ACC Abstandsregelung: Werkstatt-Diagnose & Kalibrierung

ACC-Abstandsregelung in der Werkstatt: 77-GHz-Radarsensor, XENTRY/ODIS/ISTA-Kalibrierung, typische Befunde nach Stoßstangen-Reparatur. KFZ Dietrich Hardegsen.

ACC Abstandsregelung: Werkstatt-Diagnose & Kalibrierung
TL;DR
  • ACC nutzt einen 77-GHz-Long-Range-Radarsensor mit 200–250 m Reichweite, ±9° Azimut-Erfassungswinkel und unter 0,1° Winkelauflösung durch MIMO-Antennen-Array.
  • Häufigste Ursache für ACC-Ausfall: Eingriffe an der Frontstoßstange – Lackierung, Bagatellschaden, Folierung. Lackschichtdicke über 200 µm im Sensorbereich blockiert Radarstrahlung.
  • Kalibrierung ist Pflicht nach Stoßstangen-Demontage, Achsvermessung, Fahrwerks-Eingriffen und Software-Updates des ACC-Steuergeräts.
  • Statische Adaption mit Dopplerreflektor (RCS 10 m²) im Stand + dynamische Lernfahrt auf Azimut-Toleranz ±0,5°.
  • ECE R152 schreibt seit 2024 dokumentationspflichtige Kalibrier- und Prüfverfahren vor – das Adaptions-Protokoll erhalten Sie von uns mit dem Auftrag.

Einleitung: Warum die ACC-Abstandsregelung ein eigenes Fachgebiet ist

Die Adaptive Cruise Control – kurz ACC – ist eines der zentralen Fahrerassistenzsysteme moderner Fahrzeuge. Sie hält nicht nur eine eingestellte Geschwindigkeit, sondern misst aktiv den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und passt das Tempo automatisch an. Was nach einer reinen Komfortfunktion klingt, ist tatsächlich ein hochkomplexes System aus Radarsensorik, Signalverarbeitung, Steuergerätekommunikation und mechanischer Präzision.

In unserer Werkstatt in Hardegsen-Gladebeck erleben wir täglich, dass ACC-Probleme selten durch einen einzelnen, eindeutigen Fehler entstehen. Häufiger sind es Kombinationen aus mechanischer Dejustage, elektrischen Übergangswiderständen, Software-Konflikten und Auswirkungen vermeintlich harmloser Reparaturen an der Frontpartie. Wer hier ohne Herstellerdiagnose – also ohne XENTRY, ODIS oder ISTA – an die Sache herangeht, riskiert ein System, das zwar fehlerfrei “wirkt”, in der Praxis aber Verkehrsteilnehmer nicht korrekt erfasst.

Dieser Beitrag fasst zusammen, wie die ACC-Architektur aufgebaut ist, welche Werkstatt-Befunde wir besonders häufig sehen und welche Diagnoseschritte zwingend zur fachgerechten Instandsetzung gehören.

Architektur der ACC-Abstandsregelung

Der 77-GHz-Long-Range-Radarsensor (LRR)

Das Herzstück jeder ACC-Anlage ist der Long-Range-Radarsensor, der im Frequenzbereich von 76 bis 81 GHz arbeitet – fachsprachlich kurz “77-GHz-Band”. Diese Frequenz hat sich durchgesetzt, weil sie eine ausreichende Reichweite, eine hohe Winkelauflösung und eine gute Witterungstoleranz vereint. Regen, Nebel und leichter Schneefall dämpfen die Signale weniger stark als bei niedrigeren Frequenzen.

Die typische Einbaulage des Sensors variiert je nach Hersteller:

  • Mercedes-Benz: häufig hinter dem Stern im Kühlergrill, bei einigen Baureihen tief in der Stoßstange.
  • BMW: im Iconic-Eye-Bereich der Frontstoßstange, oft hinter einer für Radarwellen durchlässigen Blende.
  • VAG-Konzern (VW, Audi, Skoda, Seat): zentral in der unteren Stoßstangenpartie hinter einem Kunststoff-Emblem oder einer Designblende.

Ziel-Tracking und Verfolgungs-Algorithmus

Ein moderner LRR-Sensor erkennt nicht nur einzelne Reflexionen, sondern verfolgt simultan mehrere Objekte – die sogenannten “Targets”. Der Sensor klassifiziert jedes Ziel nach Entfernung, Relativgeschwindigkeit, Azimut-Winkel und – über mehrere Messzyklen hinweg – nach Bewegungsmuster.

