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Lecksuche an der Klimaanlage: das Formiergas-Verfahren

Lecksuche an der Klimaanlage mit Formiergas: warum Stickstoff-Wasserstoff genauer ist als UV-Tracer und Schnüffler. Ablauf bei KFZ Dietrich Hardegsen.

Lecksuche an der Klimaanlage: das Formiergas-Verfahren
Illustration: mit KI-Werkzeugen erstellt · KI-Transparenz

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TL;DR
  • Formiergas ist ein Gemisch aus 95 Prozent Stickstoff und 5 Prozent Wasserstoff – ein nicht entzündliches Prüfgas nach DIN EN ISO 14175.
  • Die kleinen Wasserstoff-Moleküle finden Undichtigkeiten, die UV-Tracer und Kältemittel-Schnüffler nicht erfassen.
  • Ein elektronischer Wasserstoff-Sensor zeigt die undichte Stelle punktgenau an – ohne Wartezeit auf zirkulierenden Tracer.
  • Wir setzen das Verfahren ein, wenn der Vakuum-Test einen Druck-Anstieg zeigt, die UV-Lampe aber nichts findet.
  • Nach der Prüfung wird das Gas abgesaugt, das System wird befüllt und der Trockner getauscht.

Warum eine undichte Klimaanlage so schwer zu finden ist

Eine Klimaanlage verliert systemisch Kältemittel – über Schläuche, Dichtungen und Verschraubungen entweicht jedes Jahr ein gewisser Anteil. Das ist Konstruktion, kein Mangel. Erst wenn der Verlust deutlich über dem üblichen Maß liegt, sprechen wir von einer Leckage, die gefunden und behoben werden muss.

Das Problem: Die undichte Stelle ist selten dort, wo man sie vermutet. Der Kältemittel-Kreislauf zieht sich vom Kompressor im Motorraum über den Kondensator hinter der Frontmaske, durch das Expansionsventil bis zum Verdampfer tief im Heizungs-Gehäuse unter dem Armaturenbrett. Ein Haarriss an einer Bördelstelle oder eine porös gewordene O-Ring-Dichtung ist mit bloßem Auge nicht zu sehen.

Genau hier trennt sich die Werkstatt-Praxis vom reinen Nachfüllen. Wer eine Klimaanlage ohne Lecksuche befüllt, schickt den Kunden mit demselben Defekt wieder nach Hause – das Kältemittel ist nach wenigen Wochen erneut entwichen. Wir gehen den umgekehrten Weg: erst den Befund, dann die Reparatur.

Auch Fahrzeuge, die uns aus dem Leinetal erreichen, durchlaufen genau diese Reihenfolge – beim Klimaservice für Kunden aus Einbeck entscheidet der Vakuum-Test darüber, ob die Formiergas-Suche überhaupt angesetzt wird.

Die drei gängigen Verfahren im Vergleich

In der Werkstatt-Praxis gibt es drei etablierte Methoden zur Lecksuche an Klimaanlagen. Jede hat ihre Berechtigung – aber sie unterscheiden sich erheblich in der Empfindlichkeit.

UV-Tracer unter der UV-Lampe

Beim Klimaservice geben wir einen fluoreszierenden UV-Tracer in den Kreislauf. Tritt Kältemittel zusammen mit dem Öl aus, hinterlässt es eine Spur, die unter einer UV-Lampe mit rund 400 nm Wellenlänge grün-gelb leuchtet. Das funktioniert gut bei größeren, dauerhaften Undichtigkeiten – etwa an einer sichtbar verölten Verschraubung.

Die Grenze: Der Tracer muss erst mit dem Kältemittel durch das System zirkulieren, was bei kleinen Lecks Tage dauern kann. An schwer einsehbaren Stellen – hinter dem Kondensator, am Verdampfer im Gehäuse – ist die UV-Spur kaum zu erkennen.

Elektronischer Kältemittel-Schnüffler

Ein Schnüffel-Sensor reagiert auf entweichendes Kältemittel selbst. Er wird langsam entlang aller Leitungen und Verbindungen geführt. Das Verfahren ist schneller als die UV-Methode, hat aber eine Schwäche: Kältemittel-Moleküle sind vergleichsweise groß, und der Sensor kann durch Restdämpfe in der Werkstatt-Luft gestört werden. Sehr kleine Undichtigkeiten bleiben unentdeckt.

