- Inspektion ist rechtlich nicht definiert – der Hersteller bestimmt den Umfang über seinen Service-Plan (Mercedes: ASSYST PLUS, VW: LongLife, BMW: CBS).
- Kleine Inspektion (mittlerer dreistelliger Bereich): Motorenöl in OEM-Spezifikation, Filter, Sichtprüfungen, Service-Reset über XENTRY/ODIS/ISTA.
- Große Inspektion (mittlerer bis hoher dreistelliger Bereich): zusätzlich Zündkerzen, Bremsflüssigkeit, Belagstärken-Messung, weitere Filter.
- Dokumentierte Wartungshistorie = 15 bis 25 % höherer Wiederverkaufswert – die Inspektion ist eine Werterhalt-Investition, kein Kostenpunkt.
- Bei durchschnittlicher Jahresfahrleistung von 13.140 km entscheidet meist die Zeit, nicht der Kilometer.
- Wir arbeiten mit offiziellem XENTRY-, ODIS- und ISTA-Zugang – der Eintrag im digitalen Serviceheft ist identisch zur Vertragswerkstatt, ohne Verlust von Garantie oder Kulanz.
- Festpreise pro Inspektionsumfang vor Beginn – persönlich abgestimmt mit Ihrem Fahrzeug.
Die Inspektion entscheidet darüber, ob ein Fahrzeug nach 15 Jahren noch Substanz hat – oder zu einer Aneinanderreihung von Folgeschäden geworden ist. Sie ist keine Pflicht im Sinne der StVZO, anders als die Hauptuntersuchung. Genau deshalb wird sie häufig unterschätzt. Wer den jährlichen Service verschleppt, spart heute drei- bis vierhundert Euro – und zahlt morgen ein Vielfaches für Schäden, die ein rechtzeitig getauschter Filter oder ein dokumentierter Ölwechsel verhindert hätten.
Wir machen Ihnen in diesem Beitrag drei Dinge transparent: was eine Inspektion technisch umfasst, wie die drei großen Hersteller-Konzerne (Mercedes-Benz, VW-Gruppe, BMW) ihre Service-Intervalle algorithmisch steuern, und wie sich fachgerechte Wartung beim Wiederverkauf direkt in barer Münze auszahlt.
Inspektion: Ein nicht-geschützter Begriff
Es überrascht viele Fahrer: Der Begriff “Inspektion” ist im deutschen Recht nicht definiert. Es gibt keine Verordnung, keine DIN-Norm, keinen Mindestumfang, der gesetzlich vorgeschrieben wäre. Eine Werkstatt darf eine Sichtprüfung des Motorraums plus Ölmessstab-Kontrolle als “Inspektion” bezeichnen, und sie wäre damit juristisch korrekt. Genau das ist die Grundlage für viele intransparente Lockangebote, die in Anzeigen und Aushängen kursieren.
Die einzige verbindliche Definition kommt vom Fahrzeughersteller. Mercedes-Benz, BMW, die VW-Gruppe und alle anderen Konzerne hinterlegen in ihren Service-Heften und Steuergeräten einen exakten Leistungskatalog, der nach Modell, Baujahr, Motorisierung und Fahrprofil definiert, welche Arbeiten zu welchem Zeitpunkt fällig sind. Diese Pläne sind die einzige seriöse Grundlage für eine Inspektion. Wir bei KFZ Dietrich arbeiten ausschließlich nach diesen Vorgaben – nicht nach Pauschalpaketen, die Marketing-Abteilungen erdacht haben.
Daraus folgt für Sie als Kunde: Fragen Sie eine Werkstatt nicht “Was kostet eine Inspektion?”, sondern “Welche Service-Position aus dem Hersteller-Plan ist bei meinem Fahrzeug aktuell fällig und welche Arbeiten erfordert das?” Erst dann reden Sie über vergleichbare Leistung.
Kleine Inspektion: Substanz erhalten, jährliche Kontrolle
Die kleine Inspektion ist die fundamentale Substanz-Sicherung des Fahrzeugs. Sie sorgt dafür, dass die Schmierstoffe in einem Zustand bleiben, in dem sie ihre Schutzwirkung tatsächlich entfalten, und dass sich anbahnende Verschleißprobleme früh erkannt werden – bevor sie zu Folgeschäden führen.
Konkrete Arbeitsschritte:
- Motorenöl-Wechsel mit Hersteller-freigegebenem Öl (OEM-Spezifikation, z. B. MB 229.52, VW 504.00, BMW LL-04). Ohne exakte Spezifikation drohen Lagerschäden oder Partikelfilter-Verstopfung.
