- Bedeutung: Glüh-Steuergerät-Stromkreis defekt – häufigste Ursache: GST-Endstufe altersbedingt (~40 %)
- Symptome: schlechter Kaltstart, Notlauf bei Frost, weißer Rauch, mögliche Motorkontrolllampe
- Diagnose: Steuergeräte-Vollabfrage mit XENTRY/ODIS/ISTA, Strom-Zange am GST, Widerstandsmessung Kerzen
- Reparatur: GST-Tausch + alle Kerzen prüfen + Codierung mit Hersteller-Tool zwingend
- Vorbeugung: Glühsystem-Test vor dem Winter bei Diesel ab 80.000 km
P0670 verstehen: Diesel-Vorglühanlage als Schlüsselsystem
Bei Diesel-Motoren ist die Vorglühanlage kritisch für das Kaltstart-Verhalten. Im Gegensatz zu Benzin-Motoren, die durch Funke und Verdichtung zünden, brauchen Diesel hohe Brennraum-Temperaturen für die Selbstzündung. Bei kaltem Motor und kalter Luft reicht die Verdichtungs-Wärme allein nicht aus – die Glühkerzen erwärmen die Vor-Brennkammer (oder den Brennraum direkt bei Direkteinspritzern) auf 800–1.000 °C vor.
Das moderne Glühsystem hat drei Hauptkomponenten: das Glüh-Steuergerät (GST) als zentrale Steuereinheit, die Glühkerzen (4–6 Stück, einzeln schaltbar) und die Verkabelung mit Hochstrom-Sicherungen im 60–100-A-Bereich.
Das GST übernimmt dabei wesentlich mehr als das einfache Ein- und Ausschalten: Es steuert die Glühdauer abhängig von der Motortemperatur (4–15 Sekunden je nach Kältegrad), begrenzt den Strom pro Kerze, diagnostiziert jede einzelne Kerze separat und führt nach dem Start eine Nachglüh-Phase von bis zu fünf Minuten durch, die dem Lärm- und Emissionsverhalten zugute kommt.
Bei P0670 ist die GST-Funktion oder dessen Kommunikation mit dem Motorsteuergerät gestört. Häufig folgen Einzel-Kerzen-Codes (P0671 bis P0676) als Sekundär-Befunde, weil das defekte GST keine validen Messungen der einzelnen Kerzen mehr liefern kann.
Diagnose-Reihenfolge in der Werkstatt
Schritt 1: Cluster-Analyse mit Hersteller-Tool
Mit XENTRY (Mercedes), ODIS (VAG), ISTA (BMW/Mini):
| Cluster | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Nur P0670 | GST-Hardware-Defekt |
| P0670 + P0671–P0676 | GST + einzelne Kerzen |
| Nur P0671/P0672 etc. | Einzelne Kerze defekt, GST intakt |
| P0670 + Versorgungs-Codes | Sicherung/Relais vorrangig prüfen |
Schritt 2: Versorgungsspannung am GST
Stecker am GST sichern, Multimeter anlegen:
- Klemme 30 (Dauer-Plus): 12–14 V
- Klemme 15 (Zündung): 12 V bei Zündung an
- Klemme 31 (Masse): 0 V, Durchgang zu Karosserie-Masse
- LIN-Bus-Kommunikations-Pin: ca. 12 V mit sichtbaren Pulsen im Oszilloskop
Bei fehlender Versorgung: Sicherung prüfen, dann Versorgungsrelais.
Schritt 3: Stellgliedtest mit Werkzeug
Vorglühung manuell aktivieren über das Hersteller-Tool. Mit Strom-Zange am Plus-Kabel zum GST messen:
- Glüh-Phase aktiv: 30–60 A (4 Kerzen × 7–15 A je nach Typ)
- V6- oder V8-Diesel: 60–100 A (6–8 Kerzen)
- Nachglüh-Phase: deutlich geringere Stromaufnahme, pulsierend
Bei wesentlich geringer Stromaufnahme als Sollwert: defekte Glühkerzen oder GST-Endstufe.
Schritt 4: Einzelne Glühkerzen messen
Stecker am GST ab, Multimeter zwischen Anschluss-Pin und Karosserie-Masse:
- Sollwert je Kerze: 0,3–1,8 Ω (modellabhängig, Datenblatt prüfen)
- Unter 0,2 Ω: Kerze kurzgeschlossen
- Unendlich: Kerze gerissen (typisch nach 100–150 Tkm)
- Über 5 Ω: Heiz-Spirale verschlissen
Schritt 5: Wassereinbruch und Korrosion sichten
Bei älteren Fahrzeugen oder nach Hochdruck-Reiniger-Einsatz: GST-Gehäuse auf Korrosion prüfen, Stecker auf weißlich-grüne Ablagerungen, Kabel-Eintritt auf Dichtheit. Werkstatt-Klassiker: bei Mercedes OM651 und Sprinter-Modellen ist Wassereinbruch ins GST häufig.
