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Zylinderkopf planen und revidieren: Werkstatt-Verfahren

Plan-Toleranzen, Revisions-Verfahren, Materialkunde und marken­spezifische Befunde. Werkstatt-Wissen zur Zylinderkopf-Instandsetzung aus Hardegsen-Gladebeck.

Zylinderkopf planen und revidieren: Werkstatt-Verfahren
TL;DR
  • Plan-Toleranz Aluminium nach DIN 6900: max. 0,03 mm/100 mm längs, 0,02 mm/100 mm quer – bei Überschreitung ist die MLS-Dichtung nicht mehr zuverlässig abdichtbar.
  • Oberflächengüte nach dem Planen: Rz 5–10 µm – außerhalb dieses Fensters versagt die Mehrlagen-Stahl-Dichtung an den Stegen oder verrutscht.
  • Rissprüfung per Magnaflux-Wirbelstromverfahren, Druckprüfung Wasserkanäle 2 bar/80 °C/15 Minuten – beides ist Voraussetzung für eine Instandsetzungs-Entscheidung.
  • Stehbolzen-Anzug Drehmoment-Drehwinkel-Verfahren: 60 Nm + 2 × 90° – Zylinderkopfschrauben sind Dehnschrauben und werden nach jedem Ausbau erneuert.
  • Nach der Revision sind elektronische Adaptionen über XENTRY, ODIS oder ISTA Pflicht: Nockenwellen-Sensor, Klopfsensor, Gemisch- und Hydrostößel-Anpassung.

Warum die Zylinderkopf-Instandsetzung Werkstatt-Sache ist

Der Zylinderkopf ist das thermisch und mechanisch am stärksten beanspruchte Bauteil im Motor. Verbrennungsdrücke von bis zu 200 bar bei modernen Direkteinspritzern, Temperaturen jenseits der 250 °C im Brennraum und die ständigen Lastwechsel zwischen Standgas und Volllast hinterlassen ihre Spuren. Wenn ein Zylinderkopf seine Toleranzen verliert, ist das keine Frage von Verschleiß im klassischen Sinne – es ist eine Frage der Geometrie. Und Geometrie lässt sich nicht im Vorbeigehen wiederherstellen.

In unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck führen wir Zylinderkopf-Instandsetzungen als planbaren Prozess durch. Ich bin Nils Dietrich, KFZ-Mechatroniker im Meisterbetrieb meines Vaters. Die Instandsetzung eines Zylinderkopfs ist für mich kein Ersatzteil-Tausch, sondern eine substanzerhaltende Maßnahme – die fachgerechte Wiederherstellung eines hochwertigen Aluminium-Gussteils, das in vielen Fällen deutlich mehr Lebensdauer in sich trägt, als ein Austauschmotor suggerieren würde.

Dieser Beitrag dokumentiert die Verfahren, mit denen wir in der Werkstatt arbeiten: Plan-Toleranzen, Revisions-Schritte, marken­spezifische Schwachstellen und die Adaptionen, die nach der Montage über XENTRY, ODIS oder ISTA durchgeführt werden müssen.

Werkstatt-Verfahren: Zylinderkopf planen

Wann ein Zylinderkopf geplant werden muss

Der häufigste Anlass ist eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung mit lokaler Überhitzung. Bei Aluminium-Köpfen führt das fast immer zu einem messbaren Verzug. Wir prüfen mit einem geprüften Haarlineal und Fühlerlehren über die gesamte Dichtfläche – diagonal, längs und quer. Ab einem Verzug von 0,05 mm auf der Gesamtlänge ist das Planen zwingend. Aber Achtung: Das Planen entfernt Material, und damit verschiebt sich das Verdichtungsverhältnis. Bei modernen Direkteinspritzern mit hoher Verdichtung ist das nicht beliebig oft möglich.

Plan-Toleranzen nach DIN 6900

Die Norm DIN 6900 gibt für Aluminium-Zylinderköpfe eine maximale Ebenheitsabweichung von 0,03 mm pro 100 mm Längsrichtung vor. In Querrichtung sind nur 0,02 mm/100 mm zulässig. Diese Werte sind kein theoretisches Ideal, sondern die Untergrenze für eine zuverlässige Abdichtung mit modernen Mehrlagen-Stahl-Zylinderkopfdichtungen (MLS).

