Lackdickenmessung: Nachlackierungen sicher erkennen

Wie das Schichtdickenmessgerät Nachlackierungen und Spachtel aufdeckt, was Werte ab Werk verraten und warum die Messung beim Gebrauchtwagenkauf Pflicht ist.

Lackdickenmessung: Nachlackierungen sicher erkennen
TL;DR
  • Messprinzip: Magnetinduktiv auf Stahl, Wirbelstrom auf Aluminium – das Gerät misst die Lackdicke zerstörungsfrei in Mikrometern.
  • Werksstandard: 80–140 µm gleichmäßig über das ganze Fahrzeug. Abweichungen verraten Nachlackierungen und Spachtel.
  • Schadensindikator: Werte über 300 µm und starke Schwankungen weisen auf kaschierte Unfallschäden hin.
  • Gebrauchtwagenkauf: Die Messung deckt verschwiegene Schäden auf, bevor Sie kaufen – ein objektiver Befund statt Vertrauen ins Verkaufsgespräch.
  • Kombination: Schichtdickenmessung plus Spaltmaß-Prüfung ergibt ein vollständiges Bild der Karosseriehistorie.

Lack ist die Visitenkarte eines Fahrzeugs – und zugleich sein Gedächtnis. Während die Politur eines Verkäufers den ersten Eindruck steuert, lässt sich die wahre Geschichte einer Karosserie objektiv messen. Die Lackschichtdickenmessung macht sichtbar, was das Auge nicht erkennt: Nachlackierungen, übermalte Schäden und vor allem versteckte Spachtelarbeiten. Bei KFZ Dietrich gehört das Schichtdickenmessgerät zur Standardausrüstung jeder Gebrauchtwagen-Begutachtung, weil es belastbare Befunde liefert, wo andere nur Vermutungen anstellen.

Wie das Messgerät arbeitet: magnetinduktiv und Wirbelstrom

Ein Schichtdickenmessgerät bestimmt zerstörungsfrei den Abstand zwischen Sensorspitze und tragendem Metall – also die Dicke aller darüberliegenden Lack- und Spachtelschichten. Dafür nutzt es zwei physikalische Prinzipien:

  • Magnetinduktiv: Auf ferromagnetischem Untergrund (Stahlblech) misst das Gerät die Veränderung eines Magnetfelds. Je dicker die nichtmagnetische Lackschicht, desto schwächer die magnetische Kopplung – daraus errechnet das Gerät die Schichtdicke in Mikrometern.
  • Wirbelstrom: Auf nichtmagnetischem Metall wie Aluminium induziert eine hochfrequente Spule Wirbelströme im Untergrund. Deren Rückwirkung auf die Spule hängt vom Abstand ab und liefert ebenfalls die Schichtdicke.

Moderne Geräte erkennen den Untergrund automatisch und wechseln zwischen beiden Verfahren. Das ist wichtig, weil aktuelle Karosserien Mischbauweisen verwenden: Stahl an der Bodengruppe, Aluminium an Türen, Hauben und Kotflügeln. Ein einzelner Messwert sagt wenig aus – erst das Messraster über die gesamte Karosserie ergibt ein Bild.

Typische Werte ab Werk – und was Abweichungen bedeuten

Der serienmäßige Lackaufbau ist erstaunlich dünn und sehr gleichmäßig. Diese Gleichmäßigkeit ist der Schlüssel zur Diagnose: Roboter lackieren mit konstanter Schichtdicke, eine Werkstatt-Nachlackierung tut das fast nie.

BefundSchichtdickeBewertung
Werksneuzustand80–140 µmOriginal, unberührt
Saubere Nachlackierung150–250 µmLackschaden behoben, kein Spachtel
Spachtel vorhanden300–500 µmBeulen/Dellen ausgespachtelt
Strukturelle Spachtelarbeitüber 500 µmmassiver kaschierter Schaden

Entscheidend ist der Symmetrie-Vergleich: Wir messen die linke und rechte Fahrzeugseite an identischen Punkten. Zeigt der vordere linke Kotflügel 95 µm und der rechte 280 µm, ist die rechte Seite nachlackiert – unabhängig davon, wie makellos der Lack aussieht. Genauso verräterisch ist ein starkes Gefälle innerhalb eines Bauteils: gleichmäßige 110 µm über eine Tür, aber 420 µm an einer einzelnen Stelle bedeuten eine ausgespachtelte Delle.

Für Techniker: Messraster und Fehlerquellen

Schichtaufbau ab Werk (typisch)

  • Elektrotauchgrundierung (KTL): 20–25 µm
  • Füller: 30–40 µm
  • Basislack: 15–20 µm
  • Klarlack: 35–45 µm
  • Summe: ca. 100–130 µm

Messraster Gebrauchtwagen-Check

Wir messen an rund 40–50 definierten Punkten: je Bauteil mehrere Messungen, dazu der konsequente Links-rechts-Abgleich. Alle Werte werden im Prüfprotokoll dokumentiert und ausgehändigt.

