- Bremsenfett gehört ausschließlich an mechanische Kontakt- und Gleitstellen, niemals auf die Reibflächen von Belag oder Scheibe.
- Richtige Einsatzorte sind Belag-Anlageflächen, Stützfedern, die Trägerblech-Rückseite und – mit Spezialfett – die Führungsbolzen.
- Gerät Fett auf die Reibfläche, sinkt der Reibwert dramatisch und die Bremswirkung kann gefährlich nachlassen.
- Eine dünne Schicht an den Kontaktpunkten dämpft Schwingungen und beugt Quietschen vor.
- Das Produkt muss bremsentauglich, hochtemperaturfest und materialverträglich sein – kein gewöhnliches Mehrzweckfett.
Warum dieser Beitrag aus der Werkstatt-Praxis kommt
Bremsenfett klingt nach einem Nebenthema, ist aber einer der häufigsten Gründe für quietschende oder unrund laufende Bremsen nach einem Belagwechsel. Mal wurde gar kein Fett verwendet, mal das falsche, mal an der falschen Stelle. Mein Name ist Nils Dietrich, ich bin KFZ-Mechatroniker. In diesem Beitrag erläutere ich, wo ein geeignetes Bremsenfett wie Plastilube hingehört, wo es auf keinen Fall hin darf und wie es zur Geräuschvermeidung beiträgt.
Was Bremsenfett leisten soll
Ein Bremsenfett hat zwei Aufgaben. Erstens sorgt es an den Gleitstellen dafür, dass sich bewegliche Teile leichtgängig verschieben können – etwa der Belag in seiner Führung oder der Schwimmsattel auf seinen Bolzen. Zweitens dämpft es an den Kontaktstellen zwischen Belag und Sattel die feinen Schwingungen, die beim Bremsen entstehen und sich sonst als Quietschen äußern.
Dafür muss das Produkt besondere Eigenschaften mitbringen: Es muss extrem hohe Temperaturen aushalten, da an der Bremse erhebliche Wärme entsteht, es darf Gummi- und Kunststoffteile wie Manschetten nicht angreifen, und es muss langzeitstabil sein. Ein gewöhnliches Mehrzweck- oder Lagerfett erfüllt diese Anforderungen nicht und kann Dichtungen zerstören.
Wohin das Bremsenfett gehört
Anlageflächen der Belagträger
An den Stellen, an denen das Trägerblech des Belags im Sattel oder Halter anliegt und gleitet, sorgt eine dünne Fettschicht für Leichtgängigkeit. So kann der Belag dem Verschleiß folgen, ohne zu verkanten.
Belagstützfedern und Haltebleche
Die Federn und Bleche, die den Belag im Sattel führen und vorspannen, sind klassische Kontaktstellen für Geräusche. Eine sparsame Fettung dämpft hier wirkungsvoll.
Rückseite des Trägerblechs
An der Rückseite des Belag-Trägerblechs, dort wo der Sattelkolben anliegt, dämpft eine dünne Schicht die Schwingungsübertragung zwischen Kolben und Belag. Sofern das Fahrzeug eine Antiquietsch-Folie oder ein Dämpfungsblech vorsieht, richten wir uns nach der Herstellervorgabe.
Führungsbolzen des Schwimmsattels
Die Führungsbolzen, auf denen der Sattel gleitet, benötigen ein spezielles, gummiverträgliches Führungsbolzenfett – nicht jedes Bremsenfett ist dafür geeignet, weil hier eine Gummimanschette beteiligt ist. Festsitzende Bolzen sind eine Hauptursache für einseitigen Belagverschleiß, weshalb wir sie bei jedem Belagwechsel prüfen und fachgerecht abschmieren. Mehr zu den Folgen von Korrosion an diesen Stellen im Beitrag über Bremsen-Korrosion durch Streusalz.
Wo Bremsenfett auf keinen Fall hin darf
Die wichtigste Regel überhaupt: Bremsenfett darf niemals auf die Reibflächen gelangen – also weder auf die Reibmischung des Belags noch auf die Lauffläche der Bremsscheibe. Diese Flächen sollen gerade keinen Schmierfilm haben; sie sollen einen hohen, definierten Reibwert erzeugen.
Gerät Fett dorthin, sinkt der Reibwert schlagartig. Die Folge ist eine deutlich verlängerte Bremswirkung und im schlimmsten Fall ein einseitiges, unkontrolliertes Bremsverhalten. Eine verölte oder verfettete Reibfläche lässt sich nicht einfach reinigen – betroffene Beläge müssen ersetzt werden. Aus diesem Grund tragen wir Fett stets gezielt und sparsam mit dem Pinsel auf und halten die Reibseite konsequent fett- und ölfrei.
Auch ein Zuviel ist schädlich: Überschüssiges Fett kann unter Hitze fließen, sich verteilen und genau dorthin gelangen, wo es nicht hingehört. Weniger, dafür präzise platziert, ist hier die fachgerechte Regel.