Der Verfolgungs-Algorithmus muss dabei entscheiden, welches Ziel relevant für die Abstandsregelung ist. Das ist nicht trivial: Ein parkendes Fahrzeug am Fahrbahnrand darf keine Notbremsung auslösen, ein einscherendes Fahrzeug im eigenen Spurkorridor hingegen sehr wohl. Diese Logik läuft im ACC-Steuergerät, das eng mit der ESP-Steuerung, der Motorsteuerung und – bei vorhandener Frontkamera – mit dem Bildverarbeitungs-Steuergerät kommuniziert.

Voll-Stop-ACC vs. ACC ab 30 km/h

Es gibt zwei grundlegende Bauformen, die in der Werkstatt unterschieden werden müssen:

  • Klassisches ACC: Funktion ab etwa 30 km/h aufwärts, Abschaltung beim Unterschreiten dieser Schwelle. Typisch in älteren Baureihen oder einfacheren Ausstattungslinien.
  • Stop-and-Go-ACC (Voll-ACC): Funktion von 0 bis circa 200 km/h, inklusive vollständigem Anhalten im Stau und automatischem Wiederanfahren. Mercedes vermarktet diese Variante als Distronic Plus, BMW als Aktiver Geschwindigkeitsregler mit Stop&Go, VAG-Konzern als ACC Plus oder Adaptive Cruise Assist.

Die Voll-ACC nutzt in der Regel einen zusätzlichen Nahbereichs-Sensor oder die Frontkamera, um Anfahr- und Abbiegevorgänge auch im Stillstand sicher beurteilen zu können.

Die häufigsten Werkstatt-Befunde an der ACC-Abstandsregelung

Aus unserer täglichen Werkstattpraxis in Hardegsen kennen wir wiederkehrende Befundbilder, die wir hier offen darstellen. Ziel ist nicht der Austausch teurer Bauteile, sondern die strukturierte Ursachenanalyse mit Herstellerdiagnose.

1. ACC-Fehler nach Stoßstangen-Reparatur

Der mit Abstand häufigste Befund. Schon ein vermeintlicher Bagatellschaden – ein leichter Parkrempler an der Frontstoßstange – führt regelmäßig zu sporadischen oder dauerhaften ACC-Ausfällen. Die Stoßstange selbst muss dabei nicht zwingend sichtbar deformiert sein. Auch eine nach der Reparatur unsachgemäß montierte Halterung des Radarsensors verschiebt dessen Ausrichtung um wenige Zehntel Grad – und das genügt bereits, um die Sensor-Adaption außerhalb der zulässigen Toleranz zu bringen.

2. Radarsensor durch Verschmutzung erkennbar gestört

Schnee, Eis, Streusalzkrusten und Schmutzablagerungen dämpfen das Radarsignal. Die meisten Systeme erkennen dies eigenständig und zeigen eine entsprechende Warnmeldung im Kombiinstrument an (“Distronic eingeschränkt”, “ACC nicht verfügbar”). Problematisch wird es, wenn die Verschmutzung nur leicht ist – dann wird kein Warnhinweis ausgegeben, die Erfassungsreichweite ist aber dennoch reduziert. In der Live-Datenanalyse erkennen wir das an einer auffällig geringen Detektionsreichweite trotz fehlerfreier Selbstdiagnose.

3. Lackschichtdicke über 200 µm blockiert die Radarstrahlung

Ein Klassiker nach Smart-Repair, Nachlackierung oder Folierung der Frontstoßstange: Die Radarwellen müssen den Kunststoff der Stoßstange und die darüberliegende Lackschicht durchdringen. Hersteller schreiben dafür eine maximale Lackschichtdicke vor, die in der Regel bei 200 µm Klarlack liegt. Eine doppelt aufgetragene Lackierung oder eine Folie mit hohem Metallpartikelanteil bringt die Dämpfung über die zulässige Grenze – das System “sieht” weniger weit, was sich in Live-Daten als reduzierter Reichweiten-Parameter zeigt.

4. Kalibrierungs-Verlust nach Achsvermessung

Nach jeder Achsvermessung oder einem Achseingriff verändert sich die Fahrzeug-Geometrie minimal. Selbst eine Korrektur der Hinterachs-Spur wirkt sich auf die Fahrtrichtung relativ zur Längsachse aus – und damit auf den Erfassungsbereich des Frontradars. Eine Lernfahrt zur dynamischen ACC-Adaption ist nach jeder Achsvermessung Pflicht.

