 433 MHz) mit Batterie im Schlüssel sendet. Die Startfreigabe kennt keinen solchen Zähler. Wie beide Systeme zusammenspielen, ist in Rolling Code und Wegfahrsperre: die häufige Verwechslung ausführlich abgegrenzt.

Die eingesetzten Krypto-Verfahren unterscheiden sich je nach Hersteller: VW-Konzern (Megamos Crypto, später AES), Mercedes (FBS3/FBS4) und BMW (CAS3+, FEM/BDC) setzen in den aktuellen Generationen auf AES-128.

Die forensische Spurensicherung nach einem Diebstahl läuft über mehrere Speicher: Das Motormanagement (Bosch EDC17, MED17, Continental SID208) protokolliert die letzten 10 bis 20 Wegfahrsperren-Events mit Zeitstempel; das Komfort-Steuergerät bzw. das Gateway speichert Schlüssel-IDs und CAN-Authentifizierungs-Versuche; bei VAG ab MQB liegt zusätzlich ein Manipulations-Counter im SHE-Modul, der jede Software-Modifikation am Komponentenschutz inkrementiert. Eine Kasko-Forensik nach § 23 VVG durch Sachverständige liest diese Speicher im Bench-Setup mit XENTRY, ODIS oder ISTA aus und vergleicht sie mit dem Bauteil-Lebenslauf.

Die Aussage, eine Deaktivierung sei „nicht nachweisbar”, hält der Realität nicht stand – diese liefert mehrere unabhängige Datenspuren, die forensisch zusammen ein eindeutiges Bild ergeben. Substanz heißt hier: Wegfahrsperre instandsetzen, nicht deaktivieren.

Unsere Position: Instandsetzung statt Deaktivierung

Die Behauptung, dass bei einem Chiptuning die Wegfahrsperre deaktiviert werden müsse, ist in den allermeisten Fällen falsch und gefährlich. Modernes Chiptuning verändert Kennfelder im Motorsteuergerät, die Wegfahrsperren-Funktion bleibt dabei unangetastet. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, verfügt entweder nicht über die nötige Kompetenz oder handelt bewusst fahrlässig.

Unser Ansatz ist klar: Wir setzen Wegfahrsperren instand, wir deaktivieren sie nicht. Eine defekte Wegfahrsperre lässt sich in nahezu allen Fällen durch Steuergeräte-Instandsetzung, Schlüsselanlernung oder Synchronisation der beteiligten Komponenten wieder in den funktionsfähigen Originalzustand bringen. Das schützt Ihr Fahrzeug, Ihren Versicherungsschutz und Ihre Betriebserlaubnis.

Wie eine defekte Wegfahrsperre instandgesetzt wird

Das Wegfahrsperren-System besteht je nach Fahrzeug aus mehreren Komponenten, die kommunizieren müssen: der Antennenspule am Zündschloss, dem Wegfahrsperren-Steuergerät (bei Mercedes EIS/EZS, bei BMW CAS/FEM, bei VW/Audi Immobilizer im Komfortelektronik-Steuergerät), dem Motorsteuergerät und dem Schlüssel-Transponder.

Fällt eine dieser Komponenten aus oder verlieren die Komponenten ihre gespeicherte Synchronisation, startet der Motor nicht – obwohl der Schlüssel mechanisch passt. Die Diagnose mit XENTRY, ODIS oder ISTA zeigt, welche Komponente nicht antwortet oder welche Authentifizierungs-Sequenz fehlschlägt.

Häufige Ursachen und die jeweilige Lösung:

UrsacheLösung
Transponder im Schlüssel defektSchlüssel mit neuem Transponder kodieren
EIS/EZS defekt (Mercedes)Instandsetzung oder Tausch mit Neuanlernung aller Schlüssel
CAS-Steuergerät defekt (BMW)CAS instandsetzen, VIN und Schlüssel-Daten synchronisieren
Antennenkoppler defektAntennenkoppler tauschen, kein Steuergerätetausch nötig
Software-DesynchronisationSteuergeräte über XENTRY/ODIS/ISTA neu synchronisieren
Batterieverlust durch TiefentladungNeuanlernung der Wegfahrsperren-Kette nach Systeminitialisierung

Bei keiner dieser Maßnahmen wird die Wegfahrsperre deaktiviert. Das System wird in den funktionsfähigen Originalzustand zurückversetzt.