Fehlerquellen bei der Messung

  • Gekrümmte Flächen (Kanten, Sicken) verfälschen den Wert – immer auf ebener Fläche messen.
  • Folierungen und Steinschlagschutzfolie erhöhen den Messwert scheinbar.
  • Reine Kunststoffanbauteile (Stoßfänger) sind magnetinduktiv/Wirbelstrom nicht messbar.
  • Temperatur und korrekte Kalibrierung des Geräts beachten.

Bedeutung beim Gebrauchtwagenkauf: verdeckte Unfallschäden

Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet die Karosseriehistorie über den realen Wert. Ein verschwiegener Unfallschaden mindert den Marktwert erheblich und ist rechtlich ein Sachmangel. Genau hier ist die Schichtdickenmessung Ihr objektiver Verbündeter: Sie liefert messbare Fakten zu der Frage, ob und wo das Fahrzeug nachlackiert wurde.

Dünn übermalte Nachlackierungen sind dabei harmlos – ein Lacksteinschlag oder ein Parkrempler an einem Kunststoffteil mindert die Substanz nicht. Kritisch wird es, wenn die Messung Spachtelarbeit an tragenden Blechen zeigt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass darunter ein strukturell relevanter Schaden kaschiert wurde – im schlimmsten Fall übermalte Korrosion oder Lochfraß oder ein nicht fachgerecht gerichteter Strukturschaden.

Wir kombinieren die Schichtdickenmessung deshalb immer mit weiteren Befunden: Der Spaltmaß-Check zeigt Karosserieverzug, die Sichtprüfung der Verschraubungen verrät demontierte Anbauteile, und ein Abgleich mit den typischen Mustern hilft, Unfallschäden zuverlässig zu erkennen. Erst dieses Gesamtbild erlaubt eine belastbare Aussage.

Ein Sonderfall: Lack im Sensorbereich

Eine moderne Besonderheit betrifft Fahrzeuge mit Fahrerassistenzsystemen. Radarsensoren hinter der Frontschürze arbeiten durch den Lack hindurch. Eine zu dicke Nachlackierung kann das Radarsignal dämpfen und die Sensorik beeinträchtigen. Aus diesem Grund prüfen wir bei entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen gezielt die Lackschichtdicke im Radarsensorbereich – ein Aspekt, der bei reiner Optik-Bewertung übersehen wird.

Werterhalt durch objektive Befundung

Eine dokumentierte Lackdickenmessung schützt in beide Richtungen: Beim Kauf bewahrt sie vor einer Fehlinvestition in ein verschwiegenes Unfallfahrzeug. Beim Verkauf belegt sie die Unfallfreiheit Ihres gepflegten Fahrzeugs und sichert den Wert. In beiden Fällen ersetzt der Messwert das Bauchgefühl durch einen Befund.

Bei KFZ Dietrich messen wir präzise nach, dokumentieren jeden Wert und erklären Ihnen das Ergebnis verständlich. So treffen Sie Ihre Entscheidung auf Basis von Fakten – nicht auf Basis eines polierten ersten Eindrucks. Vereinbaren Sie vor Ihrem nächsten Gebrauchtwagenkauf eine Begutachtung.

KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Häufig gestellte Fragen

Welche Lackschichtdicke ist ab Werk normal?

Der serienmäßige Lackaufbau liegt bei den meisten Herstellern zwischen 80 und 140 Mikrometer (µm). Er besteht aus Elektrotauchgrundierung, Füller, Basislack und Klarlack. Entscheidend ist nicht nur der Absolutwert, sondern die Gleichmäßigkeit über das gesamte Fahrzeug. Werte zwischen 150 und 250 µm deuten auf eine einmalige saubere Nachlackierung hin. Liegt eine Stelle über 300 µm oder schwankt stark, ist Spachtelmasse im Spiel – ein deutliches Zeichen für einen kaschierten Schaden.

Funktioniert die Messung auch bei Aluminium- und Kunststoffteilen?

Ja, sofern das richtige Messverfahren gewählt wird. Auf Stahlblech misst das Gerät magnetinduktiv, auf Aluminium nach dem Wirbelstromprinzip. Moderne Geräte erkennen den Untergrund automatisch und schalten um. Reine Kunststoffteile wie Stoßfänger lassen sich mit diesen Verfahren nicht zuverlässig messen – hier beurteilen wir Nachlackierungen über Lackkanten, Overspray und Spaltmaße. Für die Bewertung der tragenden Blechteile ist die Schichtdickenmessung das aussagekräftigste Werkzeug.

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