5. ESP-Kommunikations-Defekt

Das ACC-Steuergerät bezieht permanent Daten aus dem ESP – insbesondere Gierrate, Querbeschleunigung und Lenkwinkel. Bei Kommunikationsstörungen auf dem CAN-Bus oder bei einem defekten Lenkwinkelsensor verliert die ACC ihre Plausibilisierung. Folge: Die Funktion schaltet sich ab, oft mit Fehlercodes, die auf den ersten Blick nicht nach ACC aussehen.

6. Sensor-Antenne mechanisch verbogen

Ein massiver Frontschaden, ein zu fester Anschlag beim Einparken oder eine unsachgemäße Demontage der Stoßstange können die Antennenstruktur des Sensors mechanisch dejustieren. Hier hilft keine Kalibrierung mehr – der Sensor muss als Einheit ersetzt und anschließend neu adaptiert werden.

7. Steckkontakt feucht oder korrodiert

Der Sensorstecker liegt im Bereich der vorderen Stoßstange und ist trotz Schutzkappen anfällig für Feuchtigkeit. Korrodierte Pins erzeugen sporadische Aussetzer, die nur bei bestimmten Temperaturen oder nach Regenfahrten auftreten. In der Live-Datenanzeige sehen wir solche Defekte als kurzzeitige Signalverluste oder als auffällige Spannungseinbrüche an der Sensor-Versorgung.

Werkstatt-Diagnose mit XENTRY, ODIS und ISTA

Eine seriöse ACC-Diagnose ist ohne Herstellersoftware nicht möglich. OBD2-Universaltester lesen Fehlercodes aus, ermöglichen aber keinen Zugriff auf die für die Adaption nötigen Servicefunktionen. In unserer Werkstatt arbeiten wir mit den offiziellen Diagnose-Systemen der jeweiligen Hersteller.

Live-Daten, die bei der ACC-Diagnose entscheidend sind

  • Radar-Status: Selbsttest, Versorgungsspannung, interne Temperatur.
  • Erkennungs-Reichweite: aktueller Maximalwert in Metern.
  • Azimut-Winkel: Ausrichtung der Sensor-Hauptkeule, Sollwert nach Adaption ±0,5°.
  • Anzahl der erkannten Targets: Plausibilitätsprüfung im fließenden Verkehr.
  • Adaption-Pfad: statisch (mit Dopplerreflektor in der Werkstatt) und dynamisch (Lernfahrt unter realen Verkehrsbedingungen).

Statische Kalibrierung mit Dopplerreflektor

Die statische Adaption erfolgt in einer geometrisch vermessenen Halle. Vor dem Fahrzeug wird in genau definiertem Abstand und exakter Höhe ein Dopplerreflektor positioniert – ein passives Ziel mit einem Radar-Querschnitt (RCS) von typisch 10 m². Der Sensor erkennt das Ziel, vergleicht den Soll- mit dem Ist-Winkel und lernt die Korrekturwerte ein.

Dynamische Kalibrierung per Lernfahrt

Die dynamische Adaption erfolgt während einer definierten Probefahrt mit mehreren erkannten Vorausfahrzeugen. Der Sensor verfeinert dabei die Korrekturwerte aus der statischen Adaption auf eine Azimut-Toleranz von circa ±0,5°. Erst nach erfolgreicher dynamischer Lernfahrt gilt das System als vollständig adaptiert.

Marken-Klassiker bei der ACC-Diagnose

Mercedes Distronic Plus mit XENTRY ADAS-Tafel

Bei Mercedes wird die ACC-Adaption über die XENTRY ADAS-Tafel durchgeführt – ein modulares Zielsystem mit definierten Positionen für Frontradar, Stereokamera und Seitenradare. Die statische Justage erfolgt in genau dokumentierter Geometrie, die dynamische Lernfahrt anschließend nach Mercedes-Vorgabe. Typische Diagnose-Pfade: “Steuergerät: Radarsensorik” – “Justage durchführen” – “Adaptionswerte zurücksetzen”. Wer hier ohne Original-XENTRY arbeitet, erreicht die nötigen Servicefunktionen nicht.

