Steinschlag im Winter bei Frost reparieren

Warum Kälte einen Steinschlag schnell zum Riss wachsen lässt, welche Sofortmaßnahmen helfen und warum die Harzreparatur eine beheizte Werkstatt braucht.

Steinschlag im Winter bei Frost reparieren
TL;DR
  • Kälte lässt einen vorhandenen Steinschlag besonders schnell zum durchgehenden Riss wachsen – Auslöser ist der Temperaturunterschied zwischen warmer Innen- und kalter Außenseite, oft verstärkt durch Frostschutzheizung und Gebläse.
  • Niemals mit heißem Wasser oder Föhn enteisen: Der thermische Schock öffnet den Steinschlag zum Riss. Mechanisch enteisen, Heizung moderat anlaufen lassen.
  • Sofortmaßnahme: Einschlagstelle mit transparentem Klebeband abdecken, damit kein Schmutz und keine Feuchtigkeit eindringen – beides macht die Reparatur unmöglich.
  • Die Harzreparatur braucht Temperatur: Nur in einer beheizten Werkstatt erreicht das Harz die korrekte Viskosität und Aushärtung. Das ist unser klarer Vorteil im Winter.
  • Teilkasko übernimmt die Reparatur meist ohne Selbstbeteiligung; nach einem Scheibentausch ist bei Kamerafahrzeugen die ADAS-Kalibrierung zwingend.

Ein Steinschlag im Sommer ist ärgerlich. Ein Steinschlag im Winter ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Was am Vortag noch ein kleiner, münzgroßer Einschlag war, kann nach einer frostigen Nacht ein quer über die Frontscheibe laufender Riss sein. Der Grund dafür liegt nicht in mangelnder Sorgfalt des Fahrzeughalters, sondern in der Physik des Verbundglases bei Kälte. Wer die Zusammenhänge kennt, kann mit wenigen, ruhigen Maßnahmen verhindern, dass aus einer reparierbaren Stelle ein Fall für den vollständigen Scheibentausch wird. In diesem Beitrag erklären wir, warum Frost so gefährlich ist, welche Sofortmaßnahmen wirklich helfen und warum die fachgerechte Reparatur im Winter eine beheizte Werkstatt voraussetzt.

Warum Kälte und Frost einen Steinschlag wachsen lassen

Eine Frontscheibe ist kein einfaches Stück Glas, sondern ein Verbundsicherheitsglas aus zwei Glasschichten mit einer zähen Kunststofffolie dazwischen. Ein Steinschlag beschädigt zunächst nur die äußere Glasschicht und erzeugt dort einen kleinen Hohlraum mit feinen, vom Einschlag ausgehenden Mikrorissen. An den Spitzen dieser Mikrorisse konzentriert sich mechanische Spannung. Solange diese Spannung unter einem kritischen Wert bleibt, wächst der Riss nicht weiter. Genau dieses Gleichgewicht stört die Kälte.

Im Winter entsteht zwischen der Innen- und der Außenseite der Scheibe ein erheblicher Temperaturunterschied. Während Sie im Fahrzeug heizen, bleibt die Außenseite eisig kalt. Glas dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Erwärmt sich nun die Innenseite stärker als die Außenseite, dehnen sich die beiden Seiten der Scheibe unterschiedlich stark aus. Das Ergebnis ist eine zusätzliche Zugspannung im Glas, die sich genau dort entlädt, wo das Material bereits geschwächt ist: an der Spitze des Steinschlags. Der Riss beginnt zu wachsen.

Entscheidend ist dabei, dass Glas ein spröder Werkstoff ist. Im Gegensatz zu Metall, das sich unter Belastung leicht verformt und Spannungsspitzen so abbaut, kennt Glas praktisch keine plastische Verformung. Eine einmal überschrittene Belastungsgrenze führt nicht zu einer langsamen Dehnung, sondern zum schlagartigen Risswachstum. Genau deshalb springt ein Riss im Winter oft binnen Sekunden quer über die Scheibe, ohne Vorwarnung. Der Steinschlag selbst wirkt dabei wie eine Kerbe: An seiner feinsten Spitze wird die anliegende Spannung um ein Vielfaches verstärkt. Was bei einer intakten Scheibe nur eine harmlose Wärmespannung wäre, wird an dieser Kerbe zur auslösenden Last. Die Kälte liefert über den Temperaturunterschied permanent die Energie, die der Riss zum Wachsen braucht.

