Die kurze Antwort

Ein Wartungsplan hat zwei Grenzen: eine Kilometer- und eine Zeitgrenze. Fällig ist, was zuerst erreicht wird. Grob gilt: jährlich Öl und Sichtprüfung, alle zwei Jahre Bremsflüssigkeit, bei 30.000 Kilometern die Filter, bei 60.000 Zündkerzen und Kraftstofffilter, bei 90.000 bis 120.000 der Steuertrieb, sofern ein Zahnriemen verbaut ist. Welche Positionen bei Ihrem Fahrzeug tatsächlich anstehen, entscheidet der Hersteller modell- und motorgenau.

Wartungsplan nach Kilometern

Die folgende Übersicht zeigt, welche Arbeiten bei welcher Laufleistung üblicherweise anstehen. Sie ist nach Fälligkeit geordnet, damit Sie direkt an der Stelle einsteigen können, an der Ihr Kilometerstand gerade steht. Die Angaben sind quer über die gängigen Hersteller gemittelt; einzelne Modelle weichen in beide Richtungen ab.

Fälligkeit Was in der Regel ansteht Worauf es dabei ankommt
Jährlich bzw. alle 12 Monate Motoröl und Ölfilter bei festem Intervall, Sichtprüfung der Bremsanlage, Reifen und Beleuchtung, Batterietest, Funktionsprüfung der Klimaanlage, Fehlerspeicher aller Steuergeräte auslesen. Bei flexiblem Longlife-Intervall kann der Ölwechsel später fallen. Die Zeitgrenze gilt trotzdem: Öl altert auch im Stand.
Alle 2 Jahre Bremsflüssigkeit wechseln, Frostschutz im Kühlmittel messen, Pollenfilter erneuern, Unterboden- und Hohlraumschutz sichten. Bremsflüssigkeit zieht Wasser aus der Luft. Ab rund 2 Prozent Wassergehalt fällt der Siedepunkt so weit, dass der Wechsel unabhängig von der Laufleistung ansteht.
Etwa 30.000 km Luftfilter und Innenraumfilter wechseln, Bremsbeläge messen, Zündkerzen bei aufgeladenen Benzinern (modellabhängig), Reifen auf Verschleißbild und Alter prüfen, Achsgeometrie bei einseitigem Abrieb kontrollieren. Das ist bei den meisten Herstellern die Schwelle von der kleinen zur großen Inspektion.
Etwa 60.000 km Zündkerzen bei Saugmotoren, Kraftstofffilter beim Diesel, Getriebeöl bei nass laufenden Doppelkupplungsgetrieben, Bremsscheiben vermessen, Keilrippenriemen und Spannrollen bewerten, Dämpfer und Fahrwerkslager prüfen. Für das trocken laufende DQ200 gibt der Hersteller kein Ölwechselintervall vor. Bei nassen Doppelkupplungen wie DQ250 oder DQ381 gilt die Vorgabe sehr wohl.
Etwa 90.000 km Zahnriemen samt Spann- und Umlenkrollen, sofern verbaut, häufig zusammen mit der Wasserpumpe. Kühlmittel erneuern, Bremsscheiben tauschen, Traggelenke und Spurstangenköpfe auf Spiel prüfen, Stoßdämpfer bewerten. Ein Teil der Motoren läuft mit Steuerkette und hat gar keinen Riemen. Bei Kette wird stattdessen die Kettenlängung über den Steuerzeiten-Abgleich bewertet.
Etwa 120.000 km Zahnriemen spätestens nach der Zeit- oder Kilometergrenze, Automatikgetriebeöl mit Spülung statt reinem Ablassen, Injektoren und Turbolader beim Diesel bewerten, Beladung des Partikelfilters auslesen, Radlager und Achsmanschetten prüfen. Einfaches Ablassen tauscht je nach Getriebetyp nur einen Teil des Öls; im Wandler, im Kühler und in den Kanälen verbleiben bis zu 60 Prozent Altöl.
Ab 150.000 km Steuerkette und Kettenspanner bewerten, AGR-Ventil und Ansaugtrakt auf Verkokung prüfen, Motorlager und Getriebelager, Klimakompressor und Kältemittelfüllmenge, Korrosion an Bremsleitungen und Achsträger. Ab dieser Laufleistung entscheidet weniger der Kilometerstand als der Zustand. Hier lohnt die Befundaufnahme mehr als eine starre Liste.