BMW ACC mit ISTA Servicefunktion ACC_KAL

BMW bündelt die ACC-Kalibrierung in der Servicefunktion ACC_KAL innerhalb von ISTA. Das System führt den Mechaniker durch die statische Adaption mit BMW-spezifischem Reflektor, prüft danach die Live-Werte und gibt die dynamische Lernfahrt frei. Eigenheit: ISTA verlangt vor der Adaption häufig eine Aktualisierung der Steuergeräte-Datensätze – ohne diese Anpassung schlägt die Kalibrierung fehl, ohne dass eine klare Fehlermeldung erscheint.

VAG ACC Plus mit ODIS GFF Front-Radar

Im VAG-Konzern (VW, Audi, Skoda, Seat) erfolgt die ACC-Adaption über die geführte Fehlersuche GFF in ODIS. Der Adaptions-Pfad heißt typischerweise “Front-Radar – J428 – Grundeinstellung”. Auch hier ist die Justage zweistufig: statische Adaption im Stand mit Reflektor, dynamische Adaption per definierter Probefahrt. Typischer Stolperstein: Wenn der Lenkwinkelsensor nicht zuvor angelernt wurde, schlägt die ACC-Adaption fehl – die GFF weist explizit darauf hin.

Für Techniker: 77-GHz-Frontradar – Systemparameter und Adaptionswerte

Sensor-Spezifikationen und Signalverarbeitung

Frequenzband: 76–81 GHz (FMCW, Frequency Modulated Continuous Wave). Wellenlänge: ~3,9 mm. Betriebszulassung nach ETSI EN 302 264.

Reichweite Long-Range (LRR): 200–250 m unter Idealbedingungen (trockene Fahrbahn, keine Sichtbehinderung). Bei Starkregen: Dämpfung ca. 0,01 dB/m bei 77 GHz → effektive Reichweite ~150–180 m.

Winkelauflösung: < 0,1° Azimut durch MIMO-Antennen-Array (Multiple Input, Multiple Output). Typische Array-Konfiguration: 4TX × 6RX = 24 virtuelle Antennen-Elemente.

Ziel-Unterscheidungsvermögen: Entfernung: ±0,3 m; Relativgeschwindigkeit: ±0,1 km/h; Azimut-Winkel: ±0,1°. Diese Werte sind in XENTRY Live-Daten als “Target Accuracy”-Parameter auslesbar.

Maximale gleichzeitig verfolgte Objekte (Targets): 48–64 je nach Steuergerät-Generation. Klassifikation: stationär/fahrend, Fahrzeug/Fußgänger, im eigenen Spurkorridor/Nachbarspur.

Kalibrierungsparameter und Toleranzen

ParameterWerks-ToleranzNach statischer AdaptionNach dynamischer Lernfahrt
Azimut-Winkel±5° (Montagetoleranz)±2°±0,5°
Elevation-Winkel±3°±1°±0,5°
Reichweiten-Fehler±2 m±0,5 m

Dopplerreflektor RCS: Radar Cross Section typisch 10 m², markenspezifisch definiert (BMW: 8 m², Mercedes: 12 m², VAG: 10 m²). Positionierung: Fahrzeug-Mittelachse ±5 mm, Höhe gemäß Hersteller-Vorgabe ±3 mm.

Lackschichtdicke: Maximale Klarlack-Gesamtstärke über dem Sensorbereich: 200 µm. Messung mit Schichtdickenmessgerät (Fischer FMP, DeFelsko). Metallpartikel in Folien (Kohlefaser-Optik, Chrom-Folie) blockieren Radarwellen vollständig – keine definierten µm-Grenzwerte, grundsätzlich zu vermeiden.

Diagnose-Pfade in Herstellersoftware

Mercedes XENTRY: Steuergerät → Radarsensorik → Justage durchführen → Adaptionswerte zurücksetzen. Nach statischer Adaption: “Zielwert erreicht” muss erscheinen. Dynamische Lernfahrt: min. 5 min Autobahnfahrt mit mind. 3 erkannten Vorausfahrern.

BMW ISTA Servicefunktion ACC_KAL: Vor Ausführung zwingend Steuergeräte-Datensatz-Update prüfen (ISTA → Serviceplan → Steuergeräte-Aktualisierung). Ohne Update schlägt ACC_KAL ohne Fehlermeldung fehl.