Hinzu kommt die typische winterliche Belastung im Fahrbetrieb: Streusalz, Schmutzwasser, häufige Stop-and-go-Fahrten und schlecht geräumte Straßen mit Schlaglöchern. Jede dieser mechanischen Einwirkungen addiert sich zur thermischen Grundspannung. Ein Steinschlag, der im milden Herbst noch monatelang unverändert geblieben wäre, gerät im Winter in eine Phase ständig wechselnder Belastungen – und genau dieser Wechsel zwischen Spannung und Entlastung treibt das Risswachstum an.

Heizung und Defrost als typische Auslöser

Der gefährlichste Moment ist häufig der Start an einem frostigen Morgen. Die Scheibe ist von außen vereist, der Innenraum eiskalt. Wird jetzt die Frontscheibenheizung oder das Gebläse sofort auf die höchste Stufe geschaltet, trifft warme Luft schlagartig auf die kalte Innenseite. Der Temperatursprung ist genau die Belastung, die einen ruhenden Steinschlag in einen durchgehenden Riss verwandelt. Viele Fahrzeughalter berichten, dass der Riss exakt in dem Augenblick durch die Scheibe „gesprungen” ist, in dem die Heizung anlief.

Eindringende Feuchtigkeit, die gefriert

Hinzu kommt ein zweiter Mechanismus. In einen offenen Steinschlag dringt Feuchtigkeit ein – Schmelzwasser, Regen, kondensierende Luftfeuchtigkeit. Friert dieses Wasser im Hohlraum des Einschlags, dehnt es sich beim Übergang in Eis aus. Diese Volumenzunahme wirkt wie ein winziger Keil, der den Riss von innen heraus auseinandertreibt. Mehrere Frost- und Tauwechsel hintereinander setzen diesen Keilmechanismus wiederholt in Gang. Das erklärt, warum ein über Wochen ignorierter Steinschlag gerade in einer Frostperiode plötzlich reißt.

Die eingedrungene Feuchtigkeit ist aus einem weiteren Grund problematisch: Sie macht die spätere Reparatur unmöglich. Damit das Reparaturharz fest mit dem Glas verbindet, muss der Hohlraum vollständig trocken und sauber sein. Hat sich erst einmal Wasser, Streusalz oder Schmutz im Schaden festgesetzt, lässt sich keine dauerhaft tragfähige und optisch saubere Reparatur mehr ausführen. Was als reparabler Steinschlag begann, wird dann zum Fall für den vollständigen Scheibentausch – nicht weil der Riss zu groß geworden wäre, sondern weil die Schadstelle verschmutzt ist. Im Winter, in dem Streusalz und Schmelzwasser allgegenwärtig sind, läuft dieser Verschmutzungsprozess besonders schnell ab.

Warum mobile Reparatur im Winter an Grenzen stößt

Viele Fahrzeughalter denken bei einem Steinschlag an einen mobilen Service, der vor der Haustür oder auf dem Parkplatz repariert. Im Sommer ist das eine vertretbare Lösung. Im Winter jedoch fehlt im Freien die wichtigste Voraussetzung für eine fachgerechte Harzreparatur: eine definierte, gleichbleibende Temperatur. Bei Minusgraden lässt sich weder die Scheibe ausreichend vorwärmen noch das Harz auf die korrekte Verarbeitungstemperatur bringen. Das Ergebnis ist eine unvollständige Füllung der Mikrorisse und eine unzureichende Aushärtung. Eine kontrollierte Reparatur gelingt im Winter nur unter Dach, in einer beheizten Werkstatt – und genau das ist der Punkt, an dem wir uns von der mobilen Konkurrenz unterscheiden.

