Klimakompressor defekt: Werkstatt-Befund & R1234yf-Service

Werkstatt-Diagnose Klimakompressor: Magnetkupplung, Pleuel-Schaden, R134a/R1234yf-Service, Trockner-Tausch. KFZ Dietrich Hardegsen-Gladebeck.

Klimakompressor defekt: Werkstatt-Befund & R1234yf-Service
TL;DR
  • Klimakompressor: Riemengetriebene Taumelscheiben-Pumpe (Verbrenner) oder elektrischer Hochvolt-Kompressor (Hybrid/BEV) – OE-Hersteller Sankyo/Sanden, Denso, Calsonic.
  • Pleuel-Schaden erzeugt Metall-Späne im Kreislauf: Spülung des kompletten Systems ist Pflicht, Trockner und Expansionsventil müssen zwingend mitgetauscht werden.
  • Magnetkupplung: Sollwert 1,5–3 A Strom bei 12 V, Spulen-Widerstand 3–5 Ohm, Luftspalt 0,4–0,8 mm – Abweichungen sind eindeutig messbar.
  • Vakuum-Test vor Wiederbefüllung: ≤ 5 mbar Druck-Anstieg in 10 Minuten bei −34 mbar Ausgangs-Vakuum.
  • R1234yf (GWP 4) für Neufahrzeuge ab 2017 Pflicht; Bestandsfahrzeuge mit R134a (GWP 1430) dürfen nach F-Gas-Verordnung 517/2014 weiterhin mit R134a befüllt werden.

Architektur: So ist der Klimakompressor aufgebaut

Der Klimakompressor ist die Pumpe, die das gasförmige Kältemittel verdichtet und damit den Kreislauf aus Verdampfer, Trockner, Kondensator und Expansionsventil überhaupt erst antreibt. Ohne ihn fließt kein Kältemittel – und ohne Kältemittel keine Kühlung der Innenraumluft.

Riemen-Antrieb mit Magnetkupplung (klassisch)

Bei Verbrennungsmotoren wird der Kompressor über den Keilrippenriemen direkt von der Kurbelwelle angetrieben. Zwischen Riemenscheibe und Antriebswelle sitzt eine elektromagnetisch geschaltete Kupplung – die Magnetkupplung. Diese koppelt den Kompressor nur dann ein, wenn das Steuergerät den Stromfluss freigibt.

Die Sollwerte für eine funktionierende Magnetkupplung in unserer Werkstatt-Praxis:

  • Strom-Aufnahme: 1,5–3 A bei 12 V Bordnetz
  • Spulen-Widerstand: 3–5 Ohm bei 20 °C Außentemperatur
  • Luftspalt: 0,4–0,8 mm zwischen Kupplungs-Scheibe und Riemenscheibe

Schaltet die Kupplung nicht ein, kommt zuerst die Frage: Liegt überhaupt Spannung an? Wenn ja, ist die Spule meist defekt oder der Luftspalt zu groß.

Taumelscheibe mit Variabler Verdrängung

Moderne Klimakompressoren arbeiten innen mit einer Taumelscheibe (Wobble Plate). Über eine elektronisch angesteuerte Stelleinheit wird der Neigungswinkel der Scheibe verändert – damit auch der Hub der einzelnen Kolben. Das Steuergerät kann so die Kühlleistung stufenlos regeln, ohne die Kupplung permanent auf- und zuzuschalten.

Diese Bauform finden wir bei nahezu allen Mercedes-Benz-Modellen seit der W211-Generation, bei VAG-Fahrzeugen ab Plattform PQ35 und bei BMW ab E60. Die Stelleinheit ist über einen separaten Stecker angeschlossen und wird mit einem PWM-Signal angesteuert.

Elektrischer Hochvolt-Kompressor (Hybrid und BEV)

Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen entfällt der Riemenantrieb. Stattdessen kommt ein elektrischer Kompressor zum Einsatz, der direkt aus dem Hochvolt-Bordnetz gespeist wird. Diese Kompressoren laufen mit Spannungen zwischen 250 und 400 V und benötigen ein elektrisch isolierendes Spezial-Öl – meist ein PAO-Synthetik-Öl mit definierter Dielektrizitäts-Konstante.

Wichtig: Bei Hochvolt-Kompressoren ist die Arbeit am System nur durch Fachpersonal mit Hochvolt-Schulung zulässig. Wir führen diese Arbeiten in unserer Werkstatt nach den Vorgaben der jeweiligen Hersteller durch.

