- Gleiches Bauteil, gegensätzliche Richtung: P0117 und P0118 betreffen beide den Kühlmitteltemperatursensor (ECT), unterscheiden sich aber in der Signalrichtung.
- P0117 = Signal zu niedrig: niedrige Spannung, meist Kurzschluss nach Masse. Der Sensor meldet eine unrealistisch hohe Scheintemperatur.
- P0118 = Signal zu hoch: hohe Spannung, meist Unterbrechung. Der Sensor meldet eine unrealistisch niedrige Scheintemperatur.
- NTC-Logik ist der Schlüssel: hohe Temperatur bedeutet niedriger Widerstand bedeutet niedrige Spannung. Diese Umkehrung erklärt beide Codes.
- Folgen: falsche Gemischberechnung, erhöhter Verbrauch, Kühlerlüfter falsch geregelt, Motorkontrollleuchte, oft Notlauf.
- Diagnose statt Tausch: Live-Daten-Plausibilität via XENTRY, ODIS oder ISTA, Widerstandsmessung am Sensor und Prüfung von Kabel, Stecker und Masse.
- Abgrenzung wichtig: P0128 ist ein Thermostatproblem, kein Sensorfehler. Das eine ist mechanisch, das andere elektrisch.
Die Kühlmitteltemperatur ist eine der wichtigsten Korrekturgrößen im gesamten Motormanagement. Das Steuergerät muss jederzeit präzise wissen, wie warm der Motor ist, um Einspritzmenge, Zündzeitpunkt, Lüfteransteuerung und Lambda-Regelung sauber abzustimmen. Stimmt dieses eine Signal nicht, gerät die ganze Regelung ins Wanken. Die Fehlercodes P0117 (Engine Coolant Temperature Sensor 1 Circuit Low) und P0118 (Engine Coolant Temperature Sensor 1 Circuit High) weisen genau auf eine solche Störung hin. Beide klingen ähnlich, beschreiben aber gegensätzliche Zustände. Bei KFZ Dietrich in Hardegsen-Gladebeck analysieren wir die Physik hinter diesen Signalen, um die Substanz Ihres Motors zu schützen und die Ursache beim ersten Anlauf zu finden.
Ein Sensor, zwei gegensätzliche Fehlerbilder
Im Kern geht es bei beiden Codes um denselben Bauteilkreis: den Kühlmitteltemperatursensor, im Englischen Engine Coolant Temperature Sensor, kurz ECT. In nahezu allen Fahrzeugen von Mercedes-Benz, der VW-Gruppe und BMW handelt es sich dabei um einen NTC-Widerstand. Der Unterschied zwischen P0117 und P0118 liegt nicht im Bauteil, sondern in der Richtung des elektrischen Fehlers.
- P0117 meldet ein zu niedriges Signal. Die am Messeingang ankommende Spannung ist zu niedrig. Weil der Sensor ein NTC ist, übersetzt das Steuergerät eine niedrige Spannung in eine sehr hohe Temperatur. Der Motor erscheint überhitzt, obwohl er es real nicht sein muss.
- P0118 meldet ein zu hohes Signal. Die Spannung am Messeingang verharrt auf einem zu hohen Wert. Das Steuergerät liest daraus eine sehr niedrige Temperatur, also eine vorgetäuschte extreme Kälte.
Wer diese Umkehrung verinnerlicht, versteht beide Fehlercodes auf einen Schlag. Der entscheidende Punkt ist die Eigenheit des NTC-Sensors, die wir im folgenden Abschnitt aufschlüsseln.
Für Interessierte: Die umgekehrte Kennlinie des NTC-Sensors
Der Kühlmitteltemperatursensor verhält sich genau entgegengesetzt zur Intuition – und wer das nicht weiß, deutet jeden Messwert falsch herum. NTC steht für Negative Temperature Coefficient, also negativer Temperaturkoeffizient. Anders als die Intuition es nahelegt, gilt hier: Je heißer das Bauteil wird, desto kleiner wird sein elektrischer Widerstand.