- Ölfilter komplett erneuern (Verbrauchsteil mit definierter Filterfeinheit).
- Sichtprüfung Bremsanlage: Belagstärke vorn/hinten, Scheiben-Zustand (Riefen, Rost-Rand, Restdicke), Bremsschläuche, Sattel-Mechanik.
- Reifen: Profiltiefe (gesetzliches Minimum 1,6 mm, sicherheitstechnisch deutlich mehr empfohlen), DOT-Nummer, gleichmäßige Abnutzung als Indikator für Fahrwerks-Geometrie.
- Innenraumfilter (Pollen-, Aktivkohle-Filter) erneuern – beeinflusst Klimakompressor-Funktion und Schimmelbildung im Verdampfer.
- Luftfilter prüfen, bei Bedarf erneuern.
- Bremsflüssigkeit prüfen auf Wassergehalt (hygroskopisch, alle 2 Jahre Wechsel-Pflicht).
- Frostschutz im Kühlsystem prüfen.
- Beleuchtungs-Check rundum, inklusive Bremslicht und Kennzeichenbeleuchtung.
- Scheibenwischer auf Schlierenfreiheit prüfen.
- Service-Reset im Steuergerät über XENTRY, ODIS oder ISTA. Ein “Display-Reset” über Tastenkombination setzt zwar die Anzeige zurück, schreibt aber keinen Eintrag ins Steuergerät. Beim nächsten Auslesen fehlt die Service-Historie – das digitale Serviceheft bleibt unvollständig.
Die kleine Inspektion ist in der Regel jährlich fällig. Bei Mercedes mit ASSYST PLUS meldet sich der Algorithmus früher oder später, abhängig vom Fahrprofil.
Große Inspektion: Verschleißteile gezielt erneuern
Die große Inspektion enthält alle Punkte der kleinen Inspektion plus eine Reihe von Verschleißteilen und Betriebsstoffen, die in längeren Intervallen erneuert werden. Sie fällt typischerweise alle zwei Jahre oder alle 60.000 Kilometer an – je nachdem, was zuerst eintritt.
Zusätzliche Arbeiten:
- Zündkerzen erneuern (Benziner). Elektroden-Verschleiß entscheidet über Zündverhalten, Verbrauch und Schadstoffausstoß – bei Direkteinspritzern und Turbo-Aggregaten besonders kritisch.
- Bremsflüssigkeit erneuern (zwingend alle 2 Jahre). Hygroskopisch – zieht Wasser aus der Luft. Bei Wassergehalt über 3 % sinkt der Siedepunkt drastisch; bei thermischer Belastung droht Dampfblasenbildung und Bremsversagen.
- Getriebeöl prüfen; bei vielen modernen DCT-Getrieben ist ein Wechsel ab 60.000 km vorgesehen – wir empfehlen die Getriebeölspülung statt einfachem Ablassen, da sonst rund 60 % des Altöls im System verbleiben.
- Achsmanschetten auf Risse und Schmierfett-Austritt prüfen. Eine defekte Manschette führt innerhalb weniger tausend Kilometer zum Totalschaden des Gleichlaufgelenks.
- Bremsbelagstärken messen mit Messlehre. Rechtzeitige Empfehlung zum Wechsel, bevor die Bremsscheibe Schaden nimmt.
- Auspuffsystem auf Dichtigkeit, Korrosion, lose Halterungen prüfen.
- Glühkerzen (Diesel) – bei zunehmendem Übergangswiderstand verlängerter Startvorgang im Winter.
- Antriebsriemen auf Risse, Längs-Verschleiß, Spannung.
- AdBlue-System (Diesel Euro 6) auf Funktion, Tankinhalt, Diagnosespeicher.
- Fahrwerks-Sichtprüfung: Spurstangenköpfe, Querlenker-Lager, Stoßdämpfer auf Ölaustritt.
Verschlissene Teile werden bei Bedarf ersetzt – kein “Verkaufsmodul”, sondern dokumentiert mit Messprotokoll und Foto. Sie entscheiden auf Basis von Beweisführung, nicht auf Basis einer Behauptung.
Hersteller-Vorgaben: Die drei großen Service-Algorithmen
Die Service-Intervalle der drei Konzerne unterscheiden sich technisch erheblich. Wer ein Mercedes-Modell exakt nach BMW-Logik wartet (oder umgekehrt), unterläuft die Werks-Vorgabe und gefährdet den Anspruch auf Kulanz.
ASSYST PLUS – Mercedes-Benz
Mercedes hat seit 1998 das Active Service System (ASSYST) im Einsatz, in der modernen Variante ASSYST PLUS. Das System berechnet das nächste Service-Intervall nicht starr nach Kilometer oder Zeit, sondern über einen ölbasierten Algorithmus, der mehrere Parameter integriert:
- gefahrene Kilometer
- vergangene Zeit seit letztem Service
- Kurzstrecken-Anteil (Anzahl der Kaltstarts, Anteil unter Betriebstemperatur)
- thermische Belastung (Außentemperaturen, Drehzahlen, Lastprofile)
- vermutete Ölalterung (geschätzt über Betriebsstunden bei verschiedenen Lasten)
Daraus errechnet das System die Restlaufstrecke und meldet den Service-Bedarf. Bei viel Kurzstrecke kann der Service nach 10.000 km fällig sein, bei viel Autobahn-Langstrecke erst nach 25.000 km. Der Reset des ASSYST PLUS-Systems erfolgt nur über XENTRY – ein “Tastenkombination-Reset” am Lenkrad setzt zwar die Anzeige, hinterlässt aber im Steuergerät keinen sauberen Wartungseintrag.
LongLife / Festintervall – VW-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat)
Die VW-Gruppe unterscheidet zwischen zwei Service-Modellen:
- LongLife-Service: Variabel, ähnlich ASSYST. Bis zu 30.000 km oder 2 Jahre möglich, abhängig vom Fahrprofil. Voraussetzung ist die Verwendung von LongLife-Öl in exakter VW-Norm (z. B. VW 504.00 / 507.00).
- Festintervall-Service: Starre 15.000 km / 1 Jahr. Vorgesehen für Fahrzeuge mit hohem Kurzstrecken-Anteil oder Sonder-Einsatz. Hier kommt ein anderes Öl zum Einsatz (VW 502.00, kein LongLife).
Der entscheidende Punkt: Welches Service-Modell aktiv ist, ist im Steuergerät codiert. Wer ein Fahrzeug von LongLife auf Festintervall umstellt (z. B. weil das Fahrprofil sich geändert hat), muss diese Codierung über ODIS anpassen – sonst werden die Service-Erinnerungen nicht korrekt berechnet.
CBS – BMW (Condition Based Service)
BMW geht einen modularen Weg. Statt eines einzelnen Service-Termins gibt es bei CBS mehrere unabhängig überwachte Service-Items:
- Motorenöl
- Bremsbeläge vorn
- Bremsbeläge hinten
- Bremsflüssigkeit (alle 2 Jahre, zeitbasiert)
- Mikrofilter (Innenraumfilter)
- Zündkerzen
- Fahrzeug-Check (kombinierte Sichtprüfung)
- TÜV-Erinnerung (HU-Termin)
Jedes Item hat eine eigene Restlaufzeit und meldet sich unabhängig. Das gibt Werkstatt und Fahrer die Möglichkeit, mehrere nahe fällige Items in einer Werkstattbuchung zu kombinieren – effizient und kostenschonend. Der Reset einzelner CBS-Punkte erfolgt über ISTA und schreibt den Termin in das digitale Serviceheft (BMW Digital Service Booklet).
Was Inspektion kostet – und warum die Frage falsch gestellt ist
Die übliche Frage “Was kostet eine Inspektion?” führt regelmäßig zu Missverständnissen, weil sie die eigentliche Größe nicht erfasst. Korrekter ist: “Welche Positionen des Hersteller-Service-Plans sind aktuell fällig, und was kosten diese Positionen einzeln?”
Grobe Orientierungswerte (immer abhängig von Fahrzeug, Motorisierung, gleichzeitig fälligen Verschleißteilen):
| Inspektionsumfang | Größenordnung | Wesentliche Kostentreiber |
|---|---|---|
| Kleine Inspektion (15.000 km / 1 Jahr) | Mittlerer dreistelliger Bereich | Motorenöl in OEM-Spezifikation, Ölfilter, Innenraumfilter, Arbeitszeit, Service-Reset |
| Große Inspektion (30.000–60.000 km / 2 Jahre) | Mittlerer bis hoher dreistelliger Bereich | Zusätzlich Zündkerzen, Bremsflüssigkeit, Luftfilter, ggf. Pollenfilter, Belagstärken-Messung |
| Inspektion mit Zahnriemenwechsel (alle 4–6 Jahre oder 120.000 km) | Hoher dreistelliger bis vierstelliger Bereich | Zahnriemen, Spannrolle, Wasserpumpe – häufig kombiniert mit großer Inspektion |
| Inspektion mit Getriebeölspülung | Plus mittlerer dreistelliger Betrag | Getriebeöl in OEM-Spezifikation, Spülgerät-Einsatz, Ölwannenfilter |
Der größte Einzelposten in den meisten Inspektionen ist nicht die Arbeitszeit, sondern der Schmierstoff. Ein modernes LongLife-Öl in VW 508.00- oder MB 229.71-Spezifikation kostet im Liter ein Vielfaches eines Universalöls aus dem Baumarkt – aus gutem Grund: Es ist auf den exakten Aggregat-Zyklus, die Partikelfilter-Verträglichkeit und die LongLife-Tauglichkeit hin entwickelt. Wir sparen hier nicht. Wer hier spart, riskiert Lagerschäden, vorzeitigen Verschleiß der Hydrostößel oder eine verstopfte Partikelfilter-Anlage – Folgen, die mehrere tausend Euro kosten können.
Werterhalt: Die Rendite einer dokumentierten Wartungsgeschichte
An dieser Stelle wird die Inspektion wirtschaftlich interessant. Studien der DAT (Deutsche Automobil Treuhand) und der Schwacke-Liste zeigen seit Jahren konsistent: Ein Fahrzeug mit lückenlos dokumentierter Wartungshistorie erzielt beim Wiederverkauf einen Mehrpreis von 15 bis 25 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit unvollständiger oder nicht nachweisbarer Service-Historie.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar:
- Fahrzeug A: Mercedes E-Klasse, 8 Jahre alt, Marktwert mit Scheckheft ca. 18.000 €
- Fahrzeug B: gleiches Modell, gleiches Baujahr, gleicher km-Stand, ohne dokumentierte Wartungshistorie: Marktwert ca. 14.500 €
Die Differenz von 3.500 € entspricht ungefähr den Inspektionskosten der vergangenen 8 Jahre. Mit anderen Worten: Die Inspektion hat sich beim Wiederverkauf vollständig refinanziert – und das Fahrzeug war über die gesamte Zeit zuverlässig und werterhaltend gepflegt. Das ist keine Theorie, das ist seit Jahrzehnten gelebte Praxis im Gebrauchtwagenmarkt.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Wartungshistorie nicht nur lückenlos, sondern auch markenfähig dokumentiert ist. Ein handschriftlicher Eintrag im Papier-Scheckheft genügt bei Mercedes, BMW und VW-Gruppe seit Jahren nicht mehr. Maßgeblich ist der Eintrag im digitalen Serviceheft – und genau diesen Eintrag können wir bei KFZ Dietrich über XENTRY, ODIS und ISTA vornehmen. Identisch zum Eintrag einer Vertragswerkstatt.
Werkstatt-Vorgehen bei KFZ Dietrich
Wenn Sie ein Fahrzeug zur Inspektion zu uns bringen, läuft folgender Ablauf:
- Auftragsannahme: Sie nennen uns Kennzeichen oder VIN. Wir gleichen die Service-Historie über XENTRY/ODIS/ISTA mit dem Steuergerät ab. So wissen wir vor dem Termin exakt, welche Service-Items fällig sind.
- Verbindlicher Festpreis vor Beginn: Auf Basis des realen Service-Bedarfs nennen wir Ihnen einen Festpreis pro Inspektion. Keine Pauschalen, keine versteckten Kosten.
- Durchführung: Persönlich verantwortlich durch Meister oder qualifizierten Servicetechniker. Bei jedem Schritt Sichtkontrolle, Messprotokoll bei sicherheitsrelevanten Teilen (Bremsen, Reifen, Fahrwerk).
- Beratung bei Befunden: Findet sich zusätzlicher Reparaturbedarf, melden wir uns telefonisch – mit Foto-Beleg, Messwerten und einer klaren Empfehlung, was sofort behoben werden muss und was Aufschub erlaubt. Sie entscheiden auf vollständiger Information.
- Digitaler Serviceheft-Eintrag: Nach Abschluss wird der Service über die Hersteller-Software in das digitale Serviceheft geschrieben – inklusive Kilometerstand, Datum und durchgeführter Arbeiten.
- Übergabe mit Dokumentation: Sie erhalten eine detaillierte Rechnung, das Prüfprotokoll und eine Übersicht der nächsten fälligen Service-Punkte.
