- Systematik: P0335 betrifft den Kurbelwellensensor (Master-Signal), P0340 den Nockenwellensensor (Phasensignal).
- Aufgabe: Die Kurbelwelle liefert Drehzahl und Position, die Nockenwelle die Zylindererkennung für die sequenzielle Einspritzung und Zündung.
- Startverhalten: P0335 führt oft dazu, dass der Motor nicht startet oder ausgeht. P0340 erlaubt meist einen verlängerten Start im Notlauf.
- Signaltyp: Kurbelwellensensoren sind häufig induktiv (Wechselspannung), Nockenwellensensoren oft Hall-Geber (Versorgungsspannung nötig).
- Abgrenzung: Phasenversatz mit P0016 oder P0017 deutet auf eine gelängte Steuerkette hin, nicht auf einen Sensordefekt.
- Diagnose: Live-Daten beider Sensoren, Oszilloskop-Signalbild, Luftspalt und Geberrad prüfen, statt Bauteile auf Verdacht zu tauschen.
- Werterhalt: Gezielte Sensor- und Verkabelungsprüfung erhält Substanz und vermeidet den Austausch intakter Bauteile.
Die Synchronisation zwischen Kurbelwelle und Nockenwelle ist das Fundament jeder Motorsteuerung. Das Steuergerät muss zu jedem Zeitpunkt wissen, wo sich die Kolben befinden und in welchem Takt jeder einzelne Zylinder arbeitet. Die Fehlercodes P0335 (Crankshaft Position Sensor “A” Circuit) und P0340 (Camshaft Position Sensor Circuit) beschreiben Störungen in genau dieser Orientierung. Auf den ersten Blick wirken die Symptome ähnlich, in der Sache betreffen sie jedoch zwei grundverschiedene Sensoren mit klar unterschiedlichen Aufgaben. Bei KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck analysieren wir diese Signale auf Herstellerniveau und liefern Ihnen einen belastbaren Befund statt einer Vermutung.
Zwei Sensoren, zwei Aufgaben
Beide Sensoren erfassen die Position rotierender Wellen berührungslos. Ihre Rollen im System sind aber grundverschieden.
- Kurbelwellensensor (P0335) - das Master-Signal: Er misst die Drehzahl und die exakte Position der Kurbelwelle. Dazu tastet er ein Geberrad mit definierter Zähnung ab, das eine Lücke oder Bezugsmarke besitzt. Aus dieser Marke leitet das Steuergerät den genauen Bezugspunkt für Zündung und Einspritzung ab. Fehlt dieses Signal, fehlt der Motorsteuerung die Grundlage jeder Berechnung. Die Folge ist in der Regel ein Motor, der nicht anspringt oder während der Fahrt abstellt.
- Nockenwellensensor (P0340) - das Phasensignal: Er erkennt, welcher Zylinder sich gerade im Arbeitstakt befindet. Diese Phasenerkennung ist die Voraussetzung für die sequenzielle Einspritzung und die zylinderindividuelle Zündung. Fällt der Nockenwellensensor aus, kann das Steuergerät die Lage über das Kurbelwellensignal allein rekonstruieren. Der Motor startet dann verzögert und läuft im Notlauf, geht aber meist nicht vollständig aus.
Dieser Unterschied erklärt, warum dasselbe Fahrzeug bei einem P0335 oft auf dem Parkplatz stehenbleibt, bei einem P0340 dagegen mit mühsamem Start und reduzierter Leistung noch in die Werkstatt rollt.
P0335 vs. P0340 im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle stellt die beiden Fehlercodes systematisch gegenüber. Sie zeigt, warum eine pauschale Behandlung beider Codes der falsche Weg ist.
