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XENTRY ADAS-Tafel: Mercedes-Kalibrierung in der Praxis

Mercedes ADAS-Kalibrierung mit XENTRY und Kalibriertafel: Frontkamera, Multifunktionskamera und Radar justieren. Wann nötig, wie wir vorgehen. KFZ Dietrich.

XENTRY ADAS-Tafel: Mercedes-Kalibrierung in der Praxis
TL;DR
  • Mercedes verbaut Multifunktionskamera hinter der Scheibe sowie Front- und Seitenradare – alle drei Sensorgruppen werden mit XENTRY und der ADAS-Kalibriertafel justiert.
  • Kalibrierung ist Pflicht nach Scheibentausch, Achsarbeiten, Frontschaden, Sensor-Tausch und Software-Aktualisierungen des Assistenz-Steuergeräts.
  • Die XENTRY ADAS-Tafel ist ein modulares Zielsystem mit definierten Mustern und Positionen für jede Sensorart und Baureihe.
  • Statische Justage an der Tafel zuerst, anschließend dynamische Lernfahrt nach Mercedes-Vorgabe – beide Schritte werden dokumentiert.
  • Wir arbeiten mit der originalen XENTRY-Software und stellen Ihnen das Kalibrierprotokoll mit dem Auftrag aus.

Warum ADAS-Kalibrierung bei Mercedes Werkstatt-Sache ist

Moderne Mercedes-Modelle sind dichte Netzwerke aus Assistenzsystemen. Die Multifunktionskamera hinter der Windschutzscheibe erkennt Fahrbahnmarkierungen, Verkehrszeichen und Vorausfahrzeuge. Die Front- und Seitenradare messen Abstand und Relativgeschwindigkeit. Distronic, Aktiver Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und der Aktive Brems-Assistent stützen sich auf diese Sensordaten – und alle arbeiten nur dann zuverlässig, wenn die Sensoren exakt auf ihre Soll-Geometrie ausgerichtet sind.

In unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck sehen wir regelmäßig Fahrzeuge, deren Assistenzsysteme nach einer vermeintlich harmlosen Reparatur auffällig reagieren: Der Spurhalteassistent zieht in die falsche Richtung, die Verkehrszeichenerkennung meldet falsche Tempolimits, oder die Distronic hält einen unplausiblen Abstand. In den meisten Fällen liegt die Ursache nicht in einem defekten Sensor, sondern in einer fehlenden oder fehlerhaften Kalibrierung. Genau hier setzt die XENTRY ADAS-Tafel an.

Dieser Beitrag erklärt, wie die Kalibrierung mit XENTRY und Kalibriertafel in der Praxis abläuft, welche Sensoren betroffen sind und wann eine Justage zwingend erforderlich ist.

Die Sensoren: Multifunktionskamera, Frontradar, Seitenradare

Multifunktionskamera hinter der Windschutzscheibe

Das zentrale Auge moderner Mercedes-Fahrzeuge ist die Multifunktionskamera, bei vielen Baureihen als Stereo-Kamera ausgeführt. Sie sitzt oben mittig hinter der Windschutzscheibe und blickt durch einen exakt definierten Sichtbereich. Diese Kamera liefert die Bilddaten für Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent und – im Zusammenspiel mit dem Radar – für die Notbremsfunktion.

Der entscheidende Punkt: Die Kamera ist auf einen präzisen vertikalen und horizontalen Blickwinkel kalibriert. Wird die Windschutzscheibe getauscht, ändert sich die Lage der Kamera relativ zur Fahrbahn minimal. Schon Abweichungen im Zehntelgrad-Bereich verschieben den erkannten Horizont – und das System interpretiert die Umgebung falsch.

Front- und Seitenradare

Das Frontradar im Bereich des Sterns oder der Stoßstange ist die Grundlage der Distronic-Abstandsregelung. Die Seitenradare im Heck stützen Totwinkel-Assistent und Querverkehrswarnung. Auch diese Sensoren haben definierte Einbauwinkel, die nach jedem Eingriff an Stoßstange, Heckschürze oder Fahrwerk überprüft und gegebenenfalls neu adaptiert werden müssen.

