- Klimaschlaeuche fuehren das Kaeltemittel zwischen Kompressor, Kondensator, Trockner und Verdampfer und stehen unter wechselnden Druecken und Temperaturen.
- Verschleiss zeigt sich als poroese Gummischicht, Scheuerstellen durch Vibration und undichte Boerdel- oder O-Ring-Verbindungen.
- Das erste Symptom ist meist schleichend nachlassende Kuehlleistung durch langsamen Kaeltemittelverlust.
- Eine professionelle Lecksuche mit Kontrastmittel oder Formiergas lokalisiert die Undichtigkeit, bevor unnoetig Teile getauscht werden.
- Wir tauschen betroffene Schlauchbaugruppen, erneuern Dichtringe und befuellen die Anlage anschliessend nach Herstellervorgabe.
Aufbau und Aufgabe der Schlaeuche
Die Klimaanlage ist ein geschlossener Kreislauf, in dem das Kaeltemittel staendig zwischen fluessigem und gasfoermigem Zustand wechselt. Den Weg zwischen den Bauteilen legen feste Leitungen aus Aluminium und flexible Schlaeuche zurueck. Die flexiblen Abschnitte sind notwendig, weil der Kompressor an einem schwingenden Motor oder, beim Elektrofahrzeug, an einem entkoppelten Aggregat sitzt und sich gegenueber der starren Karosserie bewegt.
Man unterscheidet die Saugseite und die Druckseite. Der Saugschlauch fuehrt das Kaeltemittel nach dem Verdampfer mit niedrigem Druck und niedriger Temperatur zurueck zum Kompressor. Der Druckschlauch transportiert das vom Kompressor verdichtete, heisse Gas mit hohem Druck zum Kondensator. Beide bestehen aus mehreren Lagen: einer innenliegenden, kaeltemittelbestaendigen Gummischicht, einem Drucktraeger aus Gewebe oder Drahtgeflecht und einer aeusseren Schutzschicht. An den Enden sitzen aufgepresste Anschlussstuecke, die ueber Boerdel- oder O-Ring-Verbindungen mit den Aluminiumleitungen verschraubt werden.
Typische Verschleissbilder
Ueber die Jahre altern die Gummilagen. Hitze von der Druckseite, Ozon und Witterung machen die aeussere Schicht sproede und rissig. Im fortgeschrittenen Stadium wird das Material poroes und laesst Kaeltemittel langsam durch die Wand diffundieren. Dieser Verlust ist mit blossem Auge zunaechst nicht sichtbar, summiert sich aber ueber Monate.
Ein zweites haeufiges Schadensbild sind Scheuerstellen. Die Schlauchbewegung gegen Vibration ist normal, doch wenn eine Halteschelle fehlt oder gebrochen ist, reibt der Schlauch an einer Kante des Motorraums. An solchen Stellen wird die Aussenschicht abgetragen, bis der Drucktraeger freiliegt und schliesslich versagt. Die dritte und oft uebersehene Ursache sind die Verbindungsstellen selbst. Ein gealterter O-Ring verliert seine Elastizitaet, eine Boerdelverbindung kann sich durch Temperaturwechsel minimal setzen. Schon ein winziger Spalt genuegt fuer einen messbaren Kaeltemittelverlust. Verwandte Schadensbilder am benachbarten Bauteil beschreiben wir im Beitrag zum Klima-Trockner und seinem Sintermaterial.
Symptome im Alltag
Das mit Abstand haeufigste Symptom ist eine ueber Wochen nachlassende Kuehlleistung. Die Anlage kuehlt im Fruehjahr noch kraeftig, im Hochsommer dann spuerbar schwaecher, weil die Kaeltemittelmenge unter den notwendigen Wert gefallen ist. Faellt die Menge weit genug, schaltet der Druckschalter den Kompressor aus Schutzgruenden ganz ab, und es kommt gar keine Kuehlung mehr an. Eine systematische Eingrenzung der moeglichen Ursachen finden Sie im Beitrag Klimaanlage kuehlt nicht: Ursachen.
Begleitend zeigen sich oft oelige, dunkle Spuren an den Verschraubungen. Das im Kaeltemittel geloeste Schmieroel tritt an der undichten Stelle mit aus und bindet Staub. Diese Spur ist ein wertvoller Hinweis, ersetzt aber keine systematische Lecksuche, weil Oelreste auch von einer frueheren Reparatur stammen koennen.
Lecksuche statt Teiletausch auf Verdacht
Bevor ein Schlauch getauscht wird, lokalisieren wir die undichte Stelle eindeutig. Im ersten Schritt steht der Klimaservice: Das Geraet entnimmt das vorhandene Kaeltemittel, wiegt es und meldet, wie viel gegenueber der Sollmenge fehlt. Daraus laesst sich bereits abschaetzen, ob es sich um ein kleines, schleichendes Leck oder einen groesseren Defekt handelt.
Zur genauen Ortung dient eine UV-Kontrastmittel-Methode oder eine Formiergas-Pruefung. Beim Kontrastmittel wird ein fluoreszierender Zusatz eingebracht, der unter UV-Licht an der Austrittsstelle leuchtet. Bei der Formiergas-Pruefung wird der Kreislauf mit einem Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch befuellt und mit einem Gasspuergeraet abgesucht. Beide Verfahren erlaeutern wir im Detail im Beitrag zur Klima-Lecksuche mit Formiergas. So stellen wir sicher, dass nur das tatsaechlich defekte Bauteil ersetzt wird und nicht auf Verdacht getauscht wird.
Für Techniker: Warum Schläuche das Kältemittel durch die Wand verlieren
Der Kältemittelverlust eines optisch intakten Schlauchs entsteht durch Permeation. Die Kältemittelmoleküle diffundieren über die Zeit durch die Gummiinnenschicht, wenn deren Sperrwirkung mit der Alterung nachlässt. Moderne Schläuche besitzen daher eine zusätzliche Barriereschicht, etwa aus Polyamid, die diesen Effekt minimiert. Ältere oder qualitativ einfache Schläuche ohne diese Sperrlage verlieren spürbar mehr.
Verschärft wird das durch den Wechsel des Kältemittels: R1234yf hat ein kleineres Molekül und eine geringere Verträglichkeit mit manchen älteren Dichtungswerkstoffen als das frühere R134a. An umgerüsteten oder grenzwertigen Anlagen kann ein Schlauch, der mit R134a noch dicht war, mit R1234yf an der Permeationsgrenze liegen. Bei der Befüllung achten wir deshalb auf die korrekte Kältemittelsorte und das passende, freigegebene PAG- oder POE-Öl für den jeweiligen Kompressor.
Folgen einer schleichenden Undichtigkeit
Ein langsam undichter Schlauch ist nicht nur ein Komfortproblem. Sinkt die Kaeltemittelmenge, sinkt zugleich die Menge des im Kaeltemittel geloesten Schmieroels, das den Kompressor versorgt. Laeuft der Kompressor ueber laengere Zeit mit zu geringer Fuellung, leidet seine Schmierung. Im Extremfall entsteht ein Lagerschaden, der eine deutlich aufwendigere Instandsetzung nach sich zieht als der urspruengliche Schlauchtausch.
Aus diesem Grund raten wir davon ab, einen spuerbaren Kuehlverlust ueber eine ganze Saison zu ignorieren oder die Anlage wiederholt nur nachfuellen zu lassen, ohne die Ursache zu beheben. Jede Nachfuellung ohne Lecksuche verlaengert lediglich den Zeitraum, in dem der Kompressor mit grenzwertiger Schmierung arbeitet. Die saubere Loesung ist immer: Leck finden, Ursache beheben, korrekt befuellen.
Fachgerechter Tausch und Werterhalt
Steht der Befund fest, tauschen wir die betroffene Schlauchbaugruppe komplett. Ein poroeser oder durchgescheuerter Schlauch wird nicht geflickt, weil eine Reparatur dem Betriebsdruck nicht standhaelt. Bei Undichtigkeiten an Verbindungsstellen genuegt haeufig der Tausch des O-Rings, sofern Boerdel und Dichtflaeche unbeschaedigt sind. Jeder neue O-Ring wird mit dem passenden Kaeltemitteloel benetzt, damit er beim Anziehen nicht beschaedigt wird, und die Verschraubung mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen.
Nach dem Tausch wird die Anlage evakuiert, auf Dichtheit geprueft und nach Herstellervorgabe mit der exakten Kaeltemittelmenge und dem passenden Oel befuellt. Diese Sorgfalt zahlt sich aus: Eine dichte, korrekt gefuellte Anlage arbeitet effizient, schont den Kompressor und erhaelt den Wert Ihres Fahrzeugs. Den vollstaendigen Ablauf eines Klimaservice beschreiben wir im Beitrag Klimaservice: Ablauf und Kosten.
Bei der Befuellung kontrollieren wir abschliessend die Leistung der Anlage anhand der Ausblastemperatur und der Hoch- und Niederdruckwerte. Diese Messung bestaetigt, dass das Leck tatsaechlich behoben ist und die Anlage wieder ihre volle Kuehlleistung erreicht. Sie erhalten von uns einen klaren Befund darueber, welche Ursache vorlag, welche Bauteile getauscht wurden und mit welcher Menge die Anlage befuellt ist. So bleibt der Eingriff nachvollziehbar dokumentiert, was bei einer spaeteren Wartung oder beim Werterhalt Ihres Fahrzeugs von Vorteil ist. Eine sauber instandgesetzte Klimaanlage ist kein Luxus, sondern ein Beitrag zur Betriebssicherheit, gerade an heissen Tagen mit langen Fahrten.
KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr