- Der ab Werk eingetragene Farbcode allein genügt nicht – jeder Lack altert und weicht über die Jahre vom Sollton ab.
- Die exakte Farbtonbestimmung erfolgt am Fahrzeug, zunehmend unterstützt durch spektrale Messung und Musterblech-Abgleich.
- Beilackierung benachbarter Bauteile macht den Übergang für das Auge unsichtbar und ist bei vielen Reparaturen technisch unvermeidlich.
- Ein Lackschichtdickenprotokoll dokumentiert die Qualität und ist gegenüber Versicherung und späterem Käufer ein belastbarer Nachweis.
- Bei unverschuldetem Unfall gehören Beilackierung und fachgerechte Farbangleichung zum erstattungsfähigen Reparaturweg.
Eine Reparaturlackierung nach einem Unfall wird von außen unterschätzt. Für das ungeschulte Auge sieht es so aus, als würde lediglich die richtige Farbe aufgetragen. Tatsächlich ist die Lackierung einer der anspruchsvollsten Schritte der gesamten Instandsetzung – und derjenige, an dem ein Laie die Qualität einer Werkstatt am ehesten ablesen kann. Ein sichtbarer Farbübergang, ein Wolkenbild im Metalliclack oder eine Kante im Streiflicht verraten eine unsaubere Arbeit auf den ersten Blick. Dieser Beitrag erklärt, warum die Farbtonangleichung so anspruchsvoll ist, was Beilackierung bedeutet und wie sich die Qualität objektiv nachweisen lässt.
Der Farbcode ist nur der Ausgangspunkt
Jedes Fahrzeug trägt einen herstellerseitigen Farbcode, meist auf einem Typenschild im Motorraum, im Türrahmen oder im Serviceheft. Dieser Code ist der Startpunkt jeder Lackmischung – aber eben nur der Startpunkt. Zwei Effekte sorgen dafür, dass der reine Code in der Praxis nie genügt.
Erstens unterliegt jede Serienlackierung Fertigungstoleranzen. Selbst Fahrzeuge desselben Modells und desselben Farbcodes weisen ab Werk minimale Abweichungen auf, abhängig von Lackcharge und Produktionszeitpunkt.
Zweitens – und gewichtiger – altert jeder Lack. UV-Strahlung, Witterung, Wäschen und Umwelteinflüsse verändern den Farbton über die Jahre. Ein zehn Jahre alter Rotton ist nicht mehr das Rot, das einmal das Werk verlassen hat. Würde man stur nach Farbcode mischen und auftragen, entstünde eine sichtbar frischere Fläche neben der gealterten Umgebung.
Aus diesem Grund wird der tatsächliche Farbton am konkreten Fahrzeug bestimmt. Moderne Werkstätten nutzen dafür spektrale Messgeräte, die den Ist-Zustand des Lacks erfassen und mit der Mischrezeptur abgleichen. Anschließend wird der gemischte Ton auf einem Musterblech aufgetragen, getrocknet und unter definierten Lichtverhältnissen mit der Fahrzeugfläche verglichen. Erst wenn dieser Abgleich stimmt, geht der Lack auf das Bauteil.
Warum Beilackierung notwendig ist
Bei Metallic- und Perleffektlacken liegt die eigentliche Herausforderung im Effektpigment. Diese Pigmente legen sich beim Spritzen in einer feinen Ausrichtung ab, die je nach Auftragsmenge, Spritzabstand und Technik leicht variiert. Selbst bei perfekter Farbtonbestimmung kann eine messerscharfe Grenze zwischen neuem und altem Lack im Streiflicht sichtbar werden – als feiner Helligkeitssprung, im Fachjargon eine Wolke.
Hier kommt die Beilackierung ins Spiel. Statt den Lack an der Bauteilkante hart abzusetzen, wird der neue Farbton in einem auslaufenden Verlauf in die angrenzende Fläche eingearbeitet. Der Übergang wird dadurch so weich, dass er für das Auge verschwindet. Bei einem lackierten Kotflügel bedeutet das beispielsweise, dass die benachbarte Tür oder die Motorhaube anteilig mitlackiert wird, damit kein sichtbarer Schnitt entsteht.
