- Die VW-Gruppe nutzt gruppeneinheitliche Immo-Generationen III → IV → V. Entscheidend für Ersatzschlüssel ist, welche Generation das Fahrzeug hat – nicht das Markenlogo.
- Immo IV (Golf 7, Passat B7/B8 bis ~2017): separates Immo-Steuergerät, 128-bit-Kryptografie, [ODIS](https://kfz-dietrich.com/glossar/#odis) offline möglich mit WSA-Code (Workshop System Authorization).
- Immo V (Golf 8, Audi A4 B9 ab ~2018, Tiguan 2 ab ~2019): VIN ↔ Transponder ↔ Server-Token kryptografisch verkettet, alle Anlernvorgänge server-protokolliert mit Zeitstempel und Werkstattnummer. Für "alle Schlüssel verloren" zwingend ODIS-Online.
- Schlüsselanlernen an Immo V mit OBD2-Universal-Scannern scheitert an fehlender Security-Access-Implementierung – nur ODIS mit aktivem WSA-Zugang und (bei Immo V) aktiver Engineering-Lizenz liefert den vollständigen Ablauf.
- Praxis-Dauer: ca. 1–2 Stunden inklusive Funktionstest, sofern Rohling-Profil (HU66, HU162) und Transponder-Typ zum Fahrzeug passen.
Volkswagen, Audi, Skoda und Seat nutzen gruppeneinheitliche Immo-Systeme, die mit der Modellgeneration weiterentwickelt wurden. Für Fahrzeugbesitzer des Golf 7 (ab 2012), Golf 8 (ab 2019) oder Audi A4 B9 (ab 2015) sind die Generationen Immo IV und Immo V relevant.
Immo III (Referenz: ältere Fahrzeuge)
Golf 6, Passat B6 und Audi A4 B8 nutzen noch Immo III. Diese Generation arbeitet mit einem transponder-basierten Anlernsystem, das offline per ODIS (oder in manchen Fällen auch per kompatiblen Dritttools) funktioniert. Das Immo-Steuergerät ist im Kombiinstrument integriert.
Immo IV (Golf 7, Passat B7/B8 bis ca. 2017)
Mit dem Golf 7 (2012) führte VW Immo IV ein. Wesentliche Neuerung:
- Separates Immo-Steuergerät (nicht mehr im Kombiinstrument)
- 128-bit-Kryptografie für Transponder-Authentifizierung
- ODIS erforderlich für alle Anlernvorgänge
Das Anlernen per ODIS ist für Immo IV in der Regel offline möglich – ohne Online-Verbindung zum VW-Server, aber zwingend mit ODIS und dem entsprechenden Workshop System Authorization (WSA)-Code.
Immo V (Golf 8, Audi A4 B9 ab ca. 2018, Tiguan 2 ab ca. 2019)
Immo V setzt den Trend von Mercedes FBS4 fort: Online-Freigabe über den VW-Gruppenserver ist für bestimmte Maßnahmen (besonders: alle Schlüssel verloren) erforderlich. Das System:
- Verkettet Schlüssel-Transponder kryptografisch mit VIN und Server-Token
- Protokolliert alle Anlernvorgänge mit Zeitstempel und Werkstattnummer
- Erfordert aktiven ODIS-Engineering-Zugang (nicht nur ODIS Service)
Für den Standardfall – ein vorhandener Schlüssel ist noch da, ein zweiter wird zugelernt – reicht oft ODIS Service offline. Für Szenarien ohne gültigen Schlüssel (alle verloren) kommt der Online-Prozess über das „Immo Off Security”-Protokoll ins Spiel.
Was bedeutet das in der Praxis?
Golf 7, Passat B8, Octavia 3: Schlüssel anlernen mit ODIS – gut umsetzbar, auch ohne Online.
Golf 8, Audi A4 B9, Tiguan 2 ab 2019: ODIS-Online für vollständige Neuprogrammierung notwendig. Werkzeuge ohne echten ODIS-Account kommen hier nicht weiter.
Allgemein gilt: Der Schlüssel-Rohling muss mechanisch passen (Profil HU66, HU162 o.ä. je nach Fahrzeug) und der Transponder-Typ muss kompatibel sein. Dann erfolgt das Anlernen über ODIS – ca. 1–2 Stunden inklusive Test.
ODIS vs. OBD2-Universalscanner
Ein OBD2-Universalscanner kann den Immo-Status lesen. Das Anlernen scheitert aber an der fehlenden Security Access-Implementierung für die VW-Gruppe. ODIS hat diese Protokolle implementiert und über den WSA-Code lizenziert.
VW-Schlüssel anlernen in Hardegsen mit ODIS. Golf 7/8, Audi A4, Passat, Skoda Octavia. Eigentumsnachweis erforderlich. Telefon: 05505 5236.
Nerd-Box: Warum Identität beim Immobilizer nicht behauptet, sondern bewiesen werden muss
Der gesamten Immobilizer-Entwicklung liegt ein einziges Prinzip zugrunde: Eine Aussage über Identität ist wertlos, solange sie nicht unabhängig überprüfbar ist. Ein Schlüssel, der lediglich behauptet, der richtige zu sein, taugt nicht als Sicherung – geprüft werden muss, ob er ein Geheimnis kennt, das nur der echte Schlüssel kennen kann. Genau dieses Problem löst eine Wegfahrsperre: Der Schlüssel behauptet, der richtige zu sein. Das ECU muss unabhängig beweisen, dass diese Behauptung stimmt – ohne den geheimen Schlüssel preiszugeben.