Was bei einer Instandsetzung dokumentiert wird

Wir erstellen für jeden Wegfahrsperren-Eingriff ein Diagnose-Protokoll mit:

  • Fahrzeug-Identifikationsnummer (VIN) und Kennzeichen
  • Ausgelesene Fehlercodes vor und nach der Maßnahme
  • Durchgeführte Maßnahme mit Bauteil-Bezeichnung und Prüfungsumfang
  • Identitätsprüfung des Fahrzeughalters (Kopie Fahrzeugbrief und Personalausweis)

Dieses Protokoll dient als Nachweis für Versicherung und Zulassungsstelle, dass das System ordnungsgemäß instandgesetzt wurde.

Alle Informationen zur Wegfahrsperren-Instandsetzung: Telefon 05505 5236 oder Warteliste.

Weiterführende Informationen


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Häufig gestellte Fragen

Ist es legal, die Wegfahrsperre zu deaktivieren?

Für im Straßenverkehr zugelassene Fahrzeuge ist die Deaktivierung der Wegfahrsperre in der Regel nicht zulässig. Für neu zugelassene Personenkraftwagen ist die elektronische Wegfahrsperre seit 1998 vorgeschrieben – in Deutschland durch § 38a StVZO, europäisch durch die Richtlinie 95/56/EG. Eine Deaktivierung kann zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen und hat Konsequenzen für den Versicherungsschutz.

Welche Konsequenzen hat eine deaktivierte Wegfahrsperre für die Versicherung?

Eine deaktivierte Wegfahrsperre kann dazu führen, dass die Kaskoversicherung im Diebstahlfall die Leistung verweigert oder erheblich kürzt. Die Wegfahrsperre gehört zum serienmäßigen Diebstahlschutz, und deren Entfernung stellt eine Gefahrerhöhung nach § 23 VVG dar, die dem Versicherer anzuzeigen ist.

Was tun, wenn die Wegfahrsperre defekt ist und das Fahrzeug nicht mehr startet?

Ein defektes Wegfahrsperren-System verhindert den Motorstart, obwohl das Fahrzeug technisch betriebsbereit ist. Ursachen sind ein defekter Transponder im Schlüssel, ein beschädigtes Zündschloss-Steuergerät (EIS/EZS bei Mercedes) oder eine gestörte Kommunikation im CAN-Bus zwischen den Wegfahrsperren-Komponenten. Wir diagnostizieren das System mit XENTRY, ODIS oder ISTA und setzen die defekte Komponente instand – ohne die Wegfahrsperre zu deaktivieren.

Kann man bei einem Fahrzeug ohne Schlüssel (z. B. nach Diebstahl des Schlüssels) einen neuen Schlüssel anlernen?

Das Anlernen eines neuen Schlüssels erfordert den Zugang zum Wegfahrsperren-Steuergerät und ist herstellerspezifisch. Bei Mercedes benötigen wir XENTRY und eine gültige Fahrzeug-PIN, bei VW/Audi ODIS mit Händlerzugang, bei BMW ISTA mit entsprechendem Workshop-Profil. Wir führen diese Maßnahme ausschließlich nach Identitätsprüfung des Fahrzeughalters durch.

Seit wann ist eine elektronische Wegfahrsperre in der EU vorgeschrieben?

In Deutschland gilt die Pflicht für Personenkraftwagen, die ab dem 1. Januar 1998 erstmals in den Verkehr gekommen sind – geregelt in § 38a StVZO. Europäisch geht die Anforderung auf die Richtlinie 95/56/EG zurück, die eine Wegfahrsperre für Fahrzeuge der Klasse M1 vorschreibt und ab dem 1. Oktober 1998 für alle Neuzulassungen verbindlich wurde. Heute gelten die inhaltlich gleichen Anforderungen der UN/ECE-Regelung Nr. 116. Leichte Nutzfahrzeuge brauchen nach § 38a StVZO nur eine Sicherungseinrichtung gegen unbefugte Benutzung, keine elektronische Wegfahrsperre.

Kann durch eine Deaktivierung die Betriebserlaubnis erlöschen?

Ja. Gemäß der Typgenehmigung ist die Wegfahrsperre ein integraler Bestandteil des Fahrzeugs. Ihre Entfernung oder Deaktivierung kann als nicht genehmigter Eingriff gewertet werden, der nach § 19 Abs. 2 StVZO zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führt. In der Praxis wird das bei einer Hauptuntersuchung selten geprüft, weil die Wegfahrsperre kein sichtbares Bauteil ist und ihre Funktion nicht zum Prüfumfang der HU gehört. An der Rechtslage ändert das nichts: Eine dauerhafte Deaktivierung an einem zugelassenen Straßenfahrzeug ist nicht vorgesehen und mit erheblichen Risiken verbunden.

Gibt es Ausnahmen von der Wegfahrsperren-Pflicht?