Formiergas mit Wasserstoff-Sensor

Hier kommt das genaueste Verfahren ins Spiel. Statt Kältemittel füllen wir Formiergas in das System – ein Gemisch aus 95 Prozent Stickstoff und 5 Prozent Wasserstoff. Wasserstoff ist das kleinste Molekül überhaupt. Es findet jede Undichtigkeit, durch die später auch Kältemittel entweichen würde – und noch deutlich kleinere.

Was Formiergas so genau macht

Der entscheidende physikalische Vorteil liegt in der Molekülgröße. Wasserstoff-Atome sind erheblich kleiner als die Moleküle von R134a oder R1234yf. Eine Undichtigkeit, die Wasserstoff entweichen lässt, lässt zwangsläufig auch Kältemittel entweichen – die Umkehrung gilt aber nicht. Damit gibt das Formiergas-Verfahren eine konservative, sichere Aussage: Wenn der Sensor schweigt, ist das System dicht.

Der zweite Vorteil ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Der Wasserstoff-Sensor ist hochselektiv und spricht innerhalb von Sekundenbruchteilen an. Wir führen die Sonde langsam an jeder Verbindung, jeder Bördelstelle und jeder Schlauch-Übergangsstelle entlang. Steigt die angezeigte Konzentration, ist die undichte Stelle gefunden – ohne Wartezeit, ohne tagelange Zirkulation.

Der dritte Vorteil betrifft die Werkstatt-Umgebung. Der Sensor reagiert hochselektiv auf Wasserstoff – und Wasserstoff kommt in der normalen Umgebungsluft nur als Spurengas (rund 0,5 ppm) vor. Deshalb gibt es kaum Störeinflüsse. Der Stickstoff im Formiergas ist dabei lediglich das reaktionsträge Trägergas (er bildet mit rund 78 Prozent zwar den Hauptbestandteil unserer Atemluft, löst am selektiven Wasserstoff-Sensor aber kein Signal aus). Restdämpfe von Kältemittel oder Reinigungsmitteln beeinflussen die Messung nicht.

Der Ablauf in unserer Werkstatt

Wir setzen die Formiergas-Lecksuche gezielt ein – nicht bei jedem Klimaservice, sondern dann, wenn der Befund es verlangt. Der typische Ablauf in unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck:

  1. Auslesen mit XENTRY, ODIS oder ISTA – Fehlerspeicher und Drucksensor-Werte werden geprüft.
  2. Recycling des verbliebenen Kältemittels über das Service-Gerät – kein Ablassen in die Atmosphäre, das ist nach F-Gas-Verordnung 517/2014 Pflicht.
  3. Vakuum-Test als erster Dichtheits-Indikator. Hält das System das Vakuum nicht, liegt eine Undichtigkeit oder Restfeuchtigkeit vor.
  4. Befüllung mit Formiergas, sobald der Vakuum-Test eine Undichtigkeit nahelegt, die UV-Spur aber keine eindeutige Aussage liefert.
  5. Absuchen aller Verbindungen mit dem Wasserstoff-Sensor – langsam, systematisch, von Bauteil zu Bauteil.
  6. Lokalisierung und Reparatur der undichten Stelle – häufig eine ermüdete O-Ring-Dichtung, ein scheuernder Saugschlauch oder ein durch Steinschlag beschädigter Kondensator.
  7. Absaugen des Formiergases, Trockner-Tausch und Wiederbefüllung mit Kältemittel und Öl in Hersteller-Sollmenge.

Der Trockner muss nach jedem Eingriff in den Kreislauf erneuert werden. Sobald das System geöffnet war, hat das Sintermaterial im Filtertrockner Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufgenommen – ein gesättigter Trockner führt sonst zu Eis-Bildung und erneuten Druck-Problemen.

Typische Fundstellen bei der Lecksuche

Aus unserer Werkstatt-Praxis kennen wir die Stellen, an denen Klimaanlagen am häufigsten undicht werden:

  • Kondensator hinter der Frontmaske: Steinschlag und Korrosion durch Streusalz setzen den dünnwandigen Lamellen zu. Hier hilft kein Flicken – der Kondensator wird getauscht.
  • Verdampfer im Heizungs-Gehäuse: Eine Undichtigkeit zeigt sich oft durch süßlichen Lösungsmittel-Geruch im Innenraum. Der Tausch ist aufwendig, weil das Armaturenbrett herausgenommen werden muss.
  • O-Ring-Dichtungen an Verschraubungen: Sie werden mit den Jahren spröde. Formiergas findet sie zuverlässig.
  • Saugschlauch zwischen Verdampfer und Kompressor: Er macht jede Motor-Bewegung mit und scheuert mit der Zeit durch.

