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Reifendruck im Winter: Werte und richtige Korrekturen

Reifendruck im Winter richtig anpassen: Druckabfall bei Kälte, Korrektur des Sollwerts, Winterreifen und warum das RDKS bei Frost warnt. Werkstatt-Wissen.

Reifendruck im Winter: Werte und richtige Korrekturen
TL;DR – Reifendruck im Winter
  • Kälte senkt den Druck: rund 0,1 bar je 10 Grad Temperaturabfall – ohne dass Luft entweicht.
  • Sollwert bleibt der Herstellerwert vom Aufkleber; viele empfehlen für den Winter einen leichten Aufschlag von etwa 0,2 bar.
  • Immer am kalten Reifen messen und auffüllen, nicht in der warmen Garage oder nach der Fahrt.
  • Eine RDKS-Warnung bei Frost ist häufig temperaturbedingt – Druck dennoch prüfen, nicht ignorieren.
  • Zu niedriger Druck verlängert im Winter den Bremsweg und verschlechtert den Grip auf nasser und kalter Fahrbahn.

Warum der Winter den Reifendruck verändert

Der wichtigste Unterschied zwischen Sommer und Winter ist die Temperatur – und Luft reagiert sehr direkt auf Temperatur. Wird es kälter, zieht sich die Luft im Reifen zusammen, ihr Volumen nimmt ab und damit sinkt der Druck. Das geschieht, ohne dass auch nur ein einziger Liter Luft entwichen wäre. Genau hier liegt das Missverständnis: Viele Fahrer halten den herbstlichen Druckabfall für ein Leck, dabei ist er die normale Folge sinkender Temperaturen.

Wir bei KFZ Dietrich erleben den Effekt jedes Jahr beim ersten Kälteeinbruch. Reifen, die im September auf den Sollwert eingestellt wurden, zeigen im November bei Frost spürbar weniger Druck. Wer das weiß, reagiert richtig: nachfüllen statt verunsichern.

Die Temperaturkorrektur als Faustwert

Als praktische Orientierung gilt: Pro 10 Grad Celsius Temperaturänderung verändert sich der Reifendruck um etwa 0,1 bar. Fällt die Temperatur vom milden Herbsttag mit 15 Grad auf eine frostige Nacht mit minus 5 Grad, sind das 20 Grad Unterschied und damit rund 0,2 bar weniger Druck.

Diese Korrektur erklärt zwei Dinge. Erstens, warum im Winter häufiger nachgefüllt werden muss. Und zweitens, warum manche Hersteller für die kalte Jahreszeit einen leicht erhöhten Sollwert empfehlen. Der Aufschlag von oft genannten 0,2 bar gleicht genau jenen temperaturbedingten Verlust aus und sorgt dafür, dass der Reifen auch bei strengem Frost noch genug Druck hat.

Verbindlich bleibt aber immer die konkrete Angabe für Ihr Fahrzeug auf dem Aufkleber am Türholm der Fahrerseite oder am Tankdeckel. Wo dieser Wert steht und wie er gegen die Beladung abzuwägen ist, beschreiben wir ausführlich im Beitrag Reifendruck im Sommer: korrekte Werte und Empfehlung.

Winterreifen richtig einstellen

Winterreifen haben eine weichere Gummimischung und ein anderes Profil als Sommerreifen, der Sollwert ist deshalb aber nicht automatisch ein anderer. Maßgeblich ist die Vorgabe des Fahrzeugherstellers. In den meisten Fällen gilt für Winterreifen derselbe Wert wie für Sommerreifen, manchmal mit einem kleinen Aufschlag.

Wichtig ist, dass Sie beim saisonalen Wechsel auf Winterreifen den Druck nicht einfach übernehmen, sondern neu prüfen. Eingelagerte Räder verlieren über die Sommermonate langsam Luft, und das Reifendruck-Kontrollsystem muss nach dem Wechsel ohnehin neu angelernt werden. Beim Radwechsel kontrollieren und korrigieren wir den Druck daher grundsätzlich.

Immer am kalten Reifen messen

Die Regel gilt im Winter genauso wie im Sommer, nur die Stolperfalle ist eine andere. Wer das Fahrzeug in einer beheizten Garage stehen hat und dort den Druck einstellt, misst an einem zu warmen Reifen. Sobald das Fahrzeug draußen in der Kälte steht, fällt der Druck ab und liegt dann unter dem Sollwert.

