Mercedes NTG5/NTG6 Navigation Update und Codierung

Mercedes COMAND/NTG5/NTG6 Karten-Update beim W213, W222, C217: SD-Karte oder Online-Update? Was XENTRY dabei codieren muss.

Mercedes NTG5/NTG6 Navigation Update und Codierung

Mercedes Navigation aktualisieren klingt einfach – aber beim NTG5/NTG6 ist mehr nötig als eine neue SD-Karte einzulegen. Die Systeme unterscheiden sich grundlegend in Architektur und Update-Verfahren.

NTG5 vs. NTG6 – zwei verschiedene Systeme

TL;DR
  • NTG5: SD-Karte VIN-gebunden, Update manuell, Kartendaten separat
  • NTG6: On-board Speicher, OTA-Updates über Mercedes-Server inkrementell
  • Nach Kartenupdate häufig [SCN-Codierung](https://kfz-dietrich.com/glossar/#scn-coding) per [XENTRY](https://kfz-dietrich.com/glossar/#xentry) notwendig
  • Veraltete Karten erzeugen Fehlrouting bei Baustellen und Umfahrungen
  • Regionswechsel der Kartenlizenz über XENTRY möglich und sinnvoll

NTG5 (COMAND Online): In W212, W204, W166, C117, W218 verbaut (ca. 2012–2016). Kartenmaterial auf SD-Karte gespeichert, die in einen dedizierten Slot im Handschuhfach oder in der Mittelarmlehne eingesteckt wird. Update: neue SD-Karte vom Mercedes-Händler oder der offiziellen Download-Plattform erwerben. Die SD-Karte ist mit der VIN des Fahrzeugs verknüpft – eine Karte aus einem anderen Fahrzeug wird abgelehnt. Die letzte verfügbare Kartenversion für NTG5 hängt vom Markt ab – Westeuropa-Karten werden in der Regel 2–3 Jahre nach Produktionsende der Baureihe eingestellt.

Das NTG5 verwendet ein proprietäres Kartenformat, das von HERE (ehemals Navteq/Nokia) bereitgestellt wird. Die Kartendaten umfassen Straßennetz, Points of Interest, Geschwindigkeitslimits und TMC-Daten für den Verkehrsfluss. Die Darstellung erfolgt in einer 2D- oder 3D-Ansicht auf dem COMAND-Display.

NTG6 (MBUX-Vorgänger): In W213 E-Klasse (Facelift), W222 S-Klasse, W205 C-Klasse neuere Modelle verbaut. Kartenmaterial on-board im internen Speicher des Head-Units mit OTA-Update-Funktion (Over-the-Air über Mercedes-Server). Das System lädt Karten-Updates über die fahrzeuginterne SIM-Karte herunter, wenn eine Mobilfunkverbindung besteht. Die Updates werden inkrementell eingespielt – nicht die gesamte Karte wird heruntergeladen, sondern nur die geänderten Kartenabschnitte. Das reduziert die Downloadgröße erheblich (typisch 200–500 MB pro Update statt 10–15 GB für eine komplette Karte).

Warum NTG5 Codierung nach Update braucht

Beim NTG5 ist die Software-Version des Infotainment-Steuergeräts mit dem Kartenmaterial verknüpft. Ein Kartenmaterial-Update bringt manchmal eine neue Software-Version des Navigationsprozessors mit – nach dem Update muss XENTRY das Infotainment-Steuergerät neu codieren (SCN-Codierung). Die SCN-Codierung synchronisiert die Steuergeräte-Software mit dem Mercedes-Backend und stellt sicher, dass alle fahrzeugspezifischen Konfigurationen (Markt, Sprache, Ausstattung) korrekt im aktualisierten System hinterlegt sind.

Ohne SCN-Codierung nach dem Update: Die Navigation funktioniert grundsätzlich, aber fahrzeugspezifische Sonderausstattungs-Funktionen können deaktiviert sein. Das betrifft insbesondere die COMAND-Online-Dienste (Live-Verkehrsdaten, Online-POI-Suche), die Android-Auto-Integration bei nachgerüsteten Geräten, und die Sprachsteuerung für Navigationszieleingabe. Bei manchen Fahrzeugen erscheint nach einem Software-Update ohne SCN-Codierung eine Fehlermeldung im COMAND-Display, die auf eine Konfigurationsdiskrepanz hinweist.