| Merkmal | P0335 Kurbelwellensensor | P0340 Nockenwellensensor |
|---|---|---|
| Klartext | Crankshaft Position Sensor “A” Circuit | Camshaft Position Sensor Circuit |
| Funktion | Master-Signal: Drehzahl und exakte Kurbelwellenposition | Phasensignal: Zylindererkennung im Arbeitstakt |
| Signaltyp (typisch) | Häufig induktiv, erzeugt Wechselspannung | Häufig Hall-Geber, benötigt Versorgungsspannung |
| Geberrad | Zahnkranz mit Lücke oder Bezugsmarke | Geberrad oder Segment auf der Nockenwelle |
| Symptom bei Ausfall | Motor stirbt ab, springt nicht an, ruckelt | Verlängerter Start, Notlauf, Leistungsverlust |
| Startverhalten | Oft kein Start möglich | Start meist möglich, deutlich verzögert |
| Notlauf-Fähigkeit | Kaum Ersatzstrategie vorhanden | Steuergerät synchronisiert über Kurbelwelle allein |
| Auswirkung auf Abgas | AU fällt durch, Motor läuft nicht sauber | Erhöhter Verbrauch, belastet Abgasnachbehandlung |
| Dringlichkeit | Sehr hoch, Liegenbleiben wahrscheinlich | Hoch, fachliche Klärung zeitnah erforderlich |
Induktiv oder Hall: warum der Signaltyp zählt
Die Frage nach dem Sensortyp ist keine theoretische Spielerei. Sie bestimmt, wie wir messen und was ein gutes Signal überhaupt aussehen soll.
Ein induktiver Sensor, wie er an der Kurbelwelle häufig verbaut ist, erzeugt seine Spannung selbst. Sobald sich das Geberrad an der Spule vorbeibewegt, entsteht eine sinusförmige Wechselspannung. Deren Amplitude steigt mit der Drehzahl. Das hat eine wichtige Konsequenz: Beim Anlassen mit langsamer Drehzahl ist die Spannung am geringsten. Genau hier zeigen sich schwächelnde induktive Geber zuerst, denn das Signal reicht im kritischen Moment nicht mehr für eine sichere Erkennung.
Ein Hall-Sensor, wie er an der Nockenwelle oft eingesetzt wird, benötigt dagegen eine Versorgungsspannung und liefert ein sauberes, drehzahlunabhängiges Rechtecksignal. Das macht ihn präzise bei der Phasenerkennung, aber abhängig von intakter Versorgung und Masse. Eine korrodierte Steckverbindung oder ein Spannungsabfall an der Versorgung erzeugt hier dieselben Symptome wie ein defektes Bauteil.
Wer diese physikalischen Unterschiede kennt, prüft gezielt: beim induktiven Geber das Signal bei niedriger Anlasserdrehzahl und den Innenwiderstand, beim Hall-Geber die Versorgung, die Masse und das Rechteckbild. Ein universeller Prüfablauf für beide Sensoren würde an der Sache vorbeigehen.
Für Interessierte: Der Dirigent und der Taktstock (eine Orchester-Analogie)
Stellen Sie sich den Motor als großes Orchester vor. Jeder Zylinder ist ein Musiker, der zum exakt richtigen Moment einsetzen muss. Damit das gelingt, braucht es zwei Informationen, und genau diese liefern die beiden Sensoren.
Der Kurbelwellensensor ist der Taktstock des Dirigenten. Er gibt das Tempo vor und markiert mit jedem Schlag, wo im Takt sich das Orchester gerade befindet. Das Geberrad mit seiner Bezugsmarke ist die eine, unverwechselbare Stelle pro Umdrehung, an der der Dirigent kurz innehält, damit alle wissen: Hier beginnt der Takt von vorne. Diese Lücke im Zahnkranz fehlt bewusst, denn das Steuergerät erkennt am ausbleibenden Impuls die Bezugsmarke. Fällt der Taktstock aus, verstummt das gesamte Orchester. Kein Musiker wagt einen Einsatz, weil niemand mehr weiß, wann er dran ist. Genau das passiert bei P0335: Das Steuergerät gibt Zündung und Einspritzung nicht frei, der Motor bleibt stumm.
Der Nockenwellensensor ist die Partitur, die festlegt, welche Stimme im aktuellen Takt führt. Er sagt dem Dirigenten, ob gerade die erste oder die zweite Hälfte des musikalischen Zyklus läuft, also welcher Zylinder sich im Arbeitstakt befindet. Geht diese Information verloren, kann der Dirigent das Stück trotzdem starten, indem er die Partitur durch Zuhören rekonstruiert. Er braucht dafür ein paar Takte länger und spielt vorsichtiger. Genau das ist der verlängerte Start und der Notlauf bei P0340.
