Bremsenprüfstand: Verfahren und Messablauf in der Werkstatt

Wie ein Bremsenprüfstand arbeitet, welcher Messablauf auf dem Rollenprüfstand erfolgt und was wir dabei an Bremskraft, Differenz und Ovalität ermitteln.

Bremsenprüfstand: Verfahren und Messablauf in der Werkstatt
TL;DR – Bremsenprüfstand: Verfahren und Messablauf
  • Der Rollenprüfstand misst die Bremskraft jedes Rades objektiv – statt einer Einschätzung aus der Probefahrt.
  • Geprüft werden Bremskraft pro Rad, Differenz links/rechts je Achse, Gleichmäßigkeit über die Radumdrehung und die Feststellbremse.
  • Eine Bremskraftdifferenz deckt festsitzende Sättel, verstopfte Leitungen und ungleichen Verschleiß auf.
  • Schwankt die Bremskraft über eine Radumdrehung, deutet das auf Ovalität oder Verzug der Bremsscheibe hin.
  • Das Messprotokoll ist die Grundlage für eine faktenbasierte, nachvollziehbare Entscheidung.

Warum ein Bremsenprüfstand das Fahrgefühl ersetzt

Die Bremse ist das sicherheitsrelevanteste System eines Fahrzeugs. Ihre Wirkung lässt sich auf der Straße nur grob einschätzen: Das Pedal fühlt sich gut an, das Fahrzeug verzögert ausreichend, kein Ziehen spürbar. Diese subjektive Wahrnehmung reicht nicht aus, um eine Aussage über den tatsächlichen Zustand zu treffen. Ein leicht festsitzender Sattel, eine beginnende Ovalität der Scheibe oder eine moderate Differenz zwischen den Rädern bleiben im Alltag oft unbemerkt – bis es zur kritischen Situation kommt.

Der Bremsenprüfstand löst dieses Problem. Er misst die Kräfte an jedem Rad einzeln und macht Abweichungen sichtbar, die kein Fahrer erfühlen kann. Statt einer Vermutung liefert er einen Befund. Genau das ist unser Anspruch bei KFZ Dietrich: Wir stellen keine Vermutungen an, wir messen.

Der Rollenprüfstand: So ist er aufgebaut

Der in Werkstätten verbreitete Bremsenprüfstand ist ein Rollenprüfstand. In den Boden eingelassen befinden sich je Fahrspur zwei motorisch angetriebene Rollen. Das Fahrzeug fährt mit einer Achse auf diese Rollen, sodass jedes Rad zwischen zwei Walzen liegt.

Die Motoren treiben die Rollen und damit die Räder mit einer definierten, niedrigen Geschwindigkeit an. Betätigt der Fahrer die Bremse, wirkt diese der Antriebskraft entgegen. Eine Messeinrichtung erfasst über das Reaktionsmoment am Antrieb, wie stark jedes Rad gebremst wird. Eine Tasteinrichtung erkennt zusätzlich den Schlupf, also den Moment, in dem das Rad gegenüber der Rolle zu blockieren beginnt.

Wichtig: Der Rollenprüfstand prüft die Bremse, nicht den Fahrer. Die Messung erfolgt bei niedriger Geschwindigkeit und unter kontrollierten Bedingungen, sodass das Ergebnis reproduzierbar ist und sich mit früheren Messungen oder Sollwerten vergleichen lässt.

Der Messablauf Schritt für Schritt

Ein sauberer Messablauf folgt einer festen Reihenfolge. So gehen wir vor:

Vorbereitung. Wir prüfen Reifendruck und Reifenzustand, denn beides beeinflusst die Kraftübertragung auf die Rollen. Das Fahrzeug wird gerade auf den Prüfstand gefahren, die Achse mittig positioniert.

Achsweise Messung. Die Rollen werden gestartet und drehen beide Räder der Achse. Der Fahrer betätigt das Bremspedal langsam und gleichmäßig steigend. Während die Bremskraft zunimmt, zeichnet der Prüfstand die Werte für das linke und das rechte Rad getrennt auf – bis zum Erreichen der maximalen Bremskraft oder bis zum Blockieren.

Auswertung der Achse. Aus den aufgezeichneten Kurven ermitteln wir die maximale Bremskraft je Rad, die Differenz zwischen den Rädern und den Verlauf über die Radumdrehung.

Zweite Achse. Der Vorgang wiederholt sich für die zweite Achse.

Feststellbremse. Abschließend prüfen wir die Feststellbremse, in der Regel an der Hinterachse, ebenfalls auf Bremskraft und Gleichmäßigkeit.

Der Verschleißzustand von Belägen und Scheiben gehört zur Bremsenprüfung dazu. Wie wir Beläge messen und ihre Verschleißgrenze beurteilen, beschreiben wir im Detail unter Bremsbelag-Verschleißsensor: Funktion und Wechsel.

Was wir konkret aus den Messwerten ablesen

Der Prüfstand liefert mehrere Größen, die jeweils einen eigenen Aspekt der Bremsanlage beleuchten.

Bremskraft pro Rad. Der Grundwert. Er zeigt, wie viel Bremskraft jedes einzelne Rad aufbringt. Eine zu geringe Bremskraft an einem Rad weist auf einen festsitzenden Kolben, einen verölten Belag oder einen verstopften Bremsschlauch hin.

Bremskraftdifferenz je Achse. Dies ist eine der aussagekräftigsten Größen. Bremsen das linke und das rechte Rad einer Achse unterschiedlich stark, zieht das Fahrzeug beim Bremsen zur Seite. Eine zu hohe Differenz ist sicherheitsrelevant und ein klarer Reparaturanlass. Häufige Ursache ist ein einseitig festsitzender Bremssattel, dessen Führungsbolzen oder Kolben nicht mehr frei beweglich sind.

Gleichmäßigkeit über die Radumdrehung (Ovalität). Schwankt die Bremskraft eines Rades periodisch während einer Umdrehung, läuft die Bremsscheibe nicht rund. Ursachen sind Verzug durch thermische Überlastung, ungleichmäßiger Verschleiß oder Korrosionsablagerungen. Diese Schwankung spürt der Fahrer später als Rubbeln oder Pulsieren im Pedal. Der Prüfstand erkennt sie bereits, bevor sie deutlich fühlbar wird.

Feststellbremswirkung. Die Feststellbremse muss das Fahrzeug sicher halten können. Wir prüfen ihre Bremskraft und ob sie gleichmäßig auf beide Räder wirkt.

Vom Befund zur Entscheidung

Das Messprotokoll ist kein Selbstzweck. Es ist die Grundlage für eine nachvollziehbare Entscheidung. Zeigt der Prüfstand eine erhöhte Differenz an der Vorderachse, prüfen wir gezielt die Sattelmechanik und die Leitungen dieser Achse, statt pauschal Teile zu ersetzen. Erkennt der Prüfstand eine Ovalität, klären wir, ob die Scheibe planschleifbar ist oder ersetzt werden muss.

Dieser Weg – erst messen, dann gezielt instandsetzen – schont die Substanz und vermeidet überflüssige Arbeiten. Welche Schritte ein vollständiger Bremsenservice umfasst und wie er sich in den Werterhalt einfügt, ordnen wir auf bremsen.kfz-dietrich.com ein. Die normativen Grenzwerte und die HU-Relevanz der Bremswirkung behandeln wir gesondert unter Bremsenprüfstand nach DIN 70028.

Für Techniker: Schlupferkennung und Reibwert auf der Rolle

Der Rollenprüfstand erfasst die Bremskraft über das an den Antriebsmotoren wirkende Reaktionsmoment. Eine integrierte Schlupf-Abschaltung stoppt den Antrieb, sobald der Schlupf zwischen Reifen und Rolle einen Grenzwert überschreitet – typischerweise um 27 Prozent –, damit das Rad nicht durchdreht und der gemessene Maximalwert dem realen Kraftschluss entspricht. Der Reibwert zwischen Reifen und Rollenoberfläche begrenzt die maximal darstellbare Bremskraft; deshalb beeinflussen nasse oder stark abgefahrene Reifen das Ergebnis. Bei Allradfahrzeugen sind besondere Mess- und Sicherheitsvorgaben zu beachten, da angetriebene Achsen auf dem Rollensatz unkontrolliert mitdrehen können. Die periodische Bremskraftschwankung über eine Radumdrehung quantifizieren wir als prozentuale Abweichung vom Mittelwert; sie korreliert mit dem Seitenschlag der Scheibe und damit mit dem später spürbaren Pedalrubbeln.

KFZ Dietrich: Bremsenprüfstand in Hardegsen-Gladebeck

KFZ Dietrich ist die spezialisierte Werkstatt für Diagnose und Werterhalt in Südniedersachsen. Wir betreuen Kunden aus Northeim, Göttingen, Einbeck, Bad Gandersheim und der gesamten Region.

Für die Bremsenprüfung verfügen wir über einen Rollenprüfstand, der die Bremskraft beider Achsen radgenau misst und dokumentiert. So entscheiden wir faktenbasiert: Was verschlissen oder festgesetzt ist, wird instand gesetzt; was lediglich gereinigt und justiert werden muss, behandeln wir entsprechend. Ich, Nils Dietrich, beurteile den Befund persönlich und erläutere ihn Ihnen nachvollziehbar anhand des Messprotokolls.

Kontakt und Termin:

KFZ Dietrich, Meckelstraße 8, 37181 Hardegsen Telefon: 05505 5236 Öffnungszeiten: Mo–Fr 07:30–16:30 Uhr

Weiterführend: https://bremsen.kfz-dietrich.com · https://reparatur.biz

Häufig gestellte Fragen

Wie läuft eine Bremsenmessung auf dem Rollenprüfstand ab?

Das Fahrzeug fährt achsweise auf zwei angetriebene Rollen. Diese drehen die Räder mit konstanter Geschwindigkeit, während Sie das Bremspedal langsam betätigen. Sensoren messen die Bremskraft an jedem einzelnen Rad und vergleichen sie. Wir ermitteln so die Bremskraft pro Rad, die Differenz zwischen linkem und rechtem Rad einer Achse, die Gleichmäßigkeit über eine Radumdrehung sowie das Verhalten der Feststellbremse. Der gesamte Vorgang dauert wenige Minuten pro Achse und liefert ein objektives, dokumentierbares Ergebnis statt einer Schätzung aus der Probefahrt.

Was bedeutet eine Bremskraftdifferenz an einer Achse?

Eine Differenz bedeutet, dass das linke und das rechte Rad einer Achse nicht gleich stark bremsen. Das Fahrzeug zieht dann beim Bremsen zur stärker bremsenden Seite – ein Sicherheitsrisiko, besonders bei einer Vollbremsung. Ursachen sind häufig ein festsitzender Bremssattel, ein verstopfter Bremsschlauch, ungleichmäßiger Belagverschleiß oder Korrosion an der Bremsscheibe. Der Rollenprüfstand macht diese Differenz sichtbar, bevor sie im Fahrverhalten spürbar wird. Wir grenzen die Ursache anschließend gezielt ein und beheben sie.

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