Die XENTRY ADAS-Tafel: Aufbau und Funktion

Die ADAS-Tafel ist kein einzelnes Schild, sondern ein modulares Zielsystem. Sie besteht aus einem präzise vermessenen Ständer, einer höhenverstellbaren Aufnahme und auswechselbaren Zielmustern. Für die Kamera-Justage kommt ein definiertes optisches Muster zum Einsatz, das die Kamera während der statischen Adaption erfasst. Für die Radar-Justage werden Reflektoren oder Spiegelelemente in genau festgelegter Position eingesetzt.

Entscheidend ist die geometrische Ausrichtung: Die Tafel muss in exaktem Abstand, exakter Höhe und exaktem Seitenversatz zur Fahrzeug-Längsachse stehen. XENTRY gibt für jede Baureihe und jeden Sensortyp die genauen Sollmaße vor. Wir richten das Fahrzeug zunächst über die Räder zur Längsachse aus und positionieren die Tafel anschließend mit Lasermessung. Erst wenn die Geometrie stimmt, beginnt die eigentliche Adaption.

Der Ablauf in unserer Werkstatt

Schritt 1: Diagnose und Fehlerspeicher

Vor jeder Kalibrierung lesen wir mit XENTRY den Fehlerspeicher aller relevanten Steuergeräte aus. Häufig zeigen sich hier bereits Hinweise auf die Ursache – etwa ein Eintrag “Kamera nicht kalibriert” nach einem Scheibentausch oder ein Radar-Adaptionsfehler nach Achsarbeiten.

Schritt 2: Fahrzeug ausrichten und Voraussetzungen prüfen

Mercedes verlangt definierte Randbedingungen: ebener Boden, korrekter Reifendruck, vorgegebene Beladung und in vielen Fällen ein vollständig geladenes Bordnetz. Wir prüfen diese Voraussetzungen, weil die ADAS-Tafel sonst auf eine verfälschte Fahrzeug-Geometrie ausgerichtet würde.

Schritt 3: Statische Justage an der ADAS-Tafel

Im geführten XENTRY-Pfad wählen wir die jeweilige Sensorik – etwa “Multifunktionskamera – Justage durchführen”. XENTRY nennt die exakte Tafel-Position, wir richten das Zielmuster aus, und das System lernt die Korrekturwerte ein. Bei Frontradar und Seitenradaren wiederholt sich der Vorgang mit der jeweils vorgesehenen Reflektor-Position.

Schritt 4: Dynamische Lernfahrt

Nach der statischen Justage verlangt XENTRY bei vielen Baureihen eine definierte Probefahrt. Die Kamera verfeinert dabei ihre Adaption an realen Fahrbahnmarkierungen, das Radar an erkannten Vorausfahrzeugen. Erst nach erfolgreicher Lernfahrt meldet XENTRY die Kalibrierung als abgeschlossen.

Schritt 5: Kontrolle und Protokoll

Abschließend prüfen wir die Live-Daten – Sichtwinkel der Kamera, Azimut-Werte des Radars, Status der Selbstdiagnose. Das Kalibrierprotokoll erhalten Sie mit dem Auftrag. Diese Dokumentation ist für Versicherungsabwicklung und Werterhalt Ihres Fahrzeugs relevant.

Wann ist die XENTRY-Kalibrierung zwingend erforderlich?

Aus unserer Werkstattpraxis ergeben sich klare Auslöser, bei denen eine vollständige ADAS-Kalibrierung Pflicht ist:

  1. Nach jedem Tausch der Windschutzscheibe – die Multifunktionskamera muss neu justiert werden, ohne Ausnahme.
  2. Nach jeder Achsvermessung oder jedem Fahrwerks-Eingriff – die veränderte Geometrie wirkt auf alle Sensorausrichtungen.
  3. Nach Demontage oder Tausch der Frontstoßstange – das Frontradar verliert seine adaptierte Lage.
  4. Nach jedem Frontschaden – auch bei rein optischer Instandsetzung der Frontpartie.
  5. Nach Tausch oder Reparatur eines Sensors – Kamera, Front- oder Seitenradar.
  6. Nach Software-Aktualisierung des Assistenz-Steuergeräts – Adaptionswerte können zurückgesetzt werden.
  7. Nach Eingriffen am Heck – Seitenradare für Totwinkel-Assistent und Querverkehrswarnung.