Der SCN-Codierungsvorgang über XENTRY dauert 5–15 Minuten und erfordert eine Online-Verbindung zum Mercedes-Server. Das XENTRY-Gerät liest die aktuelle Software-Version des Steuergeräts aus, gleicht sie mit dem Mercedes-Backend ab und überträgt die fahrzeugspezifische Konfiguration.

Kartenaktualität und Routingfehler

Veraltete Navigationskarten sind nicht nur ärgerlich – auf baustellen-reichen Strecken oder bei neu ausgewiesenen Umfahrungen kann veraltetes Kartenmaterial zu Fehlrouting führen. Kreisverkehre die auf alten Karten noch als Kreuzungen dargestellt sind, neu gebaute Autobahnabschnitte die das System nicht kennt, oder geänderte Einbahnstraßen-Regelungen erzeugen inkorrekte Routenvorschläge. Bei gewerblichen Fahrzeugen (Lieferdienste, Außendienstmitarbeiter) können veraltete Karten zu erheblichen Umwegen und damit zu vermeidbaren Kosten führen.

Aktuelle Karten sind für NTG5 alle 1–2 Jahre als Update erhältlich. Die Kosten für ein Kartenupdate liegen bei 100–200 € für die offizielle Mercedes-SD-Karte. Für Fahrzeuge mit NTG6 und aktivem Mercedes me Konto sind Karten-Updates in den ersten drei Jahren nach Erstzulassung kostenlos, danach als Jahresabonnement verfügbar.

Bei Fahrzeugen die regelmäßig außerhalb der Kartenabdeckung fahren (z.B. Osteuropa, Skandinavien), kann ein Regionswechsel der Kartenlizenz über XENTRY sinnvoll sein – das erweitert die Kartenabdeckung auf zusätzliche Regionen ohne den Kauf einer separaten Regionalkarte.

Apple CarPlay und Android Auto per XENTRY aktivieren

Ein häufiger Entheiraten-Wunsch bei NTG5.5 und NTG6-Fahrzeugen: Die werkseitig gesperrte Apple CarPlay- oder Android Auto-Funktion. Viele Mercedes-Fahrzeuge aus dem Zeitraum 2016–2019 wurden in bestimmten Märkten ohne CarPlay ausgeliefert, obwohl die Hardware – Infotainment-Steuergerät, USB-Hub und Antennensystem – vollständig vorhanden ist. Per XENTRY SCN-Codierung kann CarPlay in vielen Fällen aktiviert werden, sofern das Infotainment-Steuergerät eine entsprechende Software-Version trägt.

Die Voraussetzung: Das Fahrzeug muss mindestens Softwarestand NTG5.5 S1 oder höher haben. Ältere NTG5-Systeme (vor 2016) unterstützen CarPlay hardwareseitig nicht. XENTRY zeigt im Codierungsbaum des Infotainment-Steuergeräts, ob der CarPlay-Parameter als aktivierbar (Softwaresperre), als nicht anwählbar (Hardware-Voraussetzung fehlt) oder als nicht vorhanden (Steuergerät zu alt) erscheint.

Sprachkonfiguration und Marktumschlüsselung bei Importfahrzeugen

Importfahrzeuge aus Großbritannien, Japan oder den USA kommen häufig mit einer marktspezifischen Konfiguration des COMAND-Systems: Sprachoberfläche in Englisch, Maßeinheiten in Meilen, Radiofrequenzen für andere Marktbereiche (AM-Bänder USA, MW-Bänder UK). XENTRY kann diese Konfigurationen vollständig auf die deutschen Spezifikationen umschlüsseln.

