- Isofix verbindet den Kindersitz über genormte Rastpunkte fest mit der Karosserie und reduziert die häufigsten Einbaufehler.
- Der Top Tether oder ein Stützfuß verhindert das Vorkippen des Sitzes – beides ersetzt einander nicht.
- i-Size (ECE R129) wählt den Sitz nach Körpergröße und schreibt längeren rückwärtsgerichteten Transport vor.
- Häufige Fehler sind lockere Befestigung, falsch geführte Gurte und ein nicht zur Größe passender Sitz.
- Maßgeblich sind immer die Anleitung des Sitzes und die Betriebsanleitung des Fahrzeugs – im Zweifel fragen Sie uns.
Kaum eine Komponente im Familienauto ist so unmittelbar mit der Sicherheit der Kinder verbunden wie der Kindersitz – und kaum eine wird so häufig fehlerhaft eingebaut. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern ein Grund, sich einmal in Ruhe mit den Grundlagen zu befassen. Dieser Beitrag erklärt sachlich, was Isofix leistet, wofür der Top Tether da ist, welche Einbaufehler verbreitet sind und was die Norm i-Size bedeutet.
Isofix oder Gurt – was unterscheidet die Systeme
Es gibt zwei grundsätzliche Wege, einen Kindersitz im Fahrzeug zu befestigen: über das genormte Isofix-System oder über den serienmäßigen Dreipunktgurt.
Isofix verbindet den Sitz über zwei Rastarme mit fest in der Karosserie verankerten Bügeln zwischen Sitzfläche und Rückenlehne. Die Verbindung ist starr, spielarm und immer an derselben Position. Der entscheidende Vorteil liegt weniger in einer pauschal höheren Sicherheit als in der deutlich geringeren Fehleranfälligkeit: Ein hörbar eingerasteter Isofix-Sitz sitzt zuverlässig fest, ohne dass ein Gurt korrekt geführt und straff gezogen werden muss.
Die Gurtbefestigung nutzt den vorhandenen Dreipunktgurt des Fahrzeugs. Korrekt ausgeführt ist auch sie sicher – die Erfahrung zeigt allerdings, dass hier mehr Fehler passieren, etwa bei der Gurtführung oder durch zu wenig Spannung. Die Gurtbefestigung bleibt wichtig für Fahrzeuge ohne Isofix-Vorrüstung und für bestimmte Sitzmodelle.
In beiden Fällen gilt: Der Sitz muss fest sitzen, für das Kind passend gewählt und ordnungsgemäß zugelassen sein.
Der Top Tether und der Stützfuß
Bei rückwärts wie vorwärts gerichteten Sitzen entsteht bei einem Frontalaufprall ein Drehmoment, das den Sitz nach vorn kippen lassen würde. Zwei Konstruktionen wirken dem entgegen:
- Top Tether: ein zusätzlicher Haltegurt am oberen Ende des Sitzes, der in einen dafür vorgesehenen Verankerungspunkt eingehakt wird – meist hinter der Rücksitzlehne, am Fahrzeugboden oder im Kofferraumbereich. Er hält den oberen Teil des Sitzes zurück.
- Stützfuß: eine ausziehbare Stütze, die vom Sitz bis auf den Fahrzeugboden reicht und die Kippkräfte nach unten ableitet.
Welches System ein Sitz nutzt, ist modellabhängig. Top Tether und Stützfuß ersetzen einander nicht – maßgeblich ist die Anleitung des jeweiligen Sitzes. Wichtig: Der Stützfuß darf nicht auf einem Staufach im Fahrzeugboden aufstehen, das unter Last nachgeben könnte. Die Betriebsanleitung des Fahrzeugs gibt darüber Auskunft.
Häufige Einbaufehler
Die verbreiteten Fehler sind selten dramatisch im Sinne grober Nachlässigkeit – meist sind es Details, die in der Eile übersehen werden:
- Lockere Befestigung. Ein Sitz, der sich an der Basis spürbar seitlich bewegen lässt, ist nicht ausreichend fixiert.
- Falsch geführte oder verdrehte Gurte bei der Gurtbefestigung, wodurch die Kräfte nicht wie vorgesehen verteilt werden.
- Nicht genutzter oder lose eingehakter Top Tether bei Sitzen, die ihn vorsehen.
- Stützfuß ohne festen Bodenkontakt oder auf einer instabilen Fläche aufgestellt.
- Zu locker angelegtes Kindergurtzeug, das im Ernstfall zu viel Bewegungsspielraum lässt.
- Sitz passt nicht zur Größe des Kindes, weil der Übergang in die nächste Sitzklasse zu früh oder zu spät erfolgt.
Diese Punkte lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit und der Anleitung gut vermeiden. Wenn Unsicherheit bleibt, ist es sinnvoll, den Einbau einmal fachlich kontrollieren zu lassen, statt zu raten.
i-Size kurz erklärt
i-Size ist die Bezeichnung der europäischen Zulassungsnorm ECE R129. Sie ergänzt die ältere Norm ECE R44 und bringt mehrere praxisrelevante Neuerungen:
- Die Sitzauswahl richtet sich nach der Körpergröße des Kindes statt nach dem Gewicht, was die Zuordnung erleichtert.
- Ein rückwärtsgerichteter Transport ist über einen längeren Zeitraum vorgeschrieben, da er den Nacken kleiner Kinder bei einem Frontalaufprall besser schützt.
- i-Size-Sitze sind auf Isofix ausgelegt und werden in entsprechend gekennzeichneten Sitzplätzen verwendet.
Ob ein Sitzplatz i-Size-tauglich ist, steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs. i-Size ist keine Verpflichtung zum sofortigen Neukauf – bestehende, normgerecht zugelassene Sitze dürfen weiter genutzt werden. Es ist vielmehr eine Orientierungshilfe für die Auswahl.
Sicherheit im Gesamtbild
Der beste Kindersitz entfaltet seine Wirkung nur in einem Fahrzeug, dessen sicherheitsrelevante Systeme insgesamt in Ordnung sind. Bremsen, Reifen und Assistenzsysteme bilden zusammen mit der korrekten Kindersicherung das Schutzkonzept für die ganze Familie. Den Überblick dazu gibt unser Ratgeber zum sicheren Familienauto; welche Rolle moderne Assistenten dabei spielen, lesen Sie im Beitrag zu Fahrerassistenzsystemen im Familienauto.
Hauptuntersuchung und Werkstatt-Leistungen
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV).
Bei Fragen zu den Verankerungspunkten in Ihrem Fahrzeug, zur Eignung einzelner Sitzplätze oder zur Kontrolle eines bereits eingebauten Sitzes sind wir Ihr Ansprechpartner. Wir nehmen uns Zeit und beantworten Ihre Fragen sachlich.
Kontakt
Sie möchten den Einbau Ihres Kindersitzes prüfen lassen oder sind unsicher, welche Plätze in Ihrem Fahrzeug geeignet sind? Sprechen Sie uns an – wir helfen Ihnen weiter.
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