Maschine und Werkzeug

Wir arbeiten mit einer CNC-gesteuerten Planmaschine, die wahlweise mit Diamantfräser oder Schleifscheibe bestückt wird. Der Diamantfräser erzeugt eine definiert raue Oberfläche, die Schleifscheibe eine feinere. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der vom Hersteller vorgegebenen Oberflächengüte ab.

Oberflächengüte Rz 5–10 µm

Die Rauheit nach Rz 5–10 µm ist kein Zufallswert. Sie ist das schmale Fenster, in dem moderne MLS-Dichtungen ihre Mikro-Sicke optimal verformen. Zu glatt – die Dichtung rutscht. Zu rauh – die Stege bleiben offen, das Kühlmittel zieht in den Brennraum. Wir kontrollieren die Rauheit nach jedem Planvorgang mit einem Tastschnittgerät und dokumentieren das Messprotokoll im Auftrag.

Werkstatt-Verfahren: Komplett-Revision

Demontage und Reinigung

Bevor irgendetwas gemessen wird, kommt der Kopf in das Strahlgut-Reinigungsbad. Verkokungen am Brennraum, Ölrückstände in den Ölkanälen und Korrosion an den Wasserkanälen müssen restlos entfernt sein. Erst dann ist eine Sichtprüfung und Maßprüfung sinnvoll.

Magnaflux-Risssuche per Wirbelstromverfahren

Der gereinigte Zylinderkopf wird auf den Magnaflux-Prüfstand gespannt. Das Wirbelstromverfahren detektiert Risse, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind – insbesondere die typischen Haarrisse zwischen den Ventilsitzen. Diese Prüfung ist die Grundlage für die Entscheidung: Instandsetzung oder Austauschkopf.

Druckprüfung der Wasserkanäle

Anschließend werden die Wasserkanäle abgeflanscht und mit 2 bar Wasserdruck bei 80 °C über 15 Minuten geprüft. Diese Prüfung zeigt feine Leckagen, die bei kaltem Zustand nicht auftreten. Insbesondere an den thermisch hoch belasteten Stegen rund um die Auslassventile finden wir hier gelegentlich Mikroporositäten im Gussgefüge.

Ventilsitz-Fräsen mit Drei-Winkel-Schliff

Eingebrannte oder eingehämmerte Ventilsitze werden mit Hartmetall-Fräsern bearbeitet. Wir arbeiten mit dem klassischen Drei-Winkel-Schliff: 30° als Übergang, 45° als eigentliche Dichtfläche, 60° zur Verjüngung in den Brennraum. Die Sitzbreite wird auf den herstellerspezifischen Sollwert eingestellt – typisch 1,2–1,8 mm bei Einlassventilen, 1,8–2,4 mm bei Auslassventilen.

Ventilführungs-Wechsel mit Spielmessung

Ein klassisches Verschleißteil. Wenn das Spiel zwischen Ventilschaft und Führung über 0,15 mm liegt, ist die Führung verschlissen. Wir messen mit einem Magnetstativ-Messuhr und einem speziell für diesen Zweck geschliffenen Prüfventil. Neue Führungen werden eingepresst, anschließend wird auf das Soll-Spiel von 0,03–0,06 mm aufgerieben – mit Hand-Ausreibahlen, nicht maschinell, weil die Wärme­dehnung beim maschinellen Reiben zu Übermaß führen würde.

Ventilsitz-Verdichtung und Einläppen

Nach dem Fräsen wird jedes Ventil mit feinem Ventil­läppmittel auf seinen Sitz eingeläppt. Das ist Handarbeit. Die Dichtprobe erfolgt mit Petroleum: Der Brennraum wird befüllt, und das Petroleum darf nicht in den Ansaug- oder Auslasskanal durchsickern.

Für Techniker: Zylinderkopf-Werkstatt-Toleranzen im Detail

Plan- und Oberflächentoleranzen

ParameterSollwert / ToleranzAnmerkung
Plan-Toleranz Aluminium (DIN 6900) längsmax. 0,03 mm / 100 mmHersteller teils enger, z. B. AMG und VAG TSI
Plan-Toleranz Aluminium (DIN 6900) quermax. 0,02 mm / 100 mmQuermaß kritischer wegen Brennraum-Übergang
Oberflächengüte nach PlanenRz 5–10 µmMessung mit Tastschnittgerät – Protokoll Pflicht
Maximale Plan-Zugabe bis Direkteinspritzer-Limitca. 0,3 mm GesamtabtragDarüber: Verdichtung zu hoch, Klopfregelung am Limit