Wenn Sie unsicher sind, ob nach einer Reparatur eine Kalibrierung nötig war, lesen Sie auch unseren Beitrag Wann ADAS nach einem Unfallschaden neu kalibriert werden muss. Eine fachgerechte Scheiben-Instandsetzung mit anschließender Kalibrierung beschreiben wir auf https://scheibendoktor.kfz-dietrich.com/adas/.

Warum ein OBD2-Tester hier nicht genügt

Universaltester können den Fehlerspeicher auslesen, aber sie haben keinen Zugriff auf die Justage- und Adaptionsfunktionen der Mercedes-Assistenzsysteme. Die statische Kamera-Kalibrierung an der Tafel und die geführte Radar-Adaption liegen ausschließlich in der originalen XENTRY-Software. Wer ohne XENTRY und ohne geometrisch vermessenen Kalibrierplatz arbeitet, kann die Sensoren nicht innerhalb der geforderten Toleranz justieren. Das Ergebnis wäre ein System, das zwar fehlerfrei “wirkt”, in der Praxis aber Fahrbahn, Verkehrszeichen und Vorausfahrzeuge nicht korrekt erfasst.

In unserer Werkstatt arbeiten wir mit der originalen Mercedes-Diagnose. Den Umfang unseres XENTRY-Zugangs und weiterer markenspezifischer Themen finden Sie auf https://mercedes-diagnose.kfz-dietrich.com.

Für Techniker: Warum die Fahrzeug-Längsachse die Bezugsbasis der Kalibrierung ist

Die statische ADAS-Justage ist im Kern eine Geometrie-Aufgabe. Die Kalibriertafel wird nicht auf die sichtbare Karosseriemitte ausgerichtet, sondern auf die geometrische Fahrachse – die Winkelhalbierende der Gesamtspur, abgeleitet aus den Spurwinkeln der Hinterachse. Genau deshalb fordert XENTRY vor der Justage definierte Randbedingungen: ebener Boden, korrekter Reifendruck, vorgegebene Beladung. Eine schiefe Beladung oder abweichende Reifendrücke verkippen die Karosserielage und verschieben die Sensor-Geometrie gegenüber der Fahrbahn, ohne dass der Sensor selbst etwas ändert.

In der Praxis richten wir das Fahrzeug zunächst über die Räder zur Längsachse aus und positionieren die Tafel anschließend per Lasermessung in Abstand, Höhe und Seitenversatz nach den von XENTRY je Baureihe und Sensortyp vorgegebenen Sollmaßen. Erst wenn diese Bezugsbasis stimmt, lernt das System die Kamera-Sichtwinkel und die Radar-Azimutwerte korrekt ein. Wird die Achsgeometrie zuvor durch Fahrwerks-Eingriffe verändert, ist die Kalibrierung deshalb zwingend zu wiederholen – die Sensoradaption verweist immer auf die zum Zeitpunkt der Justage gültige Fahrachse.

Typische Befunde nach unsachgemäßer Reparatur

Aus der täglichen Werkstattpraxis kennen wir wiederkehrende Befundbilder. Sie entstehen fast immer dann, wenn nach einem Eingriff die Kalibrierung unterblieben ist:

  • Spurhalteassistent zieht zur falschen Seite – die Kamera erkennt die Markierung versetzt, weil der Sichtwinkel nach dem Scheibentausch nicht justiert wurde.
  • Verkehrszeichenerkennung meldet falsche Werte – ein typischer Hinweis auf eine nicht adaptierte Kamera.
  • Distronic hält unplausiblen Abstand – das Frontradar wurde nach Stoßstangen-Arbeiten nicht neu adaptiert.
  • Totwinkel-Assistent warnt ohne Anlass – die Seitenradare wurden nach Heck-Arbeiten nicht justiert.
  • Sporadische Systemausfälle bei Nässe – häufig korrodierte Steckkontakte im Bereich der Frontsensorik in Verbindung mit fehlender Adaption.

