TL;DR: Jeder Scheibenwechsel mit integrierter Frontkamera macht eine ADAS-Kalibrierung zur Pflicht. Glas- und Karosseriebetriebe ohne eigene Kalibrieranlage können diese Leistung an KFZ Dietrich auslagern – das Fahrzeug bleibt Ihr Auftrag, Sie erhalten das Prüfprotokoll.
Warum Ihre Kunden nach dem Scheibenwechsel eine ADAS-Kalibrierung benötigen
Moderne Fahrzeuge tragen hinter der Windschutzscheibe eine Frontkamera, die zahlreiche Fahrerassistenzsysteme mit Bilddaten versorgt: Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung und – in neueren Fahrzeugen – Systeme zur halbautomatischen Spurführung. Diese Kamera ist werksseitig präzise auf einen definierten Referenzpunkt ausgerichtet.
Sobald die Windschutzscheibe ausgebaut und neu eingesetzt wird, verändert sich die optische Achse der Kamera um Bruchteile eines Grades. Klingt nach wenig – ist es in der Praxis nicht. Eine Abweichung von einem halben Grad entspricht auf 50 Meter Fahrtdistanz einem seitlichen Versatz von fast einem halben Meter. Der Notbremsassistent erkennt ein Hindernis zu spät. Der Spurhalteassistent schlägt an, obwohl das Fahrzeug korrekt fährt – oder bleibt stumm, obwohl es die Spur verlässt.
Das ist kein theoretisches Szenario. Hersteller, Reparaturleitfäden und Versicherungen schreiben die Kalibrierung nach jedem Scheibenwechsel mit Frontkamera verbindlich vor. Wird dieser Schritt nicht dokumentiert, entstehen für Ihren Betrieb haftungsrechtliche Risiken, wenn es im Nachgang zu einem Unfall kommt.
Als Glas- oder Karosseriebetrieb steht Ihnen damit eine klare Aufgabe ins Haus: Die Kalibrierung ist Teil des vollständigen Reparaturauftrags. Sie selbst eine Kalibrieranlage zu betreiben, ist wirtschaftlich jedoch für die meisten Betriebe nicht darstellbar.
Statische, dynamische und kombinierte Kalibrierung – was ist der Unterschied?
Die Herstellervorgaben unterscheiden grundsätzlich drei Verfahren, und nicht jedes Fahrzeug lässt sich mit jedem Verfahren kalibrieren.
Statische Kalibrierung erfolgt im Stand. Das Fahrzeug wird auf einem ebenen Untergrund positioniert, eine Zieltafel in definiertem Abstand vor dem Fahrzeug aufgestellt und die Kalibrierung über die Diagnosesoftware gestartet. Vorbedingungen sind korrekte Fahrzeughöhe, korrekter Reifendruck und – bei Systemen mit Fahrwerksbezug – dokumentierte Spurwerte. Die Methode ist präzise und vollständig dokumentierbar, setzt aber Platz und eine ebene, messbare Standfläche voraus.
Dynamische Kalibrierung wird während einer Fahrt durchgeführt. Das Diagnosegerät ist angeschlossen, das System lernt seine Referenzwerte anhand von Fahrbahnmarkierungen. Vorteil: geringerer Platzbedarf in der Werkstatt. Nachteil: Die Fahrtstrecke muss klar markierte Linien aufweisen, Witterung und Lichtverhältnisse können das Ergebnis beeinflussen, und die Dokumentation ist weniger direkt als bei der statischen Methode.
Kombinierte Kalibrierung schreiben manche Hersteller vor, wenn beide Sensorsysteme – Kamera und Radarsensor – im Verbund kalibriert werden müssen. Das ist bei Fahrzeugen mit ACC (Adaptive Cruise Control) häufig der Fall, wenn Scheibentausch und eine Reparatur im Frontbereich zusammenfallen.
Welches Verfahren angewendet wird, bestimmt der Hersteller – nicht der Betrieb. Wir entnehmen die Vorgabe dem jeweiligen Reparaturleitfaden und dokumentieren das Verfahren im Prüfprotokoll.
Ablauf als Auftragsarbeit: Ihr Kunde, Ihr Auftrag
Die Zusammenarbeit ist so gestaltet, dass Ihr Betrieb der Ansprechpartner für den Kunden bleibt.
Schritt 1 – Vorabinformation: Sie teilen uns Marke, Modell, Baujahr und Ausstattungsumfang mit. Wir prüfen, welches Kalibrierverfahren vorgeschrieben ist, und nennen Ihnen Aufwand und Zeitbedarf.
