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CAN-Bus im Motorsport: Datenlogging und Telemetrie

CAN-Bus-Datenlogging für den Motorsport: Wie Sie Motordaten, GPS und Sensorik in Echtzeit erfassen und für die Rundenzeit-Optimierung nutzen.

CAN-Bus im Motorsport: Datenlogging und Telemetrie
Illustration: mit KI-Werkzeugen erstellt · KI-Transparenz
TL;DR
  • CAN-Bus liefert Motordaten, Raddrehzahlen und Fahrdynamik ohne Zusatzsensoren.
  • DBC-Dateien übersetzen hexadezimale Rohdaten in lesbare physikalische Werte.
  • Logger-Klassen: OBD-Einstieg, AiM Solo 2 DL, Profi-System MoTeC C125.
  • Datenanalyse per Overlay und Korrelation erschließt echte Sekundenvorteile.
  • Wir erstellen fahrzeugspezifische DBC-Dateien mit [XENTRY](https://kfz-dietrich.com/glossar/#xentry), [ISTA](https://kfz-dietrich.com/glossar/#ista) und [ODIS](https://kfz-dietrich.com/glossar/#odis).

Daten gewinnen Rennen

Im professionellen Motorsport entscheiden nicht allein Fahrkönnen und Motorleistung über die Platzierung. Die systematische Erfassung und Auswertung von Fahrzeugdaten – das sogenannte Datenlogging – ist das Werkzeug, mit dem Teams Zehntelsekunden pro Runde finden, die dem Fahrergefühl verborgen bleiben. Was in der Formel 1 mit Hunderten von Sensoren geschieht, lässt sich im Amateur-Motorsport und bei Trackdays auf einem zugänglichen Niveau umsetzen – dank des CAN-Bus.

Was der CAN-Bus ist und warum er Gold wert ist

Der Controller Area Network Bus (CAN-Bus) ist das zentrale Kommunikationsnetzwerk moderner Fahrzeuge. Jedes Steuergerät sendet seine Daten als standardisierte Nachrichten auf den Bus – und jedes andere Steuergerät kann diese Nachrichten lesen.

Für das Datenlogging bedeutet das: Sie müssen keine zusätzlichen Sensoren installieren, um an eine Fülle von Fahrzeugdaten zu gelangen. Das Fahrzeug erfasst bereits Dutzende von Parametern in Echtzeit:

  • Motordrehzahl (10 ms Auflösung)
  • Drosselklappenstellung (Fahrerwunsch vs. tatsächliche Position)
  • Ladedruck bei Turbomotoren
  • Einspritzmengen pro Zylinder
  • Kühlmittel- und Öltemperatur
  • Raddrehzahlen (einzeln, alle vier Räder)
  • Querbeschleunigung (vom ESP-Sensor)
  • Längsbeschleunigung (vom ESP-Sensor)
  • Gierrate (Drehung um die Hochachse)
  • Lenkwinkel (vom Lenkwinkelsensor)
  • Bremsdruck (vom ABS-Steuergerät)
  • Gangposition (vom Getriebesteuergerät)

All diese Daten liegen bereits auf dem CAN-Bus vor – Sie müssen sie nur noch aufzeichnen.

Hardware: CAN-Bus-Logger im Überblick

Ein CAN-Bus-Logger ist ein kompaktes Gerät, das an den CAN-Bus des Fahrzeugs angeschlossen wird und die Nachrichten aufzeichnet. Die Spannweite reicht von einfachen OBD-Dongles bis zu professionellen Motorsport-Loggern.

Einstiegsklasse: OBD-basierte Logger

Geräte wie der RaceBox oder der OBDLink MX+ verbinden sich über die OBD-II-Schnittstelle mit dem Fahrzeug und streamen Daten per Bluetooth an eine App auf dem Smartphone oder Tablet.

Vorteile: Einfache Installation, geringe Investition, GPS-Timing integriert Einschränkungen: Begrenzte Datenrate (10-20 Hz für die meisten Parameter), nur standardisierte OBD-PIDs

Mittelklasse: Dedizierte CAN-Logger

Systeme wie der AiM Solo 2 DL oder der RaceCapture Pro verbinden sich direkt mit dem CAN-Bus (nicht über OBD) und erfassen die Rohdaten mit höherer Frequenz.

Vorteile: Bis zu 100 Hz Datenrate, herstellerspezifische CAN-Datenbanken, externer GPS-Empfänger mit 25 Hz Anforderung: CAN-Bus-Anschluss muss hergestellt werden (zwei Drähte: CAN-High und CAN-Low)

Profi-Klasse: Motorsport-Datenerfassung

Systeme wie AiM MXS, MoTeC C125 oder Race Technology DL2 bieten die volle Bandbreite: Hochfrequenz-CAN-Logging, zusätzliche Analogeingänge für externe Sensoren, integriertes Display und Telemetrie.

Vorteile: Bis zu 1.000 Hz Datenrate pro Kanal, unbegrenzte Kanäle, Echtzeitanzeige Anforderung: Professionelle Installation, CAN-Datenbank (DBC-Datei) des Fahrzeugs

CAN-Bus-Datenbanken: Der Schlüssel zur Interpretation

Die CAN-Bus-Rohdaten bestehen aus hexadezimalen Nachrichten, die ohne Interpretation unlesbar sind. Eine CAN-Datenbank (DBC-Datei) übersetzt diese Rohdaten in physikalische Werte. Beispiel:

Roh-CAN-Nachricht: ID 0x280, Byte 2-3: 0x1A 0x0F Interpretation mit DBC: Motordrehzahl = (0x1A0F / 4) = 1667,75 RPM

Jeder Hersteller verwendet eigene CAN-IDs und Kodierungen. Mercedes, BMW und VW strukturieren ihre CAN-Nachrichten völlig unterschiedlich. Die Erstellung oder Beschaffung der korrekten DBC-Datei ist der entscheidende Schritt für ein funktionierendes Datenlogging.

Wie wir bei der DBC-Erstellung helfen

Mit unseren OEM-Diagnosesystemen XENTRY, ISTA und ODIS können wir die CAN-Bus-Kommunikation Ihres spezifischen Fahrzeugs analysieren. Wir identifizieren die relevanten CAN-IDs, dekodieren die Nachrichten und erstellen eine fahrzeugspezifische Kanalliste für Ihren Logger.

Typischer Ablauf:

  1. Fahrzeug auf der Hebebühne anschließen
  2. CAN-Bus-Trace aufzeichnen (alle Nachrichten)
  3. Relevante IDs identifizieren: Motor, Getriebe, ESP, Bremse
  4. Dekodierung der Bytestruktur
  5. DBC-Datei erstellen und im Logger konfigurieren
  6. Testfahrt zur Verifizierung

Welche Daten für welchen Zweck

Nicht jeder Kanal ist für jeden Einsatzzweck gleich relevant. Hier eine Priorisierung:

Für Rundenzeitoptimierung

  • GPS-Position + Geschwindigkeit: Streckenkarte und Sektorenzeiten
  • Drosselklappenstellung: Gasannahme und Gasrücknahme-Punkte
  • Bremsdruck: Bremspunkte und Bremsdruckmodulation
  • Querbeschleunigung: Kurvengeschwindigkeiten und Gripniveau
  • Gangposition: Schaltpunkte optimieren

Für Fahrzeugüberwachung

  • Kühlmitteltemperatur: Thermisches Limit erkennen
  • Öltemperatur + Öldruck: Motorschutz bei Dauerlast
  • Ladelufttemperatur: Leistungsverlust durch Heat Soak identifizieren
  • Raddrehzahlen: Schlupf an allen vier Rädern, ABS-Eingriffe erkennen

Für Setup-Optimierung

  • Stoßdämpfer-Weg (externer Sensor erforderlich): Fahrwerksabstimmung
  • Reifentemperatur (Infrarotsensor): Reifendruckoptimierung
  • Lenkwinkel vs. Gierrate: Untersteuern/Übersteuern quantifizieren

Datenanalyse: Aus Zahlen wird Wissen

Die Aufzeichnung ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Wert liegt in der Analyse. Moderne Analyse-Software wie AiM Race Studio, MoTeC i2 oder die kostenlose Software RaceCapture bieten leistungsfähige Werkzeuge:

  • Rundenvergleich: Die schnellste Runde gegen die zweitschnellste – wo liegen die Unterschiede?
  • Kanal-Overlay: Geschwindigkeit über Streckenposition legen – wo wird zu früh gebremst, wo zu spät beschleunigt?
  • Korrelation: Zusammenhang zwischen Ladedruck und Geschwindigkeit erkennen – fällt der Boost in bestimmten Kurven ab?
  • Histogramm: Wie viel Prozent der Rundenzeit wird im optimalen Drehzahlband verbracht?

