TL;DR
- Die Gasprüfung nach DVGW G 607 ist alle 2 Jahre Pflicht und Voraussetzung für die Hauptuntersuchung; bei gewerblicher Vermietung jährlich.
- Druckregler sind nach 10 Jahren zwingend zu erneuern — das Fertigungsdatum ist auf dem Gehäuse eingeprägt, nicht das Einbaudatum.
- Propan ist rund 1,56-mal schwerer als Luft und sammelt sich in Bodennähe; Belüftungsöffnungen im Gaskasten dürfen niemals verschlossen oder zugestellt werden.
- Die untere Explosionsgrenze von Propan liegt bei 1,7 Vol-%, die obere bei 10,9 Vol-% — ein Gaswarner schlägt bei etwa 20 % der unteren Grenze Alarm, also schon bei 0,34 Vol-%.
- Crash-Sensor-Regler (z. B. Truma DuoControl CS) sperren die Gaszufuhr bei Aufprall oder starker Erschütterung automatisch und ermöglichen das Weiterfahren mit aktivem Kühlschrank.
Die Gas-Anlage im Wohnmobil ist komfortabel — aber eine regelmäßige Prüfung ist Pflicht und Sicherheitsvorsorge.
Gasprüfung: Wann und warum
In Deutschland müssen Flüssiggas-Anlagen in Wohnmobilen alle 2 Jahre durch einen Sachkundigen geprüft werden (DVGW-Regelwerk G 607). Bei gewerblicher Vermietung: jährlich.
Die Prüfung ist kein bürokratischer Akt – undichte Gas-Anlagen sind eine reale Gefahr: Propan/Butan ist schwerer als Luft, sammelt sich in Vertiefungen und kann sich entzünden.
Was bei der Gasprüfung kontrolliert wird
- Dichtheit aller Verbindungen (Druckabfall-Test)
- Zustand der Schläuche (Risse, Verhärtung, Abknicken)
- Druckregler: Auslieferungsdruck, Datum (Wechsel nach 10 Jahren empfohlen)
- Absperreinrichtungen funktionstüchtig
- Gaswarner vorhanden und funktionierend (keine Prüfpflicht, aber empfohlen)
- Belüftungsöffnungen nicht verstopft
Häufige Mängel
Verhärtete Schläuche: Gummi-Gasschläuche altern und werden spröde. Risse nicht immer sichtbar – Drucktest zeigt Leckage. Tausch alle 10 Jahre empfohlen.
Druckregler überaltert: Datum auf dem Regler. Ältere Modelle können Druckspitzen nicht mehr korrekt dämpfen.
Belüftung zugestellt: Schubladen oder Verkleidungen die die Gasbereich-Belüftung abdecken. Bei Leckage kann Gas nicht entweichen.
Sicher mit Gas fahren
Im Tunnel und auf Fähren: Gas abstellen. Nicht weil es überall gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern weil Schlauchrisse bei Erschütterungen entstehen können und im Tunnel oder unter Deck kritisch sind. Moderne Anlagen mit Crash-Sensor-Regler (Truma DuoControl CS, Gok Caramatic DriveTwo) sperren die Zufuhr bei Aufprall automatisch und ermöglichen dadurch einen rechtlich sauberen Betrieb des Kühlschranks während der Fahrt.
Gaswarner: sinnvolle Ergänzung, keine Pflicht. Reagiert auf Propan-/Butan-Konzentration ab etwa 20 Prozent der unteren Explosionsgrenze. Installation bodennah, niemals in der Nähe von Heizungsauslässen oder Zugluft. Batteriebetriebene Modelle sollten im Saisonbetrieb ausgetauscht werden — die Sensorelemente altern und verlieren Empfindlichkeit.
Truma-Heizung und Kühlschrank mit Gasbetrieb
Die Gaskomponenten im Wohnmobil sind mehr als die Zufuhrleitung: Truma-Combi-Heizungen (C 4002/C 6002/Combi 6 E), Absorberkühlschränke (Dometic, Thetford) und Gasherde sind eigenständige Verbraucher mit eigenen Zündsicherungen und Thermoelementen. Bei jeder Gasprüfung wird die Funktion aller Verbraucher einzeln getestet: Zündung, Flammenüberwachung, thermische Absicherung. Ein Thermoelement, das die Flamme nicht mehr zuverlässig erkennt, lässt das Magnetventil abfallen und die Gaszufuhr schließen — die Heizung geht aus. Im laufenden Betrieb unangenehm, aber die sichere Auslegung.