Beim NTG5 erfolgt die Marktumschlüsselung durch eine SCN-Codierung des Infotainment-Steuergeräts kombiniert mit einer neuen, dem deutschen Markt zugeordneten Kartenlizenz-SD-Karte. Beim NTG6 reicht in vielen Fällen die XENTRY-Codierungsänderung, da das System ohnehin auf Server-Kommunikation ausgelegt ist und die Kartenlizenz über das Mercedes me Konto verwaltet wird.

Eine Besonderheit bei UK-Importen: Das Navigationssystem ist in Linksverkehr-Logik konfiguriert – Routenvorschläge bevorzugen linke Spurwechsel und nutzen UK-spezifische Routingprioritäten. Diese Logik liegt tief im Navigationsprozessor und wird durch die XENTRY-Marktumschlüsselung auf die EU-Logik umgestellt.

Nerd-Box: Head-Unit-Plattformen – NTG, NAC und die Architektur dahinter

Mercedes-Benz NTG5 und NTG6 sind in sich geschlossene Plattformen mit hauseigener Hardware-Architektur. Zum Verständnis hilft ein Blick über den Tellerrand: Bei Stellantis (ehemals FCA) übernimmt die Rolle der Head-Unit der sogenannte NAC (Next-Generation Audio Computer), der wiederum auf der Uconnect-Plattform basiert und den älteren RCC als Nachfolger ablöst. Architektonisch ähneln sich alle modernen Infotainment-Systeme: ein ARM-SoC (meist Qualcomm Snapdragon oder Renesas R-Car) steuert eine Linux- oder QNX-basierte Laufzeitumgebung. So, wie Doc Brown in Zurück in die Zukunft seinen DeLorean mit immer neuen Modulen aufrüstet, erhält auch jede Head-Unit ihre fahrzeugspezifische Persönlichkeit erst durch die Codierung.

Der Speicher-Layout-Unterschied ist dabei entscheidend: NTG5 nutzt eMMC-Speicher (embedded MultiMediaCard) mit ca. 16–32 GB, während NTG6 auf UFS 2.0 (Universal Flash Storage) mit 64–128 GB umgestiegen ist. UFS bietet deutlich höhere Schreibraten und erlaubt die parallele Verarbeitung von Kartendaten, Online-Diensten und Over-the-Air-Updates.

Beim NTG6 erfolgt die Codierung zweistufig: Erstens der klassische Weg über XENTRY mit direktem Kabelzugang am OBD-II-Port, zweitens das sogenannte Codier-Paket über Telematik – Mercedes-Server schieben Konfigurations-Datensätze per Mobilfunk direkt an das Steuergerät. Die VIN-Lock-Funktion stellt sicher, dass Software-Lizenzen (Kartenmaterial, Apple CarPlay, MBUX-Module) an die Fahrzeug-Identnummer gebunden bleiben. Ein NTG6-Head-Unit aus einem anderen Fahrzeug zu entnehmen und einzubauen funktioniert ohne fachgerechte SCN-Codierung nicht – die Software verweigert den Dienst, bis die VIN-Bindung neu hergestellt ist.


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Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheiden sich die Navigations-Updates für NTG5 und NTG6 Systeme?

NTG5-Systeme nutzen VIN-gebundene SD-Karten, die manuell ausgetauscht werden müssen. NTG6-Systeme hingegen verfügen über einen internen Speicher und erhalten inkrementelle Over-the-Air (OTA) Updates direkt über die Mercedes-Server.

Warum ist nach einem NTG5 Navigations-Update eine SCN-Codierung notwendig?

Beim NTG5 ist die Software-Version des Infotainment-Steuergeräts eng mit dem Kartenmaterial verknüpft. Ein Kartenupdate kann eine Anpassung der Navigationsprozessor-Software erfordern, welche mittels SCN-Codierung über XENTRY vorgenommen wird, um die volle Funktionalität sicherzustellen.

Kann ich eine NTG5 Navigations-SD-Karte aus einem anderen Mercedes-Fahrzeug verwenden?

Nein, das ist nicht möglich. Die NTG5 Navigations-SD-Karten sind fest mit der Fahrgestellnummer (VIN) des ursprünglichen Fahrzeugs verknüpft. Eine Karte aus einem anderen Fahrzeug wird vom System abgelehnt.

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