Die Kennlinie. Ein typischer Kühlmitteltemperatursensor hat bei rund 20 Grad Celsius einen Widerstand im Bereich von etwa 2.000 bis 3.000 Ohm. Bei 80 Grad Celsius sind es nur noch grob 300 bis 400 Ohm, bei 100 Grad teils unter 200 Ohm. Diese Widerstand-Temperatur-Kennlinie ist nicht linear, sondern fällt steil ab. Das Steuergerät hat sie als Tabelle hinterlegt und rechnet von der gemessenen Größe rückwärts auf die Temperatur.
Der Spannungsteiler. Gemessen wird aber kein Widerstand direkt, sondern eine Spannung. Im Steuergerät sitzt ein fester Vorwiderstand, der mit dem NTC-Sensor in Reihe an eine stabile Referenzspannung von meist 5 Volt gelegt ist. Sensor und Vorwiderstand bilden zusammen einen Spannungsteiler. Am Mittelpunkt, der zum Messeingang führt, fällt eine Spannung ab, die vom Verhältnis der beiden Widerstände abhängt. Sinkt der Sensorwiderstand bei Hitze, verschiebt sich die Teilung und die Signalspannung wird kleiner. Steigt der Sensorwiderstand bei Kälte, wird die Signalspannung größer.
So entstehen die Codes.
- Signal hoch, also P0118: Bricht die Leitung oder korrodiert der Stecker, ist der Stromkreis quasi unendlich hochohmig. Der Spannungsteiler liefert dann nahezu die volle Referenzspannung von etwa 5 Volt. Das Steuergerät liest “maximale Kälte”, oft als Wert um minus 40 Grad Celsius hinterlegt. Hohe Spannung gleich kalt.
- Signal niedrig, also P0117: Schließt der Sensor intern durch oder bekommt die Leitung Kontakt nach Masse, geht der Widerstand gegen Null und die Signalspannung gegen Null Volt. Das Steuergerät liest “maximale Hitze”. Niedrige Spannung gleich heiß.
Das ist der Grund, warum ein vermeintlich gegen die Logik laufender Befund, niedrige Spannung bedeutet hohe Temperatur, physikalisch völlig korrekt ist. Wer die Schattenwelt des NTC kennt, liest die Live-Daten richtig.
Die Vergleichstabelle: P0117 gegen P0118
| Merkmal | P0117 (Signal zu niedrig) | P0118 (Signal zu hoch) |
|---|---|---|
| Bedeutung | ECT Sensor 1 Circuit Low | ECT Sensor 1 Circuit High |
| Elektrisch (Spannung) | zu niedrige Signalspannung, nahe 0 Volt | zu hohe Signalspannung, nahe 5 Volt Referenz |
| Widerstand im Kreis | sehr niedrig bis Kurzschluss | sehr hoch bis Unterbrechung |
| Gemeldete Scheintemperatur | unrealistisch hoch, oft über 120 Grad | unrealistisch niedrig, oft um minus 40 Grad |
| Typische Ursache | Kurzschluss nach Masse, interner Sensorschluss | Kabelunterbrechung, Stecker-Korrosion, offener Sensor |
| Reaktion des Steuergeräts | simulierte Überhitzung, Lüfter dauerhaft an, Leistung reduziert | simulierte Kälte, dauerhafte Gemischanreicherung |
| Typisches Symptom | falsche Hitzewarnung, Lüfter läuft ständig, Magerlauf | hoher Verbrauch, schwarzer Rauch, Kraftstoff im Öl |
Diese Gegenüberstellung macht deutlich: Beide Codes erfordern denselben methodischen Diagnoseweg, führen aber zu völlig unterschiedlichen Motorreaktionen. Genau deshalb ist eine Plausibilitätsprüfung der Live-Daten so wertvoll.
Ursachen im Detail
Ursachen für P0117 (Signal niedrig, Kurzschluss nach Masse)
- Interner Kurzschluss im Sensor: Das NTC-Element ist gealtert oder beschädigt und schließt intern durch. Der Widerstand bricht zusammen.