Sofortmaßnahmen: was Sie jetzt tun sollten

Wenn Sie im Winter einen frischen Steinschlag entdecken, entscheidet Ihr Verhalten in den ersten Stunden oft darüber, ob eine Reparatur noch möglich ist. Die folgenden Maßnahmen sind ruhig und einfach umzusetzen – und sie wirken.

Einschlagstelle abkleben. Decken Sie den Steinschlag von außen mit einem Stück transparentem Klebeband ab. Das verhindert, dass Schmutz, Streusalz und Feuchtigkeit in den Hohlraum eindringen. Beides ist der Hauptgrund, warum ein anfangs reparierbarer Steinschlag binnen weniger Tage nicht mehr instand gesetzt werden kann. Kleben Sie nicht in das direkte Sichtfeld, sondern nur über die Schadstelle, und entfernen Sie das Band vor der Fahrt, falls es die Sicht beeinträchtigt.

Kein Heißföhnen, kein heißes Wasser. So verständlich der Wunsch nach einer schnell freien Scheibe ist – heißes Wasser oder ein Heißluftföhn sind im Winter bei einem vorhandenen Steinschlag der sicherste Weg zum Riss. Der punktuelle Hitzeschock erzeugt genau die thermische Spannung, die das Glas an der geschwächten Stelle aufreißt. Enteisen Sie stattdessen mechanisch mit einem Eiskratzer.

Heizung moderat anlaufen lassen. Schalten Sie die Frontscheibenheizung und das Gebläse nicht sofort auf die höchste Stufe, sondern lassen Sie die Scheibe langsam und gleichmäßig warm werden. Eine sanfte Erwärmung hält den Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite klein und reduziert die Spannung im Glas.

Erschütterungen meiden. Schlaglöcher, Bordsteinkanten und harte Türschläge übertragen Stöße auf die Scheibe und können den geschwächten Bereich zusätzlich belasten. Fahren Sie bis zum Reparaturtermin vorausschauend und vermeiden Sie unnötige Vibrationen.

Zeitnah beurteilen lassen. Senden Sie uns ein Foto des Steinschlags per WhatsApp. Wir beurteilen, ob eine Reparatur möglich ist, und nennen Ihnen den nächsten Schritt. Gerade im Winter gilt: Was heute noch reparierbar ist, kann nach der nächsten Frostnacht ein Fall für den Tausch sein.

Warum die Harzreparatur Temperatur braucht – unsere beheizte Werkstatt

Die Steinschlag-Reparatur erfolgt im Injektionsverfahren. Eine Vakuumpumpe entzieht dem Einschlag die eingeschlossene Luft, anschließend wird unter kontrolliertem Druck ein UV-härtendes Spezialharz in den Hohlraum und die feinen Mikrorisse gedrückt. Das Harz füllt die Schadstelle vollständig aus und wird unter UV-Licht ausgehärtet. Damit dieser Vorgang gelingt, muss das Harz die richtige Viskosität haben – es muss dünnflüssig genug sein, um auch in die feinsten Risse zu fließen, und es muss vollständig durchhärten.

Genau hier liegt das Problem bei Kälte. Sinkt die Temperatur, wird das Reparaturharz zäh. Es fließt nicht mehr vollständig in die feinen Verästelungen des Schadens, es bleiben Lufteinschlüsse zurück, und die Aushärtung ist unvollständig. Das Ergebnis einer Reparatur bei Frost im Freien wäre eine optisch unsaubere, mechanisch unzureichende Stelle, die der Belastung nicht standhält. Eine fachgerechte Steinschlag-Reparatur bei Minustemperaturen im Freien ist deshalb nicht vertretbar.