Es gibt wenige, eng definierte Ausnahmen. Landwirtschaftliche Maschinen und Arbeitsgeräte, die ausschließlich auf Privatgelände oder in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden und keine Straßenzulassung benötigen, unterliegen nicht der EU-Richtlinie. Reine Rennfahrzeuge, die ausschließlich auf abgesperrten Rennstrecken bewegt werden, benötigen ebenfalls keine funktionsfähige Wegfahrsperre. Und im Rahmen einer Werkstattdiagnose kann eine temporäre Umgehung erforderlich sein, um das Motorsteuergerät isoliert zu prüfen – diese anerkannte Diagnosemaßnahme wird nach Abschluss der Arbeiten wieder rückgängig gemacht.

Stimmt es, dass Chiptuning eine Deaktivierung der Wegfahrsperre erfordert?

Nein, diese Behauptung ist in den allermeisten Fällen falsch und gefährlich. Modernes Chiptuning verändert Kennfelder im Motorsteuergerät, die Wegfahrsperren-Funktion bleibt dabei unangetastet. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, verfügt entweder nicht über die nötige Kompetenz oder handelt bewusst fahrlässig. Lassen Sie sich auf dieses Argument nicht ein.

Lässt sich eine Deaktivierung überhaupt nachweisen?

Die Annahme, eine Deaktivierung sei nicht nachweisbar, hält der Realität nicht stand. Wird ein gestohlenes Fahrzeug wiedergefunden, lässt sich der Zustand in der forensischen Untersuchung zweifelsfrei feststellen. Aber auch ohne das Fahrzeug können Werkstattprotokolle, Chiptuning-Dateien oder Diagnosespeicher als Nachweis dienen. Für den Versicherungsnehmer bedeutet das ein Risiko, das sich über Jahre hinweg nicht auflöst.

Mein Auto startet nicht – muss dafür die Wegfahrsperre deaktiviert werden?

Nein. Ein Startproblem, das von der Wegfahrsperre ausgelöst wird, ist ein Defekt in der Berechtigungskette – Transponder, Ringantenne, Wegfahrsperren-Steuergerät oder die Synchronisation zum Motorsteuergerät. Repariert wird die ausgefallene Komponente, nicht das System als Ganzes abgeschaltet. In nahezu allen Fällen lässt sich der funktionsfähige Originalzustand wiederherstellen. Eine Deaktivierung würde das Startproblem lösen und dafür Betriebserlaubnis und Kaskoschutz beschädigen.

Darf ich eine nachgerüstete Wegfahrsperre oder Alarmanlage wieder ausbauen?

In der Regel ja. Nachträglich verbaute Zusatz-Wegfahrsperren und Alarmanlagen mit Startunterbrechung sind nicht Teil der Typgenehmigung des Fahrzeugs. Ihr fachgerechter Rückbau auf den Serienstand lässt die Betriebserlaubnis unberührt. Zwei Punkte sind zu beachten: Ist die Anlage im Versicherungsvertrag als Sicherungseinrichtung geführt, ist der Ausbau dem Versicherer anzuzeigen – sonst greift dieselbe Gefahrerhöhung nach § 23 VVG. Und die werkseitige Wegfahrsperre muss danach vollständig funktionsfähig bleiben.

Gilt die Wegfahrsperren-Pflicht auch für Oldtimer und Fahrzeuge vor 1998?

Nein. Maßgeblich ist die Erstzulassung: Personenkraftwagen, die in Deutschland vor dem 1. Januar 1998 erstmals zugelassen wurden, mussten die Anforderung nicht erfüllen und haben häufig keine werkseitige elektronische Wegfahrsperre. Wo bei diesen Fahrzeugen eine Wegfahrsperre verbaut ist, handelt es sich meist um eine Nachrüstung – für deren Rückbau gelten die Regeln für Nachrüstteile, nicht die Typgenehmigung.

Was dokumentieren Sie bei einer Wegfahrsperren-Instandsetzung?

Wir erstellen für jeden Eingriff ein Diagnose-Protokoll mit der Fahrzeug-Identifikationsnummer und dem Kennzeichen, den ausgelesenen Fehlercodes vor und nach der Maßnahme sowie der durchgeführten Maßnahme mit Bauteil-Bezeichnung und Prüfungsumfang. Festgehalten wird außerdem die Identitätsprüfung des Fahrzeughalters anhand der Fahrzeugpapiere und eines Lichtbildausweises. Dieses Protokoll dient als Nachweis gegenüber Versicherung und Zulassungsstelle, dass das System ordnungsgemäß instandgesetzt und nicht deaktiviert wurde.