Messen Sie deshalb möglichst nach mehreren Stunden Standzeit bei Außentemperatur oder kurz nach kurzer, langsamer Fahrt. Falls Sie nur in der warmen Garage prüfen können, fügen Sie der Sollvorgabe einen kleinen Zuschlag hinzu, um den Temperatursprung nach draußen auszugleichen.

Wenn das RDKS bei Frost warnt

Mit dem ersten Kälteeinbruch häufen sich die Warnleuchten des Reifendruck-Kontrollsystems. In den meisten Fällen ist die Ursache der temperaturbedingte Druckabfall: Der reale Druck ist über Nacht unter die hinterlegte Warnschwelle gesunken, weil es kalt geworden ist.

Diese Warnung ist nicht zu ignorieren, aber auch nicht zu dramatisieren. Das richtige Vorgehen ist klar:

  1. Druck am kalten Reifen prüfen und auf den Sollwert auffüllen.
  2. System zurücksetzen beziehungsweise neu anlernen, sofern Ihr Fahrzeug das verlangt.
  3. Beobachten. Erscheint die Warnung trotz korrektem Druck erneut, steckt häufig mehr dahinter – etwa ein schleichendes Leck oder ein schwacher Sensor.

Sensoren in den Ventilen haben eine begrenzte Batterielebensdauer und melden sich gern in der kalten Jahreszeit ab. Die genauen Abläufe von Anlernen, Kalibrierung und Sensortausch erklären wir im Beitrag Reifendruck und Service in der Werkstattpraxis. Bleibt eine Warnung bestehen, lohnt die genaue Prüfung in der Werkstatt, statt das System dauerhaft zu übersehen.

Beladung und Anhängerbetrieb im Winter

Der Sollwert auf dem Aufkleber ist in der Regel für zwei Beladungszustände angegeben: für die normale Besetzung und für die volle Beladung. Im Winter, wenn das Fahrzeug mit Winterausrüstung, schwerem Gepäck oder einer Dachbox auf eine längere Fahrt geht, gilt der höhere Wert für volle Beladung. Wer das übersieht, fährt mit zu niedrigem Druck unter Last – mit den bekannten Folgen für Bremsweg, Haftung und Verschleiß.

Auch der Anhänger- oder Lastenbetrieb verlangt eine Anpassung. Ein Transporter oder ein Gespann auf winterlicher Fahrbahn ist auf den korrekten, lastgerechten Reifendruck angewiesen, weil die Reserven bei Nässe und Kälte ohnehin kleiner sind. Wir berücksichtigen das Einsatzprofil bei der Druckeinstellung und weisen auf den zutreffenden Sollwert für Ihre typische Beladung hin.

Ganzjahresreifen im Winter

Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss zwischen Sommer- und Wintereigenschaften und für viele Fahrprofile eine sinnvolle Lösung. Für den Reifendruck gilt bei ihnen dieselbe Logik wie bei Winterreifen: Maßgeblich ist der Herstellersollwert, gemessen am kalten Reifen, mit Berücksichtigung der Beladung. Da Ganzjahresreifen das ganze Jahr montiert bleiben, entfällt zwar der saisonale Druckabgleich beim Radwechsel – umso wichtiger ist die eigenständige, regelmäßige Kontrolle, gerade beim Übergang in die kalte Jahreszeit.

Auch hier prüfen wir bei jedem Werkstatttermin den Druck, die Profiltiefe und das Reifenalter und ordnen den Zustand für Ihr konkretes Fahrprofil ein. Ob Ganzjahresreifen für Ihr Fahrzeug und Ihre Strecken die richtige Wahl sind, besprechen wir gern faktenbasiert mit Ihnen.

Für Techniker: das Gesetz von Gay-Lussac im Reifen

Der temperaturbedingte Druckabfall folgt dem Gesetz von Gay-Lussac: Bei konstantem Volumen ist der absolute Druck eines Gases proportional zur absoluten Temperatur in Kelvin. Entscheidend ist, dass mit dem Absolutdruck gerechnet werden muss, also dem Reifenfülldruck zuzüglich des Umgebungsluftdrucks von rund 1 bar.