Für Techniker: Glüh-Steuergerät – Stromkreis, LIN-Bus und Codierung
GST-Kommunikation über LIN-Bus
Das GST kommuniziert mit dem Motorsteuergerät über einen LIN-Bus (Local Interconnect Network, Single-Wire, 9.600–19.200 Baud). Das Motorsteuergerät sendet Glüh-Befehle (Dauer, Strom-Sollwert), das GST antwortet mit Mess-Rückmeldungen (Ist-Strom je Kerze, Fehler-Flags). Bei P0670 ist genau diese Kommunikation gestört – entweder sendet das GST keine Antwort oder liefert außerhalb der Plausibilitäts-Fenster liegende Werte.
LIN-Diagnose am Oszilloskop: Am Kommunikations-Pin des GST-Steckers (Referenz: Masse) zeigt ein intaktes System saubere LOW-Pulse mit 0 V und HIGH-Phase bei ca. 12 V. Fehlerhaft: kein Signal (Bus-Leitung unterbrochen) oder dauerhaft HIGH (Kurzschluss nach Plus) oder dauerhaft LOW (Kurzschluss nach Masse).
Glühstrom-Regelung und Strom-Sollwerte
Moderne Stift-Glühkerzen (z. B. Beru GE101, Bosch 0 250 403 …) werden im Impuls-Betrieb gesteuert: voller Einschaltstrom zum schnellen Aufheizen, dann reduzierter Haltestrom. Typische Werte:
| Phase | Strom je Kerze | Dauer |
|---|---|---|
| Aufheiz-Phase | 12–18 A | 2–4 Sek |
| Halte-Phase | 7–10 A | 10–30 Sek |
| Nachglüh-Phase | 5–8 A | bis 5 Min |
Strom-Zange am Plus-Kabel: Summen-Strom für alle Kerzen. Bei 4 Kerzen × 15 A = 60 A im Peak-Aufheizen normal.
Codierung nach GST-Tausch
Bei XENTRY (Mercedes): XENTRY Diagnosis → Steuereinheit → Glühzeitsteuergerät → Codierung. Einzugebende Parameter: Fahrzeug-Baureihe, Motorcode, Anzahl Zylinder. Ohne Codierung: sofortiger P0670 nach Start.
Bei ODIS (VAG): Steuergeräteidentifikation → Codierung → GeKo-Freischaltung. Voraussetzung: gültiger GeKo-Schlüssel (Gewährleistungskosten-Schlüssel, Hersteller-Online-Freischaltung). Ohne GeKo keine VAG-Codierung möglich.
Bei ISTA (BMW): Vehicle Management → Control Unit Replacement → Glow Plug System. ISTA prüft automatisch auf verfügbare Software-Updates für das neue GST.
Hochstrom-Sicherung VAG TDI
Bei VAG TDI mit 80-A-Glüh-Sicherung: Sicherung sitzt im Batterie-Sicherungskasten direkt auf der Batterie (nicht im Fahrgastraum-Sicherungskasten). Bei kaltem Wetter und gleichzeitig verschlissenen Kerzen: Peak-Strom > 100 A → Sicherung auslöst. Vor GST-Tausch immer Sicherung + Kerzen-Widerstände prüfen, sonst bläst neue Sicherung beim ersten Kaltstart durch.
Marken-spezifische Befunde
VAG TDI 1.6/2.0 (Golf 6/7, A3, Octavia, BJ 2009–2017)
- GST nach 150.000 km typisch defekt
- Cluster P0670 + P0671 + P0672 häufig
- Glüh-Sicherung 80 A im Batterie-Sicherungskasten – bei Frost häufig defekt
- ODIS + GeKo-Schlüssel + Komplett-Service empfohlen
Mercedes OM651 (E220 CDI, C220 CDI, W212/W204/W213)
- GST + Glühkerzen-Cluster ab 120.000 km
- Einbau schwer zugänglich (unter Saugrohr) → erhöhte Arbeitszeit
- Bei Sprinter-Modellen Wassereinbruch ins GST häufig
- XENTRY-Codierung nach Tausch zwingend
BMW N47/N57 Diesel (E90/E60/F30, X3 F25)
- GST seltener defekt, eher Glühkerzen einzeln
- Kerzen-Zugang nach Ventildeckel-Demontage
- ISTA-Codierung nach Tausch
- B47 (ab 2014) deutlich robuster als N47
Mercedes OM642 V6 (E320 CDI, ML 320 CDI)
- V-Motor mit 6 Kerzen, häufig 2–3 gleichzeitig defekt
- Komplett-Service aller 6 Kerzen empfohlen
Ford TDCi (1.6/2.0)
- GST-Defekt klassisch, Glühkerzen-Probleme parallel
- IDS-Tool für Codierung erforderlich
Reparatur-Strategien
| Befund | Maßnahme |
|---|---|
| GST defekt, Versorgung OK | GST-Tausch + Codierung |
| GST + 2–3 Kerzen defekt | Komplett-Service GST + alle Kerzen |
| Nur Glühkerze 1 defekt | Einzel-Kerzen-Tausch |
| Sicherung defekt | Sicherung + Ursachen-Diagnose |
| Wassereinbruch ins GST | GST + Stecker + Dichtung |
| Abgerissene Glühkerze | Bohrung + Helicoil + Kerze |
Zehn Erkenntnisse aus der Praxis
-
Vor Winter prüfen ist Pflicht. Bei Diesel mit über 100.000 km: vor der Winter-Inspektion Glühsystem-Test durchführen – verhindert Liegenbleiben bei Frost.
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Drehmoment beim Glühkerzen-Einbau ist nicht verhandelbar. Überdrehen reißt den Kerzen-Kopf ab. Reparatur (Bohrung + Helicoil) im hohen dreistelligen Bereich pro Kerze. Mit Drehmoment-Schlüssel 6–10 Nm (Hersteller-Datenblatt prüfen).
-
GST-Tausch ohne Codierung ist zwecklos. Bei modernen Fahrzeugen sind Glühdauer und Glühstrom-Sollwerte im Steuergerät hinterlegt. Ohne Codierung: P0670 sofort zurück.
-
Komplett-Service lohnt sich bei Mehrfach-Defekt. Bei GST + 2 defekten Kerzen: alle 4–6 Kerzen + GST gemeinsam tauschen. Spart Folgebesuche und vermeidet erneute Diagnosekosten.
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Wassereinbruch ist Vans-Klassiker. Sprinter, Crafter, Transit, ältere SUV: GST-Wassereinbruch häufig. Bei Reparatur: Dichtungs-Tausch + Korrosionsschutz am Stecker.
-
Hochstrom-Sicherung immer prüfen. Bei VAG TDI: 80-A-Glüh-Sicherung im Batterie-Sicherungskasten. Bei Frost und alten Kerzen Spitzen-Strom über 100 A → Sicherung defekt. Vor GST-Tausch immer kontrollieren.
-
DPF-Folgeschäden vermeiden. Bei P0670 und Kaltstart gelangt unverbranntes Gemisch in den DPF → P2002 oder P2453 als Folge. Frühe Reparatur verhindert Cluster-Defekte.
-
OE-Glühkerzen sind Pflicht. Nachbau-Glühkerzen halten oft nur 30.000–50.000 km. Bosch, NGK, Beru, Denso sind empfohlene OE-Lieferanten. Bei Wartungsrückstand: OE-Komplett-Set.
-
GeKo-Schlüssel bei VAG ist Voraussetzung. Für GST-Codierung bei VAG-Fahrzeugen ist der GeKo-Schlüssel (Online-Hersteller-Freischaltung) notwendig. Ohne Hersteller-Lizenz keine korrekte Codierung.
-
HU/AU-Relevanz bei Notlauf. Wenn P0670 zu Notlauf führt: Hauptuntersuchungs-Mangel möglich. Vor HU-Termin reparieren.
Werkstatt-Service KFZ Dietrich
Vollständige Glühsystem-Diagnose und -Service mit XENTRY (Mercedes), ODIS (VAG, inklusive GeKo), ISTA (BMW). Werkstatt-Standort Hardegsen-Gladebeck, Niedersachsen. Hol- und Bringdienst in der Region Göttingen, Northeim und Einbeck.
Winter-Vorbereitung Diesel: Komplett-Test inkl. GST, alle Kerzen, Sicherungen und Stellgliedtest ab 80.000 km. Telefonisch erreichbar unter 05505 5236 oder per WhatsApp.
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