- Der Spurhalteassistent (Lane Keeping Assist, LKA) arbeitet über eine Frontkamera, die die Fahrbahnmarkierungen erkennt.
- Häufige Ursachen für einen Ausfall sind eine verschmutzte oder dejustierte Kamera, ein hinterlegter Fehlercode oder eine fehlende Kalibrierung nach Scheibentausch oder Fahrwerksarbeit.
- Eine zuverlässige Diagnose erfordert das Auslesen des Steuergeräts mit dem herstellerspezifischen Diagnosesystem, nicht nur ein einfaches OBD-Gerät.
- Eine Kamera, die ihre Sollposition verloren hat, muss nach Herstellervorgabe neu kalibriert werden, sonst greift das System fehlerhaft ein.
- Ein ausgefallener oder fehlerhaft arbeitender Spurhalteassistent ist sicherheitsrelevant und gehört fachgerecht geprüft.
Der Spurhalteassistent gehört heute zu den verbreitetsten Fahrerassistenzsystemen. Er erkennt die Fahrbahnmarkierungen und korrigiert sanft, wenn das Fahrzeug die Spur unbeabsichtigt verlässt. Meldet das System eine Störung oder bleibt es ohne Funktion, ist das kein Komfortmangel, sondern der Ausfall einer Sicherheitsfunktion. Die Ursache lässt sich systematisch eingrenzen, erfordert aber das richtige Diagnosewerkzeug und Kenntnis der Herstellervorgaben.
So arbeitet der Spurhalteassistent
Das Herzstück des Systems ist eine Frontkamera, die am oberen Rand der Windschutzscheibe hinter dem Innenspiegel sitzt. Sie blickt durch die Scheibe nach vorn, erfasst die Fahrbahnmarkierungen und berechnet die Position des Fahrzeugs in der Spur. Erkennt das Steuergerät ein drohendes Verlassen der Spur ohne gesetzten Blinker, warnt es und greift bei aktiven Systemen über die elektrische Lenkung korrigierend ein.
Diese Funktion verlangt, dass die Kamera exakt in ihrer vorgesehenen Lage sitzt und freie Sicht hat. Schon eine geringe Abweichung des Blickwinkels führt dazu, dass das System die Spur falsch berechnet. Genau deshalb reagieren Spurhalteassistenten empfindlich auf jede Veränderung im Bereich der Kamera. Die Grundlagen der dahinterstehenden Sensorik beschreiben wir im Beitrag ADAS-Kalibrierung – Grundlagen in der Werkstatt.
Die häufigsten Ursachen
Verschmutzte oder verdeckte Kamera. Die einfachste Ursache ist eine verschmutzte Scheibe im Sichtfeld der Kamera. Insekten, Schmutzfilme, Eis oder eine ungeeignet angebrachte Folie verschlechtern die Erkennung. Das System schaltet sich dann vorübergehend ab und meldet oft, dass die Sicht eingeschränkt sei. Auch starke Blendung oder fehlende Fahrbahnmarkierungen können zu einer zeitweisen Abschaltung führen, ohne dass ein Defekt vorliegt.
Dejustierte Kamera. Verliert die Kamera ihre exakte Ausrichtung, etwa durch eine Erschütterung, einen Eingriff im Bereich des Innenspiegels oder den Ausbau der Einheit, berechnet sie die Spur fehlerhaft. Das System erkennt diese Abweichung häufig selbst und deaktiviert sich zum Schutz.
Fehlende Kalibrierung nach Scheibentausch. Sehr häufig fällt der Assistent nach einem Tausch der Windschutzscheibe aus. Die neue Scheibe und die wieder eingesetzte Kamera weichen minimal von der ursprünglichen Lage ab. Diese Abweichung muss durch eine Kalibrierung ausgeglichen werden. Warum dieser Schritt zwingend ist, behandeln wir ausführlich in LKA-Kamera-Kalibrierung – wann sie nötig ist sowie in ADAS-Kalibrierung nach Scheibentausch.
Fehlercode im Steuergerät. Liegt ein elektrischer Fehler vor, etwa ein Problem mit der Kamera, der Spannungsversorgung oder der Datenkommunikation auf dem Fahrzeugbus, hinterlegt das Steuergerät einen Fehlercode und deaktiviert die Funktion. Diese Codes lassen sich nur mit dem passenden Diagnosesystem auslesen und interpretieren.
Veränderte Fahrwerksgeometrie. Auch nach Arbeiten am Fahrwerk oder einer Spureinstellung kann eine Neukalibrierung erforderlich werden, weil sich der Bezug zwischen Kamerablick und Fahrzeugachse verschiebt. Diesen Zusammenhang erläutern wir in ADAS-Kalibrierung nach Fahrwerksarbeiten.
Warum eine fundierte Diagnose nötig ist
Ein einfaches OBD-Auslesegerät zeigt allenfalls, dass ein Fehler vorliegt, liefert aber selten den genauen Befund. Für eine belastbare Diagnose lesen wir das Kamera-Steuergerät mit dem herstellerspezifischen Diagnosesystem aus. Damit sehen wir nicht nur den abgelegten Fehlercode, sondern auch die Echtzeitdaten der Kamera, ihren Kalibrierstatus und ob das System eine Kalibrierung anfordert. Unser Zugang zu den Diagnosesystemen von Mercedes, der VW-Gruppe und BMW erlaubt es uns, diese markenspezifischen Informationen auf Herstellerniveau zu lesen, statt auf Verdacht Bauteile zu tauschen.
Dieser Befund entscheidet über den weiteren Weg. Zeigt sich nur eine zeitweise Abschaltung durch Verschmutzung, genügt die Reinigung. Fordert das System eine Kalibrierung, führen wir diese nach Herstellervorgabe durch. Liegt ein elektrischer Defekt vor, grenzen wir das betroffene Bauteil ein, bevor wir etwas ersetzen. Der breitere Zusammenhang aller kamerabasierten Systeme ist im Beitrag Spurhalteassistent – Kamera-Kalibrierung und Diagnose beschrieben.
Eine Sicherheitsfunktion gehört in Ordnung
Der Spurhalteassistent ist ein aktives Sicherheitssystem. Funktioniert er nicht, fehlt eine Absicherung gegen das unbeabsichtigte Verlassen der Spur, etwa bei kurzer Unaufmerksamkeit. Noch kritischer ist eine nicht korrekt kalibrierte Kamera: Sie kann die Spur falsch berechnen und in die falsche Richtung eingreifen. Aus diesem Grund behandeln wir jede Störungsmeldung dieses Systems als ernsthaften Befund.
Wenn Ihr Spurhalteassistent eine Störung meldet, sich nicht aktivieren lässt oder Sie nach einem Scheibentausch unsicher sind, ob alles korrekt eingestellt wurde, lassen Sie das System prüfen. Wir lesen den tatsächlichen Zustand aus, erklären Ihnen den Befund nachvollziehbar und stellen die Funktion fachgerecht wieder her.
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