Aus diesem Grund ist unsere beheizte Werkstatt im Winter ein entscheidender Vorteil. Wir bringen sowohl die Scheibe als auch das Harz auf die erforderliche Verarbeitungstemperatur. Das Harz erreicht die korrekte Viskosität, fließt vollständig in alle Mikrorisse und härtet zuverlässig aus. So gelingt die Reparatur auch im Januar mit der vollen Festigkeit, die wir auch im Sommer erreichen. Während mobile Anbieter im Winter an ihre Grenzen stoßen, arbeiten wir das ganze Jahr unter kontrollierten, gleichbleibenden Bedingungen. Mehr zu den technischen Grenzen einer Reparatur finden Sie in unserem Beitrag Steinschlag Frontscheibe – Reparatur oder Tausch?.

Für Technikinteressierte: Bruchmechanik im Verbundglas, Vakuum-Harz-Injektion und ADAS-Kalibrierung

Eine Verbundsicherheitsglas-Frontscheibe besteht aus zwei Floatglas-Schichten von je rund 2,1 mm und einer dazwischen einlaminierten PVB-Folie (Polyvinylbutyral, etwa 0,76 mm). Der Steinschlag erzeugt in der äußeren Glasschicht einen Hohlraum mit radial auslaufenden Mikrorissen. Die Bruchmechanik beschreibt, dass an der Spitze eines solchen Risses ein Spannungsfeld konzentriert wird; überschreitet die dort wirkende Zugspannung den materialspezifischen kritischen Wert, wächst der Riss schlagartig weiter. Glas ist ein Werkstoff, der nahezu keine plastische Verformung kennt – es gibt keinen „Puffer”, der Spannungsspitzen abbaut. Genau das macht es so empfindlich gegenüber thermisch erzeugten Zugspannungen.

Im Winter entsteht ein Temperaturgradient quer durch den Scheibenaufbau: Die beheizte Innenseite ist deutlich wärmer als die vereiste Außenseite. Da sich Glas bei Erwärmung ausdehnt, will sich die warme Innenseite stärker ausdehnen als die kalte Außenseite. Weil beide Schichten fest mit der PVB-Folie verbunden sind, kann sich diese unterschiedliche Dehnung nicht frei einstellen – es entsteht eine Biege- und Zugspannung in der Ebene der Scheibe. An der Spitze des vorhandenen Steinschlags addiert sich diese thermisch erzeugte Spannung zur ohnehin vorhandenen Kerbspannung. Wird der kritische Wert überschritten, läuft der Riss los. Punktuelle Hitze, etwa durch heißes Wasser oder einen Föhn, erzeugt einen besonders steilen lokalen Gradienten und damit eine besonders hohe lokale Spannung – deshalb ist sie so zuverlässig schädlich. Gefrierendes Wasser im Hohlraum wirkt zusätzlich über die rund neunprozentige Volumenzunahme beim Phasenübergang von Wasser zu Eis und erzeugt einen mechanischen Spaltdruck direkt an der Rissspitze.

Die Vakuum-Harz-Injektion arbeitet gegen diese Schwächung. Zunächst wird über eine Brücke mit Vakuumzylinder die Luft aus dem verzweigten Hohlraumsystem evakuiert (typische Werte im Bereich weniger Dutzend Millibar absolut), anschließend wird das Harz unter Überdruck eingepresst. Das verwendete UV-Harz ist auf einen Brechungsindex von etwa 1,52 abgestimmt – denselben Wert wie das Glas. Diese Anpassung des Brechungsindex sorgt dafür, dass Licht an der Reparaturstelle nicht abgelenkt wird und der Schaden nach der Aushärtung optisch nahezu verschwindet. Die Viskosität des Harzes ist temperaturabhängig: Bei Kälte steigt sie stark an, die Kapillarwirkung in den feinsten Rissen lässt nach, und es bleiben Hohlstellen. Deshalb ist die definierte Werkstatttemperatur keine Bequemlichkeit, sondern eine technische Voraussetzung für die Restfestigkeit, die nach fachgerechter Reparatur typischerweise im Bereich von rund 80 bis 95 Prozent liegt.