Die Physik dahinter: Der induktive Taktstock erzeugt seinen Impuls aus Bewegung selbst, wie eine Stimmgabel, die nur klingt, solange sie schwingt. Bei langsamem Anlassen ist dieser Impuls schwach. Der Hall-Geber der Partitur dagegen liest seine Information aus einer stabilen Versorgung, wie ein Notenpult mit eigener Beleuchtung, das auch im Stillstand klar lesbar bleibt, solange der Strom fließt. Erst beide Informationen zusammen ergeben ein synchron spielendes Orchester. Stimmt das Verhältnis von Taktstock und Partitur dauerhaft nicht mehr überein, meldet das System einen Phasenversatz, und das ist der Übergang zu den Korrelations-Codes P0016 und P0017.
Gemeinsame Ursachen beider Fehlercodes
So unterschiedlich die Aufgaben sind, so ähnlich sind die möglichen Ursachen. In beiden Fällen prüfen wir dieselbe Kette von Schwachstellen, bevor ein Urteil über das eigentliche Bauteil fällt.
- Sensor selbst defekt: Thermische Wechselbelastung nahe am Motorblock lässt Wicklungen oder Elektronik im Inneren altern. Bei induktiven Gebern verschiebt sich der Innenwiderstand, bei Hall-Sensoren fällt die interne Auswertung aus.
- Geberrad oder Impulsrad beschädigt: Ein abgeplatzter Zahn, ein verschobenes Geberrad oder Korrosion am Impulsrad verfälscht das Signalbild. Hier hilft kein neuer Sensor.
- Stecker, Kabel und Korrosion: Grünspan an den Pins, ein Übergangswiderstand im Stecker oder eine durch Vibration gebrochene Zuleitung erzeugt sporadische Fehler. Marderbiss ist ein klassischer Auslöser.
- Falscher Luftspalt: Der Abstand zwischen Sensor und Geberrad liegt konstruktiv im Bereich weniger Zehntelmillimeter. Eine falsch montierte Dichtung oder ein verschobener Ventildeckel reicht aus, um das Signal zu schwächen.
- Verschmutzung durch Metallspäne: Feiner metallischer Abrieb aus dem Ölkreislauf lagert sich am magnetischen Sensorkopf ab und stört die Erfassung. Das ist zugleich ein Hinweis auf mechanischen Verschleiß, dem wir nachgehen.
- Selten das Steuergerät: In Einzelfällen liegt die Ursache in der Auswerteschaltung der ECU. Das ist die Ausnahme und wird erst nach Ausschluss aller anderen Punkte geprüft.
Wichtige Abgrenzung: Sensor oder Steuerkette?
Hier liegt der häufigste Trugschluss bei der Diagnose dieser Codes. Ein P0335 oder P0340 meldet eine Störung im Stromkreis des jeweiligen Sensors. Erscheinen dagegen die Codes P0016 oder P0017, meldet das Steuergerät einen Phasenversatz zwischen Kurbel- und Nockenwelle. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Ein Phasenversatz bedeutet, dass beide Sensoren korrekte Signale liefern, diese Signale aber zeitlich nicht mehr zueinander passen. Die häufigste mechanische Ursache dafür ist eine gelängte Steuerkette oder ein gedehnter Zahnriemen, der die Nockenwelle gegenüber der Kurbelwelle verstellt. In diesem Fall ist nicht der Sensor das Problem, sondern der Steuertrieb. Wer hier den Sensor tauscht, behebt nichts und verliert Zeit und Substanz.
Genau deshalb trennen wir diese Fälle sauber. Ein reiner Stromkreis-Fehler (P0335, P0340) wird über Signalbild und Verkabelung geklärt. Ein Korrelations-Fehler (P0016, P0017) erfordert die Beurteilung des mechanischen Steuertriebs. Mehr zu dieser Abgrenzung lesen Sie in unseren Beiträgen zur Korrelation von Nockenwelle und Kurbelwelle (P0016) und zum Korrelations-Fehler P0017 vs. P0016.