Bei älteren Truma-Combi-Geräten (vor 2008) empfehlen wir eine erweiterte Prüfung des Abgassystems: Ruß im Kamin und defekte Dichtungen zwischen Brennkammer und Abgasrohr können Kohlenmonoxid in den Wohnraum leiten. Ein zusätzlicher CO-Warner ist hier dringend anzuraten und ersetzt keinen Gaswarner — beide Gase erfordern unterschiedliche Sensortechnik.
Saisonvorbereitung und Nachsaison-Check
Vor der Saison prüfen wir die Gasanlage komplett durch, auch wenn die Prüfung nach G 607 formal noch gültig ist. Standzeiten über Winter belasten Gummidichtungen und Schlauchmaterial; Mäuse haben in den letzten Jahren mehrfach Schläuche angebissen — ein Schaden, den die Dichtheitsprüfung zuverlässig aufdeckt, bevor es im Alltag kritisch wird. Nach der Saison empfiehlt sich eine Sichtprüfung des Gaskastens, der Tür-Belüftung und der Schlauchverlegung auf Scheuerstellen, besonders an Bohrdurchführungen und unter beweglichen Verkleidungsteilen.
**Nerd-Box: Warum Propan und Butan sich wie zwei verschiedene Brennstoffe verhalten**
Flüssiggas im Wohnmobil ist meist ein Gemisch aus Propan (C₃H₈) und Butan (C₄H₁₀) — doch die beiden Gase haben deutlich unterschiedliche physikalische Eigenschaften, die im Winter und im Sommer jeweils andere Probleme verursachen.
| Eigenschaft | Propan (C₃H₈) | Butan (C₄H₁₀) |
|---|---|---|
| Siedepunkt bei 1 bar | -42 °C | -0,5 °C |
| Dichte (Gas, 15 °C) | 2,01 kg/m³ (1,56 × Luft) | 2,71 kg/m³ (2,10 × Luft) |
| Heizwert (unterer) | 46,3 MJ/kg | 45,7 MJ/kg |
| Untere Explosionsgrenze | 1,7 Vol-% | 1,4 Vol-% |
| Obere Explosionsgrenze | 10,9 Vol-% | 9,3 Vol-% |
| Dampfdruck bei 20 °C | ca. 8,3 bar | ca. 2,1 bar |
Warum Butan im Winter versagt: Butan hat bei 0 °C praktisch keinen Dampfdruck mehr — das Gas verdampft nicht mehr aus der flüssigen Phase in der Flasche. Eine reine Butanflasche liefert bei Frost schlicht kein Gas. Deutsche Campinggas-Flaschen enthalten daher fast ausschließlich Propan oder eine Propan-Butan-Mischung mit mindestens 95 % Propan. Wer aus Südeuropa Butan-Flaschen mitbringt, steht im ersten Nachtfrost ohne Heizung da.
Warum die Dichteangabe sicherheitsrelevant ist: Propan ist 1,56-mal schwerer als Luft. Eine Leckage im Gaskasten oder an Kocherleitungen führt dazu, dass sich das Gas nicht verflüchtigt, sondern am Fahrzeugboden sammelt, dort langsam in den Wohnraum sickert und sich in Betten, Hohlräumen und Sitztruhen akkumuliert. Der Fahrzeugboden wird so zum kritischen Punkt — eine einzige, nicht korrekt abgedichtete Bodenbohrung kann eine ansonsten intakte Anlage in eine tickende Zeitbombe verwandeln. Die DVGW G 607 verlangt daher eine Belüftungsöffnung im Gaskasten nach unten, mit einem freien Querschnitt von mindestens 100 cm² und einer Mindesthöhe über der Straße.