Ventil- und Stößelwerte

ParameterSollwertAnmerkung
Ventilführungs-Spiel (instandgesetzt)0,03–0,06 mmVerschleiß-Grenze: > 0,15 mm → Führung tauschen
Ventilsitz-Breite Einlass1,2–1,8 mmNach Drei-Winkel-Schliff 30°/45°/60°
Ventilsitz-Breite Auslass1,8–2,4 mmAuslasssitz thermisch stärker belastet
Ventilfederkraft (geschlossen)200–400 NHersteller-spezifisch, prüfen auf Federtisch
Ventilfederkraft (offen)600–1.100 NReduzierte Federkraft → Ventilsitz schlägt ein
Hydrostößel-Hubweg0,2–0,5 mmAußerhalb: Motor tickt oder Ventilsitze verbrennen

Druckprüfung und Anzug

ParameterSollwert
Wasserkanal-Druckprüfung2 bar bei 80 °C, 15 Minuten
Stehbolzen-Anzug (Drehmoment-Drehwinkel)60 Nm + 2 × 90° – Dehnschrauben, einmalig
Petroleum-Dichtprobe Ventilsitzkein Durchsickern in 2 Minuten

Materialkunde

AlSi8Cu3 (Turbo-Direkteinspritzer, Diesel): höhere Festigkeit bei Temperatur, schwerer schweißbar. AlSi7Mg (Sauger, mittellastige Motoren): gut schweißbar, gute Wärmeleitfähigkeit 130–180 W/mK. Risse unter 4 mm Tiefe zwischen den Ventilsitzen: reparierbar durch Aufschweißen und Neufräsen.

Werkstatt-Befunde an Klassikern

Wer regelmäßig mit Zylinderköpfen arbeitet, kennt die typischen Schadensbilder. Sie wiederholen sich bei bestimmten Motorbaureihen mit ermüdender Vorhersagbarkeit:

Risse zwischen den Ventilsitzen: Klassischer Befund bei thermisch hoch belasteten Motoren. Der Steg zwischen Ein- und Auslassventil ist die dünnste Stelle des Brennraums. Lokale Überhitzung, ausgelöst durch Klopfen, magere Verbrennung oder Kühlmittel­mangel, führt zu Haarrissen. Diese sind reparabel – durch Aufschweißen und Neufräsen –, aber nur, wenn die Risstiefe unter 4 mm bleibt.

Ventilführungs-Verschleiß über 0,15 mm Spiel: Hauptursache für hohen Ölverbrauch bei älteren Motoren. Das Öl wird über die Ventilschäfte in den Brennraum gezogen. Wir sehen das gehäuft bei Sechszylinder-Saugern aus den 90ern und frühen 2000ern, die mit minderwertigem Öl gefahren wurden.

Stehbolzen-Abriss bei der Demontage: Bei Köpfen, die nie demontiert wurden und in Salzklima gefahren sind, reißt fast immer mindestens ein Stehbolzen ab. Das ist kein Werkstatt-Fehler, sondern Materialermüdung plus Korrosion. Die Folge: Bohren und Gewinde­einsatz, im schlimmsten Fall Helicoil oder Time-Sert.

Vorkammer-Verbrennung bei älteren Diesel-Motoren: Vorkammer-Diesel haben die thermische Belastung in der Vorkammer konzentriert. Bei OM601/OM602/OM603 sehen wir typisch verbrannte Vorkammern, die einzeln getauscht werden können, ohne den ganzen Kopf zu ersetzen.

Klopfanfällige Kammer­geometrie: Bestimmte Brennraum­geometrien neigen unter modernem Sprit (E10) zum Klopfen. Wenn die Kammer­geometrie nicht stimmt, hilft auch das beste Steuergerät nicht. Hier zählt der Befund am Brennraum – Erosion an den Quetschflächen ist ein eindeutiges Indiz.

Materialkunde: Welches Aluminium liegt vor

Nicht jeder Aluminium-Zylinderkopf ist gleich. Die häufigsten Legierungen sind:

AlSi8Cu3: Hochfeste Legierung mit Kupfer-Anteil, verwendet bei thermisch hoch belasteten Motoren (Turbo-Direkteinspritzer, viele Diesel). Vorteil: bessere Festigkeit bei hohen Temperaturen. Nachteil: schwerer schweißbar.

AlSi7Mg: Standardlegierung für viele Sauger und mittellastig belastete Motoren. Gut schweißbar, gute Wärmeleitfähigkeit, aber unter hoher Last weniger formstabil.

