- Der Drehmomentsensor misst die Handkraft am Lenkrad – die Grundlage für die elektrische Lenkkraftunterstützung.
- Bei einem Defekt schaltet das Steuergerät die Unterstützung oft ab: schwergängige oder einseitig wirkende Lenkung.
- Typisch ist eine Warnleuchte für die Servolenkung im Kombiinstrument.
- Die Ursache lässt sich nur über den Fehlerspeicher und die Live-Signale des Lenk-Steuergeräts sauber eingrenzen.
- Wir prüfen mit XENTRY, ISTA oder ODIS, ob Sensor, Verkabelung oder Steuergerät betroffen ist.
Was die elektrische Servolenkung leistet
Die elektromechanische Servolenkung – kurz EPS für Electric Power Steering – hat die hydraulische Lenkhilfe in den meisten neueren Fahrzeugen abgelöst. Statt einer Pumpe und Hydraulikleitungen arbeitet ein Elektromotor, der die Lenkbewegung des Fahrers unterstützt. Wie viel Unterstützung nötig ist, entscheidet ein Steuergerät – und dafür braucht es eine präzise Information darüber, wie kräftig der Fahrer gerade lenkt.
Genau diese Information liefert der Drehmomentsensor. Er sitzt im Bereich der Lenksäule oder des Lenkgetriebes und misst die Verdrehung eines Drehstabs zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe. Je stärker der Fahrer dreht, desto mehr verdreht sich der Drehstab – und desto mehr Unterstützung steuert der Elektromotor bei. Der Sensor ist damit das zentrale Eingangssignal für die gesamte Lenkkraftunterstützung.
Technisch arbeitet der Sensor meist nach einem magnetischen Prinzip und erfasst den Verdrehwinkel des Drehstabs hochauflösend. Aus diesem Winkel berechnet das Steuergerät das anliegende Lenkmoment und dosiert die Stromzufuhr zum Elektromotor in Echtzeit. Die Unterstützung wird dabei fahrsituationsabhängig angepasst: im Stand hoch, bei höherer Geschwindigkeit deutlich geringer, damit die Lenkung präzise bleibt. Schon kleine Signalabweichungen wirken sich spürbar auf das Lenkgefühl aus.
EPS oder hydraulische Servolenkung: der Unterschied zählt
Bevor ein Befund feststeht, klären wir, welches System verbaut ist. Die klassische hydraulische Servolenkung arbeitet mit einer riemengetriebenen Pumpe, einem Hydraulikkreislauf und einem Steuerventil. Hier äußern sich Probleme eher durch Geräusche der Pumpe, sinkenden Ölstand oder Undichtigkeiten – ein Drehmomentsensor im elektronischen Sinn existiert nicht.
Die elektromechanische Servolenkung dagegen kommt ohne Hydraulik aus und ist vollständig elektronisch gesteuert. Ein Ausfall der Unterstützung hat hier andere Ursachen und hinterlässt einen Eintrag im Lenk-Steuergerät. Die Verwechslung beider Systeme führt schnell zu unnötigen Arbeiten. Welche Symptome welchem System zuzuordnen sind, ordnen wir im Beitrag Servolenkung defekt: Symptome und Diagnose ein.
Wenn der Sensor ausfällt: die typischen Befunde
Fällt der Drehmomentsensor aus oder liefert er unplausible Werte, fehlt dem Steuergerät die Grundlage für seine Berechnung. Da eine fehlerhafte Lenkunterstützung sicherheitskritisch wäre, reagieren die meisten Systeme mit einer Schutzmaßnahme: Sie reduzieren oder deaktivieren die Unterstützung. Daraus ergeben sich charakteristische Symptome:
- Schwergängige Lenkung: Das Lenkrad lässt sich plötzlich nur mit deutlich mehr Kraft drehen, besonders im Stand und bei langsamer Fahrt.
- Einseitig wirkende Unterstützung: Die Lenkung unterstützt in eine Richtung normal, in die andere kaum – ein deutliches Indiz für ein fehlerhaftes oder verschobenes Sensorsignal.
- Aussetzende Unterstützung: Die Lenkhilfe arbeitet zeitweise normal und fällt dann unvermittelt aus.
- Warnleuchte: Im Kombiinstrument erscheint die Kontrollleuchte der Servolenkung, oft in Verbindung mit einem Eintrag im Fehlerspeicher.
Diese Symptome sind ernst zu nehmen. Eine plötzlich schwergängige Lenkung verlangt dem Fahrer in kritischen Situationen mehr Kraft ab, als er erwartet. Wir empfehlen, bei einem solchen Befund nicht abzuwarten, sondern die Ursache zeitnah klären zu lassen.
Mögliche Ursachen im Überblick
Hinter einem identischen Symptom können verschiedene Ursachen stehen. Bei der EPS kommen vor allem diese vier Bereiche in Frage:
- Der Drehmomentsensor selbst: Alterung, mechanischer Verschleiß am Drehstab oder eine Störung des magnetischen Signalgebers führen zu unplausiblen oder springenden Messwerten.
- Das EPS-Steuergerät: Ein interner Defekt, ein Software-Fehler oder kalte Lötstellen können dazu führen, dass selbst ein einwandfreies Sensorsignal falsch verarbeitet wird.
- Verkabelung und Stecker: Korrodierte Kontakte, beschädigte Leitungen oder eine schwankende Spannungsversorgung erzeugen dieselben Fehlerbilder wie ein defekter Sensor – ohne dass das Bauteil selbst betroffen ist.
- Fehlende Kalibrierung oder Grundeinstellung: Wurde am Lenksystem gearbeitet oder die Batterie getrennt, kann eine nicht durchgeführte Grundeinstellung zu Auffälligkeiten führen, obwohl alle Bauteile intakt sind.
Diese Aufstellung macht deutlich, warum ein vorschneller Bauteiltausch ins Leere läuft. Erst die Unterscheidung zwischen diesen Ursachen führt zu einer belastbaren Empfehlung.
Warum der Fehlerspeicher allein nicht reicht
Ein häufiger Trugschluss ist, dass ein Fehlereintrag im Steuergerät bereits die Ursache benennt. Das ist selten der Fall. Der Fehlerspeicher meldet ein Symptom – etwa „Signal Drehmomentsensor unplausibel” –, aber er sagt nicht, ob der Sensor selbst defekt ist, ob ein Kabel oder Stecker das Signal stört oder ob das Steuergerät die Werte falsch verarbeitet.
Unser Vorgehen geht deshalb über das reine Auslesen hinaus:
- Fehlerspeicher des Lenk-Steuergeräts auslesen und die Einträge im Kontext aller verbauten Systeme bewerten.
- Live-Daten des Drehmomentsensors anzeigen: Über die Herstellerdiagnose lesen wir die tatsächlichen Sensorwerte aus und beobachten, wie sie sich beim Lenken verhalten.
- Plausibilität prüfen: Liefert der Sensor in beide Richtungen symmetrische, plausible Werte? Springt das Signal oder fällt es aus?
- Verkabelung und Versorgung kontrollieren: Stecker, Leitungen und Spannungsversorgung werden geprüft, denn ein Kontaktproblem kann denselben Fehler verursachen wie ein defekter Sensor.
Erst wenn dieses Bild eindeutig ist, benennen wir das verantwortliche Bauteil. So vermeiden wir, dass ein intaktes Lenkgetriebe getauscht wird, obwohl das Problem in einem Stecker lag.
Warum die Herstellerdiagnose entscheidend ist
Die Live-Werte des Drehmomentsensors und die internen Plausibilitätsprüfungen des Lenk-Steuergeräts gehören zu den Funktionen, die der Hersteller für autorisierte Diagnosesysteme freigibt. Ein einfaches OBD-Auslesegerät zeigt oft nur einen generischen Fehlercode, aber nicht die detaillierten Signalverläufe, auf die es bei der EPS ankommt.