Die Evolution von Immo III → IV → V ist ein Geschichte eines immer enger gezogenen Beweiszirkels:
Immo III (Referenz: Golf 6, Passat B6, Audi A4 B8). Transponder mit eindeutiger ID + Challenge-Response über eine 48-bit-Krypto-Variante. Das Immo-Steuergerät sitzt physisch im Kombiinstrument, Schlüssel-Slot sendet Challenge, Transponder antwortet mit Key-abhängigem Hash, Kombi vergleicht, ECU wird freigegeben. Die Schwachstelle: Das Geheimnis steckt nur im Kombiinstrument. Wer das Kombi öffnet und die EEPROM-Daten ausliest (typisch 95320 SPI-Chip), bekommt die Schlüssel-Datenbank – und kann anschließend mit einem freien Programmiergerät neue Transponder anlernen, ohne ODIS. Das ist der historische Grund, warum Immo III mit “Aftermarket-Tools” teilweise funktionierte.
Immo IV (Golf 7 ab 2012, Passat B7/B8 bis ~2017). Separates Immo-Steuergerät, Kryptografie auf 128-bit AES-ähnliche Block-Chiffre erweitert, Komponentenschutz: Das Immo-Steuergerät ist an das Motorsteuergerät und das Gateway kryptografisch gebunden. Ein Ausbau und Wiedereinbau in ein anderes Fahrzeug funktioniert nicht ohne Komponentenschutz-Entsperrung. Die Anlernsequenz läuft über UDS ISO 14229 Service $27 SecurityAccess mit SA-Level spezifisch für Immo-Zugriff – und der dafür notwendige Seed-Key-Algorithmus ist an den Workshop System Authorization (WSA)-Code gebunden. ODIS mit aktivem WSA-Zugang kann lokal anlernen, weil die dafür notwendigen Secrets im ODIS-Login hinterlegt sind. Aftermarket-Tools ohne WSA-Lizenz scheitern am $27 – sie bekommen den Seed, können aber den Key nicht korrekt berechnen (ähnlich wie bei FBS3 an Mercedes).
Immo V (Golf 8 ab 2019, Audi A4 B9 ab ~2018, Tiguan 2 ab ~2019). Setzt den Trend von Mercedes FBS4 fort: Das Geheimnis liegt nicht mehr lokal im Fahrzeug, sondern server-gebunden beim VW-Konzern. Der Anlernprozess baut eine TLS-gesicherte Verbindung vom ODIS-Tester zum GeKO/FAZIT-Server (VW-Komponentenschutz-Server) auf. Das Fahrzeug sendet eine Challenge, der Server antwortet mit einem für genau diese VIN + diesen Zeitstempel + diese Werkstattnummer signierten Token. Das Fahrzeug prüft die Signatur gegen hinterlegten Server-Public-Key und akzeptiert den Anlernvorgang nur bei gültiger Signatur. Die Werkstattnummer wird dabei server-seitig protokolliert – wer Immo V programmiert, hinterlässt eine forensische Spur.
Die Konsequenzen für die Praxis:
- Szenario “Zweitschlüssel zulernen bei vorhandenem Originalschlüssel” (häufigster Fall): Immo IV offline per ODIS-WSA, Immo V meist auch offline – das Fahrzeug akzeptiert den Zweitschlüssel, solange der Original-Transponder die Anlernsequenz autorisiert.
- Szenario “Alle Schlüssel verloren”: Immo IV noch teilweise offline über Notlauf-Verfahren (abhängig von Baujahr und Modell), Immo V zwingend online über den GeKO/FAZIT-Server. Ohne Server-Freigabe gibt es keinen funktionierenden Schlüssel. Fremdtools ohne Engineering-Zugriff kommen hier nicht weiter – auch nicht mit EEPROM-Dumping, weil das Geheimnis eben nicht lokal im Fahrzeug liegt.
- Szenario “ECU-Tausch”: Immo V verlangt Komponentenschutz-Freigabe vom VW-Server, bevor das neue ECU startet. Das ist der Grund, warum VW-ECUs aus eBay-Schrottplatz-Ankäufen bei neueren Fahrzeugen nicht mehr funktionieren – das Ziel-ECU ist an ein anderes GeKO-Freigabe-Paket gebunden.
Der kryptografische Beweiszirkel hat sich damit von “liegt im Kombi” (Immo III) über “liegt in den Werkstatt-Lizenzen” (Immo IV) zu “liegt ausschließlich beim Hersteller” (Immo V) verengt. Für den Fahrzeugeigentümer bedeutet das: Die Wahl der Werkstatt ist nicht mehr primär eine Preisfrage, sondern eine Zugriffsfrage. Wer nicht den Lizenzstatus hat, kommt nicht rein – Verbal Kint würde sagen: “The greatest trick the devil ever pulled was convincing the world he wasn’t there.” Der Server ist da, aber nur wer die richtige Login-Kette mitbringt, bekommt ihn zu Gesicht.
Weiterführende Informationen
- VW & Audi Diagnose (ODIS)
- Spezialisierte Fahrzeugdiagnose
- FBS4 Schlüssel
- Steuergerät-Service
- Schlüssel anlernen
Probleme mit Ihrem VW, Audi oder Skoda? Schreiben Sie uns über die Warteliste – wir diagnostizieren mit ODIS auf Herstellerniveau.