- Kabel-Kurzschluss nach Masse: Die Signalleitung scheuert an einer Karosseriekante oder am Motorblock durch und bekommt Massekontakt. Häufig nach unsauber verlegten Reparaturen oder Marderschäden.
- Stecker mit Masseschluss: Eingedrungenes Wasser oder eine verbogene Kontaktzunge verbindet das Signal mit Masse.
Ursachen für P0118 (Signal hoch, Unterbrechung)
- Kabelunterbrechung: Ein Bruch in der Signal- oder Masseleitung trennt den Stromkreis. Der Messeingang sieht die volle Referenzspannung.
- Stecker-Korrosion und Übergangswiderstand: Korrodierte oder oxidierte Kontakte erzeugen einen hohen Übergangswiderstand, der wie eine Unterbrechung wirkt.
- Sensor offen ausgefallen: Das NTC-Element ist intern unterbrochen.
- Masseproblem: Ein schlechter Massepunkt verfälscht das Signal in Richtung zu hoher Spannung.
Auffällig oft sind nicht der Sensor selbst, sondern Stecker und Leitung die wahre Ursache. Ein vorschneller Bauteilwechsel ohne Messung führt hier regelmäßig in die Irre. Unser Anspruch ist die saubere Eingrenzung, bevor ein Teil getauscht wird.
Symptome am Fahrzeug
Ein gestörtes Temperatursignal wirkt sich auf das gesamte Motorverhalten aus, weil das Steuergerät mit einer falschen Grundgröße rechnet:
- Falsche Temperaturanzeige im Kombiinstrument, oft sprunghaft oder am Anschlag.
- Kaltlauf- und Gemischprobleme: Bei P0118 fettet das Steuergerät dauerhaft an, weil es Kälte annimmt. Bei P0117 magert es ab, weil es Hitze annimmt.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch und bei P0118 schwarzer Rauch sowie Kraftstoffeintrag ins Motoröl.
- Kühlerlüfter falsch geregelt: Bei P0117 läuft der Lüfter dauerhaft, weil das Steuergerät eine Überhitzung abwehrt.
- Motorkontrollleuchte (MIL) leuchtet, häufig begleitet vom Notlauf mit reduzierter Leistung.
Diese Symptome sind unangenehm, aber gut beherrschbar, sobald die elektrische Ursache feststeht. Wer hier rät statt misst, riskiert vermeidbare Folgekosten und unnötigen Substanzverlust am Motor.
Diagnose-Präzision: messen statt vermuten
Ein Austausch des Sensors auf Verdacht ist kein zielführender Weg, wenn das Problem im Kabelbaum sitzt. Wir nutzen die Tiefe der Herstellersysteme und ergänzen sie durch die klassische Messtechnik:
- Live-Daten-Plausibilität: Mit XENTRY (Mercedes-Benz), ODIS (VW, Audi, Skoda, Seat) und ISTA (BMW, Mini) lesen wir den aktuellen Kühlmittelwert aus. Steht das Fahrzeug über Nacht, müssen Kühlmitteltemperatur und Ansauglufttemperatur nahezu identisch sein. Weichen sie deutlich ab oder zeigt der Wert minus 40 Grad oder über 120 Grad, ist der Fehler eingegrenzt.
- Widerstandsmessung am Sensor: Wir messen den NTC-Widerstand direkt am abgezogenen Bauteil und vergleichen ihn mit der hinterlegten Kennlinie. So trennen wir einen defekten Sensor von einem Leitungsproblem.
- Spannungsmessung am Stecker: Kommt die Referenzspannung von rund 5 Volt am Stecker an, sind Steuergerät und Zuleitung meist intakt. Fehlt sie, liegt der Fehler in der Verkabelung oder im Steuergerät.
- Kabel- und Masseprüfung: Wir prüfen Durchgang, Übergangswiderstände und Masse, bei Verdacht auf Wackelkontakt auch unter leichter Bewegung des Kabelbaums.