Bei KFZ Dietrich arbeiten wir mit denselben Systemen wie die Vertragswerkstätten: XENTRY für Mercedes, ISTA für BMW und Mini sowie ODIS für die VAG-Marken. Damit haben wir Zugriff auf die genauen Sensorsignale, die geführten Prüfroutinen und die aktuellen Software-Stände. Das ist die Grundlage dafür, einen EPS-Fehler eindeutig einzugrenzen, statt Bauteile auf Verdacht zu tauschen.
Nach der Reparatur: Adaption nicht vergessen
Wird am Lenksystem gearbeitet – sei es am Sensor, am Lenkgetriebe oder am Steuergerät –, ist anschließend in der Regel eine Adaption erforderlich. Die Lenkung muss ihre Nulllage neu lernen, und der Lenkwinkelsensor muss kalibriert werden. Diesen Schritt behandeln wir ausführlich im Beitrag EPS-Lenkmodul anlernen und adaptieren. Eng damit verbunden ist auch das ESP, das auf das Lenkwinkelsignal angewiesen ist – die Zusammenhänge erläutern wir im Beitrag Lenkwinkelsensor und ESP. Eine Reparatur am Lenksystem ist erst dann abgeschlossen, wenn auch die elektronische Grundeinstellung sauber durchgeführt wurde.
KFZ Dietrich: EPS-Diagnose auf Herstellerniveau in Hardegsen
KFZ Dietrich ist die spezialisierte Werkstatt für Diagnose und Werterhalt in Südniedersachsen. Wir betreuen Kunden aus Northeim, Göttingen, Einbeck, Bad Gandersheim und der gesamten Region. Bei Auffälligkeiten an der elektrischen Servolenkung liefern wir einen klaren Befund: Wir prüfen Sensor, Verkabelung und Steuergerät getrennt und benennen die tatsächliche Ursache, bevor wir eine Instandsetzung empfehlen.
Ich, Nils Dietrich, führe die Diagnose persönlich durch und dokumentiere die Messwerte im Protokoll. So ist nachvollziehbar, warum ein Bauteil getauscht wurde – und dass die Lenkkraftunterstützung danach wieder sicher und gleichmäßig arbeitet.
Für Techniker: Redundante Sensorik und Plausibilitätsprüfung im EPS
Sicherheitsrelevante Lenksysteme erfassen das Handmoment nicht über einen einzelnen Messwert, sondern über zwei voneinander unabhängige Signalpfade, die das Steuergerät permanent gegeneinander abgleicht. Magnetische Drehmomentsensoren liefern dazu typischerweise zwei gegenläufige Kennlinien, deren Summe in jedem Betriebspunkt konstant bleiben muss. Driftet ein Pfad weg oder verlässt die Summe das erwartete Fenster, wertet die Steuerung das Signal als unplausibel und reduziert die Unterstützung gestuft, statt sie schlagartig abzuschalten. Genau diese interne Quersummenprüfung ist der Grund, warum ein Fahrzeug bei beginnendem Sensorfehler zunächst eine schwächer oder einseitig wirkende Lenkung zeigt, bevor die Unterstützung ganz wegfällt.
In den Live-Daten der Herstellerdiagnose lassen sich beide Teilsignale getrennt darstellen. Wir beobachten, ob die Kennlinien beim Lenken in beide Richtungen symmetrisch verlaufen und ob ihre Summe stabil bleibt. Ein springender oder asymmetrischer Verlauf bei intakter Versorgungsspannung weist auf den Sensor selbst hin, während ein gleichmäßiger Spannungseinbruch über beide Pfade eher auf ein Kontakt- oder Masseproblem in der Verkabelung deutet. Diese Differenzierung ist über einen generischen OBD-Code nicht möglich und erklärt, warum die geführte Diagnose den entscheidenden Unterschied macht.
Kontakt und Termin:
KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr
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