AMG-Fahrzeuge bieten per XENTRY-Codierung mehr als die Standard-Konfiguration. Die werksseitige Softwareausstattung nutzt nicht immer das volle Potenzial der verbauten Hardware – gezielte Codierung erschließt zusätzliche Funktionen.
Was bei AMG-Fahrzeugen per Codierung möglich ist
- AMG Performance Exhaust: Klappenlogik per XENTRY im werkseitig vorgesehenen Rahmen anpassen
- Individual-Profile tiefer codieren als über das MMI-Menü zugänglich (Lenkung, Gas, Getriebe)
- AMG TRACK PACE nur dort nutzbar, wo Ausstattung und digitales Widescreen es vorsehen
- Motor-Kennfelder bleiben unberührt – ECU-Tuning ist kein Teil von XENTRY-Codierung
- Änderungen am Geräusch- und Abgasverhalten berühren die Betriebserlaubnis – wir lehnen sie ab
AMG Performance Exhaust – Sound-Modus: Bei Fahrzeugen mit AMG Performance Exhaust (Klappenanlage) lässt sich das Klappenverhalten in den einzelnen Fahrmodi im Rahmen der werkseitig vorgesehenen Konfiguration anpassen. Die Ansteuerung der Abgasklappe unterscheidet sich je nach Baureihe: Ältere Anlagen arbeiten mit Unterdruck über einen Vakuumaktuator, neuere Anlagen der M177-Generation mit elektrischen Stellern. In beiden Fällen steuert das Motorsteuergerät die Klappe abhängig von Fahrmodus und Drehzahl. Beim C63 W205 und E63 W213 gibt es zusätzlich die Option, die Klappenstellung mit dem Individual-Profil zu verknüpfen, sodass der gewählte Sound-Modus beim nächsten Motorstart wiederhergestellt wird.
Was wir nicht anbieten: eine dauerhaft offene Klappenstellung als Standard-Zustand beim Motorstart. Die Klappenstellung ist geräuschrelevant, und Stand- sowie Fahrgeräusch sind in den Fahrzeugpapieren eingetragen. Eine Konfiguration, die diese Werte berührt, wäre kein Komfortthema mehr – deshalb lehnen wir sie ab, statt sie zu bewerben.
Individual-Konfiguration speichern: XENTRY erlaubt tiefere Codierung der Individual-Profile als der Fahrer über das MMI-Menü einstellen kann. Im Fahrzeug-Menü sind die Einstellmöglichkeiten auf vordefinierte Stufen begrenzt. XENTRY gibt je nach Baureihe Zugriff auf die Rohparameter: Lenkungshärte (Rückstellmoment und Servounterstützung in feinen Abstufungen), Gaspedal-Charakteristik (Kennlinie zwischen Pedalweg und Drosselklappenöffnung), Getriebelogik (Schaltpunkte, Schaltgeschwindigkeit, Doppelkupplungs-Timing beim AMG SPEEDSHIFT) und bei Fahrzeugen mit aktiver Wankstabilisierung deren Kennlinie. Diese aktive Wankstabilisierung ist eine separate 48-Volt-Option einzelner Baureihen und nicht mit der Luftfederung AIRMATIC identisch – beides wird häufig verwechselt. Die Parameter werden im Steuergerät gespeichert und bleiben auch nach Software-Updates erhalten.
AMG TRACK PACE: Das System zeigt Rundenzeiten, G-Kräfte (longitudinal und lateral) und detaillierte Fahrdaten auf dem Kombiinstrument oder dem MBUX-Display, zeichnet Sektorzeiten auf und ermöglicht den Vergleich zwischen verschiedenen Runden. Nutzbar ist es nur dort, wo es in der Fahrzeugkonfiguration vorgesehen ist und ein kompatibles digitales Widescreen-Kombiinstrument verbaut ist – bei analogem Kombiinstrument ist TRACK PACE nicht darstellbar. Weil jede Konfiguration gegen das Mercedes-Backend validiert wird, sind ausschließlich die vorgesehenen Konfigurationspfade nutzbar: Eine Funktion, die für Ihr Fahrzeug nicht angelegt ist, schalten wir nicht frei. Wir prüfen beim Auslesen, was tatsächlich vorliegt.
Ambientebeleuchtung-Erweiterung: Einige AMG-Modelle haben werksseitig begrenzte Farb- oder Helligkeits-Optionen für die Ambientebeleuchtung. Die LED-Module in den Türverkleidungen, dem Armaturenbrett und der Mittelkonsole können technisch mehr Farben darstellen als im Standard freigegeben sind. Per XENTRY-Codierung: volle Palette der verbauten Hardware – bis zu 64 Farben statt der werksseitig begrenzten Auswahl. Beim W213 mit dem erweiterten Ambientepaket lassen sich zusätzlich die Lichtszenarien (Welcome, Leaving, Active) individuell konfigurieren.