Das Odorierungsproblem: Propan und Butan sind in reiner Form geruchlos. Dem Handelsgas wird Ethanthiol (C₂H₆S) in geringer Konzentration zugesetzt, damit Leckagen wahrnehmbar werden. Das Thiol altert aber in langen Standzeiten und in Kombination mit bestimmten Metalllegierungen — in Flaschen, die seit mehr als zwei Jahren unbenutzt stehen, kann die Odorierung deutlich schwächer sein. Ein elektronischer Gaswarner ist daher die verlässlichere Absicherung als der menschliche Geruchssinn.
Verbrauchsrechnung: Eine Truma Combi 6 E mit 6 kW Heizleistung verbraucht bei Volllast rund 480 g Propan pro Stunde. Eine 11-kg-Flasche (23,6 kWh theoretisch) reicht bei ununterbrochenem Volllastbetrieb für knapp 23 Stunden — in der Praxis, bei Taktbetrieb und -10 °C Außentemperatur, sind es rund 3 bis 5 Tage. Diese Rechnung lohnt sich bei Wintercamping als Tourplanungsgrundlage.
Praxisbeispiel: Fiat Ducato 2.3 MultiJet mit Truma C 6002 und undichtem Regler
Ein Wohnmobilbesitzer meldete sich mit unerklärlichem Gasverbrauch: Die 11-kg-Flasche war bei normaler Nutzung nach knapp zwei Wochen leer, obwohl nur gelegentlich geheizt wurde. Die letzte G 607 lag 18 Monate zurück und war damals ohne Befund.
Unsere Dichtheitsprüfung zeigte eine Leckage an der Verschraubung des Druckreglers zur Zuleitung — ein Druckabfall von 8 mbar über 10 Minuten, deutlich über der zulässigen Toleranz. Der Regler war 11 Jahre alt (Prägedatum auf dem Gehäuse), die Dichtung am Anschluss hatte durch Temperaturzyklen im ungedämmten Gaskasten gelitten. Ursache war keine grobe Beschädigung, sondern schleichende Materialermüdung.
Wir haben den Regler gegen einen Truma DuoControl CS mit Crash-Sensor getauscht, die Verschraubung neu abgedichtet, eine Dichtheitsprüfung nach Reparatur dokumentiert und eine neue G 607 ausgestellt. Der Kunde fährt seither mit aktivem Kühlschrank im Betrieb, wie es die CS-Zulassung erlaubt, und der Gasverbrauch entspricht wieder der erwarteten Größenordnung.
Gas-Anlage prüfen lassen oder Wohnmobil-Wartung? Wohnmobil-Typ und Baujahr per WhatsApp – wir kommen auch zu Ihnen.
Wohnmobil-Service bei KFZ Dietrich
Wohnmobile stellen besondere Anforderungen an die Werkstatt: Neben dem Basisfahrzeug (Fiat Ducato, Mercedes Sprinter, VW Crafter, Ford Transit) muss auch die Aufbautechnik fachgerecht betreut werden.
Basisfahrzeug-Wartung
Das Fahrgestell eines Wohnmobils ist höheren Belastungen ausgesetzt als ein vergleichbarer Transporter. Das höhere Gewicht beansprucht Bremsen, Fahrwerk und Antriebsstrang stärker. Wir berücksichtigen diese besonderen Anforderungen bei der Wartung und verwenden Teile, die für das tatsächliche Fahrzeuggewicht ausgelegt sind.
Aufbautechnik
Gasanlage, 12V/230V-Elektrik, Frischwassersystem und Heizung erfordern spezifisches Fachwissen. Die Gasprüfung nach DVGW G 607 ist alle 2 Jahre Pflicht und Voraussetzung für die Hauptuntersuchung. Wir prüfen und dokumentieren alle relevanten Systeme.
Saisonale Checks
Vor der Saison: Frischwassersystem desinfizieren, Dichtigkeitsprüfung, Reifenkontrolle, Batterie-Check. Nach der Saison: Frischwassersystem entleeren, Frostschutz prüfen, Batterie-Pflege, Unterboden-Inspektion. Wir bieten umfassende Saisonpakete an.
Weiterführende Informationen
Haben Sie technische Fragen zu Ihrem Fahrzeug? Schreiben Sie unseren Meistern direkt per WhatsApp für eine fachliche Ersteinschätzung.
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