Ein Rechenbeispiel: Ein Reifen ist bei 20 Grad Celsius (293 K) auf 2,5 bar Überdruck eingestellt, der Absolutdruck beträgt damit etwa 3,5 bar. Kühlt der Reifen auf minus 10 Grad Celsius (263 K) ab, sinkt der Absolutdruck im Verhältnis 263/293 auf rund 3,14 bar – der angezeigte Überdruck fällt also auf etwa 2,14 bar. Das sind rund 0,36 bar weniger über eine Spanne von 30 Grad, was die gängige Faustformel von etwa 0,1 bar je 10 Grad gut bestätigt. Diese Physik erklärt, warum eine RDKS-Warnung nach dem ersten Frost meist temperaturbedingt ist und kein Leck anzeigt – und warum das Auffüllen stets am kalten Reifen erfolgen muss, da ein warmgefahrener Reifen einen um mehrere Zehntel bar erhöhten Druck zeigt.

Was zu niedriger Druck im Winter bedeutet

Auf winterlicher Fahrbahn zählt jeder Meter Bremsweg. Zu niedriger Reifendruck verformt die Lauffläche, verschlechtert den Kontakt zur Fahrbahn und verlängert den Bremsweg gerade auf nassem, kaltem oder verschneitem Untergrund. Hinzu kommt das ungenaue Lenkverhalten und der erhöhte Verschleiß an den Schultern. Im Winter, wo die Reserven ohnehin kleiner sind, wiegt das besonders schwer.

Der korrekte Reifendruck ist damit eine der wirksamsten und einfachsten Sicherheitsmaßnahmen der kalten Saison – und kostet nur wenige Minuten Aufmerksamkeit.

KFZ Dietrich: Reifenservice in Hardegsen

KFZ Dietrich ist die spezialisierte Werkstatt für Diagnose und Werterhalt in Südniedersachsen. Wir betreuen Kunden aus Northeim, Göttingen, Einbeck, Bad Gandersheim und der gesamten Region.

Beim saisonalen Radwechsel stellen wir den Reifendruck auf den korrekten Winterwert ein, lernen das Reifendruck-Kontrollsystem neu an und prüfen Profiltiefe sowie Verschleißbild. So starten Sie sicher in die kalte Jahreszeit. Den gesamten Reifenservice finden Sie unter https://reifen.kfz-dietrich.com.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.

Kontakt und Termin:

KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Weiterführend: https://reifen.kfz-dietrich.com · https://kfz-dietrich.com · https://reparatur.biz

Häufig gestellte Fragen

Warum fällt der Reifendruck im Winter ab?

Luft zieht sich bei Kälte zusammen. Sinkt die Außentemperatur, verringert sich das Volumen der Luft im Reifen und damit der Druck, ohne dass tatsächlich Luft entwichen ist. Als Faustwert sinkt der Druck um etwa 0,1 bar je 10 Grad Celsius Temperaturabfall. Steht das Fahrzeug nach einem milden Herbsttag bei plötzlichem Frost über Nacht, kann der Druck am Morgen spürbar unter dem zuletzt eingestellten Wert liegen. Das ist physikalisch normal und kein Defekt. Wichtig ist, den Druck im kalten Zustand auf den Herstellersollwert zu bringen.

Sollte ich bei Winterreifen einen höheren Reifendruck einstellen?

Maßgeblich ist immer der Sollwert des Fahrzeugherstellers vom Aufkleber am Türholm oder Tankdeckel. Viele Hersteller empfehlen für Winterreifen den gleichen Wert wie für Sommerreifen, einige nennen eine geringfügig höhere Vorgabe. Ein häufig genannter Hinweis ist, im Winter rund 0,2 bar über dem Normalwert zu fahren, um den temperaturbedingten Druckabfall auszugleichen. Folgen Sie dabei der konkreten Angabe für Ihr Modell und stellen Sie den Druck stets am kalten Reifen ein. Wir beraten Sie bei KFZ Dietrich gern zur passenden Vorgabe.

Wie oft sollte ich den Reifendruck im Winter kontrollieren?

Wir empfehlen, den Druck im Winter etwa alle zwei Wochen sowie vor jeder längeren Fahrt zu prüfen, idealerweise am kalten Reifen. In der kalten Jahreszeit schwankt der Druck temperaturbedingt stärker, und ein schleichender Verlust fällt bei niedrigen Temperaturen leichter unter die Warnschwelle. Wer den Druck regelmäßig kontrolliert, erkennt den Unterschied zwischen einem rein temperaturbedingten Abfall und einem echten Leck frühzeitig. Beim saisonalen Termin stellen wir den korrekten Winterwert ein und prüfen das Reifendruck-Kontrollsystem mit.

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