Digitales Tacho-Layout: Bei AMG-Fahrzeugen mit digitalem Kombiinstrument kann das Anzeige-Layout per Codierung angepasst werden. Rundenzähler-Anzeige, Schaltpunktanzeige mit LED-Leiste, oder das klassische AMG-Zentraldrehzahlmesser-Layout – je nach Baureihe stehen verschiedene Darstellungen zur Verfügung.
Was nicht geändert wird
Motor-Kennfeld (ECU-Tuning) ist kein Teil der XENTRY-Codierung. XENTRY kann die Leistungskennfelder des Motorsteuergeräts nicht verändern – das Motorsteuergerät ist kryptographisch geschützt und akzeptiert keine nicht-signierten Kennfeldänderungen. Wenn Leistungssteigerung gewünscht ist: das ist ein separater Prozess über Chiptuning mit speziellen Flashtools, nicht über XENTRY. Codierung ändert keine sicherheitsrelevanten Parameter (ABS-Regellogik, Airbag-Auslöseschwellen, ESP-Eingriffsgrenzen) ohne expliziten Auftrag und nur im Rahmen der vom Hersteller vorgesehenen Parameterbereiche.
Getriebesteuerung bei SPEEDSHIFT MCT und 9G-Tronic: was codierbar ist
AMG-Fahrzeuge nutzen je nach Baujahr unterschiedliche Getriebesteuerungen – und das macht einen Unterschied bei der Codierung.
SPEEDSHIFT MCT (Multi-Clutch-Technologie, C63 W205, E63 W213): Das MCT ist kein Doppelkupplungsgetriebe, sondern ein Automatgetriebe, bei dem eine nasse Anfahrkupplung an die Stelle des hydrodynamischen Wandlers tritt. Der Mercedes-AMG GT (C190) gehört ausdrücklich nicht in diese Reihe: Er fährt das SPEEDSHIFT DCT, ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Bauweise an der Hinterachse. Die Schaltkennlinien für die Sport-Stufen liegen im Mechatronik-Steuergerät. Per XENTRY lassen sich Schaltgeschwindigkeit und Schaltpunkte je Fahrmodus im Rahmen der vorgesehenen Parameterbereiche anpassen. Eingriffe mit direktem Bezug zur Antriebsstrangbelastung, etwa an der Launch-Control-Freigabe, nehmen wir nicht vor.
9G-Tronic (AMG-Derivate wie GLC 43 der Baureihe X253, dazu Baureihen ohne MCT): Die 9G-Tronic ist ein klassischer hydrodynamischer Wandlerautomat mit neun Fahrstufen und arbeitet in den AMG-Modellen der 43er-Linie ebenso wie in Nicht-AMG-Baureihen. Nicht gemeint ist damit die Ausstattungslinie AMG Line – die ist eine Optik- und Ausstattungsvariante, kein AMG-Modell, und bringt keinen AMG-Parametersatz mit. Schaltpunkt-Codierung ist hier weniger präzise als beim MCT, da die Hydrauliksteuerung andere Toleranzen hat. Was codierbar ist: Schaltanzeige im Kombiinstrument ein- und ausschalten, Schaltpaddel-Reaktionszeit bei deaktiviertem automatischem Rückschalten, Kickdown-Schwelle anpassen. Bei echten AMG-Derivaten mit 9G-Tronic wird in XENTRY ein separater AMG-Parametersatz geladen, der sich vom Standardparametersatz unterscheidet.
Ablauf einer AMG-Codierungssitzung
Der Ablauf einer XENTRY-Codierungssitzung folgt einem strukturierten Protokoll – damit jede Änderung nachvollziehbar und reversibel bleibt.
Vorbereitungsschritt – Zustandsdokumentation: Bevor wir einen einzigen Parameter ändern, lesen wir den vollständigen Ist-Zustand aller betroffenen Steuergeräte aus. XENTRY erstellt ein Protokoll mit den aktuellen SCN-Signaturen und den gespeicherten Parameterwerten. Dieses Dokument ist der Ausgangspunkt – bei Bedarf lässt sich jede Änderung auf diesen Zustand zurücksetzen. Wie lange das dauert, hängt von der Anzahl der betroffenen Steuergeräte ab.
Codierungsschritt – parametrische Änderung: Die gewünschten Parameter werden in XENTRY gesetzt. Für SCN-codierte Steuergeräte wird die neue Konfiguration gegen die Mercedes-Backend-Server validiert – das Fahrzeug muss online sein (XENTRY online). Die Validierung dauert in der Regel unter 60 Sekunden. Lokale Parameter (z.B. Ambientebeleuchtung, Kombiinstrument-Layout) werden direkt ins Steuergerät geschrieben, ohne Backend-Kontakt.
Abnahmefahrt und Dokumentation: Nach der Codierung folgt eine kurze Funktionsprüfung im Fahrbetrieb. Bei Exhaust-Konfigurationen prüfen wir die Klappenreaktion in den einzelnen Fahrmodi, bei Anzeigethemen die Darstellung auf dem Kombiinstrument. Das Werkstattprotokoll hält den Vorher-Nachher-Zustand, die SCN-Signaturen und die durchgeführten Änderungen fest – Sie erhalten dieses Dokument bei Abholung.
Zeitaufwand: Er hängt vom Umfang, von der Baureihe und von der Anzahl der betroffenen Steuergeräte ab. Einen verbindlichen Rahmen nennen wir, nachdem wir den Ausstattungsstand ausgelesen und den Umfang festgelegt haben.
Rechtliches
Reine Profil- und Anzeigeeinstellungen ohne Außenwirkung bleiben im typgenehmigten Zustand, solange ausschließlich werksseitig vorgesehene Konfigurationsoptionen genutzt werden. Pauschal gilt das aber nicht für jede Komfort-Codierung: Sobald ein Eingriff nach außen wirkt – Beleuchtungsfunktionen mit lichttechnischer Relevanz, Anzeigen mit Bezug zu vorgeschriebenen Warnfunktionen und insbesondere alles, was Geräusch- oder Abgasverhalten betrifft – ist die Betriebserlaubnis nach §19 StVZO berührt. Eine dauerhaft offene Klappenanlage im Fahrbetrieb kann Lärmschutzauflagen verletzen. Wir prüfen deshalb bei Sound-Themen die eingetragenen Geräuschwerte, kommunizieren jede Änderung vorher, dokumentieren sie – und lehnen ab, was diese Grenzen berührt.
Für Techniker: SCN-Codierung, ODX-Pakete und die Grenzen der AMG-Kennfelder
SCN-Signatur und ODX-Parameterstruktur
Die SCN-Codierung (Software Calibration Number) bildet bei AMG-Fahrzeugen das Rückgrat der herstellerseitigen Konfiguration. Jedes codierbare Steuergerät besitzt eine SCN-Signatur, die gegen Mercedes-Backend-Server validiert wird – erst mit gültiger Signatur akzeptiert das Steuergerät einen neuen Datenstand. Für AMG-spezifische Parameter liegen separate ODX-Container im XENTRY-Ressourcenpfad. ODX (Open Diagnostic Data Exchange) beschreibt in strukturierten XML-Bäumen, welche Parameter ein Steuergerät kennt, welche Wertebereiche zulässig sind und welche Abhängigkeiten zu anderen Steuergeräten bestehen.
Die Motorsteuergeräte der AMG-Baureihen unterscheiden sich über die Generationen hinweg erheblich: Der M156 (6,2 l Saugmotor) stammt aus dem Jahr 2006 und liegt damit technisch und zeitlich weit vor dem M157 (5,5 l Biturbo), den M177/M178 (4,0 l Biturbo V8) und dem M139 (2,0 l Reihenvierzylinder in A45, CLA45 und – als elektrifizierte Hybrid-Variante mit Heckachs-E-Maschine – im C63 W206). Eine pauschale Zuordnung zu einer bestimmten Steuergeräte-Plattform ist deshalb nicht seriös; maßgeblich ist der Stand des konkreten Fahrzeugs, den wir auslesen. Gemeinsam ist allen Generationen, dass die Kennfelder für Zündung, Einspritzung und Ladedruck kryptographisch signiert sind. XENTRY kann diese Kennfelder nicht verändern – der Zugriff ist auf parametrische Konfiguration beschränkt: Welche Fahrmodi werden im MBUX angeboten, welche Schaltkennlinie wird dem SPEEDSHIFT-Getriebe übergeben, welche Klappenposition wird im Sport+ angefordert.
Wie ein Küchenchef, der ein Gericht ausschließlich aus den Zutaten komponiert, die im Haus vorrätig sind, beschränken wir uns bei der Codierung auf die herstellerseitig vorgesehenen Konfigurationspfade. Bei Sound-Codierungen prüfen wir zusätzlich die Standgeräusch-Eintragung in den Fahrzeugpapieren – liegt der ursprüngliche Wert nahe der zulässigen Obergrenze, dokumentieren wir das Delta und beraten zur weiteren Vorgehensweise. Jede Änderung wird im Werkstattprotokoll mit Vorher-Nachher-Zustand hinterlegt.
AMG-Codierung oder Funktionen freischalten? Nennen Sie uns Fahrzeug, Baureihe und gewünschte Funktionen über die Warteliste – wir prüfen was möglich ist.
Haben Sie Fragen zu Ihrem Mercedes? Schreiben Sie uns direkt über die Warteliste – wir beraten Sie fundiert und markenspezifisch.
Weiterführende Informationen
- Mercedes-Benz Diagnose & Programmierung
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