Nerd-Box: Warum Inspektionen funktionieren wie das Schiff Theseus' – und was Tribologie damit zu tun hat
In “Star Trek: Der Film” gibt es eine Szene, in der Scotty Admiral Kirk durch die generalüberholte Enterprise führt: “Sie sieht aus wie früher – aber es ist nicht mehr dieselbe Enterprise.” Jede Schraube, jede Leitung wurde getauscht. Physisch ein anderes Schiff – und doch dasselbe, weil seine Identität in der ununterbrochenen Wartungsgeschichte liegt.
Das ist das Schiff-Theseus-Paradox. Für Werkstattmeister und Schmierstofftechniker ist die Antwort klar: Ja, es ist dasselbe Fahrzeug – wenn die Substanz durch fachgerechte Pflege erhalten bleibt. Schauen wir auf drei technische Ebenen, auf denen die Inspektion ihre Wirkung entfaltet:
1. Der Wartungs-Intervalle-Algorithmus (ASSYST, LongLife, CBS)
ASSYST PLUS bei Mercedes ist ein mehrdimensionales Zustandsmodell. Es führt im Hintergrund eine Zustandsvariable mit, die sich aus gewichteten Einzelbeiträgen speist:
- Betriebsstunden bei Kalt-Last (höhere Gewichtung – Kaltstart verursacht überproportionalen Verschleiß)
- Betriebsstunden bei thermischer Spitzenlast (Drehzahl × Last × Temperatur)
- Zyklen unterhalb Betriebstemperatur (Kurzstrecken-Indikator)
- Außentemperatur-Profile (Kondensat-Bildung im Öl)
- Lastspektrum (Anhängerbetrieb, Bergstrecken, Beladung)
Aus dieser Zustandsvariable wird über eine empirisch kalibrierte Funktion die geschätzte Rest-Ölqualität abgeleitet. Unterschreitet sie einen Schwellwert, meldet sich der Service. Im Kern ein Beispiel für predictive maintenance – Vorhersage des optimalen Wartungszeitpunkts aus kumulierten Zustandsindikatoren.
BMW geht mit CBS einen Schritt weiter und führt diese Zustandsvariable parallel für mehrere Subsysteme – Öl, Bremsbeläge, Bremsflüssigkeit, Filter, Zündkerzen – die unabhängig planbar werden.
2. Das Ölalterungs-Modell
Drei dominante Prozesse altern Motorenöl:
- Oxidation: Sauerstoff reagiert bei hohen Temperaturen mit Kohlenwasserstoffketten. Es entstehen Säuren (TAN – Total Acid Number), die Lagermaterialien angreifen, und Polymere, die die Viskosität erhöhen.
- Nitrierung / Sulfatierung: Stickoxide und Schwefelverbindungen aus Blow-by-Gasen verbrauchen die alkalische Reserve (TBN – Total Base Number).
- Mechanische Scherung: Viskositätsindex-Verbesserer werden in Lagerspalten zerschnitten. Die Hochtemperatur-Viskosität sinkt – das Öl verliert seine Tragfähigkeit unter Volllast.
Ein modernes Motorenöl ist mit einem Additivpaket ausgestattet, das exakt auf das Aggregat hin kalibriert ist: Detergentien, Dispergentien, Antioxidantien, Verschleißschutz-Additive (ZDDP), Viskositätsindex-Verbesserer. Diese Additive werden verbraucht. Die Service-Intervalle sind so kalibriert, dass das Öl gewechselt wird, bevor die Reserve unter einen kritischen Wert fällt.
Wer ein LongLife-Öl bei reinem Kurzstrecken-Fahrprofil im 30.000-km-Intervall belässt, hat schon nach 15.000 km ein Öl mit weitgehend verbrauchter Additiv-Reserve. Das Öl schmiert noch – aber es schützt nicht mehr. Lager-Verschleiß, Hydrostößel-Probleme und Steuerketten-Längung sind die Folge. Genau deshalb existiert bei VW das parallele Festintervall-Konzept.
3. Tribologie der Schmierstoffe
An einer Gleitlagerstelle – etwa zwischen Kurbelwellen-Zapfen und Pleuellager – tut sich Folgendes: Bei Stillstand liegt der Zapfen auf dem Lager auf, getrennt nur durch eine Adsorptionsschicht polarer Ölmoleküle (Grenzreibung). In den ersten Umdrehungen wird Öl zwischen Zapfen und Lager hineingezogen und bildet einen hydrodynamischen Schmierfilm von wenigen Mikrometern. Der Zapfen schwimmt – kein Metallkontakt (Vollschmierung).
