- Strategie: Vorab-Check in der Werkstatt verhindert teure Nachprüfungen und unerwartete Stilllegungen.
- Schwerpunkte: Beleuchtung, Bremsenintegrität, Fahrwerksgelenke und Abgas-Reinheit sind die vier Hauptfelder.
- Neu 2026: Strenge Partikelzählung bei Euro-6-Diesel; kein Bestehen mit aktivem P0420 oder P2002.
- Digital: HU-Adapter liest Fehlerspeicher aller Systeme – gelöschte Codes kurz vor der HU führen ebenfalls zum Nichtbestehen.
- Service: HU/AU durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra direkt im Haus; Termin 4–6 Wochen vorher.
Die Hauptuntersuchung alle zwei Jahre ist für viele Fahrzeughalter ein Termin mit Ungewissheit. Eine verweigerte Plakette ist jedoch kein Zufall, sondern die Folge mangelnder technischer Vorausschau. In unserer Werkstatt bereiten wir jährlich hunderte Fahrzeuge auf den Termin mit den Prüfingenieuren von TÜV Nord und Dekra vor.
Unser Ziel ist nicht nur das Bestehen der Prüfung, sondern die langfristige Sicherung der technischen Souveränität Ihres Fahrzeugs. Die 20-Punkte-Vorbereitungsliste kombiniert die Erfahrung aus jahrelanger Werkstattpraxis mit dem aktuellen Stand der HU-Anforderungen 2026.
Warum die HU 2026 anspruchsvoller ist
Die Hauptuntersuchung hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Der HU-Adapter – ein standardisierter OBD-Diagnosestecker – überträgt heute bei jedem Fahrzeug ab Baujahr 2001 den vollständigen Fehlerspeicher-Status an das Prüfprotokoll. Das bedeutet: Ein Fehler im Airbag-System, in der ABS-Steuerung oder ein abgasrelevanter Code wie P0420 (Katalysator-Wirkungsgrad) oder P2002 (DPF-Wirkungsgrad) führt unmittelbar zum Nichtbestehen – unabhängig davon, ob der Fahrer die Funktion beeinträchtigt gespürt hat.
Hinzu kommt die Partikelzählung (PN-Messung) für alle Euro-6-Diesel seit 2024. Die Grenzwerte sind eng: 250.000 Partikel/cm³. Ein Haarriss im DPF-Keramikmonolith, der sich im Fahrbetrieb nicht bemerkbar macht, überschreitet diesen Wert sofort. Frühere AU-Prüfungen erkannten dies nicht, weil sie nur die Trübung maßen.
Und noch ein Punkt, der unterschätzt wird: Wer den Fehlerspeicher kurz vor der HU löscht, um Fehler zu “verschwinden” zu lassen, produziert ein neues Problem. Nach dem Löschen sind die Readiness-Monitore der Motordiagnose zurückgesetzt. Diese Selbsttests müssen erst durch definierte Fahrzyklen regeneriert werden. Ein Fahrzeug mit unvollständigen Readiness-Codes besteht die AU nicht.
Die KFZ Dietrich 20-Punkte-Checkliste
Bevor der Prüfingenieur das Fahrzeug sieht, prüfen wir systematisch folgende Bereiche:
Beleuchtung und Sicht (Punkte 1–6)
Punkt 1 – Funktion aller Leuchtmittel: Wir prüfen alle Beleuchtungseinheiten von Scheinwerfern über Bremsleuchten bis zur Kennzeichenbeleuchtung. Besonders LEDs in Matrixscheinwerfern können bei Teilausfall schwer zu erkennen sein und werden im Systemtest überprüft.
Punkt 2 – Scheinwerfereinstellung: Falsch eingestellte Scheinwerfer führen zu Blendung anderer Verkehrsteilnehmer und sind ein Abnahme-Kriterium. Wir vermessen die Einstellung auf dem kalibrierten Einstellprüfgerät. Die Toleranz: ± 0,5 % zur Sollneigung.
