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Kältemittelöl PAG vs. PAO – die richtige Wahl der Werkstatt

PAG- und PAO-Öl im Vergleich: Spezifikation, Viskosität, Kompressorschutz und die Bedeutung für R134a und R1234yf. Klimaservice bei KFZ Dietrich Hardegsen.

Kältemittelöl PAG vs. PAO – die richtige Wahl der Werkstatt
TL;DR
  • PAG-Öl ist das Standard-Schmiermittel für klassische Klimakompressoren mit R134a oder R1234yf – stark hygroskopisch.
  • PAO-Öl ist nicht hygroskopisch und elektrisch isolierend – Pflicht bei elektrischen Hochvolt-Kompressoren in Hybrid und Elektroauto.
  • Die Viskosität (etwa PAG ISO VG 46 oder VG 100) muss exakt der Hersteller-Vorgabe entsprechen.
  • Das Öl zirkuliert mit dem Kältemittel und schmiert die Lager im Kompressor – falsche Wahl bedeutet Mangelschmierung oder Totalschaden.
  • Wir füllen ausschließlich die herstellerseitig freigegebene Öl-Spezifikation in der korrekten Sollmenge.

Das unterschätzte Bauteil: das Kältemittel-Öl

Wenn vom Klimaservice die Rede ist, denken die meisten an das Kältemittel – R134a oder R1234yf. Dabei zirkuliert im Kreislauf noch ein zweiter Stoff mit, der mindestens ebenso wichtig ist: das Kältemittel-Öl. Es ist im Kältemittel gelöst und wird mit ihm durch den gesamten Kreislauf transportiert – vom Kompressor über Kondensator, Trockner und Expansionsventil bis zum Verdampfer und zurück.

Seine Aufgabe ist die Schmierung des Kompressors. Dieser ist das einzige bewegte Bauteil im Kältemittel-Kreislauf, und er arbeitet unter hohem Druck und mit hohen Drehzahlen. Ohne ausreichende Schmierung fressen seine Lager innerhalb kurzer Zeit. Das falsche Öl – oder die falsche Menge – ist damit eine der häufigsten Ursachen für einen vorzeitigen Kompressor-Schaden.

Genau deshalb ist die Wahl des richtigen Öls kein Detail, das man nebenbei abhakt. Sie ist eine Pflicht, die wir mit der gleichen Sorgfalt behandeln wie die Wahl des Kältemittels selbst.

PAG-Öl – der Standard für Verbrenner-Kompressoren

PAG steht für Polyalkylenglykol. Es ist das mit Abstand am weitesten verbreitete Klima-Öl und kommt in nahezu allen Verbrennerfahrzeugen mit klassischem, riemengetriebenem Kompressor zum Einsatz – sowohl bei Anlagen mit R134a als auch bei den neueren mit R1234yf.

PAG-Öl hat hervorragende Schmiereigenschaften und eine sehr gute Verträglichkeit mit den Dichtungen und Werkstoffen im Kreislauf. Es gibt es in verschiedenen Viskositäts-Klassen, die nach ISO VG bezeichnet werden:

Öl-TypTypische VerwendungViskosität
PAG ISO VG 46Standard-Kompressoren, R134a und R1234yfmittel
PAG ISO VG 100Hochbelastete Kompressoren, etwa große Taumelscheibenhoch

Welche Viskosität das jeweilige Fahrzeug benötigt, gibt der Hersteller vor. Ein Kompressor, der für ein dünnflüssigeres VG-46-Öl ausgelegt ist, leidet unter einem zu zähen VG-100-Öl an Mangelschmierung der eng tolerierten Gleitflächen – und umgekehrt.

Die Schwäche von PAG: Hygroskopie

PAG-Öl hat eine Eigenschaft, die in der Werkstatt-Praxis großen Respekt verdient: Es ist stark hygroskopisch, zieht also Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft an. Ein offen stehender Öl-Behälter sättigt sich innerhalb kurzer Zeit mit Wasser.