CAN-Bus-Integration bei Standalone-Steuergeräten

Wenn Ihr Motorsportfahrzeug ein Standalone-Steuergerät (Haltech, MoTeC, Syvecs) verwendet, bieten diese Systeme einen eigenen CAN-Bus-Ausgang. Die Konfiguration des CAN-Streams – welche Daten mit welcher Frequenz gesendet werden – ist frei parametrierbar. Hier kann das Datenlogging exakt auf Ihre Anforderungen zugeschnitten werden.

Für Fahrzeuge mit Original-Steuergerät empfehlen wir, den CAN-Bus passiv abzuhören (Read-Only). Ein schreibender Zugriff auf den CAN-Bus ist im Motorsport-Logging weder notwendig noch sinnvoll – und birgt das Risiko, die Fahrzeugelektronik zu stören.

Für Techniker: J1939, PID-Decoding und Sample-Rate-Strategie

Wer selbst eine DBC-Datei erstellt oder einen Logger konfiguriert, sollte zwei Welten sauber trennen: standardisiertes OBD-II-PID-Decoding (Mode 01 über CAN-ID 0x7DF, Antwort 0x7E8–0x7EF) liefert eine definierte, aber stark begrenzte und langsame Kanalliste. Der Herstellerzugriff auf die Fahrzeug-Buslinien (HS-CAN, FD-CAN, bei Nutzfahrzeugen J1939 mit 29-Bit-Identifiern und SPN/PGN-Struktur) öffnet dagegen das komplette Spektrum an Broadcast-Nachrichten. Raddrehzahlen vom ABS-Steuergerät liegen häufig im 10-ms-Takt, ESP-Inertialdaten in 20 ms, Getriebegang im 100-ms-Raster. Wer hier blind mit 1.000 Hz abtastet, produziert Datenmüll, weil das Fahrzeug in dieser Frequenz schlicht nichts Neues sendet.

Entscheidend ist das Reverse-Engineering der Byte-Struktur: Motorola- vs. Intel-Byte-Order, Skalierungsfaktor, Offset, signed/unsigned, Startbit und Länge. Ein 14-Bit-Drehzahlsignal mit Faktor 0,25 ergibt in einer Fremd-DBC ohne diese Angabe reinen Unsinn. Hier arbeiten wir konsequent datenbasiert: Jede Messung wird gegen eine zweite, unabhängige Quelle validiert – GPS-Geschwindigkeit gegen Raddrehzahl, Lenkwinkel gegen Gierrate, OBD-Ladedruck gegen separaten Drucksensor. Erst wenn die Kurven deckungsgleich verlaufen, ist der Kanal produktiv. Für Race Capture Pro, AiM MXG und MoTeC-Logger pflegen wir pro Fahrzeug ein Changelog, damit nach Software-Updates des Steuergeräts keine stille Fehlinterpretation entsteht.

Unser Angebot: CAN-Bus-Setup für Ihr Fahrzeug

Bei KFZ Dietrich richten wir Ihr CAN-Bus-Datenlogging ein – von der Hardwareinstallation über die DBC-Erstellung bis zur ersten Datenanalyse. Wir arbeiten mit allen gängigen Logger-Systemen und kennen die CAN-Bus-Architekturen von Mercedes, BMW und VW im Detail.

Ob Sie den Logger selbst mitbringen oder unsere Empfehlung für das passende System wünschen: Wir sorgen dafür, dass die richtigen Daten mit der richtigen Frequenz aufgezeichnet werden.

Termin für CAN-Bus-Setup vereinbaren: 05505 5236 oder über die Warteliste.


Weiterführende Informationen

Haben Sie technische Fragen zu Ihrem Fahrzeug? Schreiben Sie unserer Werkstatt direkt über die Warteliste für eine fachliche Ersteinschätzung.


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Häufig gestellte Fragen

Welche Fahrzeugdaten lassen sich über den CAN-Bus für den Motorsport aufzeichnen?

Der CAN-Bus liefert bereits ohne zusätzliche Sensoren Dutzende Parameter in Echtzeit: Motordrehzahl, Drosselklappenstellung, Ladedruck, Raddrehzahlen aller vier Räder, Quer- und Längsbeschleunigung, Gierrate, Lenkwinkel, Bremsdruck und Gangposition. All diese Daten liegen bereits auf dem CAN-Bus vor und müssen nur aufgezeichnet werden.

Was ist eine CAN-Datenbank (DBC-Datei) und warum wird sie benötigt?

CAN-Bus-Rohdaten sind hexadezimale Nachrichten, die ohne Interpretation unlesbar sind. Eine DBC-Datei übersetzt diese Rohdaten in physikalische Werte. Jeder Hersteller verwendet eigene CAN-IDs und Kodierungen – Mercedes, BMW und VW strukturieren ihre Nachrichten völlig unterschiedlich. Mit unseren OEM-Diagnosesystemen erstellen wir fahrzeugspezifische DBC-Dateien für Ihren Logger.