Punkt 3 – Scheibenzustand: Steinschläge im Sichtfeld (A-Säule bis B-Säule, Fahrer-Blickfeld) führen zur HU-Verweigerung. Wir prüfen nach StVZO § 40 Abs. 2: Kein Riss oder Splitter, der die Sicht beeinträchtigt.
Punkt 4 – Wischersystem: Wischerblätter, Waschwasserfüllstand und Düsenausrichtung werden geprüft. Ein defekter Wischer im Sichtfeld des Fahrers ist ein erheblicher Mangel.
Punkt 5 – Tönungsfolien: Unzulässige Folien an der Frontscheibe (VLT < 75 %) und den vorderen Seitenscheiben führen zur sofortigen Beanstandung.
Punkt 6 – Digitaltacho und Anzeigesysteme: Defekte Warnanzeigen im Kombiinstrument, die beim Motorstart dauerhaft leuchten, werden protokolliert.
Bremsanlage und Sicherheits-Systeme (Punkte 7–11)
Punkt 7 – Belagstärke und Scheibendicke: Wir messen die Belagstärke mit einem Kalibrierungslehrschieber. Unterschreitendes Mindestmaß (hersteller-spezifisch, typisch 2 mm für Beläge, 10 % Mindestdicke für Scheiben) ist ein erheblicher Mangel. Wir prüfen zusätzlich das Tragbild: Ein Belag, der nur 60 % der Scheibenfläche kontaktiert, deutet auf einen festsitzenden Sattel hin.
Punkt 8 – Bremsschläuche: Poröse oder gequollene Bremsschläuche sind ein sicherheitskritischer Befund. Wir beugen und strecken die Schläuche manuell, um Haarrisse sichtbar zu machen.
Punkt 9 – Elektrische Parkbremse (EPB): Bei Fahrzeugen mit EPB testen wir via XENTRY, ISTA oder ODIS die Haltekraft des Systems. Ein EPB-Steuergerätefehler ohne sichtbare Funktion wird vom HU-Adapter erkannt.
Punkt 10 – Notfallausrüstung: Verbandskasten mit gültigem Verfallsdatum, Warndreieck und Warnweste werden auf Vorhandensein und Zustand geprüft.
Punkt 11 – Hupenfunktion: Eine defekte Hupe ist ein erheblicher Mangel. Wir prüfen Funktion und Befestigung.
Fahrwerk und Reifen (Punkte 12–16)
Punkt 12 – Profiltiefe: Wir messen an mindestens 4 Punkten je Reifen mit einem geeichten Profilmessgerät. Gesetzliches Minimum: 1,6 mm. Unsere Empfehlung: Sommer ≥ 3 mm, Winter ≥ 4 mm für sicheres Fahrverhalten.
Punkt 13 – RDKS-Sensoren: Reifendruck-Kontrollsysteme müssen ab Baujahr 2014 korrekt funktionieren. Ein dauerhaftes Warnsymbol führt zum Nichtbestehen. Wir prüfen alle Sensoren einzeln und decken defekte Sensoren durch Batterieversagen auf.
Punkt 14 – Achsgelenke und Lager: Wir nutzen den hydraulischen Achsstand und prüfen alle Querlenker, Spurstangenköpfe und Koppelstangen auf Spiel nach den herstellerspezifischen Prüfvorgaben. Spiel > 1 mm an einem Spurstangenkopf ist ein erheblicher Mangel.
Punkt 15 – Achsmanschetten: Gerissene Manschetten (CV-Gelenke) führen zu Fettaustritt und Folgeschäden. Sie sind bei der HU ein beobachteter Mangel.
Punkt 16 – Stoßdämpfer: Wir testen auf der Hebebühne auf Ölleckagen und im Schütteltest auf Dämpfungsverlust. Feuchte Stoßdämpfer werden als erheblicher Mangel gewertet.