Diagnose-Exzellenz: Das Oszilloskop liefert den Befund
Ein Fehlereintrag wie P0335 verleitet dazu, vorschnell den Sensor zu ersetzen. Doch was, wenn das Geberrad am Motorblock beschädigt ist oder ein sporadischer Code wie P0339 nur auf einen Wackelkontakt hindeutet? Wir nutzen die Tiefe der Herstellersysteme und ergänzen sie mit Hardware-Messung.
- XENTRY (Mercedes): Wir lesen die Drehzahlsignale beider Geber als Istwerte und prüfen den Synchronisationsstatus. So sehen wir, ob das Steuergerät das Kurbelwellensignal überhaupt als plausibel annimmt.
- ODIS (VW, Audi, Skoda, Seat): Wir greifen die Synchronisations- und Korrelationswerte ab. ODIS zeigt an, ob beide Sensorsignale als plausibel zueinander erkannt werden.
- ISTA (BMW, Mini): Bietet spezifische Prüfpläne für den Startvorgang. Wir vergleichen die Anlasserdrehzahl mit dem gemessenen Kurbelwellensignal.
- Oszilloskop-Messung: Das ist unser Goldstandard. Wir greifen das Signal direkt an der ECU ab und sehen das Rechtecksignal des Hall-Gebers oder die Sinuswelle des induktiven Sensors auf dem Bildschirm. Eine fehlende Bezugsmarke im Signalbild weist sofort auf ein defektes Geberrad hin und nicht auf einen Sensordefekt.
Ergänzend messen wir den Luftspalt zum Geberrad und bei induktiven Sensoren den Innenwiderstand. Diese Kombination aus Live-Daten und Signalbild erlaubt uns, zwischen Sensor, Verkabelung und Geberrad zu unterscheiden, bevor ein Bauteil bewegt wird.
Werterhalt durch gezielte Instandsetzung
Die Zuverlässigkeit Ihres Fahrzeugs hängt an diesen kleinen Bauteilen. Ein No-Name-Sensor kann dazu führen, dass Sie unterwegs liegenbleiben oder das Problem nach kurzer Zeit zurückkehrt. Unser Anspruch ist ein anderer.
- Befund vor Austausch: Wir tauschen erst, wenn die Messung den Sensor, das Geberrad oder die Verkabelung eindeutig als Ursache ausweist. So bleibt intakte Substanz erhalten.
- Erstausrüsterqualität: Wir verbauen Sensoren von Herstellern wie Bosch, Hella oder VDO. Diese entsprechen in Toleranz und Hitzebeständigkeit dem Originalteil.
- Stecker-Check als Standard: Bei jedem Sensorfehler prüfen wir die Pins auf Korrosion. Oft ist ein Übergangswiderstand im Stecker die wahre Ursache eines P0340, nicht der Sensor.
- Vorausschauende Beratung: Bei bekanntermassen thermisch belasteten Motoren besprechen wir mit Ihnen offen, ob ein Austausch bei hoher Laufleistung sinnvoll ist. Sie entscheiden auf Basis eines klaren Befunds.
Dieses Vorgehen ist die intelligente Instandsetzung statt des verschwenderischen Austauschs. Es schützt Ihr Fahrzeug und Ihr Budget zugleich.
Fazit: Gewissheit statt Experimente
Ob P0335 am Kurbelwellensensor oder P0340 am Nockenwellensensor: Beide Codes betreffen das Fundament der Motorsteuerung, doch sie verlangen eine unterschiedliche Behandlung. Der Kurbelwellensensor ist das unverzichtbare Master-Signal, der Nockenwellensensor das Phasensignal für die Zylindererkennung. Erst die saubere Unterscheidung von Stromkreis-Fehler und Phasenversatz führt zur richtigen Lösung. Wir bei KFZ Dietrich stellen mit XENTRY, ODIS und ISTA sowie dem Oszilloskop sicher, dass Ihr Motor jederzeit weiß, wo er steht.
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an. Ein aktiver Fehlercode in der Motorsteuerung führt zum Nichtbestehen der AU.
Startet Ihr Fahrzeug morgens schlecht oder geht es sporadisch aus? Wir analysieren die Signale beider Positions-Sensoren auf Herstellerniveau und liefern Ihnen einen belastbaren Befund.
Telefon: 05505 5236 WhatsApp: https://wa.me/495505999626
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