OE-Hersteller im Überblick

HerstellerTypische FahrzeugeBesonderheit
Sankyo (jetzt Sanden)Mercedes-Benz, BMWTaumelscheibe, sehr robust
DensoToyota, Lexus, VAGHohe Wirkungsgrade
Calsonic KanseiNissan, RenaultKompakt, leise
VisteonFord, GMVariable Verdrängung
Hanon (vormals Halla)Hyundai, Kia, VAGElektrisch für Hybrid/BEV

Kältemittel: R134a versus R1234yf

Seit dem 1. Januar 2017 dürfen Neufahrzeuge in der EU nur noch mit Kältemitteln befüllt werden, deren GWP-Wert (Global Warming Potential) unter 150 liegt. Damit ist R134a für Neufahrzeuge endgültig nicht mehr zulässig.

R134a – das langjährige Standard-Kältemittel

R134a (Tetrafluorethan, chemisch CH₂FCF₃) hat einen GWP von 1430. Es ist nicht brennbar, gut beherrschbar und in Bestandsfahrzeugen weiterhin zulässig. Wer einen W211, einen E90 oder einen Golf 5 fährt, wird beim Klimaservice in unserer Werkstatt weiterhin mit R134a befüllt.

R1234yf – der Nachfolger

R1234yf (2,3,3,3-Tetrafluorpropen) hat einen GWP von nur 4 – also rund 350-mal umweltverträglicher als R134a. Allerdings ist es leicht entzündlich (Sicherheitsklasse A2L), was die Anforderungen an Werkstatt-Geräte und Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

Beim Befüllen mit R1234yf muss zwingend ein dafür freigegebenes Klima-Service-Gerät verwendet werden – die Anschlüsse sind anders dimensioniert, um eine versehentliche Vermischung der beiden Kältemittel auszuschließen.

F-Gas-Verordnung 517/2014

Die europäische F-Gas-Verordnung regelt seit 2014 den Umgang mit fluorierten Treibhausgasen. Für die Werkstatt bedeutet das konkret:

  • Sachkundenachweis nach Kategorie I für jeden Mitarbeiter, der mit Klimaanlagen arbeitet
  • Recycling-Pflicht für entnommenes Kältemittel – kein Ablassen in die Atmosphäre
  • Dichtigkeitsprüfung bei jeder Wiederbefüllung
  • Dokumentations-Pflicht für jede Befüllung mit Datum, Menge und Fahrzeug-Daten

Die Top-7-Werkstatt-Befunde am Klimakompressor

Aus unserer Werkstatt-Praxis in Hardegsen-Gladebeck sehen wir bei Klimakompressor-Beanstandungen immer wieder die gleichen Befunde. Wir haben sie nach Häufigkeit sortiert.

1. Kompressor-Kupplung blockiert dauerhaft

Der Kompressor sitzt fest und die Magnetkupplung wird beim Versuch des Einkuppelns sofort als überlastet erkannt. Im Motorsteuergerät führt das zu einer Sicherungs-Auslösung oder zu einem Fehlercode in Richtung “Klimakompressor mechanisch blockiert”.

Häufige Ursache: Mangelschmierung durch Kältemittel-Verlust über längere Zeit. Wenn ohne Kältemittel weitergefahren wird, läuft auch das Klima-Öl nicht mehr im Kreislauf um – die Lager im Kompressor fressen.

Werkstatt-Empfehlung: Bei jedem Klimaservice die Kältemittel-Menge gewichten. Liegt mehr als 30 % unter Sollwert, ist eine Lecksuche zwingend, bevor neu befüllt wird.

2. Magnetkupplung schaltet nicht ein

Die Spannung am Stecker liegt an, aber die Kupplung schaltet nicht durch. Strom-Messung am Magnetspulen-Anschluss zeigt entweder gar keinen Stromfluss (Spule unterbrochen) oder einen Wert weit über 3 A (Kurzschluss im Spulen-Aufbau).

Sollwert-Strom: 1,5–3 A bei 12 V. Sollwert-Widerstand: 3–5 Ohm bei 20 °C. Werte außerhalb dieses Fensters sind eindeutig.

3. Pleuel-Schaden im Kompressor mit Spänen im Kreislauf

Der schwerste Befund. Die Pleuel- oder Kolben-Lager im Kompressor zerlegen sich und schicken Metall-Späne über die Druck-Leitung in den Kondensator, in den Trockner, ins Expansionsventil und in den Verdampfer.

In diesem Fall reicht es nicht, nur den Kompressor zu erneuern – das gesamte System muss gespült werden. In schweren Fällen tauschen wir Kondensator, Trockner und Expansionsventil komplett aus, weil sich die Späne in den Lamellen festsetzen und nicht mehr herauszuspülen sind.

4. Druckschalter B11/B12 defekt mit Wertedrift

Der Hochdruck-Schalter (bei Mercedes als B11/B12 codiert) gibt das Signal an das Steuergerät, ab welchem Druck die Kupplung abschalten muss. Drift dieser Sensoren ist ein Klassiker – die Klimaanlage schaltet zu früh ab oder gar nicht mehr ein.

Wir lesen mit XENTRY die Live-Werte aus und vergleichen mit dem Manometer-Wert am Service-Anschluss. Differenzen über 0,5 bar bei Hochdruck zeigen einen Sensor-Defekt eindeutig an.

5. Trockner gesättigt nach Lecksuche oder Reparatur

Der Trockner enthält ein Sintermaterial (Molekularsieb), das 5–15 g Wasser binden kann. Sobald das System einmal geöffnet war – sei es durch Lecksuche, Trocknertausch oder Kompressor-Wechsel – ist der Trockner gesättigt.

Wir tauschen den Trockner bei jedem Eingriff in den Kältemittel-Kreislauf grundsätzlich mit. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Sicherheits-Maßgabe der Hersteller. Ein gesättigter Trockner führt nach kurzer Zeit zu Eis-Bildung am Expansionsventil und damit zum erneuten Druck-Problem.

6. Klimaverdampfer-Verlust am Heizungs-Kasten

Der Verdampfer sitzt im Heizungs-Gehäuse unter dem Armaturenbrett. Wenn er undicht wird, riecht der Innenraum beim Einschalten der Klima nach süßlichem Lösungsmittel (der UV-Tracer oder das Klima-Öl).

Der Tausch ist aufwendig – das Armaturenbrett muss meist komplett herausgenommen werden. Bei Mercedes W211 rechnen wir mit etwa 6–8 Arbeits-Stunden, beim BMW E90 mit 5–7 Stunden.

7. Saugschlauch-Verschleiß durch Bewegung

Der Saugschlauch zwischen Verdampfer und Kompressor liegt im Motorraum und macht mit jeder Motor-Bewegung den Hub mit. Bei einer Lebensdauer von 250.000 Lastwechseln pro Jahr sind Verschleiß und Scheuer-Stellen typisch.

Die Lecksuche mit Stickstoff oder Formiergas zeigt den Defekt eindeutig – das Auge sieht ihn oft erst, wenn man den Schlauch ausgebaut hat. Wir prüfen bei jedem Klimaservice die Schläuche optisch und bei Verdacht mit Formiergas.


Der Werkstatt-Klimaservice mit XENTRY, ODIS und ISTA

Als KFZ-Werkstatt mit offiziellem Zugang zu den drei großen Diagnose-Systemen führen wir den Klimaservice nicht nur als reines Befüllen durch – wir lesen die Klimaanlage parallel über die Hersteller-Diagnose aus und vergleichen die elektronischen Werte mit den realen Druck-Werten am Service-Anschluss.

Werkstatt-Ausrüstung

In unserer Werkstatt arbeiten wir mit zwei Klima-Service-Geräten:

  • Bosch ACS 752 für R1234yf – mit integriertem UV-Tracer-Injektor und automatischer Spülung
  • Würth Mediator für R134a – Recycling-tauglich mit getrennten Kreisläufen für die beiden Kältemittel

Beide Geräte führen den kompletten Service vollautomatisch durch: Absaugen, Vakuum-Ziehen, Wiederbefüllen mit Öl und Tracer in der Hersteller-Soll-Menge.

Der Service-Ablauf in unserer Werkstatt

  1. Auslesen mit XENTRY/ODIS/ISTA – Fehler-Speicher, Druck-Werte, Stelleinheit-Ansteuerung
  2. Anschluss des Service-Geräts an die Hochdruck- und Niederdruck-Ports
  3. Recycling des vorhandenen Kältemittels – Trennung R134a/R1234yf am Gerät
  4. Vakuum-Halten auf 0,5–2 mbar für 20 Minuten – ohne Druck-Anstieg
  5. Lecksuche mit Formiergas (95 % N₂ / 5 % H₂) bei Auffälligkeiten im Vakuum-Test
  6. Wiederbefüllung mit Kältemittel, Öl und UV-Tracer in Hersteller-Soll-Menge
  7. Funktions-Prüfung im Fahrzeug-Stand und im Fahrbetrieb

Vakuum-Sollwert

Werkstatt-Standard für den Vakuum-Test:

WertSollwert
Vakuum erreicht nach 20 Minmindestens −34 mbar
Halt-Zeit ohne Druck-Anstiegmindestens 10 Minuten
Maximaler Druck-Anstieg≤ 5 mbar in 10 Min

Ein größerer Druck-Anstieg deutet entweder auf eine Undichtigkeit oder auf verbliebene Feuchtigkeit im System hin. In beiden Fällen darf nicht wiederbefüllt werden.

UV-Tracer und Lecksuche

Beim Wiederbefüllen geben wir einen UV-Tracer in den Kreislauf. Bei einer späteren Lecksuche zeigt sich die Stelle unter einer UV-Lampe mit Wellenlänge 400 nm als grün-gelb fluoreszierende Spur.

Bei akuten Leckage-Verdachten arbeiten wir zusätzlich mit Formiergas – ein Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch, das mit einem elektronischen Schnüffel-Sensor punktgenau detektierbar ist.


Werkstatt-Spezialfälle: Wenn der Schaden komplex wird

Wasserglas-Verfahren nach Pleuel-Schaden

Wenn der Kompressor sich innen zerlegt hat und Metall-Späne im Kreislauf sind, reicht eine normale Spülung mit Reinigungs-Flüssigkeit nicht aus. Bei besonders hartnäckigen Kontaminationen arbeiten wir mit dem Wasserglas-Verfahren – einem mehrstufigen Spül-Prozess mit verschiedenen Lösungsmitteln und anschließender Druck-Trocknung.

Konkret:

  1. Demontage Kompressor, Kondensator und Trockner
  2. Spülen der verbleibenden Leitungen mit speziellem Reinigungs-Mittel
  3. Druck-Luft-Trocknung mit Stickstoff
  4. Endoskopische Kontrolle der Leitungs-Innen-Seiten
  5. Einbau neuer Komponenten (Kompressor, Kondensator, Trockner, Expansionsventil)

Der Aufwand ist hoch, aber die Alternative – nur den Kompressor zu erneuern und zu hoffen – führt nahezu immer zum erneuten Pleuel-Schaden innerhalb weniger Wochen.

BMW-Klima und MQB-Klimaadapter

Bei BMW-Modellen mit der elektrischen Wasserpumpe (E90 und Nachfolger) ist die Klima-Stelleinheit über CAN angesteuert – ein Adapter-Set ist nötig, um die Werte mit ISTA korrekt auszulesen.

Bei VAG-Modellen auf der MQB-Plattform gibt es eine besondere Konstruktion am Hochdruck-Anschluss: eine Doppel-Schraube mit zusätzlichem Dichtungs-Sitz. Wer diese mit dem falschen Drehmoment anzieht (Sollwert: 10–13 Nm), erzeugt sofort wieder eine Leckage. Wir arbeiten hier mit kalibriertem Drehmoment-Schlüssel und neuen Dichtungen aus dem VAG-Original-Programm.


Klima-Öl: PAG versus PAO-Synthetik

Das Klima-Öl zirkuliert mit dem Kältemittel durch den gesamten Kreislauf und schmiert die Lager im Kompressor. Die Wahl des richtigen Öls ist kein Detail, sondern eine Pflicht.

Öl-TypVerwendungViskosität
PAG ISO VG 46R134a, Verbrenner-Kompressorenmittel
PAG ISO VG 100R134a, hochbelastete Kompressorenhoch
PAO-SynthetikR1234yf, Hochvolt-Kompressorenspeziell

Hochvolt-Kompressoren benötigen zwingend ein elektrisch isolierendes PAO-Synthetik-Öl mit definierter Dielektrizitäts-Konstante. Wer hier ein PAG-Öl einfüllt, verursacht einen Hochvolt-Schluss am Kompressor – mit Folgen für das gesamte Hochvolt-Netz.


Für Techniker: Klimaanlage – Werkstatt-Sollwerte, Normen und Diagnose-Messwerte

Kältemittel-Eigenschaften und Normen

KältemittelGWPSicherheitsklassePflicht ab
R134a (CH₂FCF₃)1430A1 – nicht brennbarBestandsfahrzeuge weiterhin zulässig
R1234yf (CF₃CF=CH₂)4A2L – leicht entzündlichNeufahrzeuge ab 01.01.2017
R744 (CO₂)1A1 – nicht brennbarElektrofahrzeuge (selten)

F-Gas-Verordnung EU 517/2014: Sachkundenachweis Kategorie I für alle Klimaanlagen-Arbeiten. Recycling-Pflicht: kein Ablassen in die Atmosphäre. Dokumentationspflicht: Datum, Menge, Fahrzeug, Kältemittel-Typ.

Sollwerte Magnetkupplung und Drucksystem

Magnetkupplung:

  • Strom-Aufnahme: 1,5–3,0 A bei 12 V Bordnetz
  • Spulen-Widerstand: 3–5 Ohm bei 20 °C Außentemperatur
  • Luftspalt Kupplungs-Scheibe/Riemenscheibe: 0,4–0,8 mm
  • Messmethode: Stromzange am Spulen-Stecker, Spaltmaß mit Fühlerlehre

Drucksollwerte im Stillstand bei 20 °C Außentemperatur:

  • Niederdruckseite: 4–5 bar (nach Sättigungsdruck-Tabelle für R134a bei 20 °C: 5,7 bar absolut)
  • Hochdruckseite: 11–17 bar (abhängig von Kondensator-Zustand und Umgebungstemperatur)
  • Druckabfall als Leck-Indiz: > 0,5 bar Differenz Hoch-/Niederdruckseite im Stillstand bei 5 min Beobachtungszeit

Vakuum-Test (Dichtheitsprüfung vor Wiederbefüllung):

  • Ausgangs-Vakuum: mindestens −34 mbar (entspricht ~96 % Vakuum bezogen auf Atmosphäre)
  • Haltezeit: 10 Minuten
  • Maximaler Druck-Anstieg: ≤ 5 mbar in 10 min
  • Ursachen bei Überschreitung: Systemleckage (Rauchgenerator-Test) oder verbliebene Restfeuchtigkeit im System

Klima-Öl-Spezifikationen

Öl-TypKältemittelISO-ViskositätBesonderheit
PAG 46R134aVG 46Standard Verbrenner-Kompressoren
PAG 100R134aVG 100Hochbelastete Kompressoren, z.B. Taumelscheibe >200 cm³
PAO-SynthetikR1234yf, HVVG 46/68Elektrisch isolierend – Dielektrizitätskonstante ε < 3,0

HV-Pflicht-Spezifikation: PAO-Öl für Hochvolt-Kompressoren muss einen spezifischen Widerstand > 10 GΩ·cm aufweisen. Falsche Öl-Spezifikation → Hochvolt-Schluss am Kompressor-Gehäuse → Gefahr für das gesamte HV-Netz.

Diagnose-Messwerte mit XENTRY/ODIS/ISTA

Mercedes B11/B12 Druckschalter (XENTRY): Live-Wert Hochdruck-Schalter versus Manometer-Messung. Toleranz: ≤ 0,5 bar Abweichung. > 0,5 bar → Sensor-Tausch.

VAG MQB Klima-Anschluss: Hochdruck-Doppel-Schraube Anzugsmoment 10–13 Nm mit kalibriertem Drehmoment-Schlüssel und neuen VAG-Original-Dichtungen. Falsches Drehmoment → sofortige Leckage an der Doppel-Dichtfläche.

UV-Tracer: Wellenlänge 400 nm (Nahes UV / Violett). Menge bei Wiederbefüllung: 5–10 ml je nach Kreislauf-Volumen. Haltbarkeit im System: 3–5 Jahre.


12 Werkstatt-Erkenntnisse zum Klimakompressor

  1. Pleuel-Schaden im Kompressor verteilt Späne im gesamten Kreislauf – Spülung mit Trockner-Tausch ist Pflicht
  2. Magnetkupplung mit Strom über 3 A weist auf Spulen-Kurzschluss hin – Tausch der Spule oder Kompressor-Wechsel
  3. R134a ist in Bestandsfahrzeugen weiterhin zulässig – nur Neufahrzeuge ab 2017 müssen R1234yf führen
  4. Trockner muss bei jedem Eingriff in den Kreislauf erneuert werden – kein Spielraum, keine Ausnahme
  5. Vakuum-Test mit weniger als 5 mbar Druck-Anstieg in 10 Min ist Voraussetzung für die Wiederbefüllung
  6. UV-Tracer wird bei jedem Service automatisch mit eingebracht – Lecksuche bei späterem Verdacht
  7. Verdampfer-Verlust im Heizungs-Gehäuse erkennt man am süßlichen Lösungsmittel-Geruch im Innenraum
  8. Saugschlauch zwischen Verdampfer und Kompressor verschleißt durch Motor-Bewegung – Sicht-Prüfung Pflicht
  9. Druckschalter B11/B12 drift mit der Zeit – Live-Werte mit XENTRY gegen Manometer-Wert prüfen
  10. Hochvolt-Kompressoren benötigen PAO-Synthetik-Öl – PAG-Öl erzeugt Hochvolt-Schluss
  11. Wasserglas-Verfahren ist nach Pleuel-Schaden der einzige saubere Weg zur kompletten System-Reinigung
  12. VAG MQB Klima-Anschluss mit Doppel-Schraube muss mit 10–13 Nm angezogen werden – falsches Drehmoment leckt sofort

Über uns – KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck

KFZ Dietrich ist ein Meisterbetrieb in Hardegsen-Gladebeck (Südniedersachsen) mit Schwerpunkt auf Diagnose, Steuergeräte-Programmierung und Klimaanlagen-Service.

Nils Dietrich ist KFZ-Mechatroniker und führt in unserer Werkstatt die anspruchsvollen Klimaanlagen-Reparaturen persönlich durch. Unser Betrieb verfügt über offiziellen Zugang zu XENTRY (Mercedes), ODIS (VW/Audi/Skoda/Seat) und ISTA (BMW/Mini) – damit lesen wir die elektronischen Klima-Werte auf Hersteller-Niveau aus.

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Für Unternehmer bieten wir zusätzlich die DGUV-Prüfung an.

Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie zu Ihrer Klimaanlage und entwickeln den passenden Service- oder Reparatur-Plan für Ihr Fahrzeug.


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Weiterführende Informationen:

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, dass mein Klimakompressor defekt ist?

Typische Anzeichen sind eine ausbleibende Kühlung trotz eingeschalteter Klima, ein lautes Klackern oder Schaben beim Einschalten der Klima, sichtbare Öl-Spuren am Kompressor-Gehäuse oder ein süßlicher Lösungsmittel-Geruch im Innenraum. Wir lesen in unserer Werkstatt mit XENTRY, ODIS oder ISTA die elektronischen Werte aus und prüfen parallel die Druck-Werte am Service-Anschluss.

Muss ich beim Klimaservice meines Bestandsfahrzeugs auf R1234yf wechseln?

Nein. Bestandsfahrzeuge, die ab Werk mit R134a befüllt wurden, dürfen weiterhin mit R134a wiederbefüllt werden – das ist über die F-Gas-Verordnung 517/2014 ausdrücklich geregelt. Ein nachträglicher Umbau auf R1234yf ist technisch aufwendig und in der Regel nicht wirtschaftlich sinnvoll.

Wie oft sollte ich den Klimaservice durchführen lassen?

Wir empfehlen alle zwei Jahre einen kompletten Klimaservice mit Recycling, Vakuum-Test und Wiederbefüllung. Klimaanlagen verlieren systemisch etwa 8–10 % Kältemittel pro Jahr über Schläuche und Dichtungen. Wer den Service hinauszögert, riskiert Mangelschmierung im Kompressor und den teuren Pleuel-Schaden.

Was passiert, wenn bei einem Pleuel-Schaden nur der Kompressor getauscht wird?

Wer nur den Kompressor erneuert, ohne das gesamte System zu spülen und Trockner sowie Expansionsventil zu tauschen, riskiert einen erneuten Schaden innerhalb weniger Wochen. Die Metall-Späne des zerstörten Kompressors setzen sich in den Lamellen des Kondensators und im Expansionsventil fest und gelangen zurück in den neuen Kompressor.

Können Sie auch Klimaanlagen von Hybrid- und Elektrofahrzeugen warten?

Ja. Wir sind als KFZ-Werkstatt mit Hochvolt-Schulung qualifiziert, an elektrischen Klima-Kompressoren zu arbeiten. Wir verwenden dabei ausschließlich das herstellerseitig freigegebene PAO-Synthetik-Öl mit der korrekten Dielektrizitäts-Konstante und arbeiten nach den Sicherheits-Vorgaben des jeweiligen Herstellers.

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