Erst aus dem Zusammenspiel dieser Befunde ergibt sich ein eindeutiges Bild. Diese Methodik unterscheidet eine gezielte Instandsetzung von einem teuren Ausschlussverfahren.
Wichtige Abgrenzung: P0117/P0118 gegen P0128
Eine der häufigsten Verwechslungen betrifft den Fehlercode P0128. Hier ist die Unterscheidung entscheidend:
- P0117 und P0118 sind elektrische Signalfehler des Sensorkreises. Das Signal ist unplausibel hoch oder niedrig, weil etwas im Stromkreis nicht stimmt.
- P0128 ist kein Sensorfehler. Der Code besagt, dass das Signal zwar plausibel ist, der Motor aber innerhalb der vorgesehenen Zeit seine Betriebstemperatur nicht erreicht. Die Ursache ist fast immer ein dauerhaft offenes oder klemmendes Thermostat.
Mit anderen Worten: Bei P0117 und P0118 lügt der Sensor, bei P0128 ist der Sensor ehrlich und meldet ein echtes mechanisches Problem im Kühlkreislauf. Diese Trennung verhindert, dass an der falschen Stelle gesucht wird. Mehr dazu erläutern wir im Beitrag zum Thermostat-Fehlercode P0128 sowie in unserer Übersicht zu Kühlung, Thermostat und Wasserpumpe.
Werterhalt durch korrekte Motortemperatur
Ein dauerhaft falsch geregelter Motor verliert an Substanz. Anhaltende Gemischanreicherung bei P0118 verdünnt das Motoröl mit Kraftstoff und belastet den Katalysator, dauerhafter Magerlauf bei P0117 erhöht die Verbrennungstemperatur. Beides ist vermeidbar. Unsere Empfehlungen zur Werterhaltung:
- Sensorqualität in Erstausrüsterniveau: Bauteile mit ungenauer Widerstandskurve können einen unruhigen Leerlauf erzeugen, auch wenn kein Fehlercode mehr gesetzt ist. Wir verbauen ausschließlich Sensoren in geprüfter Qualität.
- Kühlmittel im Blick behalten: Sensordefekte entstehen oft als Folge von Korrosion durch gealtertes Kühlmittel. Ein regelmäßiger Wechsel schützt Sensor und Thermostat. Hintergründe dazu in unserem Beitrag zum Kühlmittel richtig prüfen.
- Steckerpflege bei jedem Eingriff: Bei jedem Sensorwechsel reinigen wir die Kontakte und beugen Übergangswiderständen vor, die sonst erneut zu P0118 führen.
Fazit: präzise Hilfe bei Temperaturfehlern
Ob P0117 oder P0118, beide Codes betreffen denselben Sensorkreis, beschreiben aber gegensätzliche Signalrichtungen. P0117 täuscht Hitze vor, P0118 täuscht Kälte vor, und beides verfälscht die Gemischbildung erheblich. Der Schlüssel zur sauberen Instandsetzung liegt im Verständnis der NTC-Physik und in der konsequenten Messung statt im Tausch auf Verdacht. Wir grenzen die Ursache mit Live-Daten und Messtechnik präzise ein und schützen so die Substanz Ihres Motors.
Die Hauptuntersuchung (HU) erfolgt durch unsere Partner TÜV Nord und Dekra, die Abgasuntersuchung (AU) durch uns über den Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV). Wir bieten für Unternehmer auch die DGUV-Prüfung an. Ein aktiver Temperaturfehler verhindert das Bestehen der AU, da die Lambda-Regelung nicht korrekt arbeiten kann. Wir setzen den Fehler vorab sauber instand.
Zeigt Ihre Temperaturanzeige unplausible Werte, läuft der Lüfter ständig oder leuchtet die Motorkontrollleuchte? Rufen Sie uns an unter 05505 5236 oder schreiben Sie uns per WhatsApp für eine fachliche Ersteinschätzung. Wir übernehmen ab hier.
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