Mercedes Navigation aktualisieren klingt einfach – aber beim NTG5/NTG6 ist mehr nötig als eine neue SD-Karte einzulegen. Die Systeme unterscheiden sich grundlegend in Architektur und Update-Verfahren.
NTG5 vs. NTG6 – zwei verschiedene Systeme
NTG5 (COMAND Online): In W212, W204, W166, C117, W218 verbaut (ca. 2012–2016). Kartenmaterial auf SD-Karte gespeichert, die in einen dedizierten Slot im Handschuhfach oder in der Mittelarmlehne eingesteckt wird. Update: neue SD-Karte vom Mercedes-Händler oder der offiziellen Download-Plattform erwerben. Die SD-Karte ist mit der VIN des Fahrzeugs verknüpft – eine Karte aus einem anderen Fahrzeug wird abgelehnt. Die letzte verfügbare Kartenversion für NTG5 hängt vom Markt ab – Westeuropa-Karten werden in der Regel 2–3 Jahre nach Produktionsende der Baureihe eingestellt.
Das NTG5 verwendet ein proprietäres Kartenformat, das von HERE (ehemals Navteq/Nokia) bereitgestellt wird. Die Kartendaten umfassen Straßennetz, Points of Interest, Geschwindigkeitslimits und TMC-Daten für den Verkehrsfluss. Die Darstellung erfolgt in einer 2D- oder 3D-Ansicht auf dem COMAND-Display.
NTG6 (MBUX-Vorgänger): In W213 E-Klasse (Facelift), W222 S-Klasse, W205 C-Klasse neuere Modelle verbaut. Kartenmaterial on-board im internen Speicher des Head-Units mit OTA-Update-Funktion (Over-the-Air über Mercedes-Server). Das System lädt Karten-Updates über die fahrzeuginterne SIM-Karte herunter, wenn eine Mobilfunkverbindung besteht. Die Updates werden inkrementell eingespielt – nicht die gesamte Karte wird heruntergeladen, sondern nur die geänderten Kartenabschnitte. Das reduziert die Downloadgröße erheblich (typisch 200–500 MB pro Update statt 10–15 GB für eine komplette Karte).
Warum NTG5 Codierung nach Update braucht
Beim NTG5 ist die Software-Version des Infotainment-Steuergeräts mit dem Kartenmaterial verknüpft. Ein Kartenmaterial-Update bringt manchmal eine neue Software-Version des Navigationsprozessors mit – nach dem Update muss XENTRY das Infotainment-Steuergerät neu codieren (SCN-Codierung). Die SCN-Codierung synchronisiert die Steuergeräte-Software mit dem Mercedes-Backend und stellt sicher, dass alle fahrzeugspezifischen Konfigurationen (Markt, Sprache, Ausstattung) korrekt im aktualisierten System hinterlegt sind.
Ohne SCN-Codierung nach dem Update: Die Navigation funktioniert grundsätzlich, aber fahrzeugspezifische Sonderausstattungs-Funktionen können deaktiviert sein. Das betrifft insbesondere die COMAND-Online-Dienste (Live-Verkehrsdaten, Online-POI-Suche), die Android-Auto-Integration bei nachgerüsteten Geräten, und die Sprachsteuerung für Navigationszieleingabe. Bei manchen Fahrzeugen erscheint nach einem Software-Update ohne SCN-Codierung eine Fehlermeldung im COMAND-Display, die auf eine Konfigurationsdiskrepanz hinweist.
Der SCN-Codierungsvorgang über XENTRY dauert 5–15 Minuten und erfordert eine Online-Verbindung zum Mercedes-Server. Das XENTRY-Gerät liest die aktuelle Software-Version des Steuergeräts aus, gleicht sie mit dem Mercedes-Backend ab und überträgt die fahrzeugspezifische Konfiguration.
Kartenaktualität und Routingfehler
Veraltete Navigationskarten sind nicht nur ärgerlich – auf baustellen-reichen Strecken oder bei neu ausgewiesenen Umfahrungen kann veraltetes Kartenmaterial zu Fehlrouting führen. Kreisverkehre die auf alten Karten noch als Kreuzungen dargestellt sind, neu gebaute Autobahnabschnitte die das System nicht kennt, oder geänderte Einbahnstraßen-Regelungen erzeugen inkorrekte Routenvorschläge. Bei gewerblichen Fahrzeugen (Lieferdienste, Außendienstmitarbeiter) können veraltete Karten zu erheblichen Umwegen und damit zu vermeidbaren Kosten führen.
Aktuelle Karten sind für NTG5 alle 1–2 Jahre als Update erhältlich. Die Kosten für ein Kartenupdate liegen bei 100–200 € für die offizielle Mercedes-SD-Karte. Für Fahrzeuge mit NTG6 und aktivem Mercedes me Konto sind Karten-Updates in den ersten drei Jahren nach Erstzulassung kostenlos, danach als Jahresabonnement verfügbar.
Bei Fahrzeugen die regelmäßig außerhalb der Kartenabdeckung fahren (z.B. Osteuropa, Skandinavien), kann ein Regionswechsel der Kartenlizenz über XENTRY sinnvoll sein – das erweitert die Kartenabdeckung auf zusätzliche Regionen ohne den Kauf einer separaten Regionalkarte.
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