Wärmeleitfähigkeit: Zwischen 130 und 180 W/mK, je nach Legierung. Das ist ein Schlüsselwert für die thermische Stabilität – ein Kopf mit guter Wärmeleitfähigkeit kühlt schneller und neigt weniger zu Hot Spots.

Gussfehler – Lunker und Mikroporosität: Bei der Erstprüfung in der Werkstatt finden wir gelegentlich Gussfehler, die im Neuzustand unentdeckt blieben und erst durch jahrelange thermische Wechselbeanspruchung zutage treten. Lunker sind Hohlräume im Gefüge, Mikroporosität ist eine fein verteilte Porung. Beides führt zu thermisch induzierter Rissbildung.

Werkstatt-Marken-Profile

BMW N42 / N46 – Der Zylinderkopf-Klassiker

Die N42- und N46-Baureihen aus 3er E46 und 5er E60 sind in unserer Werkstatt häufige Gäste. Typischer Befund: Riss am Brennraum­steg in Verbindung mit Vanos-Defekten und Steuerketten-Schäden. Der Zylinderkopf ist als Konstruktion ordentlich, leidet aber unter den Kettenproblemen der Baureihe. Wir arbeiten hier über ISTA und kennen die typischen Fehlerbilder im Detail.

Mercedes M111 / M271 / M156 – Drei Generationen, drei Befunde

Der M111 ist robust, neigt aber zu Kopfdichtungs-Verlust nach 250.000 km. Planen genügt meist. Der M271 ist berüchtigt für seine Steuerketten­schäden, die bei Versagen den Zylinderkopf in Mitleidenschaft ziehen. Der M156 (AMG V8) ist eine eigene Kategorie – hier sehen wir Ventilsitz­probleme an den Auslassseiten, die nur durch fachgerechte Instandsetzung dauerhaft behoben werden.

VAG TSI 1.4 EA111 – Kopfverzug durch lokale Überhitzung

Der 1.4 TSI aus der EA111-Familie hat ein konstruktives Thema: Bei kombinierter Aufladung (Kompressor und Turbolader) entstehen lokale Temperaturspitzen, die den Zylinderkopf verziehen. Wir prüfen diese Köpfe mit besonderer Sorgfalt auf den Plan-Wert.

Diesel OM651 – Ventilsitz-Verschleiß

Der OM651 von Mercedes ist ein guter Motor, hat aber an den Auslassventilen Ventilsitz-Verschleiß. Bei Laufleistungen über 200.000 km finden wir hier gehäuft eingeschlagene Sitze. Fräsen und neue Ventile, dann läuft der Motor weitere 150.000 km.

XENTRY / ODIS / ISTA: Adaptionen nach der Revision

Ein revidierter Zylinderkopf ist mechanisch wiederhergestellt – aber das Motorsteuergerät weiß davon nichts. Nach jeder Zylinderkopf-Instandsetzung sind elektronische Adaptionen erforderlich:

Hydrostößel-Anpassung: Das Steuergerät lernt die neuen Hub­wege ein. Ohne diese Adaption tickt der Motor in den ersten Sekunden nach dem Kaltstart hörbar – die hydraulischen Spielausgleichs­elemente brauchen den Lernzyklus.

Nockenwellen-Sensor-Adaption: Insbesondere bei BMW (Vanos) und Mercedes (variable Steuerzeiten) muss die exakte Lage der Nockenwelle relativ zur Kurbelwelle nach der Revision neu erlernt werden. Bei BMW geschieht das über ISTA, bei Mercedes über XENTRY, bei VAG über ODIS.

Klopfsensor-Adaption: Nach dem Planen ändert sich das Verdichtungs­verhältnis minimal. Das Steuergerät passt die Klopfregelung an. Diese Adaption läuft im Betrieb automatisch ab, sollte aber überprüft werden.

Lambdaregelung und Gemisch­adaption: Nach der Revision wird die Gemischbildung neu eingelernt. Ein “Reset” der Langzeit­adaption ist Pflicht, sonst regelt das Steuergerät auf veraltete Korrekturwerte.

In unserer Werkstatt führen wir alle diese Adaptionen direkt nach der Endmontage durch. Wir haben offiziellen Zugang zu XENTRY, ODIS und ISTA – das ist Voraussetzung dafür, dass nach einer fachgerechten Instandsetzung auch das Steuergerät auf dem aktuellen Stand ist.