Ist der Kompressor selbst die Quelle, prüfen wir zusätzlich die Wellendichtung und die Gehäuse-Dichtflächen – mehr dazu in unserem Beitrag zum Klimakompressor und seiner Leckprüfung. Bei wiederkehrenden Druck-Problemen lohnt auch ein Blick auf das Expansionsventil und mögliche Eis-Bildung.

Für Techniker: Molekülgröße, Diffusion und die Aussagekraft des Verfahrens

Der physikalische Kern des Verfahrens ist die Diffusionsrate. Wasserstoff ist mit Abstand das kleinste und leichteste Molekül und diffundiert durch Spalten, Mikroporen und Dichtflächen schneller als jedes Kältemittelmolekül. Eine Leckage, die für Wasserstoff durchlässig ist, ist damit zwangsläufig auch für R134a oder R1234yf durchlässig – die Umkehrung gilt nicht. Daraus folgt die konservative Logik der Methode: Schweigt der Sensor an einer Stelle, ist sie sicher dicht; spricht er an, liegt dort eine reale Kältemittel-Austrittsstelle.

Praktisch relevant ist auch das Prüfgas-Verhalten im Kreislauf. Da Formiergas inert ist und nicht mit Öl oder Restkältemittel reagiert, lässt es sich nach der Prüfung restlos abziehen, ohne die spätere Sollmengen-Befüllung zu verfälschen. Wir arbeiten dabei mit definiertem Prüfdruck, weil ein zu niedriger Druck kleine Lecks maskiert und ein zu hoher Druck Dichtungen unnötig belastet. Der hochselektive Halbleiter- oder Wärmeleitfähigkeits-Sensor reagiert ausschließlich auf Wasserstoff, sodass Restdämpfe von Reinigungsmitteln oder Kältemittel in der Hallenluft die Messung nicht stören.

Warum wir nicht einfach nachfüllen

Ein reines Nachfüllen ohne Befund ist für uns kein Service, sondern ein Aufschub. Es kostet den Kunden Geld, ohne die Ursache zu beheben, und belastet die Umwelt durch entweichendes Kältemittel. Unsere Haltung ist klar: Wir liefern erst einen sauberen Befund, dann eine dauerhafte Reparatur.

Die Formiergas-Lecksuche ist dabei das präziseste Werkzeug, das wir einsetzen. Sie gibt uns die Gewissheit, dass das System nach der Reparatur tatsächlich dicht ist – und genau diese Gewissheit geben wir an Sie weiter. Mehr zum gesamten Klimaservice finden Sie auf klimaservice.kfz-dietrich.com.


Über uns – KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck

KFZ Dietrich ist ein Meisterbetrieb in Hardegsen-Gladebeck (Südniedersachsen) mit Schwerpunkt auf Diagnose, Steuergeräte-Programmierung und Klimaanlagen-Service. Wir verfügen über offiziellen Zugang zu XENTRY (Mercedes), ODIS (VW/Audi/Skoda/Seat) und ISTA (BMW/Mini) und lesen die elektronischen Klima-Werte auf Hersteller-Niveau aus.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Für Unternehmer bieten wir zusätzlich die DGUV-Prüfung an.

KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Sprechen Sie uns an – wir prüfen Ihre Klimaanlage und entwickeln den passenden Reparatur-Plan für Ihr Fahrzeug.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die Lecksuche mit Formiergas genauer als die UV-Methode?

Formiergas (95 Prozent Stickstoff, 5 Prozent Wasserstoff) besteht aus sehr kleinen Wasserstoff-Molekülen, die durch Undichtigkeiten entweichen, die für UV-Tracer oder einen Kältemittel-Schnüffler unsichtbar bleiben. Der Wasserstoff-Sensor reagiert auf kleinste Konzentrationen und zeigt die undichte Stelle punktgenau an. Zudem ist das Verfahren sofort durchführbar – es muss kein Tracer erst über Tage mit dem Kältemittel zirkulieren.

Ist Formiergas in der Klimaanlage gefährlich?

Nein. Der Wasserstoff ist mit nur 5 Prozent in reaktionsträgem Stickstoff verdünnt – da das Gemisch selbst keinen Sauerstoff enthält, ist es nicht zündfähig und nach DIN EN ISO 14175 als nicht entzündliches Prüfgas eingestuft. Es ist geruchlos, ungiftig und greift keine Bauteile im Kältemittel-Kreislauf an. Nach der Prüfung wird es abgesaugt, bevor das System wieder mit Kältemittel befüllt wird.