Drei Größen entscheiden:
- Viskosität bei Betriebstemperatur (HTHS): zu dünn → Filmabriss, zu zäh → Reibungsverluste.
- Druckaufnahme-Vermögen (EP-Additive): chemische Reaktivität puffert lokale Metallkontakte über reaktive Schutzschichten (Eisensulfide).
- Filterkapazität: Partikel größer als die Filmdicke verursachen abrasiven Verschleiß. Ein erschöpfter Filter öffnet das Bypass-Ventil – Öl strömt ungefiltert durch den Motor.
Wer den Service auslässt, riskiert keinen graduellen Zuwachs, sondern einen qualitativen Übergang vom Regime “Verschleiß im µm pro 100.000 km” zum Regime “Verschleiß im µm pro 10.000 km”. Das ist nicht zehn Prozent schlimmer – es ist zehnmal schlimmer. Nach 50.000 km sichtbar als Öldruck-Warnung, Hydrostößel-Klappern, Steuerketten-Längung oder Lagerschaden.
Die Inspektion ist – um zum Schiff Theseus zurückzukehren – das Element, das aus einer Aneinanderreihung verschleißender Bauteile ein Fahrzeug mit erhaltener Substanz macht. Jeder Ölwechsel entscheidet, in welchem tribologischen Regime das Aggregat in den nächsten 15.000 Kilometern operiert. Deshalb investieren wir Sorgfalt in jeden einzelnen Schritt – nicht weil ein Wert in der Software steht, sondern weil wir die Physik dahinter ernst nehmen.
HU und AU – das gehört nicht in die Inspektion, ist aber oft fällig
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.
Sinnvoll: HU und große Inspektion zeitgleich planen. So wird das Fahrzeug einmal in den Werkstatt-Hof gestellt, alle Befunde liegen vor, und wir können HU-relevante Mängel vor dem TÜV-Termin beheben. Wir koordinieren den Termin mit unserem TÜV-Prüfer auf Wunsch direkt.
Mehr dazu im Beitrag TÜV häufige Mängel 2026 vermeiden.
Wartungs-Realität bei deutscher Durchschnitts-Fahrleistung
Der DAT-Report 2026 dokumentiert: Deutsche fahren im Schnitt 13.140 km pro Jahr (zweiter Anstieg in Folge, repräsentative Befragung 4.666 Personen). Das bedeutet für Inspektionsintervalle:
| Service | Hersteller-Vorgabe | Bei 13.140 km/Jahr fällig nach |
|---|---|---|
| Kleine Inspektion | 15.000 km / 1 Jahr | jährlich (Zeitfaktor) |
| Mittlere Inspektion | 30.000 km / 2 Jahre | alle 2,3 Jahre |
| Große Inspektion | 60.000 km / 4 Jahre | alle 4,6 Jahre |
| Zahnriemenwechsel | 120.000 km / 6 Jahre | meist 6-Jahres-Marke vor Kilometer |
Bei deutscher Durchschnitts-Fahrleistung entscheidet häufig die Zeit, nicht der Kilometer. Mehr im Detail: 13.140 km Wartungsfolgen.
Wir bei KFZ Dietrich
- Hersteller-Service-Plan zu 100 % befolgt – nach ASSYST PLUS, LongLife/Festintervall oder CBS
- Herstellerdiagnose mit offiziellem Zugang zu XENTRY, ODIS und ISTA
- Eintrag in das digitale Serviceheft – identisch zur Vertragswerkstatt
- Original- oder OE-Qualität-Teile, freigegebene Betriebsstoffe in OEM-Spezifikation
- Verbindliche Festpreise nach Inspektions-Umfang vor Beginn
- Beweisgeführte Beratung mit Messprotokoll und Foto-Dokumentation bei Befunden
- Werterhalt im Fokus – jede Maßnahme zahlt in den langfristigen Substanz- und Wiederverkaufswert ein
Inspektion bei Ihrem Fahrzeug fällig? Wir prüfen vorab die Servicehistorie über XENTRY, ODIS oder ISTA und nennen Ihnen einen verbindlichen Festpreis nach realem Service-Bedarf. 05505 5236 anrufen oder direkt per WhatsApp Kontakt aufnehmen.
Weiterführende Informationen:
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- VW/Audi/Skoda/Seat ODIS-Service
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