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Spur und Sturz einstellen: So justieren wir das Fahrwerk

Wie Spur und Sturz am Vermessungsstand justiert werden: Exzenterschrauben, Spurstangen, was einstellbar ist und was nicht – das Vorgehen Schritt für Schritt.

Spur und Sturz einstellen: So justieren wir das Fahrwerk
TL;DR – Spur und Sturz einstellen
  • Die Spur wird über die Länge der Spurstangen justiert und ist an nahezu allen Fahrzeugen einstellbar.
  • Der Sturz ist an vielen Baureihen nicht werksseitig einstellbar und erfordert dann Exzenter-Lösungen oder Bauteiltausch.
  • Vor jeder Einstellung steht eine Sichtprüfung der Fahrwerks-Komponenten – sonst hält der Wert nicht.
  • Eingestellt wird auf der Vermessungs-Hebebühne mit Dreh- und Schiebeplatten, die Verspannungen ausgleichen.
  • Nach der Spurkorrektur ist an Fahrzeugen mit elektronischer Lenkung die Lenkwinkelsensor-Kalibrierung Pflicht.

Messung und Einstellung sind zwei getrennte Schritte

Eine Achsvermessung liefert zunächst nur einen Befund: Sie zeigt, ob die Ist-Werte für Spur, Sturz und Nachlauf innerhalb der Hersteller-Toleranzen liegen. Was diese drei Größen bedeuten, erläutern wir im Beitrag Spur, Sturz, Nachlauf: Die drei Größen der Achsvermessung. Erst wenn ein Wert außerhalb der Toleranz liegt, beginnt die eigentliche Einstellarbeit – und genau darum geht es hier.

Wichtig ist die saubere Trennung: Die Messung ist eine Diagnose, die Einstellung ein Eingriff. Nicht jede Vermessung führt zu einer Justage, und nicht jede Justage ist mit den Bordmitteln des Fahrzeugs möglich. Welche Werte sich verändern lassen, hängt von der Konstruktion der jeweiligen Achse ab.

Die Spur einstellen – Über die Spurstangen

Die Spur ist die am häufigsten korrigierte Größe und an nahezu allen Fahrzeugen über die Spurstangen einstellbar. Die Spurstange verbindet das Lenkgetriebe mit dem Radträger. Durch Drehen am Gewinde wird sie verlängert oder verkürzt – und damit verändert sich der Winkel, in dem das Rad nach innen oder außen zeigt.

Das klingt einfach, verlangt aber Präzision. An der Vorderachse wird die Spur seitengleich eingestellt, damit das Lenkrad nach der Korrektur exakt mittig steht. Bei vielen Fahrzeugen ist auch die Hinterachse über Exzenter justierbar. Die Software des Vermessungsstands gibt während der Einstellung in Echtzeit an, wie sich der Wert beim Drehen verändert, sodass die Justage präzise im Sollfenster landet. Nach dem Festziehen der Konterung wird der Wert erneut gemessen und im Protokoll festgehalten.

Den Sturz einstellen – Wenn die Konstruktion es zulässt

Beim Sturz wird es differenzierter. Viele moderne Fahrzeuge haben fest verschraubte Aufnahmepunkte an Federbein und Achsschenkel – der Sturz ist dann werksseitig nicht einstellbar. Ob das bei Ihrem Fahrzeug der Fall ist, prüfen wir anhand der Konstruktionsdaten, bevor wir eine Aussage treffen.

Ist der Sturz einstellbar, geschieht das über mehrere mögliche Wege:

  • Langlöcher am Federbeinfuß: Durch Lösen und Verschieben der Befestigung lässt sich der obere Radrand neigen.
  • Exzenter-Schrauben: Eine exzentrische Schraube am Querlenker oder Federbein verschiebt den Aufnahmepunkt beim Drehen.
  • Nachrüstbare Sturzkorrektur-Bolzen: Wo werksseitig nichts vorgesehen ist, ersetzen spezielle Bolzen die Originalschrauben und schaffen einen Einstellbereich.

Lässt die Konstruktion keine dieser Lösungen zu und liegt dennoch ein Sturzfehler vor, ist die Ursache fast immer ein verbogenes Bauteil. Dann hilft keine Einstellung, sondern nur der Austausch des betroffenen Querlenkers, Federbeins oder Achsschenkels. Diesen Unterschied klären wir vor der Arbeit, nicht hinterher.

Was vor jeder Einstellung passieren muss

Eine Einstellung ist nur so gut wie das Fahrwerk, in das sie eingebracht wird. Deshalb steht vor jeder Justage die Sichtprüfung:

  1. Reifendruck und Reifenzustand prüfen – ungleicher Druck verfälscht jede Messung.
  2. Spurstangenköpfe auf Spiel kontrollieren – ein ausgeschlagenes Gelenk macht jeden eingestellten Wert wertlos.
  3. Querlenker-Gummilager auf Risse untersuchen – gerissene Lager geben unter Last nach.
  4. Federbeine und Federn auf Schäden prüfen – ein gebrochenes Bauteil verändert die Geometrie permanent.

Findet sich hier ein Verschleiß, ist zuerst die Instandsetzung nötig. Wer ein Fahrzeug mit verschlissenen Komponenten einstellt, stellt nur Zufallswerte ein, die sich beim nächsten Lastwechsel wieder verschieben. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar – sie ist die Grundlage einer dauerhaft haltbaren Einstellung.

Der Ablauf am Vermessungsstand

So gehen wir bei KFZ Dietrich bei der Einstellung vor. Das Fahrzeug steht auf einer Vermessungs-Hebebühne mit Drehplatten an der Vorderachse und Schiebeplatten an der Hinterachse. Diese Platten geben die Räder frei, sodass sich beim Einstellen keine Spannung im Fahrwerk aufbaut und die korrigierten Werte der späteren Realität entsprechen.

Nach der Sichtprüfung und dem Anbringen der Reflektor-Targets liest die Software die Ist-Werte ein und vergleicht sie mit den Hersteller-Sollwerten. Liegt ein Wert außerhalb der Toleranz, beginnt die Justage – zuerst der Sturz, sofern einstellbar, dann die Spur, weil eine Sturzänderung die Spur beeinflusst. Während des Drehens verfolgen wir die Live-Anzeige, bis der Wert sicher im Sollfenster liegt. Den vollständigen Mess-Ablauf inklusive Targets und Kompensationslauf beschreiben wir im Beitrag 3D-Achsvermessung: Ablauf, Kosten-Logik und wann nötig.

Nach der Einstellung: Die Lenkung muss neu lernen

Wird an Fahrzeugen mit elektromechanischer Lenkung die Spur verändert, verschiebt sich die Nullposition der Lenkung. Das ESP-Steuergerät und die Assistenzsysteme beziehen ihre Berechnungen aber auf genau diese Nullposition. Deshalb gehört nach jeder Spurkorrektur die Kalibrierung des Lenkwinkelsensors zwingend zum Arbeitsumfang. Diese Justage erfolgt über die Herstellerdiagnose – wie das genau abläuft, lesen Sie im Beitrag Lenkwinkelsensor kalibrieren.

Erst nach dieser Kalibrierung ist die Einstellung vollständig. Sie erhalten ein Messprotokoll mit Vorher-Werten, Sollwerten und Nachher-Werten, das wir zusätzlich in Ihrer Fahrzeug-Historie ablegen.

Für Techniker: Reihenfolge Sturz vor Spur und die Wechselwirkung der Größen

Sturz und Spur sind geometrisch gekoppelt. Wird der Sturz über einen Exzenter oder eine verschobene Federbeinaufnahme verändert, wandert der Radmittelpunkt seitlich, und der Spurwert ändert sich mit. Deshalb gilt die feste Reihenfolge: zuerst der Sturz, sofern einstellbar, danach die Spur. Wer in umgekehrter Reihenfolge arbeitet, verstellt mit der Sturzkorrektur die zuvor justierte Spur wieder und muss von vorn beginnen.

Auch der Nachlauf spielt hinein. An Achsen mit Doppelquerlenkern oder verstellbaren Hilfsrahmen kann eine Nachlaufkorrektur den Sturz beeinflussen, weshalb der Nachlauf – wo einstellbar – vor dem Sturz festgelegt wird. Die Schiebeplatten an der Hinter- und die Drehplatten an der Vorderachse sind dabei keine Bequemlichkeit, sondern Voraussetzung für reproduzierbare Werte: Stehen die Räder beim Einstellen auf festem Untergrund, baut sich im Fahrwerk eine Verspannung auf, die nach dem Absenken und Setzen wieder verschwindet. Die Platten geben das Rad frei, sodass der gemessene Wert dem späteren Fahrzustand entspricht. Abschließend erfolgt ein Setzen des Fahrwerks durch Einfedern, bevor der Endwert protokolliert wird.

KFZ Dietrich: Fahrwerkseinstellung in Hardegsen-Gladebeck

KFZ Dietrich ist die spezialisierte Werkstatt für Diagnose und Werterhalt in Südniedersachsen. Wir betreuen Kunden aus Northeim, Göttingen, Einbeck, Bad Gandersheim und der gesamten Region.

Unsere Ausstattung umfasst eine moderne 3D-Achsvermessungs-Hebebühne mit Dreh- und Schiebeplatten sowie den offiziellen Zugang zu XENTRY (Mercedes), ISTA (BMW/Mini) und ODIS (VW/Audi/Skoda/Seat) für die exakten Hersteller-Sollwerte und die anschließende Kalibrierung.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.

Ich, Nils Dietrich, führe die Einstellung persönlich durch und dokumentiere jeden Schritt im Messprotokoll.

Kontakt und Termin:

KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Weiterführend: https://reifen.kfz-dietrich.com · https://reparatur.biz

Häufig gestellte Fragen

Lässt sich der Sturz an jedem Fahrzeug einstellen?

Nein. An vielen modernen Baureihen ist der Sturz werksseitig nicht einstellbar, weil die Aufnahmepunkte fest verschraubt sind. In diesen Fällen lässt sich der Sturz nur durch nachrüstbare Exzenter-Schrauben, Sturzkorrektur-Bolzen oder durch den Austausch verbogener Komponenten verändern. Die Spur dagegen ist über die Spurstangen an nahezu allen Fahrzeugen einstellbar. Wir bei KFZ Dietrich prüfen vor jeder Justage, welche Werte konstruktiv veränderbar sind, und klären den Aufwand mit Ihnen, bevor wir arbeiten.

Warum muss vor dem Einstellen eine Sichtprüfung erfolgen?

Eine Einstellung ist nur dauerhaft stabil, wenn die Fahrwerks-Komponenten innerhalb ihrer Verschleißgrenzen liegen. Hat ein Spurstangenkopf Spiel oder ist ein Querlenker-Gummilager gerissen, verschiebt sich der eingestellte Wert beim nächsten Lastwechsel wieder. Deshalb prüfen wir vor der Justage immer Spurstangenköpfe, Lagerbuchsen und Federbeine. Liegt ein Verschleiß vor, ist zuerst die Instandsetzung nötig, und die Einstellung folgt anschließend. So vermeiden wir, dass Sie für eine Einstellung zahlen, die nicht hält.

Warum muss nach der Spureinstellung der Lenkwinkelsensor kalibriert werden?

Wird die Spur verändert, verschiebt sich an Fahrzeugen mit elektromechanischer Lenkung die hinterlegte Nullposition der Lenkung. Das ESP-Steuergerät und die Assistenzsysteme beziehen ihre Berechnungen jedoch genau auf diese Nullposition. Ohne anschließende Kalibrierung des Lenkwinkelsensors über die Herstellerdiagnose würde die Lenkung dem System eine falsche Geradeausstellung melden – mit Folgen für ESP, Spurhalteassistent und Notbremsfunktion. Deshalb gehört diese Kalibrierung bei uns zwingend zum Arbeitsumfang jeder Spurkorrektur und wird im Messprotokoll dokumentiert.

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