Motor und Abgas (Punkte 17–20)
Punkt 17 – Vollständiger Fehlerspeicher-Scan: Via XENTRY, ISTA oder ODIS lesen wir alle Steuergeräte aus und prüfen auf HU-relevante Fehlercodes. Wichtig: Wir löschen nur Fehler, deren physische Ursache behoben ist – nicht vorsorglich kurz vor der HU.
Punkt 18 – Motorvisierung: Wir prüfen auf aktiven Öl- oder Kühlwasserverlust. “Schwitzen” an Dichtungen ist tolerierbar, aktives Tropfen führt zur Beanstandung.
Punkt 19 – Abgasanlage: Dichtheit aller Verbindungen, Zustand der Abgasanlage auf Schäden und korrekter Befestigung (keine losen Haltebügel).
Punkt 20 – Vorab-Abgasmessung: Wir führen eine vollständige AU-Testmessung durch – Trübung für Diesel, Lambda-Wert für Otto, Partikelzählung für Euro-6-Diesel. Zudem stellen wir sicher, dass alle Readiness-Monitore gesetzt sind.
Für Techniker: Readiness-Codes, HU-Adapter-Protokoll und AU-Grenzwerte 2026
Readiness-Monitore: Welche müssen gesetzt sein?
Nach EOBD-Standard (Euro-Norm) gibt es 11 mögliche Monitore. Für die AU sind folgende entscheidend:
| Monitor | Beschreibung | Pflicht für AU |
|---|---|---|
| Katalysator | Wirkungsgrad-Überwachung | Ja |
| Beheizter Katalysator | Aufheizzeit | Ja (falls vorhanden) |
| O₂-Sensor | Lambda-Regelkreis | Ja |
| Kraftstoffsystem | Gemischregelung | Ja |
| Abgasnachbehandlung (EGR) | AGR-Funktion | Ja |
| DPF/Partikelfilter | Differenzdrucküberwachung | Ja (Diesel Euro 6) |
| Fehlzündungen | Misfire-Detektion | Nein (Fahrbarkeit) |
| EVAP | Kraftstofftank-Entlüftung | Nein (AU) |
Status “nicht bereit” bei mehr als 2 Monitoren (Otto) oder 1 Monitor (Diesel) = AU-Nichtbestehen gemäß §47a StVZO.
AU-Grenzwerte 2026
Otto (Leerlaufmessung):
- CO: ≤ 0,5 % (Euro 4+)
- HC: ≤ 100 ppm (Euro 4+)
- Lambda: 1,00 ± 0,03
Diesel (Trübungsmessung bei Vollgas-Abriss):
- k-Wert: ≤ 0,5 m⁻¹ (Euro 6), ≤ 1,0 m⁻¹ (Euro 4/5)
Diesel Partikelzählung (PN, Euro 6):
- ≤ 250.000 Partikel/cm³ bei Messung im Abgasstrang
- Messgerät: Opacimeter mit Partikelzähler (z. B. AVL DiSmoke 4000P)
- Bestehende Messgeräte ohne PN-Modul: Nicht mehr zugelassen für Euro-6-Diesel-AU
HU-Adapter: Was er tatsächlich ausliest
Der HU-Adapter nach §29 StVZO / HU-Bescheinigungsverfahren liest via OBD-II/EOBD:
- Fehler-Status: Confirmed (permanent) und Pending (einmalig aufgetreten)
- Freeze-Frame: Momentaufnahme der Parameter beim ersten Fehlerauftreten (Geschwindigkeit, Drehzahl, Last)
- Readiness-Codes: Komplettstatus aller Monitore
- VIN: Abgleich mit Fahrzeugschein (seit 2015 Pflicht)
Wichtig: Nur “Confirmed”-Fehler in Sicherheitssystemen (SRS, ABS, ESC, BAS, Lenkhilfe) führen zum Nichtbestehen. “Pending”-Fehler werden protokolliert, führen aber nicht automatisch zur Verweigerung – außer in der AU bei abgasrelevanten Systemen.