Diese Befunde lassen sich mit XENTRY und der ADAS-Tafel sauber auflösen – vorausgesetzt, die mechanische Substanz der Sensoren ist unbeschädigt.

Was Sie über die Werkstattkosten wissen sollten

Ein verbindlicher Kostenrahmen für die ADAS-Kalibrierung hängt von Baureihe, betroffener Sensorik und dem Umfang der Vorarbeiten ab und lässt sich nicht pauschal angeben. Was wir zusagen können: Wir arbeiten ausschließlich mit der originalen XENTRY-Software, richten Fahrzeug und Tafel geometrisch exakt aus und dokumentieren jeden Schritt. Eine Diagnose-Übersicht und ein verbindliches Angebot erhalten Sie vor Beginn der Arbeiten.

Über KFZ Dietrich

KFZ Dietrich ist ein Meisterbetrieb in Hardegsen-Gladebeck im Landkreis Northeim. Wir haben uns auf komplexe Diagnose, ECU-Programmierung und ADAS-Kalibrierung spezialisiert. Nils Dietrich ist KFZ-Mechatroniker und führt die Diagnosen persönlich durch. Für Mercedes-Benz arbeiten wir mit der originalen XENTRY-Software – gleiche Diagnose-Qualität wie beim Vertragshändler, mit der persönlichen Betreuung eines unabhängigen Meisterbetriebs.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.

Termin oder Diagnose-Anfrage

Wenn Ihr Mercedes nach einem Scheibentausch oder nach Achsarbeiten Auffälligkeiten in den Assistenzsystemen zeigt, sprechen Sie uns an. Wir prüfen Ihr Fahrzeug mit XENTRY, kalibrieren die Sensorik an der ADAS-Tafel und liefern Ihnen ein nachvollziehbares Protokoll.

KFZ Dietrich Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Häufig gestellte Fragen

Muss meine Mercedes-Frontkamera nach einem Scheibentausch wirklich neu kalibriert werden?

Ja. Die Multifunktionskamera ist hinter der Windschutzscheibe verbaut und auf einen exakten Sichtwinkel justiert. Mit jedem Scheibentausch verändert sich die Geometrie minimal – schon ein Zehntelgrad genügt, um Spurhalteassistent und Notbremsfunktion außerhalb der Toleranz zu bringen. Mercedes schreibt die Kalibrierung mit XENTRY und ADAS-Tafel nach jedem Scheibentausch verbindlich vor.

Reicht eine dynamische Lernfahrt aus oder braucht es zwingend die ADAS-Tafel?

Das hängt von Baureihe und Steuergeräte-Stand ab. Bei modernen Mercedes-Modellen verlangt XENTRY zuerst die statische Justage an der ADAS-Tafel, erst danach folgt die dynamische Lernfahrt. Eine reine Lernfahrt ohne vorherige statische Adaption führt in vielen Fällen zum Abbruch. Wir richten Fahrzeug und Tafel geometrisch exakt aus und führen beide Schritte nach Mercedes-Vorgabe durch.

Nach welchen Reparaturen ist eine ADAS-Kalibrierung bei Mercedes erforderlich?

Eine vollständige Kalibrierung ist unter anderem nach jedem Scheibentausch, nach Achsvermessung und Fahrwerks-Eingriffen, nach Demontage oder Tausch der Frontstoßstange, nach jedem Frontschaden, nach Tausch oder Reparatur eines Sensors, nach Software-Aktualisierung des Assistenz-Steuergeräts sowie nach Eingriffen am Heck verbindlich. Im Zweifel prüfen wir den Adaptionsstatus mit XENTRY und klären, ob eine Justage nötig ist.

Erhalte ich einen Nachweis über die durchgeführte Kalibrierung?

Ja. Nach Abschluss der statischen Justage und der dynamischen Lernfahrt kontrollieren wir die Live-Daten und erstellen ein Kalibrierprotokoll, das Sie mit dem Auftrag erhalten. Diese Dokumentation ist für die Versicherungsabwicklung und für den Werterhalt Ihres Fahrzeugs relevant und belegt, dass die Assistenzsysteme innerhalb der vorgegebenen Toleranz justiert wurden.

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