Feuchtigkeit im Kältemittel-Kreislauf ist Gift. Sie bildet zusammen mit dem Kältemittel aggressive Säuren, die Bauteile von innen angreifen, und sie gefriert am Expansionsventil – das führt zu Druck-Problemen und Vereisung. Deshalb halten wir PAG-Öl-Gebinde stets verschlossen und arbeiten beim Befüllen zügig. Die aufgenommene Feuchtigkeit wird später vom Filtertrockner und seinem Sintermaterial gebunden – weshalb dieser bei jedem Eingriff getauscht wird.

PAO-Öl – die Pflicht bei Hochvolt-Kompressoren

PAO steht für Polyalphaolefin. Dieses synthetische Öl unterscheidet sich in zwei entscheidenden Punkten von PAG: Es ist nicht hygroskopisch, und es ist elektrisch isolierend.

Gerade die elektrische Isolation ist der Grund, warum PAO-Öl bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen unverzichtbar ist. Diese Fahrzeuge haben keinen riemengetriebenen, sondern einen elektrischen Kompressor, der direkt aus dem Hochvolt-Bordnetz mit Spannungen von mehreren hundert Volt gespeist wird. Das Klima-Öl umspült dabei die elektrischen Wicklungen des Motors im Kompressor-Gehäuse.

Wäre dieses Öl elektrisch leitfähig – wie PAG –, würde es einen Schluss zwischen den spannungsführenden Teilen und dem Gehäuse verursachen. Die Folge wäre ein Schaden am Hochvolt-System, der weit über den Kompressor hinausgehen kann. PAO-Öl mit einem definierten spezifischen Widerstand verhindert genau das.

Wichtig: Die Arbeit an Hochvolt-Klimaanlagen ist nur durch Fachpersonal mit Hochvolt-Schulung zulässig. Wer ein Hochvolt-Service-Gerät mit Resten von PAG-Öl an einem Elektrofahrzeug einsetzt, riskiert eine Kreuzkontamination – deshalb werden für PAO-Systeme getrennte, dedizierte Geräte verwendet.

Warum die richtige Wahl über den Kompressor entscheidet

Der Zusammenhang ist direkt: Das Öl schützt den Kompressor, das teuerste Bauteil der Klimaanlage. Drei Fehler tauchen in der Praxis immer wieder auf:

  • Falsche Öl-Art: PAG statt PAO an einem Hochvolt-Kompressor – mit dem Risiko eines Hochvolt-Schlusses. Oder umgekehrt PAO an einem klassischen Kompressor, das dort nicht die optimalen Schmiereigenschaften liefert.
  • Falsche Viskosität: Eine zu hohe oder zu niedrige ISO-VG-Klasse führt zu Mangelschmierung der Lager.
  • Falsche Menge: Zu wenig Öl bedeutet Mangelschmierung, zu viel Öl verschlechtert die Wärmeübertragung im Kondensator und im Verdampfer und senkt die Kühlleistung.

Beim Befüllen orientieren wir uns immer an der Hersteller-Sollmenge. Wurde der Kreislauf geöffnet – etwa beim Tausch von Kompressor, Kondensator oder Trockner –, berücksichtigen wir die Restölmenge in den verbleibenden Bauteilen und ergänzen entsprechend.

Für Techniker: Restölmenge nach Bauteiltausch berechnen

Wird der Kältemittel-Kreislauf für den Tausch eines Bauteils geöffnet, geht ein Teil des umlaufenden Öls mit dem entfernten Bauteil verloren. Eine einfache Befüllung mit der vollen Sollmenge würde dann zu einer Überfüllung führen, weil das in den verbleibenden Komponenten gebundene Restöl unberücksichtigt bliebe. Zu viel Öl belegt Fläche im Kondensator und im Verdampfer, verschlechtert die Wärmeübertragung und senkt damit die Kühlleistung.

Korrekt ist die bilanzierende Vorgehensweise: Die Hersteller geben für jedes ausgetauschte Bauteil – Kompressor, Kondensator, Trockner, Verdampfer, Leitungen – eine typische Restölmenge an, die im Bauteil verbleibt beziehungsweise mit ihm entfernt wird. Aus der Gesamtsollmenge und diesen Teilmengen ergibt sich die nachzufüllende Menge. Beim Kompressortausch ist zusätzlich zu beachten, dass viele Neukompressoren mit einer werkseitigen Ölvorlage geliefert werden; diese muss gegen die Systemsollmenge gegengerechnet und gegebenenfalls reduziert werden, um eine Überfüllung zu vermeiden. Wir dokumentieren die eingebrachte Öl-Art und -Menge bei jedem Eingriff – das schreibt die F-Gas-Verordnung ohnehin vor.