Welche CAN-Bus-Logger eignen sich für den Motorsport-Einstieg?

Für den Einstieg eignen sich OBD-basierte Logger wie der RaceBox mit GPS-Timing. Fortgeschrittene nutzen dedizierte CAN-Logger wie den AiM Solo 2 DL mit bis zu 100 Hz Datenrate. Die Profi-Klasse umfasst Systeme wie AiM MXS oder MoTeC C125 mit bis zu 1.000 Hz pro Kanal und integrierten Displays.

Brauche ich für den Einstieg ins Datenlogging zusätzliche Sensoren?

Für die Kernkanäle nicht: Motordrehzahl, Drosselklappenstellung, Bremsdruck, Raddrehzahlen und die Fahrdynamikdaten der ESP-Sensorik liegen bereits auf dem CAN-Bus und müssen nur aufgezeichnet werden. Externe Sensoren werden erst für die Setup-Optimierung interessant – etwa Stoßdämpfer-Wegsensoren für die Fahrwerksabstimmung oder Infrarotsensoren für die Reifentemperatur.

Wie wird ein CAN-Logger im Fahrzeug angeschlossen?

Einstiegsgeräte wie der RaceBox verbinden sich über die OBD-II-Schnittstelle und streamen die Daten per Bluetooth an eine App auf Smartphone oder Tablet. Dedizierte CAN-Logger wie der AiM Solo 2 DL werden dagegen direkt mit dem CAN-Bus verbunden – dafür sind zwei Drähte nötig: CAN-High und CAN-Low.

Darf der Datenlogger auf den CAN-Bus schreiben?

Bei Fahrzeugen mit Original-Steuergerät empfehlen wir, den CAN-Bus ausschließlich passiv abzuhören (Read-Only). Ein schreibender Zugriff ist im Motorsport-Logging weder notwendig noch sinnvoll – und birgt das Risiko, die Fahrzeugelektronik zu stören.

Bringt eine höhere Abtastrate automatisch bessere Daten?

Nein. Die Steuergeräte senden ihre Nachrichten in festen Rastern – Raddrehzahlen vom ABS-Steuergerät häufig im 10-ms-Takt, ESP-Inertialdaten in 20 ms, der Getriebegang im 100-ms-Raster. Wer blind mit 1.000 Hz abtastet, produziert Datenmüll, weil das Fahrzeug in dieser Frequenz schlicht nichts Neues sendet. Die Abtastrate gehört auf die tatsächliche Senderate des jeweiligen Kanals abgestimmt.

Wie finde ich mit den aufgezeichneten Daten Rundenzeit?

Der eigentliche Wert entsteht in der Analyse: Der Rundenvergleich zeigt, wo sich die schnellste und die zweitschnellste Runde unterscheiden. Das Kanal-Overlay legt die Geschwindigkeit über die Streckenposition und macht sichtbar, wo zu früh gebremst oder zu spät beschleunigt wird. Korrelationen decken etwa einen einbrechenden Ladedruck in bestimmten Kurven auf, und das Histogramm zeigt, wie viel Prozent der Rundenzeit im optimalen Drehzahlband verbracht wird.

Was ist beim Datenlogging mit Standalone-Steuergeräten anders?

Standalone-Systeme wie Haltech, MoTeC oder Syvecs bieten einen eigenen CAN-Bus-Ausgang, dessen Datenstream frei parametrierbar ist – welche Daten mit welcher Frequenz gesendet werden, lässt sich exakt auf die Anforderungen zuschneiden. Das Datenlogging ist damit nicht auf die vom Serien-Steuergerät gesendeten Nachrichten beschränkt.

Wie wird eine fahrzeugspezifische DBC-Datei erstellt und überprüft?

Wir zeichnen am Fahrzeug einen vollständigen CAN-Bus-Trace auf, identifizieren die relevanten IDs für Motor, Getriebe, ESP und Bremse und dekodieren die Bytestruktur – Byte-Reihenfolge, Skalierungsfaktor, Offset, Startbit und Länge müssen exakt stimmen. Jeder Kanal wird anschließend gegen eine unabhängige zweite Quelle validiert, etwa GPS-Geschwindigkeit gegen Raddrehzahl oder Lenkwinkel gegen Gierrate. Erst wenn die Kurven deckungsgleich verlaufen, ist der Kanal produktiv; eine Testfahrt verifiziert das Ergebnis.