Die Beilackierung ist also kein Luxus, sondern bei vielen Effektlacken die einzige Methode, um ein optisch einwandfreies Ergebnis zu erzielen. Bei einem unverschuldeten Unfall ist dieser Aufwand Teil des erstattungsfähigen Reparaturwegs und wird im Gutachten entsprechend kalkuliert. Wird er aus Kostengründen eingespart, bleibt der Farbübergang oft dauerhaft sichtbar – ein Mangel, der den Fahrzeugwert mindert.
Qualität, die sich messen lässt
Eine fachgerechte Lackierung ist nicht nur eine Frage des Auges, sondern auch der Messtechnik. Mit einem Lackschichtdickenmessgerät wird die Stärke des aufgetragenen Lacks erfasst und dokumentiert. Diese Werte verraten viel über die Sorgfalt der Arbeit und sind zugleich ein wichtiges Beweismittel.
Eine fabrikneue Lackierung liegt typischerweise im Bereich von rund 80 bis 150 Mikrometer. Eine fachgerechte Reparaturlackierung darf messbar dicker ausfallen, sollte aber gleichmäßig sein und keine auffälligen Spitzen aufweisen. Auffällig niedrige Werte können auf einen zu dünn aufgetragenen oder durchgeschliffenen Decklack hindeuten. Sehr hohe Werte deuten auf mehrfaches Überlackieren hin und können ein Hinweis auf einen nicht offenbarten Vorschaden sein. Eine starke Differenz zwischen benachbarten Feldern verrät einen ungleichmäßigen Auftrag.
Wir erfassen diese Schichtdicken nach jeder Lackierung und übergeben das Protokoll als Bestandteil der Qualitätssicherung. Für Sie ist das doppelt wertvoll: gegenüber der Versicherung als Nachweis der ordnungsgemäßen Ausführung und beim späteren Verkauf als Beleg, dass die Reparatur fachgerecht erfolgt ist.
Für Technikinteressierte: Vom Substrat bis zum Klarlack
Eine moderne Reparaturlackierung ist ein Mehrschichtaufbau, der nur in der richtigen Reihenfolge dauerhaft hält:
| Schicht | Funktion |
|---|---|
| Untergrundvorbereitung | Reinigung, Anschleifen, Entfettung – entscheidend für die Haftung |
| Grundierung / Primer | Korrosionsschutz und Haftvermittlung, je nach Substrat unterschiedlich |
| Füller | Ausgleich feiner Unebenheiten, schleifbare Basis |
| Basislack | Farbe und Effektpigment, definiert den sichtbaren Ton |
| Klarlack | Schutz, Glanz und UV-Beständigkeit der gesamten Fläche |
Die Substraterkennung ist dabei wesentlich. Stahl, verzinkte Bleche, Aluminium und Kunststoff-Anbauteile verlangen jeweils eigene Grundierungssysteme. Ein Stoßfänger aus Kunststoff benötigt einen elastischen Primer, der die Bewegung des Materials mitmacht, während ein Stahlblech eine korrosionshemmende Grundierung erhält. Wird das falsche System verwendet, kann der Lack später abplatzen oder Bläschen bilden – ein Mangel, der erst nach Monaten sichtbar wird.
Bei Bauteilen, die an einen ADAS-Sensorbereich grenzen, ist zusätzlich auf die Gesamtschichtdicke zu achten. Übermäßige Lackaufbauten im Bereich verbauter Radarsensoren können deren Signalweg beeinflussen. Nach Lackier- und Karosseriearbeiten an der Fahrzeugfront ist daher eine anschließende Sensorprüfung und Kalibrierung Teil des sauberen Reparaturabschlusses.
Unser Anspruch an die Reparaturlackierung
Eine Unfallreparatur ist erst dann abgeschlossen, wenn die lackierte Fläche im Streiflicht, im Sonnenlicht und aus jedem Blickwinkel mit der Umgebung verschmilzt. Wir bestimmen den Farbton am Fahrzeug, gleichen ihn über Musterbleche ab, lackieren benachbarte Bauteile bei, wo es der Effektlack erfordert, und dokumentieren die Schichtdicken im Abschlussprotokoll.
So erhalten Sie ein Fahrzeug zurück, dem man den Schaden nicht ansieht – und einen belastbaren Nachweis, der den Wert Ihres Fahrzeugs absichert.
Unfallschaden mit Lackbedarf in Südniedersachsen? Senden Sie uns per WhatsApp Fotos der betroffenen Stelle – wir beurteilen Farbton, Beilackierungsumfang und den Reparaturweg.
Weiterführende Informationen
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