Wird statt der Reparatur ein Tausch nötig, kommt bei Fahrzeugen mit Frontkamera hinter dem Innenspiegel die ADAS-Kalibrierung hinzu. Die Kamera versorgt Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtassistent mit Bilddaten. Schon eine Lageabweichung der Kamera im Bereich von Zehntelgrad verschiebt den berechneten Zielpunkt auf größere Entfernung um mehrere Dezimeter. Nach jedem Scheibentausch ist die Kamera deshalb mit dem herstellerspezifischen System neu zu kalibrieren – XENTRY für Mercedes, ODIS für den VW-Konzern, ISTA für BMW. Generische Diagnosegeräte beherrschen diese Kalibrierung nicht. Die Justage erfordert eine ebene Fläche, eine herstellerspezifisch positionierte Kalibriertafel und je nach Modell eine anschließende dynamische Kalibrierfahrt.

Reparatur oder Tausch – im Winter gilt dieselbe Regel

An den Kriterien, ob ein Steinschlag reparierbar ist, ändert der Winter nichts. Reparabel ist eine Schadstelle in der Regel dann, wenn ihr Durchmesser unter etwa drei Zentimetern liegt, sie sich außerhalb des direkten Sichtfelds des Fahrers befindet, kein Riss in die Tiefe gelaufen ist und weder Schmutz noch Feuchtigkeit eingedrungen sind. Ein Tausch wird nötig, sobald ein durchgehender Riss vorliegt, der Schaden im Sichtfeld liegt, mehrere Einschläge dicht beieinander sitzen oder die Schadstelle den Scheibenrand und damit die strukturelle Verklebung erreicht.

Die folgende Übersicht fasst die maßgeblichen Kriterien zusammen. Sie ersetzt keine fachliche Beurteilung, gibt Ihnen aber eine verlässliche erste Orientierung.

KriteriumSpricht für ReparaturSpricht für Tausch
Größe des SchadensUnter etwa drei Zentimetern DurchmesserGroßflächiger Schaden oder ausgelaufener Riss
Lage auf der ScheibeAußerhalb des direkten Sichtfelds des FahrersIm direkten Sichtfeld des Fahrers
Riss vorhanden?Punktueller Einschlag ohne durchgehenden RissDurchgehender oder bis zum Rand gelaufener Riss
Abstand zum ScheibenrandAusreichender Abstand zur VerklebungSchaden erreicht den Rand und die strukturelle Verklebung
Anzahl der EinschlägeEinzelner EinschlagMehrere Einschläge dicht beieinander
Zustand der SchadstelleSauber und trockenSchmutz, Streusalz oder Feuchtigkeit eingedrungen
TiefeNur äußere Glasschicht betroffenSchaden reicht bis zur PVB-Folie oder Innenscheibe

Der entscheidende Unterschied im Winter ist das Tempo, mit dem ein Schaden die Grenze zwischen reparierbar und nicht mehr reparierbar überschreitet. Kälte, Frostwechsel und Heizung beschleunigen das Risswachstum erheblich. Deshalb lautet unsere Empfehlung im Winter besonders nachdrücklich: einen Steinschlag zeitnah beurteilen und instand setzen lassen, bevor die Physik die Entscheidung trifft. Eine ausführliche Darstellung der Schadensbilder und der jeweils richtigen Lösung finden Sie unter Steinschlag reparieren oder Frontscheibe tauschen?. Warum die Frontscheibe als Verbundglas grundsätzlich anders auf Schäden reagiert als die Seiten- und Heckscheiben aus Einscheibensicherheitsglas, erläutern wir im Beitrag Verbundglas und Einscheibenglas im Vergleich.

Warum sich die Reparatur fast immer lohnt

Eine fachgerechte Harzreparatur stellt die Festigkeit der Scheibe an der Schadstelle weitgehend wieder her und stoppt das Risswachstum dauerhaft. Sie erhält die Originalscheibe samt werkseitiger Verklebung und sämtlicher in der Scheibe verbauter Sensorik. Ein Tausch ist dagegen der deutlich aufwändigere Eingriff: Die alte Scheibe wird ausgeschnitten, die neue eingeklebt, die Klebung muss aushärten, und bei Kamerafahrzeugen folgt zwingend die ADAS-Kalibrierung. Solange die Kriterien für eine Reparatur erfüllt sind, ist die Instandsetzung daher in jeder Hinsicht die substanzschonendere Lösung – für die Scheibe, für die verbaute Technik und für den Wert Ihres Fahrzeugs.

Kostenübernahme: Teilkasko im Winter

Ein Steinschlag gilt das ganze Jahr über als Glasschaden in der Teilkasko – die Jahreszeit ändert daran nichts. In den meisten Teilkasko-Verträgen wird die reine Steinschlag-Reparatur ohne Selbstbeteiligung übernommen. Der Grund ist wirtschaftlicher Natur: Die Reparatur verursacht für die Versicherung deutlich weniger Aufwand als ein vollständiger Scheibentausch, weshalb viele Verträge die Reparatur durch den Wegfall der Selbstbeteiligung fördern. Wird hingegen ein Tausch nötig, greift die im Vertrag vereinbarte Selbstbeteiligung; manche Verträge enthalten eine Zusatzklausel, die auch den Tausch ohne Eigenanteil abdeckt.

Glasschäden über die Teilkasko führen in der Regel nicht zur Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse. Wichtig ist, die Versicherung vor Reparaturbeginn zu informieren. Wir übernehmen die Kommunikation und rechnen direkt mit Ihrer Versicherung ab, sodass für Sie kein administrativer Aufwand entsteht. Welche Klauseln im Detail relevant sind und wie die Abwicklung abläuft, lesen Sie in unserem Beitrag Scheibentausch Teilkasko – Eigenanteil und Abwicklung.

ADAS-Kalibrierung nach dem Scheibentausch

Wenn der Riss bereits zu weit gewachsen ist und die Scheibe getauscht werden muss, ist bei modernen Fahrzeugen ein weiterer Schritt zwingend. Fahrzeuge mit Frontkamera hinter dem Innenspiegel benötigen nach jedem Scheibentausch eine ADAS-Kalibrierung. Die Kamera steuert Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtassistent. Schon eine minimale Lageänderung der Kamera nach dem Einbau der neuen Scheibe führt zu fehlerhaft berechneten Abständen und Winkeln. Ohne fachgerechte Kalibrierung arbeiten diese Sicherheitssysteme nicht zuverlässig.

Diese Kalibrierung ist unser besonderer Vorteil: Wir führen sie mit den herstellerspezifischen Systemen XENTRY, ODIS und ISTA direkt im Anschluss an den Tausch durch – an einem Termin, ohne Umweg über eine Vertragswerkstatt. Sie erhalten ein Messprotokoll für Ihre Unterlagen. Eine Übersicht, welche Fahrzeuge betroffen sind, bietet unser Beitrag ADAS-Kalibrierung nach Scheibentausch.

Für Technikinteressierte: Statische und dynamische ADAS-Kalibrierung im Detail

Die Kalibrierung der Frontkamera nach einem Scheibentausch unterscheidet zwei grundlegende Verfahren, die je nach Hersteller und Modell einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen.

Bei der statischen Kalibrierung steht das Fahrzeug auf einer ebenen, waagerechten Fläche. Vor dem Fahrzeug wird in einem herstellerspezifisch exakt definierten Abstand und in präziser seitlicher Ausrichtung eine Kalibriertafel mit einem genormten Zielbild positioniert. Dieses Zielmuster – je nach System ein Schachbrett-, Kreis- oder Linienmuster – erkennt die Kamera als Referenz. Das Diagnosesystem vergleicht die tatsächlich erfasste Lage des Musters mit den hinterlegten Sollwerten und berechnet daraus die Korrekturwerte für die Einbaulage der Kamera. Schon geringe Abweichungen in der Aufstellung der Tafel verfälschen das Ergebnis; deshalb werden Fahrzeugmittelachse, Tafelabstand und Höhe mit Laser- oder Messsystemen eingerichtet. Voraussetzung ist außerdem ein korrekter Reifenfülldruck und ein definierter Beladungszustand, da beides die Fahrzeughöhe und damit den Kamerawinkel beeinflusst.

Bei der dynamischen Kalibrierung wird das Fahrzeug nach einem festgelegten Protokoll im realen Verkehr gefahren. Die Kamera erfasst dabei Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsschilder und vorausfahrende Fahrzeuge und gleicht ihre Erkennung mit den Erwartungswerten ab, bis das System die Kalibrierung als abgeschlossen meldet. Vorgegeben sind je nach Hersteller eine Mindestgeschwindigkeit, gut sichtbare Fahrbahnmarkierungen und eine bestimmte Fahrdauer. Schlechte Sicht, Schnee auf der Fahrbahn oder fehlende Markierungen können die dynamische Kalibrierung im Winter erschweren oder verlängern – ein weiterer Grund, warum die fachgerechte Durchführung Erfahrung und das passende Diagnosesystem erfordert.

Welches Verfahren erforderlich ist, gibt der Hersteller vor: Mercedes-Fahrzeuge werden über XENTRY, Fahrzeuge des VW-Konzerns über ODIS und BMW über ISTA kalibriert. Generische Diagnosegeräte beherrschen diese herstellerspezifischen Routinen nicht vollständig. Ohne korrekte Kalibrierung berechnet die Kamera Abstände und Winkel fehlerhaft – mit der Folge, dass Spurhalteassistent und Notbremsassistent zu früh, zu spät oder gar nicht eingreifen.

Der Ablauf bei KFZ Dietrich

Damit Sie wissen, was Sie erwartet, beschreiben wir den typischen Weg von der ersten Meldung bis zur fertigen Scheibe.

Erste Beurteilung. Sie senden uns ein Foto der Schadstelle per WhatsApp oder rufen uns an. Wir schätzen anhand von Größe, Lage und Zustand ein, ob eine Reparatur in Frage kommt oder ein Tausch wahrscheinlich ist, und nennen Ihnen den nächsten Schritt.

Klärung der Kostenübernahme. Liegt eine Teilkasko vor, klären wir die Abwicklung mit Ihrer Versicherung. Die reine Steinschlag-Reparatur ist in vielen Verträgen ohne Selbstbeteiligung abgedeckt. Wir übernehmen die Kommunikation, sodass für Sie kein administrativer Aufwand entsteht.

Reparatur in der beheizten Werkstatt. Zum Termin bringen wir Scheibe und Harz auf die erforderliche Verarbeitungstemperatur. Die eigentliche Harzinjektion ist in kurzer Zeit erledigt; Ihr Fahrzeug ist anschließend sofort wieder einsatzbereit.

Bei Tausch: Einbau und Kalibrierung an einem Termin. Ist die Scheibe nicht mehr zu retten, tauschen wir sie fachgerecht und führen die erforderliche ADAS-Kalibrierung direkt im Anschluss durch – ohne Umweg über eine Vertragswerkstatt. Sie erhalten ein Messprotokoll.

Dokumentation und Übergabe. Sie bekommen alle Unterlagen für Ihre Versicherung und Ihre Fahrzeugakte. Auf Wunsch dokumentieren wir die Arbeiten mit Fotos.

Kontakt

Haben Sie im Winter einen Steinschlag entdeckt? Warten Sie nicht auf die nächste Frostnacht. Senden Sie uns ein Foto der Schadstelle per WhatsApp oder rufen Sie uns an. Wir beurteilen die Reparierbarkeit, klären die Abwicklung mit Ihrer Teilkasko und setzen den Schaden in unserer beheizten Werkstatt fachgerecht instand.

KFZ Dietrich Meckelstraße 8 37181 Hardegsen

Telefon: 05505 5236

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 07:30 bis 16:30 Uhr.

Häufig gestellte Fragen

Warum wächst ein Steinschlag im Winter so schnell zum Riss?

Kälte erzeugt im Verbundglas einen Temperaturgradienten zwischen der warmen Innenseite und der kalten Außenseite. Diese ungleichmäßige Ausdehnung baut mechanische Spannung an der Spitze des vorhandenen Steinschlags auf. Genau dort, wo das Glas durch den Einschlag ohnehin geschwächt ist, beginnt der Riss zu wachsen. Eingedrungene Feuchtigkeit verschärft den Effekt: Gefriert das Wasser im Einschlag, dehnt es sich aus und treibt den Riss von innen weiter. Besonders kritisch ist der Moment, in dem die Frontscheibenheizung oder das Gebläse den Innenraum schlagartig erwärmt, während die Außenseite eisig bleibt.

Darf ich eine vereiste Scheibe mit heißem Wasser oder dem Föhn enteisen, wenn ein Steinschlag vorhanden ist?

Nein. Heißes Wasser oder ein Heißluftföhn erzeugen einen schlagartigen Temperatursprung an einer eng begrenzten Stelle der Scheibe. Dieser thermische Schock setzt am vorhandenen Steinschlag genau die Zugspannung frei, die einen durchgehenden Riss auslöst. Enteisen Sie mechanisch mit einem Eiskratzer und lassen Sie die Frontscheibenheizung sowie das Gebläse moderat und gleichmäßig anlaufen, statt sofort auf die höchste Stufe zu schalten.

Kann ein Steinschlag auch bei Frost in der Werkstatt repariert werden?

Ja, vorausgesetzt die Reparatur erfolgt in einer beheizten Werkstatt. Das Reparaturharz benötigt für eine korrekte Viskosität und vollständige Aushärtung eine definierte Temperatur. Bei Kälte wird das Harz zäh, fließt nicht vollständig in die Mikrorisse und härtet unzureichend aus. In unserer beheizten Werkstatt bringen wir die Scheibe und das Harz auf die erforderliche Verarbeitungstemperatur, sodass die Reparatur auch im Winter mit voller Festigkeit gelingt. Eine Reparatur im Freien bei Minustemperaturen ist fachlich nicht vertretbar.

Übernimmt die Teilkasko die Steinschlag-Reparatur im Winter?

Ein Steinschlag gilt als Glasschaden in der Teilkasko, unabhängig von der Jahreszeit. Viele Teilkasko-Verträge übernehmen die reine Steinschlag-Reparatur ohne Selbstbeteiligung, weil sie für die Versicherung deutlich wirtschaftlicher ist als ein vollständiger Scheibentausch. Beim Tausch greift die im Vertrag vereinbarte Selbstbeteiligung. Glasschäden über die Teilkasko führen in der Regel nicht zur Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse. Wir rechnen direkt mit Ihrer Versicherung ab.

Wie lange habe ich Zeit, einen Steinschlag im Winter reparieren zu lassen?

Eine feste Frist gibt es nicht, aber im Winter ist Eile geboten. Solange die Schadstelle sauber und trocken ist und kein Riss ausgelaufen ist, bleibt sie reparierbar. Jeder Frost- und Tauwechsel, jede schlagartige Erwärmung durch die Heizung und jeder eingedrungene Tropfen Feuchtigkeit verschlechtern die Ausgangslage. Im Sommer kann ein kleiner Einschlag wochenlang stabil bleiben; im Winter entscheidet oft schon die nächste Frostnacht über reparierbar oder nicht mehr reparierbar. Decken Sie die Stelle deshalb sofort mit transparentem Klebeband ab und lassen Sie sie zeitnah beurteilen.

Muss nach einem Scheibentausch im Winter die Kamera neu kalibriert werden?

Ja. Bei jedem Fahrzeug mit Frontkamera hinter dem Innenspiegel ist nach einem Scheibentausch eine ADAS-Kalibrierung zwingend, unabhängig von der Jahreszeit. Die Kamera steuert Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtassistent. Schon eine Lageabweichung im Bereich von Zehntelgrad verschiebt den berechneten Zielpunkt auf größere Entfernung um mehrere Dezimeter. Wir kalibrieren die Kamera mit den herstellerspezifischen Systemen XENTRY, ODIS und ISTA direkt im Anschluss an den Tausch und übergeben Ihnen ein Messprotokoll.

WhatsApp