Verbindlich ist die Herstellervorgabe zu Ihrer FIN

Wartungstabellen im Netz veralten. Hersteller überarbeiten Intervalle, ergänzen nachträgliche Service-Maßnahmen und unterscheiden nach Motor, Getriebe und Ausstattung. Deshalb fragen wir vor jeder Inspektion die tagesaktuellen Herstellervorgaben passend zur Fahrgestellnummer ab und gleichen sie mit dem digitalen Serviceheft ab – über XENTRY für Mercedes, ODIS für die VW-Gruppe und ISTA für BMW und Mini. Erst daraus entsteht der verbindliche Umfang für Ihr Fahrzeug. Mehr dazu: Digitales Serviceheft: Eintragung durch die Werkstatt.

Die Inspektion-Checkliste im Einzelnen

Diese Liste bildet eine vollständige Inspektion nach Herstellerprotokoll ab. Sie ist die Grundlage für den Eintrag im Serviceheft und hält die Vorgaben der EU-Gruppenfreistellungsverordnung ein, damit die Herstellergarantie erhalten bleibt. Die dritte Spalte nennt das jeweilige Kriterium – also das, woran sich „in Ordnung" festmachen lässt, statt es dem Augenmaß zu überlassen. Bei jedem Fahrzeug ergänzen wir die markenspezifischen Punkte aus dem Herstellersystem.

Position Was geprüft wird Kriterium bzw. Grenzwert
1Motoröl und Ölfilter Stand, Verschmutzung, Undichtigkeiten an Deckel, Wanne und Simmerringen Freigabe und Viskosität exakt nach Herstellervorgabe zur FIN
2Luftfilter Verschmutzungsgrad, Beschädigung, Dichtsitz im Kasten Sichtprüfung, Tausch spätestens zum Herstellerintervall
3Innenraumfilter Verschmutzung, Geruchsbildung, Feuchtigkeit im Filterkasten In der Regel jährlich, bei Pollenbelastung früher
4Bremsbeläge Restdicke aller vier Räder, Verschleißbild, Freigängigkeit der Führungen Herstellergrenze, häufig 2 bis 3 mm Reibbelag
5Bremsscheiben Restdicke, Riefen, Rostkante, Seitenschlag im montierten Zustand Mindestdicke ist auf der Scheibe eingeprägt; Seitenschlag je nach Hersteller 0,05 bis 0,10 mm
6Bremsflüssigkeit Wassergehalt messen, Stand, Zustand der Leitungen und Schläuche Über 2 Prozent Wassergehalt: Wechsel
7Reifen und Räder Profiltiefe, Luftdruck, DOT-Alter, Flankenschäden, Radschrauben Gesetzlich 1,6 mm Mindestprofiltiefe; darüber hinaus als Werkstattempfehlung: Winterreifen bis 6 Jahre, Sommerreifen bis 8 Jahre, ab 10 Jahren Tausch
8RDKS Sensorfunktion, Anlernstatus, Warnleuchte Sensorbatterien halten je nach Fabrikat 5 bis 10 Jahre
9Beleuchtung Alle Leuchten, Blinker, Bremslicht, Nebelschlussleuchte, Scheinwerfereinstellung Einstellung mit dem Prüfgerät, nicht nach Augenmaß
10Unterboden und Auspuff Korrosion, Undichtigkeiten, Aufhängungen, Hitzeschutzbleche, Manschetten Beginnende Korrosion dokumentieren, bevor sie tragende Teile erreicht
11Flüssigkeitsstände Kühlmittel, Servoöl, Scheibenwaschanlage, AdBlue Frostschutz-Sollwert im Kühlmittel: minus 35 Grad Celsius
12Steuertrieb Zahnriemen auf Risse und Spannung, Kette auf Geräusch und Längung Riemen nach Kilometer- und Zeitgrenze, Kette über den Steuerzeiten-Abgleich
13Batterie Ruhespannung, Kaltstartstrom, Ladezustand, Polklemmen Messwerte protokollieren, nicht nur die Spannung ablesen
14Fehlerspeicher Alle Steuergeräte über die Herstellerdiagnose, nicht nur den Motor Sporadische Einträge mit Umgebungsdaten festhalten
15Service-Intervall Rücksetzen der Wartungsanzeige, Eintrag im digitalen Serviceheft Reset nach tatsächlichem Serviceumfang, damit das Folgeintervall stimmt

Was auf der Liste steht und was tatsächlich getauscht wird, sind zwei verschiedene Dinge. Gemessen wird alles, getauscht wird, was die Grenze erreicht hat oder es bis zum nächsten Intervall nicht schafft. Diese Unterscheidung nennen wir Ihnen vor der Freigabe – sicherheitsrelevant, fällig oder kann warten.

Kleine oder große Inspektion – woran Sie den Unterschied erkennen

Die kleine Inspektion ist die Grundrunde: Öl und Ölfilter, Sichtprüfung der sicherheitsrelevanten Baugruppen, Flüssigkeitsstände, Fehlerspeicher. Die große Inspektion kommt turnusmäßig etwa jede zweite Runde dazu und ersetzt Sichtbefunde durch Messwerte: Bremsbelagdicke, Scheibenrestdicke, Wassergehalt der Bremsflüssigkeit, Dämpferwirkung, Achsgeometrie. Dazu kommen die Verschleißteile, die nicht jedes Jahr fällig sind – Luftfilter, Innenraumfilter, Zündkerzen, Kraftstofffilter.

Bei Mercedes heißt diese Abfolge Service A und Service B, bei BMW löst das Condition Based Service jede Position einzeln aus, bei der VW-Gruppe unterscheiden sich fester und flexibler Service. Wie diese Systeme rechnen und warum ein Reset per Universalgerät das Folgeintervall verschieben kann, haben wir hier ausführlich beschrieben: Wartungsplan verstehen – feste und flexible Intervalle.

Was sich bei Kurzstrecke am Wartungsplan ändert

Wer überwiegend kurze Wege fährt, belastet den Motor härter als die Kilometerzahl vermuten lässt. Bei jedem Kaltstart gelangt unverbrannter Kraftstoff an die Zylinderwand und verdünnt das Öl, Kondenswasser sammelt sich im Kurbelgehäuse und in der Auspuffanlage, und der Ölfilm baut sich erst bei Betriebstemperatur vollständig auf. Beim Diesel kommt hinzu, dass der Partikelfilter die Regenerationstemperatur selten erreicht und sich unverbrannter Ruß anlagert.

Unsere Empfehlung für dieses Profil: das Ölwechselintervall auf zwölf Monate oder rund 20.000 Kilometer begrenzen, auch wenn die Anzeige im Kombiinstrument noch Restlaufzeit meldet. Der Longlife-Algorithmus rechnet mit einem Durchschnittsprofil und erkennt reinen Kurzstreckenbetrieb nur eingeschränkt. Weiterführend: DPF nach Kurzstrecke retten: Vollruß vermeiden.

HU und AU: der zweite Termin

Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an. Die Prüfung ist eine Momentaufnahme der Verkehrssicherheit und sagt nichts darüber aus, ob die Wartung auf dem Stand ist – so wie eine frische Inspektion keine Plakette ersetzt.

Wer beides zusammenlegt, spart eine Anfahrt und das Risiko der Nachprüfung: Bei der Inspektion ist das Fahrzeug ohnehin auf der Bühne, prüfungsrelevante Mängel fallen dabei auf und lassen sich vor der Vorführung beheben. Bei unserem HU-Vorcheck prüfen wir die prüfungsrelevanten Punkte und geben eine belastbare Einschätzung, ob das Fahrzeug durchkommt.

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Häufige Fragen zu Wartungsplan und Inspektion

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