Erst reinigen, dann fetten
Ein häufig übersehener Punkt: Frisches Fett auf eine verschmutzte oder korrodierte Kontaktfläche bringt wenig. Über die Standzeit eines Belagsatzes sammeln sich an den Anlageflächen Bremsstaub, Korrosionsprodukte und altes, verbackenes Fett. Wer hier ohne Vorbereitung neues Fett aufträgt, schließt diesen Schmutz nur ein – die Belagführung bleibt schwergängig und der Belag kann verkanten.
Deshalb gehört zu jedem fachgerechten Belagwechsel zunächst die mechanische Reinigung der Kontaktstellen: Wir entfernen Korrosion an den Anlageflächen, säubern die Federn und Bleche und prüfen, ob die Führungen frei beweglich sind. Erst auf dem so vorbereiteten, sauberen Metall entfaltet das Spezialfett seine Wirkung. Sitzt eine Führung trotz Reinigung schwer, ist das ein Befund für sich – häufig steckt ein angegriffener Führungsbolzen oder eine beschädigte Manschette dahinter, die wir ersetzen, statt sie zu überfetten.
Bremsenfett und das Quietschen
Quietschen entsteht, wenn Belag und Sattel zu Schwingungen in einem hörbaren Frequenzbereich angeregt werden. An den Kontaktpunkten, an denen Metall auf Metall trifft, kann eine dünne Schicht geeigneten Bremsenfetts diese Schwingungen bedämpfen und das Geräusch beseitigen.
Allerdings ist Bremsenfett kein Allheilmittel. Quietschen kann ebenso von verglasten Belägen, von Korrosion auf der Scheibe, von einem festsitzenden Sattel oder von einer ungeeigneten Belagmischung herrühren. Deshalb suchen wir bei Geräuschen immer die tatsächliche Ursache, statt pauschal Fett aufzutragen. Die systematische Geräuschzuordnung ist Teil unseres Bremsenservice komplett, und die Geräuschbeurteilung beim Belagtausch behandeln wir im Beitrag zu den Bremsbelägen und ihrer Verschleißgrenze.
Das richtige Produkt wählen
Wir setzen ausschließlich bremsentaugliche Spezialfette ein, die für hohe Temperaturen ausgelegt und materialverträglich sind. Für die Führungsbolzen mit ihrer Gummimanschette verwenden wir ein dediziertes Führungsbolzenfett, für die metallischen Kontaktstellen ein hochtemperaturfestes Montagefett. Die Trennung dieser Anwendungen ist wichtig, weil ein einzelnes Produkt selten beide Anforderungen optimal erfüllt. Maßgeblich bleibt stets die Freigabe und Vorgabe des Fahrzeugherstellers.
Für Techniker: Warum die Schmierstoffklasse über den Sattel entscheidet
An einer Bremse treffen drei sehr unterschiedliche Anforderungsprofile aufeinander, die kein einzelner Schmierstoff zugleich erfüllt. An den Führungsbolzen des Schwimmsattels arbeitet eine Gummimanschette, die nur mit silikon- oder esterbasierten, gummiverträglichen Fetten verträglich ist – mineralöl- oder PTFE-haltige Produkte lassen den Gummi aufquellen und zerstören die Abdichtung. An den metallischen Anlageflächen und Stützfedern dagegen ist Temperaturbeständigkeit das Leitkriterium: Hier können bei harter Bremsung Temperaturen entstehen, bei denen einfache Lithiumseifenfette verdampfen oder verharzen, weshalb keramik- oder kupferbasierte Hochtemperaturpasten zum Einsatz kommen. Auf der Rückseite des Trägerblechs schließlich geht es weniger um Schmierung als um Schwingungsdämpfung – hier wirkt das Fett akustisch, indem es den Körperschall zwischen Kolben und Belag bedämpft.
Der entscheidende Fehler in der Praxis ist die Verwechslung dieser Klassen. Ein kupferhaltiges Montagefett am Führungsbolzen quält die Manschette, ein gummiverträgliches Silikonfett an der heißen Anlagefläche verflüchtigt sich. Aus diesem Grund halten wir die Produkte getrennt und richten uns nach der modellspezifischen Herstellerfreigabe, die nicht selten ein konkretes Produkt vorschreibt.
Unser Bremsenservice bei KFZ Dietrich
In unserer Werkstatt führen wir den Belagwechsel inklusive fachgerechter Sattelpflege durch: Wir reinigen die Kontaktstellen, prüfen und fetten die Führungen mit dem geeigneten Spezialfett und halten die Reibflächen konsequent frei. Bei Geräuschen gehen wir der Ursache auf den Grund, statt zu kaschieren.
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt über unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) führen wir selbst über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) durch. Für Unternehmer bieten wir zusätzlich die DGUV-Prüfung an.
KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr
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