Werkstatt-Kostentabelle Zylinderkopf-Instandsetzung

LeistungKostenrahmen
Plan-Operation (gereinigter Kopf)280–450 €
Magnaflux-Rissprüfung80–140 €
Druckprüfung Wasserkanäle60–110 €
Ventilsitz fräsen (pro Sitz)18–32 €
Ventilführung wechseln (pro Stück)35–55 €
Komplett-Revision (inkl. Plan, Ventilen, Führungen, Dichtungen)950–1.650 €
Austauschkopf (instandgesetzt, ohne Anbauteile)1.400–2.800 €
XENTRY/ODIS/ISTA-Adaption nach Revision80–140 €

Diese Werte sind Werkstatt-Erfahrungswerte für gängige Vier- und Sechszylinder­motoren. AMG-V8, BiTurbo-Sechser oder seltene Klassiker werden individuell kalkuliert. Der Kostenrahmen versteht sich als Orientierung – ein verbindliches Angebot erstellen wir nach der Befundung und Vermessung in unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck.

12 Werkstatt-Erkenntnisse aus der Praxis

  1. Ein verzogener Zylinderkopf zeigt fast immer asymmetrische Werte – längs anders als quer. Daraus lässt sich auf die Schadens­ursache zurückschließen.
  2. Wer nach dem Planen die Oberflächengüte nicht prüft, riskiert eine erneute Kopfdichtungs-Reklamation innerhalb von 6 Monaten.
  3. MLS-Dichtungen sind nicht “selbstheilend” – sie verlangen exakt die richtige Rauheit, sonst funktionieren sie nicht.
  4. Stehbolzen-Abrisse sind kein Fehler des Schraubers, sondern Materialermüdung. Pauschal alle Stehbolzen­gewinde zu prüfen ist trotzdem Pflicht.
  5. Hydrostößel müssen vor der Montage in Motoröl entlüftet werden, sonst klappert der Motor minutenlang nach dem ersten Start.
  6. Ventil­läpp-Paste ist kein Ersatz für fachgerechtes Fräsen. Wer mit Paste nur drüberläppt, schiebt das Problem maximal 5.000 km nach hinten.
  7. Bei Kopfverzug über 0,2 mm ist Planen zwar technisch möglich, aber meist nicht sinnvoll – das Verdichtungs­verhältnis verschiebt sich zu stark.
  8. Vor dem Festziehen der Zylinderkopfschrauben werden die Bohrungen im Block sorgfältig vom Restöl befreit. Eingeschlossenes Öl täuscht das richtige Drehmoment vor.
  9. Die Zylinderkopfschrauben sind in den meisten modernen Motoren Dehnschrauben – nach einmaliger Verwendung werden sie ersetzt, nicht wiederverwendet.
  10. Bei Direkteinspritzern muss nach jeder Kopf­demontage die Einspritz­ventil-Adaption neu eingelernt werden.
  11. Ein revidierter Zylinderkopf braucht eine schonende Einlaufphase über 500–1.000 km, um die Ventilsitze einzulaufen.
  12. Die Substanz eines hochwertigen Aluminium-Zylinderkopfs ist nahezu unbegrenzt – mit fachgerechter Instandsetzung kann ein Kopf zwei bis drei Motoren­leben überdauern.

Häufige Fragen aus dem Werkstattalltag

Welche Hersteller-Vorgaben gelten für die Plan-Toleranzen?

Die Hersteller orientieren sich an DIN 6900, geben aber teilweise engere Werte vor. BMW gibt für die meisten Motoren 0,03 mm Längs / 0,02 mm Quer pro 100 mm vor. Mercedes-Benz arbeitet mit ähnlichen Werten, teilweise enger bei AMG-Motoren. VAG hat für TSI/TFSI-Motoren schärfere Vorgaben, weil die hohe Verdichtung weniger Verzug toleriert. In unserer Werkstatt arbeiten wir grundsätzlich nach Hersteller-Vorgabe, mindestens aber nach DIN 6900.

Was ist der Unterschied zwischen Rissprüfung und Druckprüfung?

Die Magnaflux-Wirbelstromprüfung erkennt Haarrisse im Grundmaterial – insbesondere die typischen Risse zwischen den Ventilsitzen, die mit bloßem Auge unsichtbar bleiben. Die Druckprüfung der Wasserkanäle mit 2 bar bei 80 °C und 15 Minuten Haltezeit deckt Mikroporositäten im Gussgefüge auf, die nur unter thermischer Ausdehnung lecken. Beide Prüfungen zusammen sind die Grundlage für die Instandsetzungs-Entscheidung.