VAG ODIS GFF: J428 (Front Assist Steuergerät) → Grundeinstellung → Lenkwinkelsensor-Adaption prüfen als Voraussetzung. Ohne angelernten Lenkwinkelsensor bricht GFF-Adaption ab.

Wann ist eine ACC-Kalibrierung in der Werkstatt zwingend erforderlich?

Aus unserer Werkstattpraxis ergeben sich zwölf typische Auslöser, bei denen eine vollständige ACC-Adaption Pflicht ist:

  1. Nach jeder Demontage und Montage der Frontstoßstange.
  2. Nach jedem Eingriff am Radarsensor selbst (Tausch, Reinigung, Neuverkabelung).
  3. Nach jeder Lackierung im Bereich der Sensor-Abdeckung.
  4. Nach Folierung der Frontstoßstange im Sensor-Bereich.
  5. Nach jeder Achsvermessung – auch nach reiner Hinterachs-Korrektur.
  6. Nach jedem Fahrwerks-Eingriff, der die Höhenlage des Fahrzeugs verändert.
  7. Nach Tausch oder Anlernung des Lenkwinkelsensors.
  8. Nach Tausch des ESP- oder Bremssteuergeräts.
  9. Nach Tausch der Frontkamera (bei kombinierten ACC-/Notbrems-Systemen).
  10. Nach Software-Update des ACC-Steuergeräts.
  11. Nach jedem Frontschaden – auch bei rein optischer Reparatur.
  12. Nach Reset der Adaptionswerte über die Diagnose.

Was Sie über die Werkstattkosten wissen sollten

Ein seriöser Kostenrahmen für die ACC-Diagnose und Kalibrierung lässt sich nicht pauschal angeben – er hängt von Hersteller, Sensorlage und Umfang der Vorarbeit ab. Was wir aber zusagen können: Wir arbeiten ausschließlich mit der Original-Herstellersoftware des jeweiligen Fabrikats. Eine Diagnose-Übersicht und ein verbindliches Angebot erhalten Sie vor Beginn der Arbeiten.

Wichtig zu wissen: Die ACC-Kalibrierung ist nach ECE R152 verbindlich in der Werkstatt zu dokumentieren. Diese Dokumentation ist für Versicherungsabwicklung, HU-Prüfung und Werterhalt des Fahrzeugs relevant. Wir stellen Ihnen das Adaptions-Protokoll mit dem Auftrag aus.

12 Werkstatt-Erkenntnisse aus unserer Werkstattpraxis

  1. ACC ist kein Komfort-Modul, sondern ein sicherheitsrelevantes Assistenzsystem – jede Reparatur an der Frontpartie zieht eine Diagnose nach sich.
  2. Der häufigste Defekt-Auslöser ist mechanischer Natur – Stoßstangen-Eingriffe, nicht elektronische Ausfälle.
  3. Lackschichtdicken-Messung gehört zur ACC-Diagnose – ein Schichtdickenmessgerät spart oft stundenlange Fehlersuche.
  4. Ohne Herstellersoftware keine Servicefunktion – XENTRY, ODIS und ISTA sind nicht ersetzbar.
  5. Die statische Adaption ist nur die halbe Miete – ohne dynamische Lernfahrt bleibt die Toleranz oberhalb des Sollwerts.
  6. Der Lenkwinkelsensor ist ein häufig übersehener Mitspieler – seine Anlernung ist Voraussetzung für die ACC-Adaption.
  7. ESP- und ACC-Fehler treten oft im Verbund auf – wer die ACC isoliert betrachtet, übersieht die Ursache.
  8. Feuchtigkeit an der Sensor-Steckverbindung ist eine der typischen Spätfolgen unsachgemäßer Stoßstangen-Reparatur.
  9. Eine fehlerfreie Selbstdiagnose schließt einen Defekt nicht aus – Live-Daten zeigen Probleme, die kein Fehlercode nennt.
  10. Folierung mit Metallpartikeln ist im Sensorbereich auszuschließen – das gilt auch für Steinschlagschutzfolien.
  11. Die ECE R152 verlangt seit 2024 ein dokumentiertes Kalibrierverfahren – Werkstätten ohne Adaptionsplatz und Hersteller-Reflektor erfüllen diese Norm nicht.
  12. Eine Probefahrt nach der Reparatur ist Pflicht – sie ist Teil des Kalibrierverfahrens, nicht nur eine Funktionskontrolle.

Über KFZ Dietrich – Werkstatt für komplexe Diagnose

KFZ Dietrich ist eine Meisterwerkstatt in Hardegsen-Gladebeck im Landkreis Northeim (Südniedersachsen). Wir haben uns auf komplexe Diagnose, ECU-Programmierung und ADAS-Kalibrierung spezialisiert. Nils Dietrich ist KFZ-Mechatroniker und führt die Diagnosen persönlich durch.

Wir arbeiten mit den offiziellen Diagnose-Systemen der Hersteller: XENTRY für Mercedes-Benz, ODIS für VW/Audi/Skoda/Seat und ISTA für BMW/Mini. Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Für Unternehmer bieten wir zusätzlich die DGUV-Prüfung an.

Unser Anspruch: Gleiche Diagnose-Qualität wie beim Vertragshändler – mit der persönlichen Betreuung und Transparenz eines unabhängigen Meisterbetriebs.

Weiterführende Beiträge aus unserem Werkstatt-Cluster

Termin oder Diagnose-Anfrage

Wenn Ihre ACC nach einer Reparatur Auffälligkeiten zeigt oder Sie eine fachgerechte Kalibrierung benötigen, sprechen Sie uns an. Wir prüfen Ihr Fahrzeug mit der originalen Herstellersoftware, dokumentieren die Befunde nachvollziehbar und liefern Ihnen ein verbindliches Angebot vor Beginn der Arbeiten. Ihr langfristiger Partner für den Werterhalt – KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck.


Weiterführende Informationen:

Häufig gestellte Fragen

Warum funktioniert meine ACC nach einer einfachen Stoßstangen-Reparatur nicht mehr?

Der Radarsensor sitzt in oder hinter der Stoßstange. Schon eine geringfügige Verschiebung der Sensor-Halterung beim Aus- und Einbau, eine zu dicke Lackschicht oder eine fehlende Adaption führt zu Funktionsausfällen. Eine Diagnose mit XENTRY, ODIS oder ISTA klärt die Ursache zuverlässig.

Kann ich die ACC-Kalibrierung mit einem OBD2-Tester selbst durchführen?

Nein. Die Adaptions- und Lernfunktionen liegen ausschließlich in der Herstellersoftware (XENTRY, ODIS, ISTA). Universaltester können Fehlercodes lesen, aber keine ACC-Adaption durchführen. Eine fachgerechte Kalibrierung erfordert zusätzlich einen Dopplerreflektor, einen geometrisch vermessenen Adaptionsplatz und eine definierte Lernfahrt.

Muss meine ACC nach einer Achsvermessung neu kalibriert werden?

Ja. Eine Achsvermessung verändert die Fahrzeug-Geometrie und damit die Ausrichtung des Radarsensors relativ zur Fahrtrichtung. Die ACC-Adaption – mindestens die dynamische Lernfahrt – ist anschließend Pflicht, um die Azimut-Toleranz auf den geforderten Wert von ±0,5° zu bringen.

Was bedeutet ECE R152 konkret für meine Werkstatt-Reparatur?

ECE R152 ist eine europäische Norm, die seit 2024 verbindliche Anforderungen an Notbrems- und Abstandsregelsysteme stellt. Für die Werkstatt heißt das: Kalibrier- und Prüfverfahren sind dokumentationspflichtig. Wir stellen Ihnen das Adaptions-Protokoll als Nachweis aus.

Wie erkenne ich, dass mein ACC-Radar durch Schmutz oder Eis beeinträchtigt ist?

Das Kombiinstrument zeigt eine Meldung wie 'Distronic eingeschränkt' oder 'ACC nicht verfügbar'. Problematisch sind Situationen, in denen die Dämpfung gering ist – kein Warnhinweis, aber reduzierte Reichweite. In der Live-Datenanzeige mit XENTRY/ODIS/ISTA erkennen wir das an einer auffällig geringen Detektionsreichweite trotz fehlerfreier Selbstdiagnose.

Welche Diagnosesysteme setzen Sie für die ACC-Kalibrierung ein?

Wir arbeiten mit den offiziellen Herstellersystemen XENTRY (Mercedes Distronic Plus), ODIS mit GFF (VAG ACC Plus) und ISTA mit Servicefunktion ACC_KAL (BMW). Nur diese Systeme bieten Zugang zu den Adaptionsfunktionen und ermöglichen das korrekte Dokumentieren des Kalibrierprotokolls nach ECE R152.

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