Der digitale Vorab-Scan: Vollständige Transparenz vor dem Termin
Mit unseren Diagnosesystemen XENTRY, ISTA und ODIS führen wir vor dem HU-Termin einen vollständigen Scan aller Steuergeräte durch. Das Ergebnis ist klar: Wir kennen jeden abgespeicherten Fehler im Fahrzeug und können Ihnen genau erklären, was er bedeutet, ob er HU-relevant ist und was seine Behebung erfordert.
Sicherheitsrelevante Systeme: Fehler in Airbag- (SRS), ABS- oder ESP-Steuergeräten führen zum sofortigen Nichtbestehen. Wir finden diese Fehler vorab und beheben physisch ihre Ursache, bevor wir sie löschen.
Readiness-Codes nach Batteriewechsel: Ein häufiges Problem: Nach einem Batteriewechsel oder nach dem Löschen des Fehlerspeichers sind die Readiness-Monitore zurückgesetzt. Das Motorsteuergerät muss nun verschiedene Fahrzyklen abarbeiten, um die Systeme zu re-verifizieren. Wir führen diese Einlernfahrten mit definierten Lastpunkten gezielt für Sie durch.
Hinterachsträger und Bremsleitungen: Wir prüfen gezielt die bei Mercedes und BMW bekannten Korrosionsschwachstellen am Achsträger und den Bremsleitungen. Diese werden heute von Prüfingenieuren explizit kontrolliert und sind ein häufiges K.O.-Kriterium bei älteren Fahrzeugen.
Werterhalt durch professionelle Begleitung
Ein Fahrzeug mit “HU ohne Mängel” erzielt beim Verkauf messbar bessere Preise. Die lückenlose Dokumentation jeder HU in der Servicehistorie schafft Vertrauen beim nächsten Besitzer.
Reinigung als Vorbereitungsschritt: Ein sauberer Motor und Unterboden erleichtern dem Prüfer die Arbeit und verhindern Fehlinterpretationen: “Schwitzen” an einer sauberen Dichtung ist klar erkennbar, an einem ölverschmierten Motor nicht. Wir reinigen den Motorraum professionell als Teil der HU-Vorbereitung.
Dokumentation von Tuningteilen: Bewahren Sie alle Gutachten für Anbauteile – Felgen, Fahrwerksabstimmung, Gewindefahrwerke – griffbereit im Fahrzeug auf. Wir prüfen die Vollständigkeit Ihrer ABE-Eintragungen, bevor der Prüfingenieur das Fahrzeug sieht.
Frühzeitige Terminplanung: Kommen Sie 4–6 Wochen vor Ablauf der Plakette zu uns. So bleibt genügend Zeit, eventuelle Mängel sorgfältig und ohne Zeitdruck zu beheben. Eilreparaturen unter Termindruck entsprechen nicht unserem Qualitätsanspruch.
Fazit: Die Plakette als Substanznachweis
Verlieren Sie den Schrecken vor dem HU-Termin. Mit der strukturierten Vorbereitung bei KFZ Dietrich gehen Sie mit der Sicherheit in den Termin, dass alle bekannten Mängel bereits behoben sind. Wir bieten Ihnen eine ehrliche Bestandsaufnahme – kein Beschönigen, kein Überreparieren, sondern präzise das, was nötig ist.
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an.
Ist Ihr HU-Termin in den nächsten Wochen fällig? Schreiben Sie uns per WhatsApp oder rufen Sie uns an: 05505 5236. Wir koordinieren Vorab-Check und HU-Termin.
- AU 2026: Partikelzählung für Euro-6-Diesel
- Bremsen-Service: Sichere Verzögerung für die Plakette
- Achsvermessung 3D: Basis für die HU-Abnahme
Weiterführende Informationen: