- Reflektor-Targets an allen vier Rädern werden von Hochauflösungs-Kameras dreidimensional erfasst.
- Die Felgenschlagkompensation rechnet Montagetoleranzen und Höhenschlag aus dem Ergebnis heraus.
- Drehplatten und Schiebeplatten lösen Verspannungen im Fahrwerk vor der Messung.
- Die 3D-Technik ist genauer und schneller als ältere CCD-Verfahren mit Messköpfen am Rad.
- Erst das vollständige Bild aller Räder erlaubt eine belastbare Diagnose.
Was 3D-Achsvermessung technisch bedeutet
Die Bezeichnung „3D” ist kein Marketingbegriff, sondern beschreibt das Messprinzip. Statt einzelne Winkel nacheinander zu erfassen, bestimmt die Anlage die räumliche Lage jedes Rades in allen drei Dimensionen gleichzeitig. Daraus berechnet die Software sämtliche relevanten Werte: Spur, Sturz, Nachlauf, Spreizung, Spurdifferenzwinkel und die geometrische Fahrachse.
Das ist der entscheidende Fortschritt gegenüber dem älteren CCD-Verfahren, das mit aktiven Messköpfen direkt am Rad arbeitete. Jene Köpfe waren über Kabel oder Infrarot verbunden, empfindlich gegen Erschütterung und in der Genauigkeit begrenzt. Die 3D-Technik nutzt stattdessen passive Reflektor-Targets, die von feststehenden Kameras erfasst werden. In zeitgenössischen Werkstätten ist das CCD-Verfahren deshalb abgelöst.
Wie der gesamte Ablauf inklusive Kosten-Logik aussieht, lesen Sie im Hauptartikel 3D-Achsvermessung: Ablauf und Kosten-Logik.
Kameras und Reflektor-Targets
Das Herzstück der Anlage sind zwei oder vier Hochauflösungs-Kameras, je nach Bauart an einer Säule oder an der Hebebühne montiert. Sie blicken auf die Reflektor-Targets, die an jedem Rad über einen Schnellspanner an der Felgenkante befestigt werden.
Diese Targets tragen ein präzises Muster, dessen Lage und Verzerrung die Kameras auswerten. Aus der scheinbaren Form des Musters berechnet die Software den genauen Winkel, in dem das Rad zur Kamera steht. Weil die Targets passiv sind – sie reflektieren nur und enthalten keine Elektronik – gibt es keine Kabel, keine Batterien und keine Kalibrierungsdrift durch defekte Sensoren.
Wichtig: Die Targets müssen sauber und unbeschädigt sein und fest sitzen. Ein verschmutztes oder verkantetes Target führt zu fehlerhaften Werten. Deshalb prüfen wir vor jeder Messung den Sitz und reinigen die Reflektorflächen.
Die Felgenschlagkompensation
Ein Reflektor-Target wird an der Felge befestigt – und keine Felge läuft vollkommen rund. Montagetoleranzen, ein leichter Höhenschlag oder eine winzige Verformung würden das Messergebnis verfälschen, weil das Target dann nicht exakt auf der Radmitte ausgerichtet ist.
Hier setzt die Felgenschlagkompensation an. Bei diesem Korrekturlauf wird das Rad um einen definierten Winkel gedreht oder das Fahrzeug ein kurzes Stück bewegt. Die Kameras verfolgen das Target dabei kontinuierlich. Die Software erkennt aus der Bewegung, wie stark das Target von der idealen Radmitte abweicht, und rechnet diesen Versatz aus dem Messergebnis heraus.
Erst nach der Kompensation sind die ermittelten Winkel belastbar. Wer diesen Schritt überspringt, misst die Unrundheit der Felge mit – ein häufiger Grund für scheinbar widersprüchliche Werte bei unsauber durchgeführten Vermessungen. Bei KFZ Dietrich gehört der Kompensationslauf fest zum Ablauf.
Drehplatten, Schiebeplatten und die entspannte Achse
Ein Fahrwerk steht unter Spannung. Reifen haften am Boden, Gummilager sind tordiert, und diese Verspannungen würden eine Messung verfälschen. Deshalb steht das Fahrzeug bei der Vermessung auf beweglichen Platten.
An der Vorderachse befinden sich Drehplatten, die das Einlenken erlauben und zugleich die Räder spannungsfrei lagern. An der Hinterachse sorgen Schiebeplatten dafür, dass sich die Achse seitlich entspannen kann. Vor der eigentlichen Messung werden diese Platten entriegelt, sodass das Fahrwerk seine natürliche, lastfreie Position einnimmt.
Dieser Schritt erklärt, warum eine seriöse Achsvermessung nicht in wenigen Minuten erledigt ist. Das Fahrzeug muss korrekt positioniert, die Platten entriegelt und das Fahrwerk entspannt sein, bevor verlässliche Werte entstehen.
Der Praxisablauf am Messstand
So sieht der technische Ablauf am Vermessungsstand aus, nachdem die vorgeschaltete Sichtprüfung des Fahrwerks abgeschlossen ist.
- Positionieren. Das Fahrzeug wird mittig auf die Hebebühne gefahren, die Vorderräder ruhen auf den Drehplatten, die Hinterräder auf den Schiebeplatten.
- Targets montieren. An jedem Rad wird ein Reflektor-Target über den Schnellspanner an der Felgenkante befestigt und grob ausgerichtet.
- Kompensationslauf. Die Felgenschlagkompensation läuft an jedem Rad, um Montagetoleranzen und Höhenschlag herauszurechnen.
- Platten entriegeln. Dreh- und Schiebeplatten werden freigegeben, das Fahrwerk entspannt sich.
- Lenkung einschlagen. Für die Erfassung von Nachlauf und Spreizung wird das Lenkrad nach einem definierten Schema nach links und rechts eingeschlagen.
- Messwerte erfassen. Die Software ermittelt alle Winkel und stellt sie übersichtlich dar.
Erst danach folgt der Abgleich mit den Hersteller-Sollwerten und gegebenenfalls die Einstellung. Den Hintergrund zu den Sollwerten und Toleranzen vertiefen wir im Beitrag Hersteller-Sollwerte und Toleranzen.
Für Techniker: Warum alle vier Räder gemessen werden
Eine reine Vorderachsmessung übersieht die geometrische Fahrachse, die sich aus der Einzelspur beider Hinterräder ergibt. Weicht die geometrische Fahrachse von der Fahrzeug-Längsachse ab, läuft das Fahrzeug im sogenannten Hundegang schräg, und das Lenkrad steht trotz korrekt eingestellter Vorderachse schief. Die 3D-Anlage referenziert die Lenkrad-Mittenstellung deshalb immer auf die geometrische Fahrachse. Nur die Erfassung aller vier Räder liefert hier ein widerspruchsfreies Bild. Bei Fahrzeugen mit elektromechanischer Lenkung muss nach einer Geometrie-Korrektur zudem der Lenkwinkelsensor neu justiert werden – mehr dazu im Beitrag Lenkwinkelsensor kalibrieren.
Worauf es bei den Randbedingungen ankommt
Damit die Messung reproduzierbar bleibt, müssen einige Randbedingungen stimmen, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken. Der korrekte Reifendruck an allen vier Rädern gehört dazu, denn ein abweichender Druck verändert den Abrollradius und damit die Fahrwerkslage geringfügig. Ebenso prüfen wir, ob das Fahrzeug in seinem regulären Beladungszustand steht und keine ungewöhnliche Zuladung die Achsgeometrie verzerrt.
Auch die Hebebühne selbst muss eben und kalibriert sein, denn eine geneigte Aufstellfläche verfälscht die räumliche Referenz der Kameras. Vor der Vermessung kontrollieren wir deshalb den Stand der Anlage und die Sauberkeit der Kameraoptik. Diese scheinbar kleinen Schritte entscheiden darüber, ob die ermittelten Winkel tatsächlich die Realität des Fahrwerks abbilden – oder lediglich eine Momentaufnahme unter verfälschten Bedingungen.
Präzision ist eine Frage der Sorgfalt
Die beste Messtechnik liefert nur dann belastbare Werte, wenn jeder Arbeitsschritt sorgfältig ausgeführt wird. Saubere Targets, ein korrekter Kompensationslauf, entriegelte Platten und ein entspanntes Fahrwerk sind die Voraussetzungen für ein Ergebnis, auf das man eine Einstellung gründen kann.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer flüchtigen Messung und einer fundierten Diagnose. Wir nehmen uns die Zeit, die das Verfahren verlangt, und dokumentieren das Ergebnis in einem Messprotokoll mit Vorher- und Nachher-Werten.
KFZ Dietrich: 3D-Achsvermessung in Hardegsen-Gladebeck
KFZ Dietrich ist die spezialisierte Werkstatt für Diagnose und Werterhalt in Südniedersachsen. Wir betreuen Kunden aus Northeim, Göttingen, Einbeck, Bad Gandersheim und der gesamten Region. Unsere Ausstattung umfasst eine moderne 3D-Achsvermessungs-Hebebühne mit Hochauflösungs-Kameras sowie den offiziellen Zugang zu XENTRY (Mercedes), ISTA (BMW/Mini) und ODIS (VW/Audi/Skoda/Seat).
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.
Kontakt und Termin:
KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr
Weiterführend: https://reifen.kfz-dietrich.com