Wann setzen Sie die Formiergas-Lecksuche ein und wann reicht ein einfacher Klimaservice?

Die Formiergas-Lecksuche ist kein Standard bei jedem Klimaservice, sondern ein gezieltes Diagnoseverfahren. Wir setzen sie ein, wenn ein Fahrzeug auffällig schnell Kältemittel verliert, der Vakuum-Test einen Druck-Anstieg zeigt oder die UV-Methode keine eindeutige Quelle findet. Verliert die Anlage dagegen nur die übliche, konstruktiv bedingte Menge und kühlt einwandfrei, genügt ein regulärer Klimaservice mit Wartung, Trockner-Bewertung und Sollmengen-Befüllung. Wir entscheiden anhand des Befunds, nicht pauschal – so zahlen Sie nur für die Diagnosetiefe, die Ihr Fahrzeug tatsächlich benötigt.

Wie läuft die Formiergas-Lecksuche in der Werkstatt ab?

Zuerst lesen wir mit XENTRY, ODIS oder ISTA Fehlerspeicher und Drucksensor-Werte aus, dann wird das verbliebene Kältemittel über das Service-Gerät recycelt. Nach dem Vakuum-Test befüllen wir das System mit Formiergas und suchen alle Verbindungen, Bördelstellen und Schlauch-Übergänge systematisch mit dem Wasserstoff-Sensor ab. Nach Lokalisierung und Reparatur der undichten Stelle wird das Formiergas abgesaugt, der Trockner getauscht und das System mit Kältemittel und Öl in Hersteller-Sollmenge wiederbefüllt.

An welchen Stellen wird eine Klimaanlage am häufigsten undicht?

Aus unserer Werkstatt-Praxis sind die typischen Fundstellen der Kondensator hinter der Frontmaske, dem Steinschlag und Streusalz-Korrosion zusetzen, der Verdampfer im Heizungs-Gehäuse, spröde gewordene O-Ring-Dichtungen an Verschraubungen sowie der Saugschlauch zwischen Verdampfer und Kompressor, der jede Motor-Bewegung mitmacht und mit der Zeit durchscheuert. Beim Kondensator hilft kein Flicken – er wird getauscht.

Warum muss der Trockner nach der Lecksuche getauscht werden?

Sobald das System geöffnet war, hat das Sintermaterial im Filtertrockner Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufgenommen. Ein gesättigter Trockner führt sonst zu Eis-Bildung und erneuten Druck-Problemen im Kreislauf. Deshalb wird der Trockner nach jedem Eingriff in den Kältemittel-Kreislauf erneuert.

Ist Kältemittelverlust an der Klimaanlage immer ein Defekt?

Nein. Eine Klimaanlage verliert systemisch Kältemittel – über Schläuche, Dichtungen und Verschraubungen entweicht jedes Jahr ein gewisser Anteil. Das ist Konstruktion, kein Mangel. Erst wenn der Verlust deutlich über dem üblichen Maß liegt, sprechen wir von einer Leckage, die gefunden und behoben werden muss.

Warum ist der Wasserstoff-Sensor bei der Lecksuche so zuverlässig?

Wasserstoff ist das kleinste Molekül überhaupt und findet jede Undichtigkeit, durch die später auch Kältemittel entweichen würde. Der Sensor reagiert hochselektiv und innerhalb von Sekundenbruchteilen – und da Wasserstoff in der normalen Umgebungsluft nur als Spurengas mit rund 0,5 ppm vorkommt, gibt es kaum Störeinflüsse. Restdämpfe von Kältemittel oder Reinigungsmitteln in der Hallenluft beeinflussen die Messung nicht.

Woran erkenne ich einen undichten Verdampfer?

Eine Undichtigkeit am Verdampfer im Heizungs-Gehäuse zeigt sich oft durch einen süßlichen Lösungsmittel-Geruch im Innenraum. Der Tausch ist aufwendig, weil dafür das Armaturenbrett herausgenommen werden muss. Gerade an solchen schwer einsehbaren Stellen ist die Formiergas-Lecksuche der UV-Methode überlegen, weil die UV-Spur dort kaum zu erkennen ist.

Darf das alte Kältemittel vor der Lecksuche einfach abgelassen werden?

Nein. Das verbliebene Kältemittel wird über das Service-Gerät recycelt – ein Ablassen in die Atmosphäre ist nach der F-Gas-Verordnung 517/2014 nicht zulässig. Erst danach folgen Vakuum-Test, Formiergas-Befüllung und die systematische Suche mit dem Wasserstoff-Sensor.