Schritt 2 – Übergabe: Das Fahrzeug kommt nach abgeschlossenem Scheibenwechsel zu uns. Alternativ koordinieren wir einen Termin direkt mit Ihrem Kunden, wenn das für Ihren Betriebsablauf praktikabler ist. In jedem Fall kommunizieren wir gegenüber dem Kunden als Ihr Subunternehmer.
Schritt 3 – Vorbedingungen prüfen: Vor der Kalibrierung kontrollieren wir Reifendruck, Fahrzeugneigung und – falls vorgeschrieben – die Spurwerte. Sind die Vorbedingungen nicht erfüllt, informieren wir Sie, bevor wir fortfahren.
Schritt 4 – Kalibrierung: Wir führen die Kalibrierung mit herstellerspezifischer Software durch – XENTRY für Mercedes-Benz und Smart, ODIS für Fahrzeuge der VW-Gruppe, ISTA für BMW und Mini. Für weitere Marken setzen wir zugelassene Mehrmarken-Kalibriersysteme ein.
Schritt 5 – Prüfprotokoll: Nach abgeschlossener Kalibrierung erhalten Sie ein vollständiges Protokoll mit den Ist-Werten vor und nach der Kalibrierung, dem angewendeten Verfahren, Datum, Kilometerstand und verwendeter Softwareversion. Dieses Dokument gehört in Ihre Auftragsdokumentation – und schützt Sie im Zweifelsfall.
Marken und Diagnosesysteme: Herstellerzugang als Qualitätsmerkmal
Der entscheidende Unterschied zwischen einer Kalibrierung mit herstellerspezifischer Software und einer Kalibrierung mit einem universellen Aftermarket-Tool liegt im Detailgrad der Systemzugriffe. Herstellerwerkzeuge lesen interne Diagnosewerte aus, schreiben Kalibrierparameter in das Steuergerät zurück und dokumentieren den Vorgang im fahrzeugeigenen Fehlerspeicher.
Wir verfügen über offiziellen Zugang zu:
- XENTRY – Mercedes-Benz, Smart, AMG-Modelle
- ODIS – Volkswagen, Audi, Skoda, Seat, Cupra
- ISTA – BMW, Mini
Für alle weiteren Marken – darunter Ford, Opel, Stellantis-Fahrzeuge, Renault, Hyundai/Kia und andere – arbeiten wir mit professionellen Mehrmarken-Systemen, die die herstellerseitig vorgeschriebenen Kalibrierverfahren abbilden.
Die Abdeckung mit XENTRY, ODIS und ISTA ist kein Zufall. Mercedes-Benz, die VW-Gruppe und BMW zusammen machen nach unseren Auftragsdaten den größten Teil der Fahrzeuge aus, die in Glas- und Karosseriebetrieben unserer Region bewegt werden.
Investition oder Auslagerung: eine wirtschaftliche Einschätzung
Eine eigene statische Kalibrieranlage kostet im Einstiegsbereich zwischen 15.000 und 20.000 Euro, professionelle Mehrmarkenanlagen erreichen schnell 35.000 bis 40.000 Euro. Hinzu kommen laufende Kosten für Software-Abonnements, Zielplatten-Updates und den Schulungsaufwand für Ihre Mitarbeiter.
Für Betriebe, bei denen Kalibrieraufträge regelmäßig anfallen, kann sich diese Investition langfristig rechnen – das lässt sich nur anhand Ihrer konkreten Auftragszahlen beurteilen. Für Betriebe, bei denen Kalibrierungen ein Randthema sind oder bei denen die Anlage nur für einzelne Marken genutzt würde, ist die Auslagerung die wirtschaftlich sinnvollere Entscheidung.
Wir verstehen uns als verlässlicher Subunternehmer, der diese Nische für Sie abdeckt – ohne dass Sie in Infrastruktur investieren müssen, die Ihren Betriebsschwerpunkt nicht widerspiegelt.
Nächster Schritt
Wenn Sie ein Fahrzeug haben, bei dem nach dem Scheibenwechsel eine ADAS-Kalibrierung aussteht, nehmen Sie einfach Kontakt auf. Wir teilen Ihnen innerhalb kurzer Zeit mit, welches Verfahren für das jeweilige Fahrzeug erforderlich ist, und stimmen einen Termin ab.
Weitere Informationen zu unserem Leistungsangebot für Werkstätten und Fachbetriebe finden Sie auf unserer Übersichtsseite: Für Werkstätten & Fachbetriebe.
Für Anfragen zum Scheibenersatz mit ADAS-Kalibrierung aus einer Hand steht Ihnen auch unser Spezialdienst Scheibendoktor zur Verfügung.