So gehen wir in der Werkstatt vor

In unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck behandeln wir das Klima-Öl als eigenständigen Bestandteil jedes Service:

  1. Fahrzeug-Identifikation: Wir ermitteln über die Hersteller-Vorgaben die korrekte Öl-Art, die Viskosität und die Sollmenge.
  2. Trennung der Systeme: Für R134a, R1234yf und Hochvolt-Anlagen verwenden wir getrennte Service-Geräte, um Kreuzkontamination auszuschließen.
  3. Befüllung: Das Öl wird zusammen mit dem Kältemittel in der berechneten Menge eingebracht.
  4. Dokumentation: Öl-Typ, Menge und Kältemittel werden festgehalten – das schreibt die F-Gas-Verordnung ohnehin vor.

Die Frage, welches Kältemittel zum Fahrzeug gehört – R134a oder R1234yf – hängt eng mit der Öl-Wahl zusammen, denn beide bilden ein abgestimmtes System. Steht ohnehin eine Reparatur am Kompressor an, prüfen wir die Schmierung mit; unser Beitrag zur Klimakompressor-Leckprüfung zeigt, worauf wir dabei achten. Einen Überblick über den gesamten Klimaservice finden Sie auf klimaservice.kfz-dietrich.com.


Über uns – KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck

KFZ Dietrich ist ein Meisterbetrieb in Hardegsen-Gladebeck (Südniedersachsen) mit Schwerpunkt auf Diagnose, Steuergeräte-Programmierung und Klimaanlagen-Service. Wir verfügen über offiziellen Zugang zu XENTRY (Mercedes), ODIS (VW/Audi/Skoda/Seat) und ISTA (BMW/Mini) und sind für die Arbeit an Hochvolt-Klimakompressoren qualifiziert.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Für Unternehmer bieten wir zusätzlich die DGUV-Prüfung an.

KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Sprechen Sie uns an – wir füllen die korrekte Öl-Spezifikation für Ihr Fahrzeug und beraten Sie zum passenden Klimaservice.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PAG- und PAO-Öl in der Klimaanlage?

PAG-Öl (Polyalkylenglykol) ist das Standard-Schmiermittel für die meisten Klimakompressoren in Verbrennerfahrzeugen mit R134a oder R1234yf. Es ist stark hygroskopisch, bindet also Feuchtigkeit. PAO-Öl (Polyalphaolefin) ist nicht hygroskopisch und elektrisch isolierend – deshalb wird es bei elektrischen Hochvolt-Kompressoren in Hybrid- und Elektrofahrzeugen verwendet, wo ein leitfähiges Öl gefährlich wäre.

Was passiert, wenn das falsche Klima-Öl verwendet wird?

Die Folgen reichen von Mangelschmierung bis zum Kompressor-Totalschaden. Wird in einem Hochvolt-Kompressor versehentlich leitfähiges PAG-Öl statt isolierendem PAO-Öl verwendet, kann es zu einem Schluss im Hochvolt-System kommen. Bei klassischen Kompressoren führt eine falsche Viskosität zu Mangelschmierung und damit zu Lagerschäden. Wir verwenden ausschließlich die vom Hersteller freigegebene Öl-Spezifikation.

Warum wird der Filtertrockner bei jedem Eingriff getauscht?

PAG-Öl ist stark hygroskopisch und zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft an. Sobald der Kältemittel-Kreislauf für eine Reparatur geöffnet wird, gelangt Feuchtigkeit ins System. Diese bildet zusammen mit dem Kältemittel aggressive Säuren und kann am Expansionsventil zu Vereisung führen. Das Sintermaterial im Filtertrockner bindet diese Feuchtigkeit, ist aber nur für eine begrenzte Menge ausgelegt. Ein bereits gesättigter oder mitbenutzter Trockner kann das nicht mehr leisten. Deshalb tauschen wir den Filtertrockner bei jedem Eingriff, bei dem der Kreislauf geöffnet wird – das ist eine Voraussetzung für die dauerhafte Funktion und den Schutz des Kompressors.

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