Warum werden Zylinderkopfschrauben nach jeder Demontage erneuert?

Zylinderkopfschrauben sind Dehnschrauben: Sie werden beim Anzug über die Streckgrenze hinaus gedehnt und behalten diese Vorspannung dauerhaft. Wer eine bereits verwendete Dehnschraube erneut anzieht, erreicht wegen der Materialermüdung nicht mehr die ursprüngliche Klemmkraft. Im schlimmsten Fall reißt sie. Wir erneuern Zylinderkopfschrauben bei jedem Kopfausbau ohne Ausnahme.

Werkstatt-Kontakt KFZ Dietrich

KFZ Dietrich – der Meisterbetrieb für Diagnose, Motoreninstandsetzung und Werterhalt in Hardegsen-Gladebeck. Wir führen die Zylinderkopf-Instandsetzung als planbaren Werkstattprozess durch, vom Befund über die Bearbeitung bis zur Adaption per XENTRY, ODIS oder ISTA. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Für Unternehmer bieten wir auch die DGUV-Prüfung an.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine Befundung Ihres Zylinderkopfs benötigen oder eine zweite Einschätzung zu einem vorliegenden Befund wünschen. Wir nehmen uns die Zeit für eine substantielle Beratung.

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Häufig gestellte Fragen

Wie oft kann ein Aluminium-Zylinderkopf geplant werden?

Üblicherweise zwei- bis dreimal über das Motorleben, abhängig von der Wandstärke und vom Verdichtungsverhältnis. Bei modernen Direkteinspritzern mit hoher Verdichtung ist das Planen restriktiver – schon 0,3 mm abgetragenes Material kann die Klopfregelung an ihre Grenzen bringen. Wir prüfen vor jedem Planvorgang die verbleibende Reserve und entscheiden, ob Planen sinnvoll ist oder ein Austauschkopf die bessere Lösung darstellt.

Lohnt sich eine Zylinderkopf-Revision oder ist ein Austauschmotor wirtschaftlicher?

Das hängt vom Fahrzeug und vom Befund ab. Bei einem Fahrzeug, dessen Substanzwert deutlich über dem Revisionsaufwand liegt, ist die Instandsetzung fast immer die wirtschaftlichere Lösung. Bei einem Klassiker oder einem Fahrzeug mit besonderem Wert spricht zusätzlich der Substanzerhalt für die Revision – ein originaler, fachgerecht revidierter Kopf erhält die Originalität des Fahrzeugs. Wir erstellen nach der Befundung eine transparente Gegenüberstellung.

Warum ist die Oberflächengüte nach dem Planen so kritisch?

Moderne Mehrlagen-Stahl-Dichtungen (MLS) haben eine Mikro-Sicke aus Federstahl, die sich exakt in die Rauheit der Dichtfläche einformt. Bei Rz unter 5 µm fehlt der mikroskopische Formschluss – die Dichtung rutscht. Bei Rz über 10 µm sind die Rauheitsspitzen zu hoch, die Sicke kommt nicht in Vollkontakt. Beides führt zu vorzeitigem Dichtungsverlust. Wir messen daher nach jedem Planvorgang mit dem Tastschnittgerät und dokumentieren das Messprotokoll.

Was bedeutet Drehmoment-Drehwinkel-Verfahren beim Zylinderkopf-Anzug?

Moderne Zylinderkopfschrauben sind Dehnschrauben – sie werden absichtlich plastisch gedehnt, um eine gleichmäßige und dauerhafte Klemmkraft zu erzeugen. Das Verfahren: 60 Nm Vorspannung, dann 2 × 90° Drehwinkelanzug. Der Drehwinkel ist präziser als ein rein drehmomentbasierter Anzug, weil er die tatsächliche Dehnung steuert. Zylinderkopfschrauben sind nach einmaliger Verwendung zu erneuern – keine Wiederverwendung.

Wie lange dauert eine Komplett-Revision in Ihrer Werkstatt?

Vom Eingang bis zur Auslieferung des einbaufertigen Zylinderkopfs rechnen wir mit 5 bis 10 Werktagen. Die reine Bearbeitungszeit beträgt 6–12 Stunden, hinzu kommen Reinigung, Befundung, Rissprüfung, Druckprüfung und Endkontrolle. Bei Klassikern oder seltenen Motoren kann die Beschaffungszeit für Ventile oder Vorkammern den Prozess verlängern. Den verbindlichen Termin nennen wir nach der Befundung.

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